Eli Lilly streicht Milliardeninvestition in Deutschland nach Sparplänen
L'essentiel
- Eli Lilly streicht geplante Investitionen von 2,3 Mrd.
- Dollar in Deutschland wegen Sparplänen.
- Boehringer Ingelheim zieht ebenfalls Milliarden ab.
Résumé généré par IA
Pourquoi c'est important
Germany's proposed GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz aims to cut costs in the healthcare system, including demanding higher discounts from pharmaceutical companies. This has triggered concerns among major drug manufacturers about the future investment climate and market access in Germany. Eli Lilly had planned a significant investment in a new production facility in Alzey, which is now at risk.
Grund ist das angekündigte Spargesetz von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU), das für Pharmakonzerne höhere Rabatte und neue Preis-Rahmenverträge vorsieht. Schon am Mittwochmittag hatte der deutsche Pharmahersteller Boehringer Ingelheim erklärt, geplante Investitionen in Deutschland über 900 Millionen Euro zu streichen – ebenfalls als Reaktion auf die Sparpläne.
Der Eli-Lilly-Chef sieht die geplante Gesundheitsreform „als schreckliches Signal an die Industrie“ und sagt: „Deutschland wird bei der Unterstützung unserer Industrie auf den letzten Platz der europäischen Märkte fallen.“ Die Folgewirkungen des Gesetzesvorschlags „entwerte“ die Industrie.
Eli Lilly wollte in Alzey eines seiner größten und modernsten Werke weltweit errichten. 2023 hatten die Amerikaner angekündigt, 2,3 Milliarden Dollar in den Bau dieser Hightech-Produktionsstätte zu investieren. Unter anderem soll in dem Werk das Abnehmmittel Mounjaro produziert werden, das derzeit vielversprechendste Produkt des Unternehmens gegen Diabetes und starkes Übergewicht.
Nach Handelsblatt-Informationen hat der Konzern bereits mehr als eine Milliarde Dollar investiert. Ebenfalls wurden schon 300 Mitarbeitende eingestellt, um Lieferzusagen für Patienten in Deutschland einzuhalten.
Die für Deutschland gestrichenen Investitionen dürften nun nach Pennsylvania in den USA gehen – oder an einen komplett neuen Standort, der erst gebaut werden müsste, sagt Ricks. Im Jahr 2026 hat Eli Lilly bereits zwei neue Standorte in den USA angekündigt, in Indiana und Pennsylvania.
Getrieben vom Erfolg seiner Abnehmmittel hat Eli Lilly an der Börse inzwischen eine Bewertung von rund einer Billion Dollar erreicht. Das Unternehmen verfügt über reichlich Kapital und baut daher offensiv Kapazitäten aus. „Europa ist nicht komplett vom Tisch, aber die USA ergeben am meisten Sinn“, sagt Ricks.
Damit zieht neben Boehringer Ingelheim ein weiterer Topkonzern der Branche Investitionen aus Deutschland ab – als Folge des geplanten Sparpakets. Auch der britische Hersteller Astra Zeneca sieht den Standort kritisch. Pascal Soriot, Chef des fünftgrößten Pharmakonzerns der Welt, hatte bereits im April im Interview mit dem Handelsblatt gedroht, im kommenden Jahr keine neuen Medikamente mehr auf den deutschen Markt zu bringen.
Im Gespräch mit dem Handelsblatt schloss Ricks das ebenfalls nicht aus. „Wenn die Bedingungen einen Marktstart in Deutschland nicht ermöglichen, werden wir sehr transparent machen, warum wir so entschieden haben.“
Ricks sagt, die Investitionsentscheidung sei im Vertrauen darauf getroffen worden, dass Deutschland ein stabiler und international fairer Standort sei, der Innovation wertschätze. Jetzt werde Vertrauen zerstört.
Der Manager verweist auf einen Widerspruch in der deutschen Politik: „Es gibt eine ganze Abteilung in der Bundesregierung, die ausländische Investitionen anziehen soll. Ironischerweise hat diese Abteilung mir diese Woche eine E-Mail geschickt, ob ich im Herbst auf ihrer Konferenz sprechen möchte. Die linke und rechte Hand wissen nicht, was die jeweils andere tut.“
Die Inbetriebnahme des Hightech-Werks für Abnehmspritzen ist mit reduzierter Kapazität weiterhin für 2027 geplant. Konkret bedeutet das: Bislang waren bis zu 1000 Fachkräfte sowie weitere 1,5 Milliarden Dollar bis zur Fertigstellung der Anlage vorgesehen. Mit der Reduzierung entfällt ein erheblicher Teil dieser Stellen. „Das wäre ein 20-Jahre-Projekt gewesen. Die Chance für Deutschland, langfristig davon zu profitieren, ist verloren“, sagt Ricks.
Die Entscheidung über den Ausbau der verbleibenden Kapazität ist vorerst ausgesetzt. Sie orientiere sich daran, ob Pharmaunternehmen in Deutschland künftig stabile und planbare wirtschaftliche Rahmenbedingungen vorfänden, sagt der Lilly-Chef. Dafür müsse Innovation in Deutschland wieder honoriert werden.
Das Bundesgesundheitsministerium äußerte sich auf Anfrage zurückhaltend zu der Lilly-Entscheidung. „Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz befindet sich aktuell im parlamentarischen Verfahren und wird mit den Fraktionen auf mögliche Auswirkungen geprüft“, heißt es.
„Im Jahr 2023 stach Deutschland als bestes Umfeld für Innovation in Europa hervor – das spiegelte Deutschlands Rolle auf der Weltbühne für unsere Industrie wider“, sagt Ricks. „Mit der vorherigen Regierung hatten wir gesehen, wie Deutschland einen neuen Weg einschlug, um die Bedingungen für unsere Industrie zu verbessern: bessere Forschung, ein besseres kommerzielles Umfeld.“
„Es ist traurig, weil Deutschland die Geburtsstätte unserer Industrie ist“, sagt Ricks. „Es gibt nur eine Handvoll Industrien, die in Deutschland überhaupt noch wachsen, und das ist eine davon.“ Er kritisiert außerdem, dass Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern wie Großbritannien, Frankreich und Japan Adipositas-Medikamente nicht erstatte. „Ironischerweise haben genau diese Medikamente von allen Wirkstoffklassen, die wir kennen, das größte Potenzial, den Gesundheitssystemen Geld zu sparen“, sagt Ricks.
Auch Europa kommt bei Ricks schlecht weg: „Europas Moment verstreicht.“ Der Draghi-Report zur Verbesserung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit sei inzwischen vier Jahre alt, aber „Brüssel diskutiert immer noch“. Großbritannien vollziehe dagegen eine interessante Wende, sagt Ricks. Das Land hat einen direkten Preisdeal mit den USA geschlossen. Ricks selbst hat diese Woche noch ein Treffen mit dem zuständigen Minister Kanadas. „Es gibt andere Länder, die diese Chance erkennen.“
Die Ankündigung fällt in eine politisch sensible Zeit. Das Beitragsstabilisierungsgesetz befindet sich noch im parlamentarischen Verfahren. Am 12. Juni berät der Bundestag in erster Lesung über den Entwurf. Bis zum 24. Juni können die Fraktionen noch Änderungen einbringen, damit das Gesetz dann Ende Juli noch vor der Sommerpause verabschiedet werden kann. Aus Parlamentskreisen ist allerdings zu hören, dass dieser Zeitplan zu ambitioniert sein könnte.
Die Debatten darüber, welche Akteure wie viel Verantwortung übernehmen müssen, laufen seit Wochen. Aus dem Kassenlager heißt es, dass Pharmaunternehmen deutlich weniger beitragen müssten, als die Finanzkommission in ihrem Bericht empfohlen hatte. Die Experten veröffentlichten Ende März einen Bericht, der als Grundlage für das Gesetz diente.
Neben der Kritik am Standort Deutschland erläuterte der Eli-Lilly-Chef im Handelsblatt-Gespräch die nächsten Schritte seiner Strategie. Der US-Konzern diversifiziert sein Geschäft über Abnehmmittel hinaus und kündigt Übernahmen an. „Wir werden dieses Jahr mehr Deals in der Neurologie, Immunologie und Onkologie sehen“, sagte Ricks.
Im April kam die Abnehmpille von Eli Lilly in den USA auf den Markt. Auch in Europa soll die Zulassung bereits im Sommer erfolgen. Das Unternehmen machte 2025 rund 65,2 Milliarden Dollar Umsatz und einen Nettogewinn von 20,6 Milliarden Dollar. Mehr als die Hälfte des Geschäfts entfällt auf Länder außerhalb der USA. Deutschland gehört dabei neben China und Japan zu den größten Märkten.
À surveiller
Perspective IA — des possibilités, pas des certitudes
The German Bundestag may amend the GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz to address concerns from the pharmaceutical industry.
Possible · En quelques semaines
Eli Lilly will likely redirect its planned investment to the USA.
Très probable · En quelques mois
Other pharmaceutical companies may reconsider or reduce investments in Germany.
Probable · En quelques mois
Questions ouvertes
- Will other pharmaceutical companies follow Eli Lilly and Boehringer Ingelheim in withdrawing investments from Germany?
- What specific changes will be made to the GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz during the parliamentary process?
- Will Germany be able to attract future investments in the pharmaceutical sector despite these concerns?
- What is the exact timeline for Eli Lilly's decision regarding the remaining capacity expansion?



