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Enercity und Kraken planen virtuelles Kraftwerk
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Enercity und Kraken planen virtuelles Kraftwerk

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Der Energieversorger Enercity aus Hannover plant gemeinsam mit dem britischen Technologieunternehmen Kraken den Aufbau eines sogenannten „virtuellen Kraftwerks“. Das hat das Handelsblatt exklusiv erfahren. Damit soll es gelingen, erneuerbare Energien besser ins Stromsystem zu integrieren.

Das Prinzip: Virtuelle Kraftwerke bündeln dezentrale Anlagen wie Photovoltaiksysteme und Batteriespeicher zu einem Verbund im Stromnetz – und vermarkten deren Erzeugung und Flexibilität gemeinsam. Die einzelnen Einheiten können dann wie ein großes Kraftwerk agieren.

Mit dem schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien speisen immer mehr Windkraft- und Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) Strom ins Netz ein. Doch je dezentraler das Energiesystem wird, desto größer wird die Herausforderung, die Vielzahl einzelner Anlagen effizient zu steuern und zu integrieren. Virtuelle Kraftwerke gelten hier als ein Schlüsselbaustein, um Angebot und Nachfrage besser in Einklang zu bringen.

Jochen Schwill, Gründer und Geschäftsführer des Messstellenbetreibers Spotmy Energy, hatte bereits 2009 mit Next Kraftwerke eines der ersten Unternehmen aufgebaut, das konsequent auf das Konzept des virtuellen Kraftwerks setzte. Er sieht darin einen zentralen Hebel für die Energiewende: „Da schlummert enormes Potenzial, das wir sehr günstig bereitstellen können.“

In Deutschland liegt die Speicherleistung von Batterien an privaten PV‑Anlagen inzwischen bei über zehn Gigawatt – das entspricht der Kapazität von etwa zehn Atomkraftwerken. Bislang werden diese Speicher nach Schwills Ansicht jedoch kaum systemdienlich genutzt, da sie vor allem der lokalen Einspeisung dienen.

Über virtuelle Kraftwerke ließen sich diese bestehenden Ressourcen gezielt zur Stabilisierung des Stromsystems einsetzen. „Wir müssen dafür keine neuen Batterien oder Kraftwerke bauen“, sagt Schwill. „Wir müssen die vorhandenen nur ansteuern.“

Der Vorteil gegenüber einem Braunkohlekraftwerk, das auf konstante Einspeisung ausgelegt ist, liegt in der Flexibilität: Ein virtuelles Kraftwerk kann Erzeugung, Speicherung und Verbrauch in kurzer Zeit an den Bedarf anpassen. Das hilft, Schwankungen im Netz auszugleichen. Energieunternehmen, die diese dezentralen Stromerzeuger steuern, tragen so zur Netzstabilität bei und können ihre Vermarktungserlöse erhöhen. Jean-Baptiste Cornefert, Bereichsleiter Trading & Energy Markets bei Enercity, bringt es so auf den Punkt: „Flexibilität ist die neue Leitwährung am Energiemarkt.“

Doch auch die Anlagenbetreiber profitieren. Vor allem kleine Erzeuger, etwa Besitzer von PV-Dachanlagen, erhalten über virtuelle Kraftwerke indirekt Zugang zu Märkten, die sie allein kaum erreichen würden. Im Verbund lässt sich die Flexibilität gezielt dort einsetzen, wo sie den größten Wert hat. Entsprechend werden die Anlagen so gesteuert, dass sie vor allem dann einspeisen, wenn der Strompreis hoch ist. Das kann die Erlöse je Kilowattstunde gegenüber einer reinen Einzeloptimierung deutlich steigern.

Seit 2016 bietet Enercity an, einzelne Anlagen auf den Markt zu bringen. Nun folgt der nächste Schritt. „Wir brauchen nicht nur eine Lösung für jede einzelne Anlage, sondern eine ganzheitliche Optimierung“, sagt Cornefert. Der Vorteil: Wenn nicht jede Anlage für sich bis ins Letzte optimiert wird, bleiben im Portfolio Spielräume – und damit Reserven, um Schwankungen zwischen den Anlagen auszugleichen.

Die digitale Plattform des Unternehmens Kraken steuert die einzelnen Anlagen und kommuniziert mit ihnen. Schon heute flexibilisieren alle Kunden der britischen Firma mithilfe der Plattform zusammen rund 15 Gigawattstunden Energie pro Tag, betont Devrim Celal, Chef für Flexibilität und Marketing. „Das entspricht dem täglichen Stromverbrauch einer Stadt wie Berlin.“

Dabei sammelt die Plattform eine Vielzahl von Daten: Preissignale der Strommärkte, Informationen zur Netzsituation, aber auch Wetterprognosen, die die Einspeisung aus erneuerbaren Energien beeinflussen. Die Daten werden ausgewertet und in Steuerungssignale für die angeschlossenen Anlagen übersetzt. So koordiniert das virtuelle Kraftwerk in Echtzeit, wie viel Strom eingespeist, gespeichert oder verbraucht wird.

Auch Künstliche Intelligenz (KI) soll dabei zum Einsatz kommen: „Sie können sich einen KI-Agenten vorstellen, der jederzeit die besten Entscheidungen für eine optimale Vermarktung trifft“, sagt Cornefert.

Während sich die ersten virtuellen Kraftwerke vor allem auf größere Anlagen – etwa Biogasanlagen – konzentrierten, rückt laut Schwill zunehmend „die nächste Generation der virtuellen Kraftwerke“ in den Fokus. Gemeint sind kleine, dezentrale Einheiten, etwa PV-Anlagen auf Privathäusern.

Deshalb will Enercity perspektivisch auch Wärmeprozesse in das virtuelle Kraftwerk einbinden. Über sogenanntes Power-to-Heat soll Strom dabei direkt in Wärme umgewandelt werden, etwa über Heizstäbe oder Elektrokessel. Vor allem bei niedrigen oder negativen Strompreisen lässt sich überschüssiger Strom so wirtschaftlich nutzen, zugleich wird das Stromsystem entlastet.

This article was originally published by Handelsblatt.

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