China-Schock 2.0: Wie deutsche Unternehmen technologisch mithalten können
L'essentiel
- Eine Studie warnt vor Chinas rasanter Eroberung von Schlüsselindustrien.
- Expertin Sabrina Weithmann erklärt, wie Unternehmen technologische Entwicklungen in China einschätzen und sich wappnen können, um nicht überholt zu werden.
Résumé généré par IA
Pourquoi c'est important
Eine Studie des Centre for European Reform warnt vor Chinas aggressiver Wirtschaftspolitik, die Schlüsselindustrien erobert, während Deutschland passiv zusieht. Professorin Weithmann bietet Lösungsansätze.
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Anlässe zum Jammern gibt es genug, jüngst zum Beispiel eine Studie des Centre for European Reform (CER) mit dem Titel „China-Schock 2.0 – die Kosten der Selbstzufriedenheit Deutschlands“.
Der in London ansässige Thinktank für EU-Politik bewertet in der Studie die Folgen der aggressiven chinesischen Wirtschaftspolitik für Deutschland: China erobert in atemberaubender Geschwindigkeit eine Schlüsselindustrie nach der anderen, zitiert mein Kollege Martin Greive die Autoren. Und die Bundesregierung sehe dem Niedergang einfach zu.
Wer sich damit nicht abfinden will, findet im folgenden Interview mit Professorin Sabrina Weithmann von der Technischen Hochschule Aschaffenburg Inspiration. Sie erläutert, wie sich einschätzen lässt, in welcher Entwicklungsphase sich eine Technologie in einem Land wie China befindet – und welche Konsequenzen das für Unternehmen hat. Die Expertin für technische Normung empfiehlt, sich rechtzeitig damit auseinanderzusetzen.
In Phase zwei sind dessen eigene Entwicklungsfähigkeiten bereits fortgeschritten: Gut ausgebildete Ingenieure treiben eigene Entwicklungen voran. In dieser Phase kann es vorkommen, dass ein Land bestimmte Normen für den heimischen Markt überarbeitet, anpasst oder sogar Produkte neu gestaltet.
Ein Beispiel: Eine internationale Norm für Windräder gibt vor, dass eine Anlage möglichst leise laufen muss; in Deutschland etwa stehen die nächsten Häuser oft nah. In China ist das kein zwingendes Kriterium, denn das Land hat viel unbewohnte Fläche.
In der dritten Phase versucht das Land, selbst international geltende Normen zu setzen und Produkte mit den eigenen Technologien weltweit zu verkaufen. Und zwar nicht zwingend dort, wo die bisherigen Technologieführer heimisch sind. So exportierte China beispielsweise E-Autos zunächst nach Südostasien oder Russland und setzte damit eigene Standards international durch.
Frau Professorin Weithmann, wie können Unternehmen verhindern, dass sie technologisch von der chinesischen Konkurrenz überholt werden?
Sabrina Weithmann: Unternehmen sollten die technologischen Pläne Chinas genau beobachten. Welche industriespezifische Unterstützung und Förderung gibt es dort? Wer sind die wichtigen Akteure? Sind sie bereits international aktiv? Sind sie schon in Phase drei oder eher noch in Phase zwei?
Wenn eine Branche in China in der zweiten Phase ist, kann es sein, dass man nur schwer mitbekommt, was dort passiert.
Und dann könnte es zu spät sein, um noch mitzuhalten.
Ein gutes Beispiel dafür ist die E-Mobilität: China hat früh entschieden, diese Branche politisch zu fördern. Die internationalen Standards, wie die Ladestandards für E-Autos, waren noch nicht festgelegt. Dort ist China dann eingestiegen. Sie haben sich gefragt, warum sie internationale Standards übernehmen sollten, wenn sie selbst eine gute Technologie entwickeln können. Das ist ein wichtiger Grund, weshalb chinesische Hersteller heute so erfolgreich sind.
Hätten deutsche Unternehmen das vorhersehen können? Hätten sie sich darauf einstellen können?
China hat klare Industriepläne, die zeigen, welche Technologien für das Land wichtig sind. Daran lässt sich viel ablesen. Viele Firmen haben das sicherlich vernachlässigt. Besonders bei neuen Technologien ist es wichtig, den aktuellen Stand zu bewerten. Ebenso sollte man überlegen, welche Entwicklungen auf uns zukommen könnten. Auch wenn ein Unternehmen in China weniger aktiv ist, sollte es die Konkurrenz dort im Auge behalten.
China profitiert aufgrund seiner hohen Bevölkerungszahl von einem großen Markt. Dagegen kommen wir doch kaum an, oder?
Ja, das ist ein Vorteil, den wir in Deutschland nicht haben. Aber: Wir denken oft nur national und können die Phase zwei für Technologien nicht so lange ausdehnen wie China, weil unser Markt kleiner ist und wir nicht so skalieren können. Deshalb sollten wir uns stärker in Europa vernetzen, um Produkte besser skalieren zu können.
Sie haben mit Ihrer ehemaligen Promotionskollegin von der Uni Würzburg, Susann Lüdtke, ein Risk-Assessment-Tool entwickelt. Wie funktioniert das?
Unternehmen schauen sich zunächst den Markt entsprechend der drei Phasen an und stufen sich selbst und ihre Konkurrenten ein. Dann bewerten sie das Potenzial möglicher Technologieabweichungen in ihrem Bereich anhand verschiedener Kriterien – im technischen, operativen, strategischen, administrativen, organisationalen Bereich oder beim Marktzugang. Im nächsten Schritt bewerten sie die Auswirkung einer solchen Abweichung auf das eigene Geschäftsmodell und leiten passende Maßnahmen ab.
Wie könnten diese Maßnahmen aussehen?
Die Bandbreite ist groß. Manchmal kann es sein, dass man für einen bestimmten Markt eine Beschreibung in einem Handbuch anpassen oder eine Zusatzinfo auf ein Label drucken muss. Gravierend wird es, wenn ein Unternehmen ein Produkt für einen Markt stark oder komplett anpassen muss, etwa weil die regulatorischen Bestimmungen dort anders sind oder künftig werden. Dann müsste ein Unternehmen prüfen, ob sich die Produktanpassung noch rechnet. Oder ob es sich aus dem Markt besser zurückzieht oder sogar zurückziehen muss, da es keine Marktzulassung mehr erhält.
Wie können Unternehmen mit womöglich begrenzten personellen Ressourcen alle Risiken im Blick behalten?
Sie sollten sich über Industrieverbände vernetzen, eventuell Partnerschaften mit chinesischen Firmen eingehen, um mitzubekommen, wo die Branche in China gerade steht. Das Wissen über mögliche Abweichungen, deren Auswirkung und Maßnahmen kann sehr wichtig werden, um firmenintern zum Beispiel mehr finanzielle und personelle Ressourcen für ein Engagement, Monitoring oder Entwicklung und Umsetzung zu bekommen. Sonst sind sie irgendwann einfach abgehängt. Unternehmen sollten sich rechtzeitig mit diesen Themen auseinandersetzen. Und der richtige Zeitpunkt ist in der Regel jetzt.
À surveiller
Perspective IA — des possibilités, pas des certitudes
Deutsche Unternehmen werden vermehrt Partnerschaften mit chinesischen Firmen eingehen.
Probable · Moyen terme
Die EU wird verstärkt auf europäische Vernetzung zur Skalierung von Produkten setzen.
Probable · Moyen terme
Questions ouvertes
- Wie schnell werden deutsche Unternehmen reagieren?
- Welche konkreten EU-Maßnahmen sind geplant?
- Wie stark wird die Anpassung die Profitabilität beeinflussen?




