Ferrari Amalfi: Ein italienischer Sommer auf vier Rädern
L'essentiel
- Der Ferrari Amalfi, ein Gran Turismo mit V8-Motor, kombiniert italienische Eleganz mit sportlicher Leistung.
- Erhältlich ab 240.000 Euro, tritt er gegen deutsche Konkurrenten an und bietet trotz seiner Sportlichkeit einen gewissen Komfort.
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Groß war die Aufregung um den vollelektrischen Luce. Mit dem von einem klassischen Achtzylinder befeuerten Amalfi katapultiert Ferrari jetzt den italienischen Sommer nach Deutschland. Lukas Bay 01.07.2026 - 08:31 Uhr Artikel anhören
Düsseldorf. Eine Frage bekommen wir mit diesem Testwagen immer wieder gestellt: Müsste ein echter Ferrari nicht rot sein? So berechtigt diese Anmerkung auch sein mag, richtig nachvollziehen kann man sie beim Anblick des Ferrari Amalfi nicht.
Denn selbst unter deutscher Sonne schimmert der Gran Turismo in seinem Metallic-Türkis so schön, dass man sich gleich an der italienischen Amalfi-Küste wähnt. Klar, in Rot gibt es ihn auch. Aber das Türkis passt eigentlich besser.
Groß war die Aufregung um den ersten elektrischen Ferrari, den Luce. Traditionalisten bis hoch zum ehemaligen Ferrari-Boss Luca de Montezemolo mokierten sich über die Form des E-Ferraris. Man möge doch bitte wenigstens das Pferd von der Motorhaube entfernen. Derlei harsche Kritik muss der Amalfi zu Recht nicht fürchten. So zeitlos und elegant ist dieser Gran Turismo gezeichnet.
Dabei erinnern die geschwungenen Linien an leichten Wellengang des Mittelmeers. Keine Ecken, keine Kanten und eine lange Motorhaube sorgen für italienische Eleganz, wie man sie von sommerlichen Maßanzügen kennt. Man möchte fast die Füße in die Gommino gleiten lassen, bevor man sich ans Steuer setzt.
Ein recht großes Ferrari-Logo zeigt selbst im Profil allen Passanten, was sie hier vor sich haben. Die Türgriffe sind bündig eingelassen. Carbon-Seitenschweller schützen den türkisfarbenen Lack nicht nur vor Steinschlag, sondern lassen den Amalfi noch flacher wirken.
Türkis wie das Mittelmeer: Der Amalfi schimmert in der Sonne. Foto: Lukas Bay
Und da die meisten anderen Autofahrer diesen Ferrari ohnehin meist von hinten sehen werden, hat man sich in Maranello mit dem Heck besondere Mühe gegeben: Der silberne Ferrari-Schriftzug sitzt unterhalb einer großen, schwarzen Glasfläche.
Die Rückleuchten sind hauchdünne, horizontal verlaufende Lichtschlitze wie abschließende Pinselstriche. Der Heckflügel, der während der Fahrt mehr Bodenhaftung garantiert, ist nahezu nahtlos integriert. Selbst die vier Auspuffrohre an den Rändern des Carbon-Diffusors lassen den Amalfi vielleicht muskulös, aber keinesfalls aggressiv wirken.
Ferrari Amalfi: Der Gran Turismo ist am Heck besonders gut gelungen. Foto: Lukas Bay
Zugegeben: Auch ein Gran Turismo wie der Amalfi ist für eingeschworene Sportwagen-Ferraristi nicht die reine Lehre. Aber eine gewisse Tradition haben sie: Schon Anfang der 1960er baute Ferrari mit dem 250 GTE einen komfortablen GT. Nach Portofino und Roma setzt der Amalfi die Tradition fort.
Mit einem Preis ab 240.000 Euro ist der Amalfi der Einstiegs-Ferrari – wenn es so etwas überhaupt gibt. Seine wichtigsten Konkurrenten – der Mercedes-AMG GT63 oder Porsche 911 Turbo S – kommen aus Deutschland. Wir testen das Coupé, aber der Amalfi ist auch als Spider, also als Cabrio, zu haben.
Kunstwerk unter der Haube
Wer die Motorhaube öffnet, blickt auf ein kleines automobiles Kunstwerk. Der Twinturbo-V8 sitzt feuerrot im Zentrum. Ein Motor aus der so genannten F154-Familie, die Ferrari in vielen Modellen einsetzt und seit 2013 immer weiterentwickelt. Die aktuellste Version im Amalfi leistet 20 PS mehr als beim Roma, kommt ganz ohne Hybrid aus und erfüllt trotzdem die Emissionsvorschriften. Mit 640 PS ist er vergleichsweise zivil.
V8 als Kunstwerk: Unter der Haube arbeitet der Twinturbo. Foto: Lukas Bay
Der Sound wird bei Ferrari so sorgfältig abgestimmt wie in der Mailänder Scala: Um Lärmvorschriften einzuhalten, hat auch dieser Ferrari natürlich Schalldämpfer. Doch das soll den charakteristischen Klang des Motors nicht beeinträchtigen. Ein gesteuertes Bypass-Ventil passt den Auspuffklang jeder Fahrsituation an. Flatplane-Kurbelwelle und gleich lange Auspuffkrümmer sorgen für die ferraritypische Zündfolge.
Sportwagen
Ferrari testet wohl mit E-Auto Luce die Loyalität seiner Kunden
Das mag mancher ein wenig gestrig finden, aber da Sportwagen wie der Amalfi von den meisten Fahrern ohnehin nur wenige Kilometer im Jahr bewegt werden, ist der Beitrag zum Klimawandel überschaubar. Unser Verbrauch ist im Test mit rund 14 Litern auch nicht so ausufernd wie erwartet. Denn so viel sei verraten: Sparsam wurde der Amalfi nicht gefahren. Das bisschen Gefühl darf man sich erlauben.
Viel Alcantara und endlich wieder Knöpfe
Im Innenraum prahlt der Amalfi mit reichlich italienischer Opulenz: Die Armatur ist lederbezogen, selbst das Handschuhfach ist wie der Dachhimmel mit Alcantara verkleidet. Dass an den Türen und zur Umrandung der Bildschirme mitunter auch Kunststoff zum Einsatz kommt, kann man hier schnell verzeihen.
Im Amalfi hat Ferrari auch mehr Haptik zurückgebracht, die Touchbedienung des Roma ist Geschichte. Der Amalfi wird wieder über einen roten Startknopf auf dem Lenkrad gestartet. Wer ihn drückt, weckt den V8 mit einem Brüllen auf.
Auf dem Lenkrad sind sportwagentypisch nicht nur die Blinker, sondern auch ein kleiner roter Hebel, um den passenden Fahrmodus einzulegen: Comfort, Sport und Race bietet der Amalfi an, außerdem einen Fahrmodus für nasse Straßen und einen, mit dem sich alle elektronischen Stabilitätskontrollen komplett abschalten lassen. (Tipp des Ferrari-Händlers: „Lassen Sie das lieber.“)
Das Lenkrad: Der rote Startknopf ist zurück, die Touchflächen sind weg. Foto: Ferrari
Seine Alltagstauglichkeit stellt der Amalfi auch beim Fahren eindrucksvoll unter Beweis. Wo andere Ferrari ihren Fahrer im Straßenverkehr recht deutlich spüren lassen, dass sie eigentlich für die Rennstrecke gebaut wurden, lässt dieser Ferrari es bei jedem Tempo ruhiger angehen.
Das bedeutet nicht, dass er dabei langsam unterwegs ist: In 3,3 Sekunden sprintet der Amalfi auf 100 km/h, in neun Sekunden auf 200 und schaltet dank des Doppelkupplungsgetriebes aus dem SF90 Stradale nahtlos durch die acht Gänge, ohne brüllend in hohe Drehzahlbereiche zu gehen.
Wer für mehr Sound manuell schalten will, nutzt Carbon-Wippen hinter dem Lenkrad. Außer für den Rückwärtsgang, der wird durch einen Schalter in der Mittelkonsole betätigt.
Bereit für ein Lächeln: Der Amalfi beschleunigt souverän. Foto: Hendrik Wünsche
Erst bei 320 Stundenkilometern ist Schluss. Die fahren wir im Test nicht, dafür sind selbst die deutschen Autobahnen am Testwochenende zu befahren. Aber auch bei 242 km/h macht der Ferrari seinem Fahrer klar, dass da noch mehr ginge.
Sichere Straßenlage auch bei hohen Geschwindigkeiten
Das Lenkrad aus Carbon und Leder liegt perfekt in der Hand. Die Lenkung ist dabei direkt und geradezu mühelos. Das Ergebnis ist eine sichere Straßenlage trotz starkem Hinterradantrieb.
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Selbst bei kräftiger Beschleunigung wackelt und ruckelt da nichts, der Amalfi baut seine Kraft mit ruhiger Konstanz auf. Das Steuergerät passt die Dämpfung pro Rad innerhalb von Millisekunden an die aktuelle Fahrsituation an. Möglich wird das durch eine Flüssigkeit in den Dämpfern, die mikroskopisch kleine magnetisierbare Partikel enthält. Diese werden durch ein Magnetfeld positioniert. Damit ist der Amalfi nicht so knüppelhart abgestimmt wie mancher seiner Konkurrenten.
Der Gran Turismo liegt auch nicht so flach auf der Straße, dass man bei jeder Unebenheit Sorge um den Unterboden haben muss. Sollte es doch mal knapp werden, lässt er sich per Knopfdruck um vier Zentimeter höherlegen.
Carbon-Keramik-Bremsen: Sie machen sich mitunter akustisch bemerkbar. Foto: Ferrari
Gebremst wird mit Carbon-Keramik-Scheiben – serienmäßig, nicht gegen Aufpreis wie bei manchem Konkurrenten. Mitunter ist das aber auch hörbar, weil es leicht quietscht. Neu ist beim Amalfi das sogenannte Brake-by-Wire: Statt einer mechanischen Verbindung zwischen Pedal und Bremse übernimmt die eine Elektronik. Klingt synthetisch, aber fährt sich natürlich und sorgt für kurze Bremswege.
Wer mag, kann auch den adaptiven Tempomat einschalten. Dann hält der Amalfi selbst die Spur und die Geschwindigkeit. Aber es gibt kaum einen Grund, in einem Ferrari die Kontrolle abzugeben – außer man ist sehr lange unterwegs.
Die Ledersitze: Wie der Amalfi selbst sind sie in Türkis gehalten. Foto: Ferrari
Die türkisfarbenen Leder-Sportsitze des Amalfi wären dafür bereit: Sie sind belüftet, geben Halt und spendieren auf Wunsch sogar eine Massage. Man sitzt tief, aber nicht unbequem.
Theoretisch gibt es hinter den Sportsitzen sogar zwei weitere Sitzgelegenheiten. Zwei „Notsitze“ hat Ferrari dort verbaut. Die sind aber bestenfalls für Kinder geeignet, die keine allzu langen Beine haben. Aber der Amalfi ist eben kein Familienauto.
Navigation nur mit dem Mobiltelefon
Kritisieren muss man das Multimediasystem. Navigation gibt es nur mit Android Auto oder Apple Carplay. Bedeutet: Ohne Smartphone geht gar nichts. Das sollte sich eigentlich kabellos verbinden, was im Test leider nicht funktioniert. Während der Fahrt die Klimaanlage über den recht trägen Bildschirm zu verstellen, bereitet ebenfalls wenig Freude, und auch die Drehregler für die Multimediasteuerung hat Ferrari so versteckt hinter dem Lenkrad verbaut, dass wir sie erst einmal suchen müssen.
Das Multimediasystem: Leider nicht ganz zeitgemäß. Foto: Ferrari
Immerhin: Ist alles eingerichtet, bietet der 10-Zoll-Bildschirm hinter dem Lenkrad eine gute Übersicht. Dass der Beifahrer ebenfalls einen kleinen Bildschirm vor sich hat, sorgt für eine gewisse Symmetrie im Innenraum, ist aber eigentlich überflüssig. Mehr als Fahrzeugdaten und Multimediasteuerung bietet er nicht.
Auch allzu viel Gepäck sollte man bei einem Ausflug nicht mitnehmen. 273 Liter passen in den Kofferraum. Das ist nicht viel, aber für einen Sportwagen auch nicht ungewöhnlich wenig. Die Mitte der Rückbank kann umgeklappt werden, beispielsweise um Skier oder andere lange Gegenstände zu transportieren.
Der Kofferraum: Der Stauraum ist im Ferrari Amalfi überschaubar. Foto: Ferrari
Im Kofferraum des Testwagens finden wir auch ein Ladegerät. Ist dieser Ferrari doch ein wenig elektrisch? Keineswegs. Allerdings werden Autos wie der Amalfi traditionell wenig gefahren und stehen lange in der Garage. Da leidet mitunter die Starterbatterie. Damit kein Ferrari-Fahrer unter der Haube hantieren muss, lässt sie sich mit einem magnetischen Anschluss per Kabel laden, damit der Ferrari problemlos in den Frühling startet. Und dann ist der italienische Sommer auch gar nicht mehr weit.
Auf ans Mittelmeer: Auf Wunsch ist der Ferrari Amalfi ganz zivil. Foto: Lukas Bay
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Technische Daten – Ferrari Amalfi Coupé
Zweitüriges, 2+2-sitziges Coupé
Länge: 4,66 Meter
Breite: 1,97 Meter
Höhe: 1,30 Meter
Radstand: 2,67 Meter
Leergewicht: 1.470 kg
Kofferraumvolumen: 273 Liter
Motor: 3,9-Liter-Twinturbo-V8 (F154-Familie)
Leistung: 471 kW (640 PS) bei 7.500 U/min
Maximales Drehmoment: 760 Nm (3.000–5.750 U/min)
Antrieb: Hinterradantrieb
Getriebe: 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Beschleunigung 0–100 km/h: 3,3 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 320 km/h
Verbrauch: 11,2 Liter Super auf 100 Kilometer (WLTP)
CO₂-Ausstoß: 254 Gramm pro Kilometer
Grundpreis: ab 240.000 Euro
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Erstpublikation: 26.06.2026, 04:00 Uhr.
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