EZB erhöht Leitzinsen zur Inflationsbekämpfung – Sparer und Kreditnehmer betroffen
L'essentiel
- Die EZB erhöht die Leitzinsen, um eine Preisspirale zu verhindern.
- Dies verteuert Kredite für Staatsverschuldung und Immobilien, während Sparer nur mäßige Zinsen auf Tagesgeld erhalten.
- Die Auswirkungen der Zinserhöhung auf die Wirtschaft sind zeitverzögert und bergen Risiken.
Résumé généré par IA
Pourquoi c'est important
Die EZB hat die Leitzinsen erhöht, um die Inflation zu bekämpfen, die durch hohe Energiepreise und deren Weitergabe in die Produktionskosten angeheizt wird. Dies führt zu wachsenden Inflationserwartungen bei Haushalten und Unternehmen.
Die Finanzmärkte haben mit dieser Entscheidung gerechnet, wichtige Notenbanker aus dem EZB-Rat hatten in den vergangenen Wochen mit Blick auf den Preisschock eine Zinsanhebung angedeutet. Die hohen Energiepreise werden von den Unternehmen inzwischen auf die Produktionskosten anderer Wirtschaftsbereiche aufgeschlagen, etwa bei der Düngerherstellung. Auch der Warentransport insgesamt ist teurer geworden. Inzwischen sind daher die Inflationserwartungen der privaten Haushalte und Firmen gewachsen. Man rechnet auch in Zukunft mit höheren Preisen.
EZB möchte eine Preisspirale verhindern
Diese sogenannten Zweitrundeneffekte können dazu führen, dass Unternehmen prophylaktisch ihre Produktpreise erhöhen. Dann wiederum machen Angestellte Druck auf die Gewerkschaften, in Tarifverhandlungen höhere Löhne als Inflationsausgleich herauszuschlagen. Die höheren Gehaltskosten würden Firmen dann erneut auf ihre Produktpreise aufschlagen. Im schlimmsten Fall droht eine Preisspirale, die Inflation nährt sich unter diesen Umständen praktisch selbst. Diese Entwicklung möchte die EZB durch höhere Leitzinsen, die die Nachfrage insgesamt bremsen sollen, unterbinden.
Die gestiegenen Leitzinsen sind politisch nicht nur wegen ihrer wachstumshemmenden Wirkung unbeliebt, zudem erhöhen sich dadurch auch die Kreditkosten der zunehmenden Staatsverschuldung in der Eurozone. Allerdings dauert es typischerweise ein ganzes Jahr, bis die preisdämpfende Wirkung der Leitzinserhöhung die gesamte Wirtschaft durchdringt. Das birgt für Zentralbanken das erhebliche Risiko, völlig falschzuliegen, etwa wenn sich der Iran-Konflikt über Nacht auflöst und die Energiepreise schlagartig sinken.
Tagesgeldzinsen steigen nur mäßig
Seit dem Ölpreisschock als Folge des Iran-Kriegs können Sparer die gestiegene Inflation mit üblichen Tagesgeldzinsen nicht mehr ausgleichen. Vor allem bei Volksbanken und Sparkassen wirft geparktes Geld oft kaum Zinsen ab, so eine Analyse des Finanzportals Biallo. Im Verbundsektor – bei 594 untersuchten Sparkassen und Volksbanken – liegt demnach der unbefristete Tagesgeldzins bei im Schnitt 0,4 Prozent. Bei den analysierten überregionalen Banken und Direktbanken seien es 1,0 Prozent, mehr als das Doppelte. 81 Prozent der Sparkassen und 73 Prozent der Volksbanken, so die Auswertung, bezahlen höchstens 0,5 Prozent aufs Tagesgeld. Die schlechtesten Konditionen lägen bei 0,001 Prozent Zinsen – also zehn Cent Zinsen auf 10 000 Euro im Jahr. Zum Vergleich: Die Banken selbst erhalten für ihr Geld bei der Europäischen Zentralbank bislang den Einlagenzins 2,0 Prozent, der bald auf 2,25 Prozent angehoben wird.
Zwar wirbt die US-amerikanische J.P. Morgan über ihre Digitalbank Chase als neuer Anbieter mit einem Tagesgeldzins von vier Prozent, und die Norisbank hat mit einem ähnlichen Angebot nachgezogen. Allerdings gelten so hohe Zinssätze meist nur für Neukunden und für einen begrenzten Zeitraum. Wer kein „Zinshopping“ betreiben und ständig neue Konten eröffnen möchte, muss sich bei seiner Hausbank mit deutlich weniger Ertrag begnügen.
Immobilienkredite werden teurer
Die Aussichten für Bauherren, Immobilienkäufer und alle anderen, die auf Kredite angewiesen sind, trüben sich weiter ein. Bauzinsen erreichten bereits im April einen Jahreshöchststand und sind im Mai nur leicht gesunken. Wer ein Darlehen für zehn oder 15 Jahre binden möchte, muss im Moment mit etwa vier Prozent Darlehenszins rechnen. Hypothekenkredite orientieren sich an der Rendite von Staatsanleihen, also daran, wie viel Zinsen die Bundesrepublik bieten muss, wenn sie sich am Kapitalmarkt Geld leiht. Mitte Mai erreichten zehnjährige Bundesanleihen einen Zinssatz von 3,17 Prozent, so hoch wie seit 15 Jahren nicht. Am Donnerstag notierte die Rendite bei 3,05 Prozent. Der Anstieg hat vielfältige Gründe, etwa Sorge um die geopolitische Lage oder die steigende Staatsverschuldung. Eine wesentliche Ursache ist aber auch hier die Inflationserwartung, das wird frühzeitig in die Anleihekurse eingepreist. In einer Umfrage des Vermittlers für Baufinanzierungen, Interhyp, gaben im Mai 60 Prozent der Befragten an, dass sie für die kommenden sechs bis zwölf Monate eher mit steigenden Bauzinsen rechnen.
À surveiller
Perspective IA — des possibilités, pas des certitudes
Die EZB wird die Leitzinsen weiter anheben, falls die Inflation nicht signifikant sinkt.
Probable · Moyen terme
Die Bauzinsen werden in den kommenden sechs bis zwölf Monaten weiter steigen.
Probable · Moyen terme
Die Zinsen für Tagesgeld werden moderat steigen, aber voraussichtlich hinter der Inflation zurückbleiben.
Possible · Moyen terme
Questions ouvertes
- Wie schnell werden sich die Zinserhöhungen auf die gesamte Wirtschaft auswirken?
- Welche weiteren Maßnahmen wird die EZB ergreifen, falls die Inflation nicht sinkt?
- Wie werden die steigenden Kreditkosten die Staatsverschuldung in der Eurozone beeinflussen?
- Wie stark werden die Tagesgeldzinsen weiter steigen, um mit der Inflation Schritt zu halten?






