Deal mit dem Iran: Trump verkündet Ende des Krieges – doch viele Fragen bleiben offen
L'essentiel
- US-Präsident Trump verkündet einen Deal mit dem Iran zur Beendigung des Krieges und zur Öffnung der Straße von Hormus.
- Die Vereinbarung soll in zwei Phasen erfolgen, doch zentrale Fragen wie Irans Atomprogramm und die Rolle des Libanon bleiben ungeklärt.
- Die Details werden erst nach der Unterzeichnung am Freitag bekannt.
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Ein vermeintlicher Deal zwischen den USA und dem Iran soll den seit Ende Februar andauernden Krieg beenden und die Straße von Hormus wieder öffnen. Die Vereinbarung ist zweistufig und soll in der Schweiz unterzeichnet werden.
Der Krieg soll in zwei Phasen beendet werden. Doch wichtige Fragen wie der Umgang mit Irans Atomprogramm, Gebühren in der Straße von Hormus oder die Rolle des Libanons sind offen. Inga Rogg, Friederike Hofmann 15.06.2026 - 16:57 Uhr Artikel anhören
Ein Drohnenaufnahme von der omanischen Halbinsel Musandam zeigt Schiffe vor der Straße von Hormus: Wann die Blockade aufgehoben wird, ist unklar. Foto: REUTERS
Istanbul, Paris. Pünktlich zu seinem 80. Geburtstag hat US-Präsident Donald Trump einen vermeintlichen Deal mit dem Iran verkündet. Am kommenden Freitag soll in der Schweiz eine Vereinbarung unterzeichnet werden mit dem Ziel, die blockierte Straße von Hormus wieder für die internationale Schifffahrt zu öffnen und den seit Ende Februar andauernden Krieg zu beenden.
Doch noch ist fraglich, welchen Wert die Absprache wirklich hat. Die Iraner hätten bereits angemerkt, dass das Abkommen erst mit der Unterschrift am Freitag gelte, sagte der Spitzendiplomat und frühere Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen, dem Fernsehsender Phoenix. „Wir haben Montag, und bis Freitag kann viel passieren.“ Auch Trump selbst drohte in einem Telefonat mit der „New York Times“ mit neuen Militärschlägen, sollte keine Einigung über Irans Atomprogramm gelingen.
Was sieht der Deal zwischen Washington und Teheran vor? Und was ist davon zu halten? Antworten auf zentrale Fragen:
Worauf haben sich die USA und der Iran geeinigt?
Die Einzelheiten sollen erst nach der Unterzeichnung des Abkommens am Freitag in der Schweiz bekannt gegeben werden. Bis dahin wird zwischen beiden Seiten weiter verhandelt. Die halbamtliche iranische Nachrichtenagentur Mehr benannte 14 Punkte, die im Entwurf für das Abkommen stehen sollen – vom Stopp aller Feindseligkeiten über die Aufhebung der Seeblockade bis hin zum Abzug aller US-Streitkräfte aus den Gebieten rund um den Iran.
Fest steht, dass es sich um eine zweistufige Vereinbarung handelt, wobei für jede Stufe 60 Tage anvisiert sind. Zunächst gehe es in der ersten Phase darum, überhaupt Vertrauen aufzubauen. Beide Seiten hätten sich zur sofortigen und dauerhaften Einstellung der Kampfhandlungen an allen Fronten verpflichtet – auch im Libanon, erklärte der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif auf der Plattform X. Pakistan hat in den indirekten Verhandlungen eine zentrale Rolle gespielt.
Pro-iranische Propaganda in Beirut: Auch im Libanon sollen die Kämpfe enden. Foto: REUTERS
Die Absichtserklärung sieht vor, dass beide Seiten die Blockade über die Straße von Hormus aufheben. Ob dies aber sofort nach Unterzeichnung des Rahmenabkommens geschieht, wie Trump am Sonntag erklärte, ist noch unklar. Am Montag passierten nur ein paar Schiffe die Seestraße. Streit dürfte es auch über mögliche Transitgebühren geben. So pochen US-Vizepräsident J.D. Vance und die Europäer auf eine kostenfreie Passage, während die Iraner eine „Servicegebühr“ für die Durchfahrt ins Spiel gebracht haben.
Im Iran heißt es, dass bereits in der ersten Phase zwischen zehn und 14 Milliarden Dollar an iranischen Vermögenswerten freigegeben werden sollen. Die USA hatten dies bisher abgelehnt.
Was soll in der zweiten Phase verhandelt werden?
Die USA und Israel hatten den Krieg gegen den Iran am 28. Februar unter anderem mit dem Ziel begonnen, die 400 Kilogramm an hochangereichertem Uran zu vernichten, die noch in iranischem Besitz sein sollen. Theoretisch ließe sich dadurch innerhalb kurzer Zeit waffenfähiges Spaltmaterial produzieren. Auch sollten iranische Anreicherungsanlagen zerstört werden.
Über das umstrittene Atomprogramm soll nun allerdings erst in der zweiten Phase der Vereinbarung verhandelt werden. Zudem werde die Aufhebung sämtlicher Sanktionen gegen das Land Gegenstand der Gespräche sein, sagte der stellvertretende Außenminister Kazim Gharibaldi. Ein weiteres Thema werde „der Wiederaufbau und die Entwicklung“ des Irans sein.
Keine Rede ist bisher von der Vernichtung des iranischen Raketenprogramms, die ebenfalls Ziel des Kriegs war. Der Iran hatte noch kurz vor der Vereinbarung erneut Israel angegriffen und soll nach israelischen Quellen sein Raketenarsenal wieder aufstocken.
Oppositionelle kritisieren, dass die Regimegegner völlig in Vergessenheit geraten sind, die Anfang des Jahres – auch ermuntert durch entsprechende Äußerungen von Trump – auf die Straße gegangen waren. Das Regime in Teheran ließ die Proteste brutal niederschlagen. Zu Beginn des Kriegs hatte Trump noch erklärt, Unterstützung für die Opposition sei auf dem Weg.
Was sagen die Europäer?
Die EU und europäische Staats- und Regierungsvertreter begrüßten die Vereinbarung. Sie wird auch beim G7-Gipfel im französischen Évian auf der Tagesordnung stehen.
Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron will am Dienstag mit den Vertretern mehrerer Staaten in der Region über „die Folgen dieses Abkommens, die Unterstützung für den Libanon, die langfristige Wiederöffnung der Straße von Hormus und den Abschluss eines Abkommens über das Atomprogramm und die Raketen im Iran“ diskutieren.
Macron bekräftigte eine Initiative Frankreichs, Großbritanniens, Italiens und Deutschlands, die Wiederöffnung der Straße von Hormus nach einer entsprechenden Einigung auch militärisch abzusichern. In den Verhandlungen selbst spielen die Europäer, die eine Aufhebung der Sanktionen in Aussicht stellen, aber keine Rolle.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schrieb auf der Plattform X, die Vereinbarung könne „den Weg zur Erholung der Weltwirtschaft und Stabilisierung der Region bahnen“. Es gelte nun, das Vereinbarte „zielstrebig umzusetzen“. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sprach vorsichtig von einem „möglichen Durchbruch“.
Wie unterscheidet sich die Vereinbarung vom früheren Atomabkommen?
Trump hat das Wiener Atomabkommen von 2015, das sein Vorgänger Barack Obama geschlossen hatte, immer scharf kritisiert. Der Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA) genannte Pakt zwischen dem Iran, den fünf Mitgliedern des Uno-Sicherheitsrats, Deutschland und der EU sah eine strikte Kontrolle des iranischen Atomprogramms und eine schrittweise Aufhebung der westlichen Sanktionen gegen das Land vor.
2018 hatte Trump JCPOA einseitig aufgekündigt und versprochen, dass er ein besseres Abkommen erreichen werde. Ob ihm das gelingt, hängt vom Verlauf der zweiten Phase ab, die schwierig werden dürfte, da die Forderungen der USA und des Irans bislang weit auseinanderliegen.
Das Abkommen aus dem Jahr 2015 habe Kernpunkte, über die beide Seiten jetzt erst reden wollen, bereits umfasst, sagen Kenner der Materie:
Der Iran verpflichtete sich seinerzeit bereits auf den Verzicht auf Atomwaffen.
Teheran sagte zu, Uran mit einem Anreicherungsgrad von mehr als 3,25 Prozent, das er für zivile Zwecke braucht, zu übergeben. Es wurde an Russland übergeben oder verkauft. Zwar gab es schon damals Konflikte, diese eskalierten aber erst nach Trumps Rückzug aus dem Abkommen.
Der Deal umfasste bereits konkrete Schritte über die Aufhebung von Sanktionen.
Statt sich nun erneut auf die Atomfrage konzentrieren zu können, müssen die US-Unterhändler nun erst einmal eine Einigung über die Öffnung der Straße von Hormus erreichen. Mit der Blockade gelang es den Iranern, die USA in die Defensive zu drängen – trotz ihrer militärischen Unterlegenheit.
Was sagt Israel?
Der Krieg zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah könnte zur Achillesferse des Deals werden. Der Iran besteht auf der Einstellung der Kampfhandlungen und dem Abzug der israelischen Truppen auch aus dem Libanon.
Der libanesische Präsident Joseph Aoun zeigte sich vorsichtig optimistisch. Er hoffe, dass die Vereinbarung den Krieg beende und zu Stabilität in der Region führe. Die Kämpfe flauten am Montag zwar ab. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz erklärte jedoch, dass Israel nicht aus den besetzten Gebieten im Südlibanon abziehen werde.
Israelischer Beschuss im Südlibanon: Das Gebiet wurde in diesem Konflikt besonders hart getroffen. Foto: AFP
Die Sicherheitszone werde „von der lokalen Bevölkerung und der gesamten Terrorinfrastruktur“ geräumt, sagte Katz. Die Häuser in dem Gebiet, die als „Terroraußenposten“ gedient hätten, würden zerstört.
Dabei droht der Libanon auch zum innenpolitischen Thema vor den im Herbst anstehenden Parlamentswahlen zu werden. Von links bis extrem rechts kritisierten Politiker Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Der Tenor: Statt Stärke habe Netanjahu Schwäche gezeigt und israelische Sicherheitsinteressen verspielt.
Was hat der Krieg gekostet?
Der Krieg hat Tausende von Todesopfern gefordert, vor allem im Libanon.
Finanziell hat der Angriff die USA nach Pentagon-Angaben mindestens 29 Milliarden Dollar gekostet. Das geht vor allem auf den massiven Einsatz von Präzisionswaffen und den Verbrauch von Abwehrraketen sowie die Zerstörung von Radaranlagen durch den Iran und die Schäden an Basen im Nahen Osten zurück. Nach Angaben von Experten wird es Jahre dauern, bis das Militär seine Bestände wieder füllen kann.
Die Angriffe des Irans auf die Golfstaaten, allen voran die Vereinigten Arabischen Emirate, haben Schäden in Milliardenhöhe angerichtet. Die Energiemarktforscher von Rystad Energy schätzen, dass 85 Milliarden Dollar nötig sind, um die Schäden an der Energieinfrastruktur zu reparieren.
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Hinzu kommen die Kosten für die Weltwirtschaft. Die Weltbank geht von einem weltweiten Wachstum von lediglich 2,5 Prozent aus. Für Europa hat die Organisation die Wachstumserwartung von 1,4 Prozent auf lediglich 0,8 Prozent heruntergestuft. In den Schwellenländern hat die Weltbank die Prognose um 0,4 Punkte auf 3,6 Prozent gesenkt – das niedrigste Niveau seit der Covidpandemie.
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Perspective IA — des possibilités, pas des certitudes
Die Unterzeichnung des Abkommens am Freitag könnte durch unvorhergesehene Ereignisse gefährdet werden.
Possible · En quelques jours
Die zweite Phase der Verhandlungen über das Atomprogramm wird schwierig und langwierig.
Probable · En quelques mois
Questions ouvertes
- Wie wird Irans Atomprogramm behandelt?
- Welche Transitgebühren werden für die Straße von Hormus erhoben?
- Welche Rolle spielt der Libanon im Abkommen?

