Newsgather
Back|Kaffee in Deutschland: Teurer Luxus, aber unverzichtbar
Kaffee in Deutschland: Teurer Luxus, aber unverzichtbar
ACTUAI
FAZ·2 sa önce·🇩🇪Germany·Other

Kaffee in Deutschland: Teurer Luxus, aber unverzichtbar

4 dk okuma·%60 önem·758 kelime
#Kaffee#Kaffeepreise#Klimawandel#Tchibo#brandeins#Statista#Kaffeekonsum#Filterkaffee
F
FAZ
Yayıncı
Taille de police

Wenn die Kaffee-Kiste im Freiburger Stadtteil Wiehre ihre Luke öffnet, dauert es nicht lange, bis sich die gestreiften Liegestühle ringsherum mit Menschen füllen. Die minzgrüne Ape ist unter Freiburgern für ihren besonderen Charme bekannt. Kern ihrer Anziehungskraft ist jedoch die glänzende Siebträgermaschine, die sich in ihrem Inneren verbirgt. „Wir haben eine richtig gute Bohne, die in den Espressi und in den Milchgetränken supergut läuft“, sagt Jenny Fehrenbach. Seit anderthalb Jahren ist sie Geschäftsführerin der Kaffee-Kiste und des dazugehörigen Café August in der Freiburger Altstadt.

Dass die Bohnenpreise in die Höhe schießen, spürt auch die Kaffee-Kiste deutlich. Die lokale Rösterei, von der sie ihren Kaffee bezieht, habe etwa im vergangenen Jahr kaum Robustabohnen erwerben können. „Das liegt auch am Klimawandel“, sagt Fehrenbach, „an Wetterextremen wie Regen und Trockenheit.“ In der Folge musste auch die Kaffee-Kiste ihre Preise erhöhen. 3,90 Euro kostet der Cappuccino aktuell, die vier Euro möchten sie ungern übersteigen. „Wir wollen, dass der Kaffee weiterhin ein Allerweltsprodukt bleibt“, sagt Fehrenbach. „Auch wenn wir natürlich wissen, dass diese Preise schon jetzt nicht für alle leistbar sind.“

Zu einem ähnlichen Schluss kommt eine nach eigenen Angaben repräsentative Umfrage, die der Kaffeehersteller Tchibo zusammen mit dem Wirtschaftsmagazin „brand eins“ und Statista durchgeführt hat. 1500 Menschen zwischen 18 und 75 Jahren aus ganz Deutschland, die mindestens einmal im Monat Kaffee trinken, wurden im Januar per Onlinebefragung zu ihren Gewohnheiten und Vorlieben befragt. Ganze 47 Prozent sagen demnach, Kaffee sei für sie inzwischen ein Luxusgut geworden. Doch die Ergebnisse zeigen auch: Ganz ohne Kaffee geht es für die wenigsten.

3,2 Tassen Kaffee trinken die Deutschen laut Studie durchschnittlich am Tag. Das trifft etwa auf etwa ein Viertel der Befragten zu, nahezu ebenso viele Menschen trinken zwei Tassen täglich (24 Prozent). Der Anteil derer, die nur eine Tasse oder weniger trinken, liegt bei 15 Prozent. Ganze 20 Prozent geben hingegen an, fünf oder mehr Tassen Kaffee am Tag zu trinken.

Der Filterkaffee ist dabei mit 47 Prozent regelmäßiger Konsumenten mit Abstand die beliebteste Zubereitungsart. Das gilt insbesondere für Kaffeetrinker aus dem Osten des Landes: 55 Prozent der Befragten aus Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen nutzen zu Hause eine Filtermaschine. Im Westen, also in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland, liegt der Anteil dagegen bei 41 Prozent. Dort überwiegt die Zahl der Besitzer eines Vollautomaten, wenn auch nur schwach, mit 43 Prozent.

Die Deutschen mögen es einfach

Groß und geschäumt oder klein und kräftig? Hier scheiden sich die Geschlechter – mehr Männer (27 Prozent) als Frauen (19 Prozent) trinken lieber Espresso. 32 Prozent der Frauen und 20 Prozent der Männer bevorzugen Latte macchiato. Etwa ein Drittel aller Befragten trinkt regelmäßig Cappuccino. Besonders gering ist der Anteil derer, die sich regelmäßig für trendige Zubereitungsarten wie Flat White (fünf Prozent), Cold Brew (zwei Prozent) oder sogenannten Nitro Coffee (ein Prozent) entscheiden. Bei Letzterem handelt es sich um einen kalt „gebrühten“ und mit Stickstoff versetzten Kaffee. Diese besondere Methode soll für ein sanfteres Gefühl im Mund und einen besonderen Geschmack sorgen.

Nur sechs Prozent der Kaffeetrinker verzichten regelmäßig auf Koffein, ein Prozent trinkt sogar ausschließlich entkoffeinierten Kaffee. Knapp zwei Drittel achten laut der Studie bewusst darauf, dass die stimulierende Wirkung des Getränks sie nicht um ihren Schlaf bringt. Demnach stellen 20 Prozent der Befragten ihren Konsum zwischen 16 und 19 Uhr ein. Weniger Sorgen um die vier- bis fünfstündige Halbwertszeit des Koffeins machen sich sieben Prozent der Leute: Sie trinken erst nach 21 Uhr den letzten Kaffee des Tages. 18 Prozent sind sogar der Meinung, dass sich ihr Kaffeekonsum nicht auf ihren Schlaf auswirkt – und lassen sich dementsprechend nicht einschränken.

„Ich kann mir ein Leben ohne Kaffee nicht vorstellen“

Allein um den Kick geht es den Wenigsten. So kommt es der Studie zufolge nur für 15 Prozent infrage, auf Kaffee zu verzichten und das Koffein stattdessen etwa in Form einer Tablette aufzunehmen. Die erste Tasse Kaffee am Morgen bedeutet für etwa drei von fünf Menschen „den Startschuss in den Tag“. Knapp jeder Dritte bezeichnet sie als „Ruhe vor dem Tagessturm“. Etwas mehr als ein Viertel trinkt die erste Tasse aus „reiner Gewohnheit“.

Trotz der verschiedenen Präferenzen und Gewohnheiten gibt es eine Überzeugung, die ein Großteil der Befragten teilt: Zwei Drittel können sich ein Leben ohne Kaffee nicht vorstellen. Kaffee-Kiste-Geschäftsführerin Fehrenbach kann das nachvollziehen. Der Kaffee zwischendurch bedeutet für sie einen kurzen Augenblick der Pause, des Durchatmens: „Auf diese Kaffeemomente möchte ich nicht verzichten.“ Auch sie sind es, die den Kaffee zum Luxusgut machen.

This article was originally published by FAZ.

Related Stories