Newsgather
RetourDie neue Kultur der Dankbarkeit in der deutschen Politik
Die neue Kultur der Dankbarkeit in der deutschen Politik
Politique
FAZil y a 1 heurePolitique2 min de lectureGermany

Die neue Kultur der Dankbarkeit in der deutschen Politik

L'essentiel

  • Der Artikel analysiert eine neue Kommunikationskultur in der deutschen Politik, bei der Minister und Parteifunktionäre nach Ernennungen öffentlich Dankbarkeit und Demut bekunden, ähnlich wie Sportler.
  • Er nennt Beispiele von Nina Warken, Carsten Linnemann und Philipp Amthor und vergleicht dies mit Tennis-Interviews.

Résumé généré par IA

Pourquoi c'est important

Der Artikel beschreibt eine neue Tendenz in der deutschen Politik, bei der neu ernannte Minister und Parteifunktionäre öffentlich Dankbarkeit und Demut zeigen, oft in einer Art, die an Sportlerinterviews erinnert.

Taille de police

Im Profitennis gibt es das schon eine Weile: Nach dem Erfolg verschwindet der Spieler nicht in der Kabine, um den Sieg in aller Stille zu genießen, sondern dankt vor dem Standmikrofon zunächst seinem „Team“ und spricht dann, manchmal mit gebrochener Stimme, von der großen Ehre, ausgerechnet bei diesem Turnier dabei sein zu dürfen. Meistens würdigt er auch noch den Gegner, was in der Politik nicht so oft passiert, aber den Rest scheint sich der moderne deutsche Minister aus der Welt des Grand Slam abgeguckt zu haben.

Früher wurde er einfach vom Kanzler vorgeschlagen, dann vom Bundespräsidenten ernannt, und als Bürger dachte man sich: Der wird schon gut und dankbar sein. Heute will uns das der Minister oder auch die Ministerin persönlich mitteilen, wie neulich im Garten des Bundeskanzleramts. Erst bedankte sich Nina Warken bei Friedrich Merz, der ebenso dankbar neben ihr stand, dann versprach sie, die neue Aufgabe als Chefin des Bundeskanzleramts mit Demut und Elan auszufüllen. Sie dankte ihren bisherigen Mitarbeitern, und zwar für alles, was sie im Gesundheitsministerium gemeinsam auf den Weg gebracht haben.

Daraufhin bedankte sich Carsten Linnemann beim Kanzler für das Vertrauen, das der auch in ihn, den bisherigen Generalsekretär, gesetzt habe, aber auch gleich bei Nina Warken, die den Job, den er nun („mit Demut, aber auch Respekt“) übernehmen darf, „richtig gut gemacht“ habe. Schließlich bedankte sich noch Philipp Amthor beim Kanzler für – genau: das Vertrauen in ihn. Aber ein herzliches Wort des Dankes ging auch an Amthors früheren Chef „und das gesamte Team“ im Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung.

Bei so viel Teamgeist, Dankbarkeit und warmer Wertschätzung wundert man sich, wie diese Regierung überhaupt noch streiten will. Andererseits hilft es zu verstehen, warum die Dinge im Regierungsviertel in Wahrheit viel besser laufen, als es die „Kulturpessimisten, Untergangspropheten, Nöler, Nörgler, empörten Berufskritiker“ (Merz) wahrhaben wollen. Es gibt nämlich unendlich viele ehrenhafte Jobs in Berlin, die mit Demut, Elan und Respekt verrichtet werden, und gleichzeitig so viel lobenswertes Personal, dass es im Wochentakt befördert wird.

Merz freute sich über Hoppermann, die sich auf das neue Amt freute

In der jüngsten Personal-Show freute sich der Kanzler Anfang der Woche im Beisein der bisherigen CDU-Schatzmeisterin Franziska Hoppermann, dass die Christlich Demokratische Union mit ihr nun auch noch eine neue selbstbewusste und wertebewusste Generalsekretärin gewonnen habe, die übrigens sowohl die Menschen in der Großstadt kenne als auch die auf dem Land. In den Metropolen der Republik wie in den entlegensten Regionen wurde ihre Replik also gleichermaßen verstanden, dass sie nämlich ihr neues Amt als große Ehre empfinde und sich wirklich darauf freue.

Selten fühlte sich der Bürger so mitgenommen von einer Regierung, die nun angekommen ist, wo man heutzutage landen will: nah bei den Menschen. Aber Wimbledon ist schon wieder einen Schritt weiter. Nach den diesjährigen Endspielen liefen die Gewinner noch vor ihren Mikrofon-Bekenntnissen durch die jubelnde Menge auf die Tribüne und umarmten Trainer, Physiotherapeut und Partner. Es lässt sich erahnen, wie die nächste Kabinettsrochade in Berlin inszeniert wird.

Questions ouvertes

  • Wie beeinflusst diese Kommunikationsstrategie die öffentliche Wahrnehmung?
  • Ist diese Entwicklung ein dauerhafter Trend in der Politik?

Sujets liés

This article was originally published by FAZ.

Articles liés

Ceuta-Krise: EU-Staaten uneins über Migration und Grenzsicherung
En développement·il y a 35 minutes

Ceuta-Krise: EU-Staaten uneins über Migration und Grenzsicherung

Nach dem Massenansturm auf die spanische Exklave Ceuta, bei dem mindestens 72 Menschen starben, fordern deutsche Politiker die Umsetzung des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) und eine stärkere Grenzsicherung. Die Krise offenbart tiefe Spaltungen innerhalb der EU bezüglich Solidarität und Migrationspolitik, während Spanien die Reaktion einiger Mitgliedstaaten als „egoistisch“ kritisiert.

Die Welt
7 min de lecture
Lambsdorff über Russland: Putins Macht, totale Überwachung und Krieg in Moskau
En développement·il y a 37 minutes

Lambsdorff über Russland: Putins Macht, totale Überwachung und Krieg in Moskau

Der ehemalige deutsche Botschafter in Russland, Alexander Graf Lambsdorff, berichtet über Putins Entschlossenheit, die umfassende staatliche Überwachung durch den FSB und die russische Propaganda. Er betont, dass der Krieg durch ukrainische Angriffe auf Moskau spürbar wird und eine weitere Mobilisierung wahrscheinlich ist, sieht aber auch eine friedliebende Zivilgesellschaft.

Die Welt
4 min de lecture
Plus sur ce sujetdeutsche politik