Mercedes-Benz erwägt Verkauf seines Werks in Ludwigsfelde
L'essentiel
- Mercedes-Benz erwägt den Verkauf seines Werks in Ludwigsfelde (Brandenburg) mit rund 1800 Mitarbeitern.
- Als möglicher Käufer gilt das Rüstungsunternehmen KNDS.
- Dies wäre Teil einer Konversion von der Autobranche zur Rüstungsindustrie.
Résumé généré par IA
Pourquoi c'est important
Mercedes-Benz is considering selling its van factory in Ludwigsfelde, which employs around 1800 people. The German-French defense company KNDS is reportedly interested in acquiring the plant. This potential deal is part of a larger trend where the booming defense industry is acquiring production capacities from the struggling automotive sector.
München, Düsseldorf. Bei Mercedes-Benz steht offenbar in den kommenden Wochen die Entscheidung an, ob sich der Fahrzeugbauer von einem Werk in Deutschland trennt. Dabei geht es um die Fabrik in Ludwigsfelde südlich von Berlin, in der rund 1800 Beschäftigte Vans bauen. Derzeit laufen die entscheidenden Gespräche, berichteten Beteiligte dem Handelsblatt.
Als wahrscheinlich gilt zurzeit ein Verkauf oder ein Teilverkauf an ein anderes Unternehmen. Als Interessent wird KNDS genannt. Das deutsch-französische Rüstungsunternehmen soll mit dem Dax-Konzern seit einigen Wochen darüber sprechen, das Werk zu übernehmen, erfuhr das Handelsblatt bereits vor einigen Tagen aus Konzernkreisen. Zuerst hatte das Magazin „Der Spiegel“ darüber berichtet.
Mercedes wollte das auf Anfrage nicht kommentieren. Man erarbeite „eine zukunftsfähige Lösung für Ludwigsfelde, wobei verschiedene Optionen diskutiert werden“. KNDS teilte mit, dass „Gespräche mit Kandidaten noch laufen“, man sich aber nicht an Spekulationen zu möglichen Partnern beteilige.
Die Übernahme des Mercedes-Werks durch KNDS wäre ein weiteres Beispiel dafür, wie die boomende Rüstungsindustrie von der kriselnden Autobranche profitiert. Bei der sogenannten Konversion, also der Umwidmung eines Industriezweigs für die Rüstungsbranche, ist nun die zweite Phase angelaufen.
Zunächst wurde Personal von Autobauern und -zulieferern, die Arbeitsplätze abbauen, zur Rüstungsindustrie gelotst. So hat Deutschlands größtes Rüstungsunternehmen Rheinmetall mit dem kriselnden Zulieferer Continental vor rund zwei Jahren eine Vereinbarung getroffen, auf deren Grundlage Hunderte Mitarbeiter nach Umschulungen zu Rheinmetall wechseln konnten.
Nun beginnt Phase zwei, in der die Rüstungsindustrie Produktionskapazitäten der Autobranche übernimmt. Neben KNDS und Mercedes verhandelt aktuell auch Volkswagen mit der israelischen Rüstungsfirma Rafael. Dabei geht es um das VW-Werk in Osnabrück, wo die Fahrzeugproduktion Mitte 2027 auslaufen könnte. Zuvor hatte VW bereits vergeblich mit Rheinmetall über eine Weiterverwendung des Werks durch den Rüstungskonzern verhandelt.
Der Verkauf der Fabrik in Ludwigsfelde käme KNDS gelegen. Das Unternehmen benötigt industrielle Kapazitäten für die Produktion des Radpanzers Boxer, von dem die Bundeswehr offenbar bis zu 3000 Exemplare bestellen will. Hinzu kommen mögliche Exportaufträge für weitere Nato-Länder.
Da der Neubau eines Werks zu lange dauert, ist der Konzern auf der Suche nach einem bestehenden Standort. „Eine eingespielte Mannschaft aus der Autoindustrie wäre ideal“, sagte KNDS-Chef Florian Hohenwarter Ende April im Handelsblatt-Interview.
Der Standort Ludwigsfelde kann das bieten. Das Team dort wird intern als flexibel beschrieben. Denkbar ist, dass KNDS vor einer Komplettübernahme zunächst einen Teil des Werks mieten und einen Teil der Beschäftigten übernehmen könnte.
Das Werk Ludwigsfelde gibt es seit 1936. Damals baute der Mercedes-Vorgänger Daimler dort Flugzeugmotoren für die Nationalsozialisten. Später wurden in einem volkseigenen Betrieb der DDR etwa Motorräder gefertigt. Seit den 1990ern werden dort verschiedene Baureihen von Transportern gebaut.
KNDS hat Erfahrungen mit der Übernahme eines Werks aus der zivilen Industrie. Anfang 2025 hatte der Panzerbauer ein Werk des französischen Zugherstellers Alstom in Görlitz übernommen, wo nun Teile für den Kampfpanzer Leopard 2 hergestellt werden.
KNDS-Chef Hohenwarter arbeitete 20 Jahre in der Autoindustrie, verantwortete zuletzt bei Mercedes die Produktion von Limousinen. Er ist nicht der einzige Topmanager, der die Branche gewechselt hat: Emmerich Schiller, zuvor für die Produktion von G-Klasse und AMG-Modellen bei Mercedes zuständig, verantwortet seit Februar 2025 als Vorstand das operative Geschäft bei Renk. Der Getriebespezialist ist zentral für den Hochlauf der Panzerproduktion. Renk liefert sämtliche Getriebe für Leopard, Boxer und Puma.
Die Autoindustrie könnte Rüstungsfirmen bei einem schnellen Produktionshochlauf unterstützen. Mercedes-Chef Ola Källenius sagte am Freitag dem „Wall Street Journal“: „Was Autohersteller außergewöhnlich gut können – und wir sind darin gut – ist es, hochwertige Präzisionsmaschinen in größeren Stückzahlen zu bauen.“
Bei Källenius rückt mit dem angedachten Werksverkauf die Rüstungsbranche als Wachstumsfeld in den Fokus. Die Welt sei ein unberechenbarer Ort geworden, Europa müsse sein Verteidigungsprofil stärken, sagte Källenius. „Wenn wir dabei eine positive Rolle spielen können, wären wir dazu bereit.“
Mercedes ist schon länger im Verteidigungsumfeld aktiv. So kommen modifizierte Geländewagen der G-Klasse bei der Bundeswehr unter dem Namen „Wolf“ zum Einsatz. Die ehemalige Nutzfahrzeugtochter Daimler Truck, an der Mercedes noch etwa ein Drittel der Anteile hält, produziert geländegängige Lkw wie den Unimog, die militärisch genutzt werden.
Denkbar ist, dass Mercedes noch stärker in die rüstungsnahe Produktion einsteigt. So könnten die Schwaben etwa den Sprinter als gepanzerten Truppentransporter zur Verfügung stellen. Källenius erwartet, dass Rüstungsaktivitäten „eine wachsende Nische sein könnten, die auch zu unseren Geschäftsergebnissen beitragen“.
Die Zukunft des Mercedes-Werks Ludwigsfelde ist seit Monaten ungewiss. In Kreisen der Mitarbeitervertreter gilt der Standort als das „größte Sorgenkind“ in Deutschland. Mercedes rüstet mit Milliardeninvestitionen alle Werke seiner Kleintransporter-Division auf eine neue Produktionsplattform um – allein der Standort Ludwigsfeld ist davon ausgenommen.
Für das Werk sei „keine Industrialisierung vorgesehen“, bekräftigte der Chef der Van-Sparte, Thomas Klein, vor einigen Wochen am Rande der Präsentation des neuen Luxus-Vans VLE. Dieser ist das erste Fahrzeug, das auf der neuen Architektur gebaut wird. In den kommenden Jahren sollen peu à peu auch die gewerblichen Kleintransporter Sprinter und die kleinere Baureihe Vito auf die neue Plattform umgestellt werden.
In Ludwigsfelde wurden zwischen Betriebsräten und Management verschiedene Szenarien diskutiert: Eine Schließung des Standorts soll eine Möglichkeit gewesen sein. Im Gespräch war offenbar auch, die Fabrik etwa mit der Produktion von Fahrzeugkomponenten als Lieferant für andere Mercedes-Werke auszulasten.
Ein Verkauf an KNDS erscheint aktuell als die Möglichkeit, mit der die meisten Arbeitsplätze erhalten werden können. An dem Mercedes-Werk hängen hunderte weitere Beschäftigte von Zulieferern.
Im Werk Ludwigsfelde gibt es eine Beschäftigungsgarantie bis Ende des Jahres 2029. Der Konzern hatte betont, die offenen Baumuster des Sprinters so lange dort fertigen zu wollen, wie die Nachfrage der Kunden hiernach bestehe. Eine sichere Zukunftsperspektive für die Beschäftigten ist das allerdings nicht, zumal die Fahrzeuge auf der auslaufenden Plattform gebaut werden.
Um das Werk besser auszulasten, hat Mercedes kleinere Projekte nach Ludwigsfelde verlagert. Das ist allerdings keine langfristige Lösung. Seit Jahresanfang wird dort der luxuriöse Camper „Marco Polo“ auf Basis der V-Klasse ausgebaut und veredelt. Über Jahrzehnte hatte dies der Spezialist Westfalia gemacht. Das Basisfahrzeug wird allerdings im Mercedes-Werk Vitoria in Spanien gefertigt. „Mit neuen Projekten wird krampfhaft versucht, die Leute ruhigzustellen“, sagt ein mit den Vorgängen Vertrauter.
Für Frust in Ludwigsfelde sorgt, dass ausgerechnet jenes Werk, in dem die neue Plattform nicht eingesetzt wird, als Anlauffabrik dient, die Plattform testet und die dazugehörigen Prozesse entwickelt. Das Vorgehen ist in der Branche zwar nicht unüblich. Aber: „Die Entscheidung ist sehr unglücklich“, sagt ein Insider. Mitarbeiter in Ludwigsfelde, die um ihren Job bangten, würden Beschäftigte anderer Werke dazu befähigen, die Modelle der Zukunft zu bauen.
Ein Verkauf der Fabrik Ludwigsfelde würde Mercedes bei dem Vorhaben unterstützen, Milliardenbeträge in der Produktion zu sparen. Das soll auch durch Produktionsverlagerungen in Niedriglohnländer gelingen. Künftig werden Vans verstärkt im polnischen Jawor gebaut. Das Werk gibt es seit 2017; zunächst wurden dort Benzin- und Dieselmotoren sowie Batteriesysteme gefertigt. Demnächst sollen vor allem Elektro-Sprinter vom Band rollen.
Am Standort Düsseldorf werden künftig die nächste Generation des Sprinters auf der neuen Plattform sowie elektrisierte Vans mit offenem Baumuster gebaut. In Vitoria im Nordwesten Spaniens werden vor allem die neuen Großraumlimousinen für den privaten Einsatz gefertigt. Die Werke in Charleston in den USA und Fuzhou in China bauen Vans primär für die lokalen Märkte.
Zwar gilt das Werk in Ludwigsfelde, das im Zwei-Schicht-Betrieb läuft, als profitabel und gut ausgelastet. Allerdings wurde schon Mitte 2024 die Nachtschicht gestrichen. Mit rund 55.000 Einheiten pro Jahr ist der Standort deutlich kleiner als die anderen Van-Fabriken von Mercedes. Das zeigen Daten des Dienstleisters Marklines. Demnach laufen in Vitoria und Düsseldorf jeweils rund 120.000 Einheiten pro Jahr vom Band. Mit je rund 5000 Beschäftigten haben diese Werke auch deutlich mehr Mitarbeiter.
À surveiller
Perspective IA — des possibilités, pas des certitudes
Mercedes-Benz will likely sell the Ludwigsfelde plant to KNDS.
Probable · En quelques semaines
The acquisition will lead to a significant portion of the workforce being retained.
Possible · En quelques mois
Questions ouvertes
- What will be the final decision regarding the sale of the Ludwigsfelde plant?
- What are the specific terms of the potential acquisition by KNDS?
- What will be the long-term impact on the employees of the Ludwigsfelde plant?
- Will Volkswagen proceed with its negotiations with Rafael for the Osnabrück plant?






