Kontroverse um Russlands Pavillon auf der Biennale in Venedig
L'essentiel
- Der russische Pavillon auf der Biennale in Venedig sorgte für Empörung bei der Ukraine, der EU und der italienischen Regierung.
- Trotz Einladung und Verteidigung durch den Biennale-Präsidenten blieb der Pavillon nach drei Preview-Tagen geschlossen, nachdem er nur provokative "Kunst" und Gratiswodka bot.
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Pourquoi c'est important
Die Teilnahme Russlands an der Biennale in Venedig löste Empörung bei der Ukraine, der EU und der italienischen Regierung aus, da sie als moralischer Affront und möglicher Bruch der EU-Sanktionen betrachtet wurde. Der Präsident der Biennale verteidigte die Teilnahme als friedensstiftende Maßnahme.
Nicht nur in der Ukraine war damals die Empörung groß – sie verfügt anders als Russland nicht über den Luxus eines eigenen Pavillons –, sondern auch bei der EU und in der italienischen Regierung, besonders bei Kulturminister Alessandro Giuli. In ihren Augen stellte die Teilnahme Russlands nicht nur einen moralischen Affront dar, sondern möglicherweise auch einen Bruch der EU-Sanktionen. Doch der Präsident der Biennale, der rechte Journalist Pietrangelo Buttafuoco, der Russland ausdrücklich eingeladen hatte, blieb hingegen bei seiner Linie und verteidigte die Teilnahme Russlands als friedensstiftende Maßnahme: „Die Biennale ist ... ein Ort des Dialogs, der Offenheit und der künstlerischen Freiheit, der Verbindungen zwischen Völkern und Kulturen fördert“.
Russischer Pavillon bleibt geschlossen
Doch vom Geist des Austauschs und der Versöhnung im Namen der Kunst war in dem Pavillon nichts zu spüren. Es war auch keine Kunst zu sehen. Die Russen hatten ihre Räume mit opulenten Blumenbouquets geschmückt, die nach und nach verwelkten. Dazu spielte ein DJ ohrenbetäubend lauten militanten Krawalltechno. Die Kuratorin Anastassija Karnejewa, Tochter eines beim Staatskonzern Rostec tätigen Rüstungsmanagers im Rang eines Geheimdienstgenerals, nannte das ein „Performance-Projekt“ und gab ihm den Titel „Der Baum ist im Himmel verwurzelt“. Es markiere das Ende von Russlands kultureller Isolation im Westen.
Dass tatsächlich ein paar Versprengte in diesem zynisch-morbiden Setting mitstampften, lag indes weniger an einem wiedererwachten Interesse an Russland, sondern vor allem am Gratiswodka, der in Plastikbechern großzügig ausgeschenkt wurde. Statt zu versuchen, mit unverfänglicher Kunst Sympathiepunkte zu gewinnen, wie es etwa die USA, Israel und andere Nationen mit derzeitigen Reputationsproblemen tun, streckte Russland der Welt den größtmöglichen Mittelfinger entgegen.
Selbst die Russland-Freunde an der Biennale-Spitze dürften erleichtert gewesen sein über das Arrangement, auf das man sich schließlich geeinigt hatte, um die EU nicht noch mehr zu provozieren: Der Pavillon blieb nur während der drei Preview-Tage geöffnet. Seitdem ist er geschlossen.
Questions ouvertes
- Was waren die genauen Gründe für die Entscheidung, den Pavillon nach drei Tagen zu schließen?
- Wie reagierte die russische Seite auf die endgültige Schließung des Pavillons?



