Friedrich-Ebert-Brücke in Bonn wegen Schäden für den gesamten Verkehr gesperrt
Dass die auch Nordbrücke genannte Friedrich-Ebert-Brücke in Bonn in keinem guten Zustand ist, muss allen klar gewesen sein, die sie benutzen. Schon seit Jahren ist die nördlichste Bonner Rheinquerung eine Dauerbaustelle. Erst Anfang Februar wurde sie zudem für Lastwagen mit mehr als siebeneinhalb Tonnen Gesamtgewicht gesperrt. Doch dass die Autobahn GmbH am Mittwoch die Brücke für den gesamten Verkehr sperren ließ, war dann doch eine böse Überraschung. Eine Stunde nach der Ankündigung war die Rheinquerung dicht.
Bei der jüngsten Prüfung stellten Ingenieure „strukturelle Schäden am Tragwerk der linksrheinischen Vorlandbrücke“ fest, was eine „unverzügliche Sicherung“ erforderte, wie es von der Autobahn GmbH hieß. „Die Sicherheit der Menschen, die täglich über diese Brücke fahren, ist nicht verhandelbar“, sagt Dirk Brandenburger, der technische Geschäftsführer des bundeseigenen Unternehmens.
Man suche nach Lösungen, um das Bauwerk wieder für den Verkehr freizugeben. Mit ersten Ergebnissen rechnet die Autobahn GmbH in den kommenden 14 Tagen. Dann werde sich zeigen, was möglich ist. Grund für große Hoffnungen gibt es kaum. Schon vor einigen Monaten hieß es von der Autobahn GmbH, die maximale Lebensdauer der 1967 eröffneten Brücke sei 2034 erreicht. Das heißt: Sie ist so angeschlagen, dass Sanieren oder Reparieren ihre Lebensdauer nicht mehr nennenswert verlängern kann.
Die regionale Wirtschaft spricht von einer „Katastrophenmeldung“, die oppositionelle SPD-Landtagsfraktion prophezeit, Nordrhein-Westfalen habe mit der Sperrung der Brücke an der A 565 „einen weiteren Stau-Hotspot“. Tatsächlich hat der Ausfall der nördlichsten der drei Bonner Rhein-Brücken weitreichende Auswirkungen. Auto- und Lastwagenfahrer müssen weite Umwege in Kauf nehmen. Betroffen ist nicht nur die eigentliche Rheinquerung. Auch weitere Abschnitte der A 565 zwischen dem Autobahnkreuz Bonn-Nord und dem Dreieck Bonn-Nordost sind einstweilen nicht mehr befahrbar.
Bisher nutzte ein Teil des Fernverkehrs die Nordbrücke, um von der einen auf die andere Rheinseite zu gelangen. Durch die Sperrung wird nun die Belastung anderer Brücken nicht nur in Bonn, sondern auch in Rheinland-Pfalz und vor allem im Kölner Raum zunehmen, wo das Straßensystem ohnehin schon chronisch überlastet ist. In Bonn selbst ist die Friedrich-Ebert-Brücke Teil des zu Bundeshauptstadtzeiten geplanten innerstädtischen Autobahnrings und soll eigentlich die anderen beiden Rheinquerungen entlasten.
Ende vergangenen Jahres simulierte der ADAC mit einem Netzmodell die Auswirkungen einer Vollsperrung der Nordbrücke. Demnach müssen Autos pro Jahr Umwege von insgesamt 50 Millionen Kilometern mehr zurücklegen, Lastwagen 5,5 Millionen Kilometer mehr. Der volkswirtschaftliche Schaden wird in der Studie auf 170 Millionen Euro jährlich beziffert.
Die Bonner Nordbrücke zählt schon seit Jahren zu den größten Sorgenkindern unter den deutschen Autobahnbrücken. In den Sechzigerjahren machten wegweisende Erfindungen im Stahlbetonbau Materialeinsparungen möglich, weshalb nur mit geringen statischen Reserven gebaut wurde.
Zugleich hat sich der Güterverkehr seit 1980 mehr als verdoppelt. Auch wurden die Lastwagen immer schwerer, weshalb die Schäden an den Brücken immer größer und gefährlicher wurden. Viele Tausend Brücken in Deutschland müssen saniert oder ersetzt werden – jederzeit kann es von jetzt auf nachher zu Sperrungen kommen, wie Ende 2021 bereits der Fall der Rahmedetalbrücke bei Lüdenscheid zeigte.
