Deutschlands Street-Hockey-Team: Von Berlin zur Weltmeisterschaft
L'essentiel
- Ein privat organisiertes Berliner Street-Hockey-Team, BSH, vertritt Deutschland bei der WM 2026 in Tschechien.
- Ohne Verbandsunterstützung stemmen die Spieler Reise, Unterkunft und Startgebühren von 30.000 Euro hauptsächlich selbst.
- Der Kader ist international, mit Fokus auf Integration.
Résumé généré par IA
Pourquoi c'est important
In Deutschland kollabierte die Infrastruktur für Street- und Ballhockey nach 2014. Eine privat organisierte Liga in Berlin, BSH, hat sich zur größten Deutschlands entwickelt und wird nun das Nationalteam für die WM 2026 stellen.
In Kanada ist der Sport tief verwurzelt. Wer kein Geld für Eiszeit hatte, spielte auf der Straße. In Ländern wie Tschechien, der Slowakei, Österreich gibt es funktionierende Ligen, Verbände, Nachwuchsstrukturen. In Deutschland gab es das auch, bis 2014. Dann kollabierte die Infrastruktur, der Deutsche Street- und Ballhockey-Bund schlief ein. Auf der offiziellen Website ist seit 2015 keine Teilnahme an einer Weltmeisterschaft mehr verzeichnet.
Die Geschichte dieses Teams beginnt in Berlin. Kurz nach 2015 gründete sich Berlin Street Hockey, kurz BSH, eine privat organisierte Liga mit einem einfachen Gedanken: Hockey verbindet Menschen, egal woher sie kommen. Das erste Zuhause war ein stillgelegter Hangar auf dem Tempelhofer Feld. Als das nicht mehr ging, nahmen die Spreewölfe Berlin die Liga auf. Ein Inlineskate-Hockey-Verein, der weiß, wie es sich anfühlt, eine Nischensportart zu sein. Aus der kleinen Idee wurde die größte Ballhockeyliga Deutschlands, vier Teams, organisch gewachsen, ohne großen Plan dahinter.
Und dann kam die Anfrage.
Die International Street and Ball Hockey Federation suchte für die WM 2026 ein deutsches Nationalteam. Sie fanden nur BSH. Genauer: Ian Orti, 49, Verteidiger, Co-Team Captain, eines der Urgesteine der Liga. Die Entscheidung, dass man das macht, wurde in einer Kneipe getroffen. Die Nationalmannschaft setzt sich seitdem aus den stärksten Spielern der vier BSH-Teams zusammen, ergänzt um einzelne ehemalige Eishockeyspieler von außerhalb der Liga.
Alles selbst gemacht
Was folgte, war das, was sie seit Jahren kennen: alles selbst machen. Spielen, trainieren, Equipment bestellen, Sporthallen suchen, WhatsApp-Chaos moderieren. Der Deutsche Ballhockey-Bund, selbst ohne große Mittel, stellt voraussichtlich den Bus nach Tschechien.
Die Kosten für Reise, Unterkunft und Startgebühren: rund 30.000 Euro. Über Spenden sind bisher etwa 6.000 zusammengekommen. Dazu werden Partys organisiert oder Pub Quizze veranstaltet, stilecht zur Eishockey-Serie Heated Rivalry. Der Rest geht aus eigener Tasche. Manche von ihnen werden während der WM nebenbei arbeiten müssen. Die logistische Herausforderung ist mindestens so groß wie die sportliche.
Demokratisch organisiert zu sein, ist ihnen wichtig. Coach Simon Fülber selbst sagt: keine Demokratie, aber auch keine Diktatur. Den Torjubel-Song haben sie abgestimmt. Gewählt wurde der Partyschlager „Der Zug hat keine Bremsen“.
Der Kader ist eine bunte Truppe zwischen 19 und 49 Jahren. Etwa ein Drittel sind Deutsche. Eine deutsche Staatsbürgerschaft braucht es für den Kader nicht. Eine Aufenthaltsgenehmigung genügt. Der Großteil kommt aus Kanada. Man lebt seit Jahren in Berlin. Lebenspartnerinnen hier, Kinder hier, Wurzeln, die irgendwann tiefer gehen als der Pass. Weltklasse-Spieler sind sie nicht. Aber sie sind die, die zugesagt haben.
Ihre Gegner wird das nicht interessieren. Sie bringen Infrastruktur mit, bezahlte Trainer, einen jüngeren Kader aus Leistungssportlern.
Bei der WM stehen in der Gruppenphase fünf Spiele in fünf Tagen. Sollte die Mannschaft das Finale erreichen, könnten es acht werden. Normalerweise trainieren sie einmal pro Woche. Für die WM haben sie die Frequenz erhöht. Wie der Körper auf so viele Spieltage in Folge reagiert, weiß niemand.
Einmal richtig mitspielen
Auf die Frage nach dem Erfolgskriterium antworten die meisten: Dabei sein reicht schon. Fülber widerspricht. Als Coach habe er höhere Ansprüche: vier Siege. Julian Wobbe Villa, 34, Stürmer und ebenfalls Co-Team Captain, ist da bescheidener. Er hat sein Leben lang Sport gemacht, Fußball, Handball, Eishockey, und wie jeder, der Sport macht, einmal davon geträumt, in einem höheren Wettbewerb anzutreten. Geklappt hat das nie, aus den unterschiedlichsten Gründen. Jetzt also die Chance, für Deutschland bei einer WM zu spielen. Eine Once-in-a-Lifetime-Opportunity, sagt er, und das dürfte für viele im Kader gelten.
Einig sind sich am Ende alle bei einem Punkt: In jedem Spiel wollen sie alles gegeben haben. Dahinter steht die größere Hoffnung, dass diese Teilnahme dem Sport in Deutschland neuen Schwung gibt und dass eine WM-Teilnahme künftig keine Ausnahme mehr ist, sondern Routine.
Über ein Jahrzehnt war Deutschland nicht bei einer Ballhockey-WM vertreten. Eine Medaille hat das Land nie geholt.
„Am Samstagmorgen um 9.15 Uhr werden wir wissen, worauf wir uns eingelassen haben“, sagt Fülber. Dann ist ihr erstes WM-Spiel, gegen Frankreich. Der Moment, in dem sich zeigt, wo diese Mannschaft im Vergleich zu den anderen wirklich steht.
Wer 1988 in Calgary tatsächlich Olympiagold im Bob gewann, müssten die meisten nachschlagen. Dass Jamaika dabei war, das weiß noch jeder. Vielleicht ist das schon die ganze Definition von Erfolg, die diese Mannschaft braucht.
Die Ballhockey-WM findet vom 20. bis 28. Juni 2026 in Ostrava statt.
À surveiller
Perspective IA — des possibilités, pas des certitudes
Das Team wird mindestens vier Siege bei der WM erzielen.
Possible · En quelques semaines
Die WM-Teilnahme wird dem Sport in Deutschland neuen Schwung geben.
Probable · En quelques mois
Questions ouvertes
- Wie wird sich der Körper auf die vielen Spiele auswirken?
- Wird die Teilnahme der WM neuen Schwung für den Sport in Deutschland bringen?


