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Magdeburg Weihnachtsmarkt-Anschlag: Generalstaatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft
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Magdeburg Weihnachtsmarkt-Anschlag: Generalstaatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft

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Die Zeit
Yayıncı
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Infolge des Anschlags auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt waren sechs Menschen gestorben, weit mehr als 300 wurden teils schwer verletzt: Die Generalstaatsanwaltschaft fordert für den Todesfahrer eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Die Tat, die nur eine Minute dauerte, habe in ihrer Massivität jede menschlich begreifbare Dimension gesprengt, sagte Oberstaatsanwalt Matthias Böttcher vor dem Landgericht Magdeburg. Es sei schier unbeschreiblich, welches Leid der Angeklagte damit über viele Menschen und Familien gebracht habe. Tiefe Verachtung, Ekel und Wut seien angesichts dessen verständlich.

«Es ging und geht dem Angeklagten nur um sich selbst»

An der Täterschaft des Angeklagten habe zu keinem Zeitpunkt Zweifel bestanden, sagte Böttcher. Er habe die Tat lange geplant, aber keine ernsthaften ideologischen Ziele verfolgt. «Es ging und geht dem Angeklagten nur um sich selbst», so der Oberstaatsanwalt. Er möge sich selbst als Flüchtlingshelfer und Islamkritiker verstehen, sein eigentliches Motiv sei im Konflikt mit einer Kölner Flüchtlingshilfeorganisation zu sehen, gegen die er vor Gericht verlor.Wie sehr den Angeklagten der Konflikt auch heute noch beschäftige, sei im Prozess deutlich geworden. Der Ursprung könne nur vermutet werden. Böttcher sagte, der Angeklagte habe nicht die gewünschte Aufmerksamkeit und Bewunderung bekommen, vielmehr habe es ein gewisses Konkurrenzdenken gegeben.

Der psychiatrische Sachverständige habe dem 51-Jährigen eine narzisstische Persönlichkeitsstörung bescheinigt. Er habe demnach ein enormes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit.

Angeklagter tobt in seiner Glaskabine

Während der Ausführungen des Oberstaatsanwalts fing der Angeklagte, der aus einer Glaskabine die Verhandlung verfolgt, zu schreien an. Er wollte den Aussagen widersprechen. Der Vorsitzende Richter Dirk Sternberg drehte dem Angeklagten das Mikrofon ab. Der 51-Jährige tobte weiter. Maskierte Spezialkräfte der Justiz brachten sich in Position. Sie begleiten den Prozess, dessen 35. Verhandlungstag am Donnerstag erreicht war, stets. Das Verfahren findet unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Der Angeklagte beruhigte sich, nachdem Böttcher beantragt hatte, ihn für den Rest der Verhandlung auszuschließen. Am 20. Dezember 2024 bog der angeklagte Taleb Al-Abdulmohsen von einer Straße durch eine Lücke in Betonabsperrungen auf einen Fußweg auf den Weihnachtsmarkt ein. Der Generalstaatsanwaltschaft zufolge hatten die an einer Fußgängerampel Wartenden keine Chance mehr, sich in Sicherheit zu bringen. Teils sei der Fahrer mit dem mehr als zwei Tonnen schweren und 340 PS starken Wagen in Schlangenlinien und mit bis zu 48 Kilometern pro Stunde unterwegs gewesen. Er überfuhr Menschen, viele wurden weggeschleudert oder von umherfliegenden Personen oder Gegenständen getroffen.

Für jedermann bestand der Generalstaatsanwaltschaft zufolge Lebensgefahr, nicht nur für die Menschen im direkten Fahrweg. Die Besucher seien dem Täter arg- und wehrlos ausgesetzt gewesen.

Seit dem 10. November 2025 verhandelt das Landgericht Magdeburg gegen den Todesfahrer. Wegen der Vielzahl der Betroffenen wurde eigens ein Interimsgerichtsgebäude in Leichtbauweise errichtet. Es gibt mehr als 200 Nebenkläger. Laut dem Landgericht waren mehr als 100 Zeugen gehört worden.

Die Betroffenen leiden bis heute unter den Folgen des Anschlags

Es wurde deutlich, dass viele Betroffene bis heute unter den Folgen des Anschlags leiden - körperlich und auch psychisch. Viele sagten aus, dass sie bis heute Menschenmengen meiden, Angst- und Panikattacken haben und schlecht schlafen können. Unter den Opfern sind Kinder und Jugendliche genauso wie Erwachsene und Senioren, Menschen aus verschiedenen Bundesländern und auch aus dem Ausland. Sie alle hatten den Weihnachtsmarkt besucht und waren aus der Normalität gerissen worden.

Der Angeklagte, der aus Saudi-Arabien stammt und jahrelang als Psychiater im Maßregelvollzug für psychisch kranke Straftäter in Bernburg arbeitete, stellte insbesondere zu Beginn des Prozesses in teils wirren Ausführungen seine Sicht der Dinge dar. Er beschrieb sich selbst als Aktivisten, der insbesondere saudischen Frauen in Asylfragen geholfen habe. Mit deutschen Behörden geriet er immer wieder in Konflikte, spricht von vermeintlichen Vertuschungsaktionen von Polizei und Justiz sowie von Korruption. Im Prozess spielten immer wieder auch seine Hungerstreiks eine Rolle, das Gericht hatte seine Verhandlungsfähigkeit immer im Blick.

Der Angeklagte habe «als Herrscher über Leben und Tod Macht ausgeübt», hatte der Sachverständige Bernd Langer in seinem Gutachten Ende Januar festgestellt. Seiner Einschätzung nach ist der Todesfahrer weiterhin eine Gefahr für die Allgemeinheit. Man müsse jederzeit mit weiteren Gewalttaten rechnen, sagte Langer. Er sprach sich für eine Unterbringung des Angeklagten in der Sicherungsverwahrung aus. Langer beschrieb ihn auch als Narzissten. Er habe immer wieder Druckmittel genutzt, um seine Ziele zu erreichen – sei es, um im Mittelpunkt zu stehen oder Entscheidungen zu beeinflussen.

This article was originally published by Die Zeit.

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