Festo-Chef Böck streicht 1300 Stellen – „Wir müssen handeln“
L'essentiel
- Festo-Manager Thomas Böck kündigt den Abbau von 1300 Stellen in Deutschland an, um auf Umsatzrückgänge zu reagieren.
- Er will das Unternehmen durch massive Investitionen in Elektrifizierung und eine neue Organisation zukunftsfähig machen.
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Pourquoi c'est important
Festo, ein traditionsreiches Familienunternehmen im Bereich Automatisierungstechnik, sieht sich seit drei Jahren mit Umsatzrückgängen konfrontiert. Um die Zukunftsfähigkeit zu sichern, plant das Unternehmen unter der Leitung des externen Managers Thomas Böck signifikante Einschnitte.
Esslingen. Mit Blick auf seine bisherige Karriere ist Thomas Böck der Manager, der Familienunternehmen versteht. Er arbeitete für die Besitzerfamilien von Claas, Kässbohrer (Merckle) und Fendt, seit zwei Jahren nun beim Unternehmen Festo für die Eigentümerfamilie Stoll.
Böck hat schon fast alles erlebt, was einem familienfremden Manager in so einem Unternehmen passieren kann, sei es der Verkauf an einen börsennotierten Konkurrenten, sei es, dass er seinen Posten für ein Familienmitglied räumen muss.
Und so ist der 54-Jährige nicht mehr leicht aus der Ruhe zu bringen. Auch nicht davon, dass er beim Automatisierungsspezialisten Festo erstmals außerhalb der Landmaschinenbranche arbeitet – und nun im Unternehmen Einschnitte umsetzen muss.
1300 Stellen will er in Deutschland streichen, jeden sechsten Arbeitsplatz. Bei Festo hat es so etwas in 100 Jahren Firmengeschichte noch nicht gegeben. Das Familienunternehmen konnte sich lange mit seiner Sonderstellung in der pneumatischen, elektrischen und digitalen Antriebstechnik sehr gut behaupten. „Nach drei Jahren mit Umsatzrückgängen mussten wir handeln“, sagt Böck, „wir können jetzt noch aus einer Position der Stärke handeln und tun dies mit Bedacht.“
Die Eigenkapitalquote verrät Böck nicht. Aber in der Branche wird sie immer noch unweit von 40 bis 50 Prozent geschätzt. Der Ingenieur hat die Strategie ausgegeben, massiv in Richtung Elektrifizierung zu gehen. Wachstumsmärkte sind in den USA und Südostasien. Doch gerade in Südostasien kann Festo nur gegen die chinesische Konkurrenz bestehen, wenn Entwicklungsgeschwindigkeit und Preis stimmen. Auch wegen der Zollproblematik führe kein Weg an verstärkter Produktion und Entwicklung in den Märkten „local for local“ vorbei.
200 Millionen Euro Kosten sollen raus. Der Personalabbau soll möglichst sozialverträglich geschehen. „Es gibt aktuell Verunsicherung in der Belegschaft, aber es ist auch Vertrauen da“, sagt Böck. Ihm sei es wichtig, die Mitarbeitenden immer transparent und zeitnah über Ergebnisse zu informieren. Ende 2025 hatte Festo über 20.000 Beschäftigte, davon rund 8000 in Deutschland.
Details werden erst noch verhandelt. In der Belegschaft war lange bekannt, dass etwas passieren würde und müsste. Das Ausmaß überraschte dann doch viele.
Böck will das Unternehmen schneller, effizienter und letztlich besser machen. Das Argument, am Standort gegen chinesische Kosten nicht konkurrieren zu können, lässt Böck nicht gelten: „Wir müssen uns auf chinesische Preissysteme und Tempo einstellen. Wir können in China-Speed entwickeln.“ Intern spricht er lieber von „Festo-Speed“.
Bei einem Medizintechnikauftrag habe das Unternehmen die Entwicklungszeit von 18 Monaten durch internationale Kooperation der unternehmenseigenen Gesellschaften auf zehn Wochen verkürzen können. Im dritten Quartal will Böck eine neue Organisation vorstellen, die das dauerhaft und nah am Kunden gewährleisten soll. Mit einem klaren Plan für die Zukunft.
Im vergangenen Jahr sank aber der Umsatz erst einmal zum dritten Mal in Folge auf nunmehr 3,33 Milliarden Euro. So schnell wie möglich soll das Umsatzniveau von 2022 mit 3,8 Milliarden Euro wieder erreicht werden. Die ersten drei Monate des Jahres sind laut Böck besser als im Vorjahr gewesen. Aber Zölle, Energiekosten und hartes Wettbewerbsumfeld drückten weiter aufs Ergebnis.
Mit unserer neuen Strategie wollen wir auch in schwierigem Umfeld wachsen, ist Böcks Ansage. Bei Claas schaffte er eine Umsatzsteigerung um mehr als 50 Prozent in vier Jahren – während Corona, Ukrainekrieg und Chipkrise.
Die Firmengruppe hat ihre Wurzeln im Jahr 1925. Damals gründeten Albert Fezer und Gottlieb Stoll das Unternehmen. Aus den Buchstaben der Nachnamen entsprang auch der Name, der bis heute besteht, obwohl Mitgründer Albert Fezer im Jahr 1929 aus dem Unternehmen ausschied. Ihre Söhne stiegen in den 1950ern in den Betrieb ein. Der Ingenieur Kurt Stoll war für den technischen Bereich verantwortlich und Kaufmann Wilfried Stoll für den betriebswirtschaftlichen.
Ihre jüngere Schwester Gerda Maier-Stoll wurde im Zuge einer Teilung im Jahr 2000 Eigentümerin der Elektrowerkzeugmarke Festool. Die dritte Generation der Gründerfamilie findet sich heute im Aufsichtsrat des Unternehmens wieder. Dort sind unter anderem Ulrich Stoll und Curt Michael Stoll stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende. Den Vorsitz des Gremiums hat Friedrich Eichiner inne. Er war zwischen 2007 und 2016 im Vorstand der BMW AG.
Fremdmanager Böck ist ein bodenständiger Allgäuer. Es studierte Elektrotechnik in Kempten. Seinen ersten Job trat er 1996 in seinem Heimatdorf Marktoberndorf als Elektronikentwickler bei Fendt an. Mit den Sprösslingen der Familie war er zusammen zur Schule gegangen. Doch die Familie verkaufte 1997 an den US-Konzern AGCO.
Trotz persönlicher Karrierefortschritte fühlte er sich auf Dauer unwohl dort. 2002 wechselte er zu Kässbohrer, das zum Reich der Familie Merckle (früher Ratiopharm, Phoenix, Heidelberg Cement) gehört. Nach vier Jahren ging es dann zu seiner bisher längsten Station, dem Landmaschinenhersteller Claas, wo er 2019 den Sprung auf den Chefsessel schaffte. Allerdings musste er 2023 einem Familienmitglied Platz machen und zurück ins Glied wollte er nicht. Da kam das Angebot von Festo zur rechten Zeit. Seit 2024 ist er dort.
Das Unternehmen sorgte in den vergangenen Jahren auf der Hannover Messe immer wieder mit Bionik für Hingucker, etwa einer elektromechanischen Biene, Känguru oder Vogel. Selbst die hochkomplexen Flugeigenschaften waren für die Steuerungs- und Leichtbauspezialisten von Festo kein Problem. Umso erstaunlicher, dass Festo bislang beim Trend zu humanoiden Robotern noch keine eigenen Produkte anbietet. Auch das will Böck ändern.
Böck sieht viele neue Möglichkeiten für Festo, sei es in der Robotik, Pharma- oder Halbleiterindustrie. „Familienunternehmen haben den Vorteil, wirklich langfristig zu arbeiten und nachhaltig Weichen zu stellen“, sagt Böck. Die Familie wolle auch noch in hundert Jahren alleiniger Eigentümer von Festo sein. Und Unternehmerfamilien, die versteht er.
À surveiller
Perspective IA — des possibilités, pas des certitudes
Festo wird im dritten Quartal eine neue Organisation vorstellen, die auf dauerhafte Kundennähe und schnelle Entwicklung ausgelegt ist.
Très probable · En quelques mois
Festo wird versuchen, das Umsatzniveau von 2022 (3,8 Mrd. Euro) so schnell wie möglich wieder zu erreichen.
Probable · Moyen terme
Questions ouvertes
- Wie genau werden die Entlassungen sozialverträglich gestaltet?
- Welche spezifischen Bereiche werden von den Kürzungen am stärksten betroffen sein?
- Welche konkreten Maßnahmen werden zur Beschleunigung der Entwicklung und zur Preisgestaltung im Wettbewerb mit China ergriffen?
- Wie wird sich die neue Organisation auf die Innovationskraft und Kundennähe auswirken?





