Erdbeben in Venezuela: Zahl der Toten steigt auf mindestens 188
L'essentiel
- Nach zwei schweren Erdbeben in Venezuela steigt die Zahl der Toten auf mindestens 188, über 1.500 Menschen wurden verletzt und etwa 200 gelten als verschüttet.
- Der Ausnahmezustand wurde ausgerufen, während internationale Hilfe anläuft und ein Wiederaufbaufonds geplant ist.
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Nach zwei schweren Erdbeben in Venezuela ist die Zahl der Toten nach Angaben des Parlamentspräsidenten Jorge Rodríguez auf mindestens 188 gestiegen. Mehr als 1.500 Menschen wurden ihm zufolge verletzt. Etwa 200 seien unter Trümmern eingeschlossen. In Venezuela ist der Ausnahmezustand ausgerufen.
Experten gehen von deutlich höheren Opferzahlen aus - die Zahl der Toten könnte in die Tausende gehen; eine Zahl von mehr als 10.000 Toten sei laut US-Erdbebenwarte USGS wahrscheinlich. Bei den Erdstößen stürzten zahlreiche Gebäude ein.
Offizielle Zahlen zu Vermissten gab es zunächst nicht. Aber auf Internetseiten, die nach den Beben eingerichtet wurden sowie in sozialen Medien kursierten Listen mit den Namen von Menschen, die von ihren Familien gesucht werden. Demnach galten am Tag nach der Katastrophe rund 12.000 Menschen als vermisst - verifizieren lassen sich diese Daten jedoch nicht.
Interimspräsidentin Delcy Rodríguez kündigte an, dass für den Wiederaufbau von Infrastruktur, Kranken- und Wohnhäusern ein Fonds geschaffen werde. Dieser solle ein Volumen von 200 Millionen Dollar haben und aus Mitteln des Internationalen Währungsfonds gespeist werden.
Häuser oft nicht erdbebensicher
Nach den Beben fiel vielerorts die Strom- und Wasserversorgung aus, auch das Mobilfunknetz und das Internet funktionierten zeitweise nicht, wie Bewohner berichteten. Der Zugverkehr wurde eingestellt, der internationale Flughafen wurde wegen Schäden geschlossen. Auch die U-Bahn in Caracas stellte den Betrieb ein. Schulen blieben auch geschlossen.
Auch einen Tag später stürzen noch vereinzelt Häuser in sich zusammen. Viele Häuser in Venezuela entsprechen nicht modernen Erdbebenstandards. Bei Tageslicht wird das Ausmaß der Zerstörung sichtbar. Auf Luftaufnahmen sieht man entlang der Küste die Trümmerberge eingestürzter Hochhäuser.
"Glücklicherweise befanden sich meine Familie, meine Frau, meine Enkelin und ich, gerade nicht im Wohnhaus", sagt der Venezolaner Avilio Gonzalez. Am Mittwoch war in Venezuela ein nationaler Feiertag, viele Menschen waren unterwegs, als sich die beiden Beben ereigneten. "Als wir zurückkamen, sahen wir, dass es vollständig zerstört war. Zum Glück konnten auch die Nachbarn ihr Leben retten."
"Wir haben gar nichts mehr"
Im Wohnviertel La Castellana ist María Romero aus ihrer Wohnung geflüchtet. "Es wackelte wie wild und es klang wie ein dumpfes Grollen", erzählt die 48-Jährige. "Eine Sekunde lang habe ich überlegt, mich unter den Tisch zu verkriechen, aber dann bin ich lieber schnell rausgerannt."
In der Küstenstadt Catia la Mar in der besonders betroffenen Region La Guaira steht Larry Rojas fassungslos vor den Überresten seines eingestürzten Hauses, "Wir haben nichts, wir haben gar nichts mehr - nicht einmal die Kraft, da reinzugehen", sagt der 49-Jährige.
Stärkstes Beben seit mehr als einem Jahrhundert
Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke der beiden Erdbeben mit 7,2 und 7,5 an. Zwischen beiden Erschütterungen lagen laut USGS nur 39 Sekunden. Es gab demnach schon 20 Nachbeben. Es war das stärkste Beben in dem Land seit mehr als einem Jahrhundert.
Auswärtiges Amt: Bisher keine Informationen über deutsche Opfer
Aktuell gibt es noch keine Informationen über mögliche deutsche Tote oder Verletzte. Im Laufe des Tages solle zur weiteren Koordinierung der Krisenstab der Bundesregierung im Auswärtigen Amt zusammentreten. Die Mitarbeitenden der Botschaft in Caracas sind demnach wohlauf.
In der Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts sei eine niedrige dreistellige Zahl deutscher Staatsbürger in dem Land eingetragen, hieß es weiter. Die Zahl der in der sogenannten Elefand-Liste registrierten Menschen gibt nicht die tatsächliche Anzahl deutscher Staatsangehöriger im Land an, da Deutsche im Ausland keiner Meldepflicht unterliegen. Das Außenministerium rief dazu auf, sich in die Elefand-Liste einzutragen.
Internationale Hilfe läuft an
US-Präsident Donald Trump sicherte dem südamerikanischen Land schnelle Hilfe zu. US-Außenminister Marco Rubio erklärte kurze Zeit später, die Regierung bringe sofort Such- und Rettungsmannschaften sowie humanitäre und medizinische Hilfe auf den Weg.
Auch andere Länder sagten sofort Hilfe zu. Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius sagte, dass die Bundeswehr bis zu sechs Transportflugzeuge A400 M zur Verfügung stellen könne.
Laut Venezuelas Präsidentin Rodríguez kündigten mehrere weitere Länder die Entsendung von Rettungsteams an, darunter Mexiko und Katar. Auch China und Brasilien boten humanitäre Hilfe an sowie El Salvador und die Dominikanischen Republik.
Beschädigter Flughafen erschwert Hilfe
Nach Regierungsangaben waren von den Vereinten Nationen koordinierte Rettungsteams auf dem Weg in das südamerikanische Land, um bei den Such- und Rettungsarbeiten zu helfen.
Die Schweizer Regierung kündigte die Entsendung eines 80-köpfigen Teams an. Zudem sollten 18 Tonnen Hilfsgüter in das Land geflogen werden.
Der französische Präsident Emmanuel Macron erklärte, sein Land werde "sofort" ein Team von 85 spezialisierten Helfern entsenden.





