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Das Wunder von Bern: Die traurigen Verlierer der WM-Geschichte
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FAZ20.06.2026Sport3 dk okumaGermany

Das Wunder von Bern: Die traurigen Verlierer der WM-Geschichte

L'essentiel

  • Das "Wunder von Bern" 1954 brachte Deutschland den WM-Titel, für Ungarn jedoch eine tiefe Tragödie.
  • Die "Goldene Mannschaft" um Puskás verlor das Finale und erlebte danach Repressionen und persönliche Schicksalsschläge, die das Leben der Spieler nachhaltig prägten.

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Das "Wunder von Bern" 1954 war der überraschende Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen die favorisierten Ungarn. Der Sieg gilt als Symbol für den Wiederaufbau Deutschlands nach dem Krieg.

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„Aus, aus, aus! Aus! Das Spiel ist aus! Deutschland ist Weltmeister!“ Der Freudenschrei des Reporters Herbert Zimmermann nach dem Finale 1954 ist unvergessen. Doch wie jede Siegergeschichte hat das „Wunder von Bern“ auch Verlierer. Vielleicht sogar die traurigsten der WM-Historie.

Für unzählige Ungarn ist damals die Niederlage, mit der niemand rechnete, eine Tragödie. Allen voran für die elf auf dem Platz. Und für einen, der nach Schlusspfiff wenige Meter neben Zimmermann ebenfalls vor einem Mikrofon steht. Er kämpft mit den Tränen, muss nun aber etwas sagen. „Was wahr ist, ist wahr. Wir haben dieses Spiel verloren“, sagt György Szepesi mit brüchiger Stimme: „Liebe Hörer, es ist sehr schwer für mich, irgendetwas zu sagen, glauben Sie mir.“

Das Eingeständnis der Wortlosigkeit durch einen Mann, dessen Werk das Wort war und der noch von weiteren zehn WM-Turnieren und allen Olympischen Sommerspielen von 1948 bis 2012 berichten sollte, wird erklärbar durch Szepesis Familiengeschichte. Den Krieg hat er, nachdem er seinen jüdischen Namen Friedländer abgelegt hatte, als Zwangsarbeiter überlebt, sein Vater aber kam in Buchenwald um. Und erklärbar durch das unmittelbare Gefühl wohl aller Ungarn, an jenem Regensonntag etwas Unwiederbringliches verloren zu haben.

Anders als die Brasilianer, die vier Jahre zuvor den sicher geglaubten WM-Titel verloren, als Alcides Ghiggia für Uruguay traf und zweihunderttausend im Maracanã verstummen ließ, werden die Ungarn nie wieder eine solche Chance, eine solche Elf bekommen wie das Wunderteam um Major Puskás.

Daheim ist die Sonderbriefmarke schon gedruckt, sind am Nep-Stadion Sockel für Denkmäler der 17 Helden errichtet. Doch die werden auf der Heimreise kurz vor Budapest aus dem Zug geholt und in ein Camp gebracht, wo Partei-Chef Rakosi mit seiner Geheimpolizei erscheint. „Niemand von euch soll Angst haben, bestraft zu werden für dieses Spiel“, sagt er düster. „Als dieser Satz fiel“, erzählte Torwart Gyula Grosics, „wusste ich, dass er das Gegenteil bedeutet.“ Er wird verhaftet, der Spionage angeklagt, schließlich in die Provinz verbannt.

Hunderttausende gingen in Ungarn nach dem WM-Finale auf die Straße und protestierten gegen das Regime, für Grosics „die Wurzel des Volksaufstands von 1956“. Dessen brutale Niederschlagung brachte das Ende der „Goldenen Mannschaft“. Ferenc Puskás floh und erlebte eine große Spätkarriere bei Real Madrid. Sándor Kocsis, der in vier WM-Spielen bis zum Finale elf Tore schoss, aber gegen Deutschland nur die Latte traf, kam zum FC Barcelona und wurde dort nicht glücklich. Er nahm sich das Leben, 49 Jahre alt.

Die meisten wurden sie nie los, die Gram über ihre unvollendete Geschichte. Grosics, der in Ungarn blieb, obwohl viele ihm dort für Rahns Siegtor die Schuld gaben, sagte bis ins hohe Alter, er wache immer noch auf mit dem „Albtraum“ von 1954. Verteidiger Jenö Buzánsky, dem beim Ausgleich, ebenfalls durch Rahn, der Ball das Schienbein streifte, haderte: „Zwei Zentimeter höher, das Spiel wäre anders verlaufen.“ Und, so der bittere Unterton: das Leben auch. Manchen hat Bern gar bis in den Tod verfolgt. Radioreporter Györy Szepesi besuchte 1986 den sterbenden Trainer Gusztáv Sebes: „Er lag auf dem Totenbett. Er sagte: Wir haben verloren.“

Questions ouvertes

  • Wie stark war der Einfluss des Regimes auf die Spieler nach dem Finale?
  • Welche Rolle spielten internationale Reaktionen auf die Repressionen in Ungarn?

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This article was originally published by FAZ.

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