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Merkel reflects on climate change as an existential threat
Politique
Handelsblatt02/06/2026Politique8 min de lectureGermany

Merkel reflects on climate change as an existential threat

L'essentiel

  • Former Chancellor Angela Merkel urged continued commitment to climate protection at the 40th anniversary of the Federal Ministry for the Environment.
  • She reflected on her time as minister and chancellor, admitting that "hope, not precaution" often guided actions and that climate protection was not always a top priority.

Résumé généré par IA

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Angela Merkel blickt bei einem Festakt in Berlin auf ihre Zeit als Umweltministerin und Bundeskanzlerin zurück – mit mahnenden und nachdenklichen Worten. Silke Kersting 02.06.2026 - 20:04 Uhr Artikel anhören

Festakt zum 40. Jubiläum des Bundesumweltministeriums in Berlin: „Der Klimawandel bleibt eine Überlebensfrage der Menschheit“, sagt die Ex-Kanzlerin Angela Merkel. Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Berlin. Die frühere Umweltministerin und Ex-Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ruft bei einem Festakt zum 40-jährigen Bestehen des Bundesumweltministeriums zum Engagement für mehr Klimaschutz auf. Trotz aller anderen politischen Herausforderungen „bleibt der Klimawandel eine Überlebensfrage der Menschheit“, sagte sie am Dienstag. „Manchmal scheint mir das in diesen Tagen ein wenig in den Hintergrund zu treten.“

Sie wäre gern Umweltministerin geblieben, sagte Merkel, die vier Jahre in diesem Amt tätig war. 16 Jahre war sie Bundeskanzlerin. Es bleibe die Frage, „ob es in meiner Macht gelegen hätte, beim Klimaschutz mehr Vorsorge zu treffen“, räumte Merkel ein.

„Immer wieder handelten wir nach dem Prinzip Hoffnung und nicht nach dem Vorsorgeprinzip“, sagte sie weiter. Auch nach dem Ausscheiden aus dem Amt habe sie die Frage umgetrieben, „ob wir Menschen willens und in der Lage sind, im Sinne der Vorsorge Warnungen der Expertinnen und Experten ernst zu nehmen und die notwendigen Entscheidungen zu treffen – oder immer nur dann zu handeln, wenn eine Naturkatastrophe passiert“.

Sie sieht die Klimapolitik weiterhin unter erheblichem Druck. „Ich möchte allen, die heute in der Klimapolitik engagiert sind, zurufen: Bleiben Sie standhaft.“

Bundesumweltminister Carsten Schneider hatte zur Feierstunde am Dienstag ins Café „Moskau“ geladen: „40 Jahre Bundesumweltministerium“, sagte der SPD-Politiker, das sei ein Anlass zum Rückblick, aber vor allem „Anlass, Mut zu schöpfen“. Veränderung sei möglich, das zeige die Geschichte des Ministeriums, sagte er. Die Bilanz dieser 40 Jahre könne sich sehen lassen. Deutschland sei wirtschaftlich gewachsen – und zugleich umweltverträglicher und ökologisch nachhaltiger geworden.

Die Entstehung des Ministeriums fiel in eine Phase, die von einer Katastrophe geprägt war: Im April 1986 explodierte in der Ukraine in der damaligen Sowjetunion Reaktor Nummer 4 im Atomkraftwerk Tschernobyl. Sechs Wochen später, am 6. Juni, gründete der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Ein Überblick über die Menschen und Programme, die das Ministerium seitdem prägten:

Klaus Töpfer: 1987 bis 1994

Erster Umweltminister war Walter Wallmann. Der CDU-Politiker blieb kaum ein Jahr im Amt, dann wurde er hessischer Ministerpräsident. Neuer Ressortchef im Umweltministerium wurde Klaus Töpfer, der einer der prägendsten Köpfe an der Spitze des Hauses werden sollte und 2024 verstarb.

Töpfer war in umweltpolitischen Fragen stets weiter als seine Partei, die CDU. Schon früh sprach er sich für die Abkehr von Atomkraft und fossilen Energien aus. Er führte den Gelben Sack ein und setzte ein Verbot der Chemikalien FCKW durch, die damals unter anderem als Kältemittel verwendet wurden. Zudem trat er für den Schutz der Ozonschicht ein und repräsentierte Deutschland 1992 bei der Umweltkonferenz der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro, die als völkerrechtliche Basis für internationalen Klimaschutz gilt. Es gilt als Verdienst von Töpfer und Kohl, dass Deutschland den Zuschlag für die erste internationale Klimakonferenz 1995 in Berlin erhielt.

Für internationale Aufmerksamkeit sorgte Töpfer, als er per Kopfsprung von einem Polizeiboot aus in den Rhein sprang und zum Ufer kraulte. Er wollte zeigen, dass der wichtigste deutsche Fluss nach Chemieunfällen und Fischsterben wieder sauber genug zum Schwimmen war. Später bekundete Töpfer, dass es auch um eine Wette gegangen war.

Klaus Töpfer (Archivfoto vom 13. September 1988): Kopfsprung in den Rhein. Foto: picture-alliance / dpa

Töpfer stand sieben Jahre an der Spitze des Umweltministeriums, dann rückte Angela Merkel auf den Posten. Töpfer wurde Bauminister, setzte sich später aber erneut für umwelt- und klimapolitische Themen ein, unter anderem als Chef des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep).

Angela Merkel: 1994 bis 1998

Angela Merkel, die Physikerin aus Mecklenburg-Vorpommern, leitete 1995 in Berlin die Rio-Nachfolgekonferenz, den Klimagipfel Nummer eins, und setzte das sogenannte Berliner Mandat durch, das die Industriestaaten erstmals zu verbindlichen Emissionsminderungen verpflichten sollte.

Umgesetzt wurde es zwei Jahre später durch das Kyoto-Protokoll, benannt nach der japanischen Stadt, in der es beschlossen wurde. Es wurde von Merkel mitverhandelt und galt lange als erster Erfolg in der internationalen Klimadiplomatie, war aber auch umstritten, weil die USA, einer der Hauptverursacher von CO2-Emissionen und ökonomischer Wettbewerber, dem Abkommen nie beitrat.

Und doch liegt Merkels spätere Bezeichnung als „Klimakanzlerin“ hier begründet. Christoph Bals, langjähriger Politikchef der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch, sagt rückblickend, Merkel habe das Thema als Physikerin wirklich verstanden. „Das verschaffte ihr früh Glaubwürdigkeit.“ Über ihre Zeit als Bundeskanzlerin sagt er aber auch: „Klimakanzlerin ja, aber Klimaschutz war bei Merkel stets Nummer zwei oder drei auf der Prioritätenliste.“

Jürgen Trittin: 1998 bis 2005

Mit dem Regierungswechsel übernahm 1998 erstmals ein Politiker außerhalb der CDU das Umweltministerium. Der heute 71-jährige Grünen-Politiker Jürgen Trittin gehört in der Riege der mittlerweile elf Umweltminister zu den bekanntesten und streitbarsten Ministern. Sein Name ist eng mit dem Dosenpfand verbunden.

Ein Umweltminister kann nicht jedermanns Darling sein. Jürgen TrittinEx-Bundesumweltminister, 2016

Weitaus wichtiger in Trittins siebenjähriger Amtszeit war sein Einsatz für den ersten Atomausstieg, wenngleich es später unter der schwarz-gelben Regierung doch wieder eine Verlängerung der Laufzeiten gab, die dann erst durch den Atomunfall in Fukushima gestoppt wurde.

Renate Künast und Jürgen Trittin (Die Grünen) mit einem Anti-Atomkraft-Schild vor dem Brandenburger Tor in Berlin (Archivfoto): Energiepolitik im Fokus. Foto: IMAGO/Zoonar

Trittin selbst nannte in einem Interview mit dem Handelsblatt 2016 den Einstieg in die erneuerbaren Energien einen seiner größten Erfolge. Germanwatch-Politikchef Bals sagt, es sei ein großer Verdienst gewesen, „das gegen ganz viele Widerstände durchgesetzt zu haben. Das wird bleiben.“ Dass die Energiepolitik später ins Wirtschaftsministerium verlagert wurde, hielt Trittin für einen Fehler.

Gabriel, Röttgen, Altmaier: 2005 bis 2013

Auf Trittin folgten Sigmar Gabriel (SPD), Norbert Röttgen (CDU) und Peter Altmaier (CDU). Gabriel (66), beim Festakt an diesem Dienstag nicht dabei, schipperte 2007 zusammen mit Merkel durch einen Eisfjord in Grönland, um sich über die Folgen des Klimawandels zu informieren. Merkel war da seit zwei Jahren Kanzlerin.

Ex-Bundeskanzlerin Merkel: 2007 am Eqi-Gletscher bei Ilulissat in Grönland. Foto: AP

In einer roten Jacke warb Merkel für Klimaschutz. „Hier wird Klimawandel sichtbar, ja fassbar“, sagte sie. Klimapolitisch war die Reise ein Signal: Deutschland übernahm 2007 die EU-Ratspräsidentschaft und machte den Klimaschutz zur Chefsache. Das 20-20-20-Ziel der EU – 20 Prozent weniger CO2, 20 Prozent erneuerbare Energien, 20 Prozent mehr Effizienz bis 2020 – wurde in dieser Zeit festgelegt.

Gabriels Verdienst laut Germanwatch-Politikchef Bals: „Er kommunizierte in die Industrie hinein, dass Transformation notwendig, aber wirtschaftlich gestaltbar ist.“

Nach der Bundestagswahl 2009 übernahm Norbert Röttgen (CDU) das Ministerium. Als Anfang 2011 in Fukushima drei Reaktoren explodierten, verkündete Merkel den zweiten und dieses Mal endgültigen Atomausstieg. Bals sieht Röttgen rückblickend als „nicht unwillig, aber zu kurz dran, um wirklich große Wirkung zu erzielen“. Sein Nachfolger Peter Altmaier gilt als jemand, der den Ausbau der erneuerbaren Energien eher wieder bremste als forcierte.

Barbara Hendricks: 2013 bis 2018

Die SPD-Politikerin Barbara Hendricks überraschte bei ihrer Ernennung mit dem Bekenntnis, keine ausgewiesene Umweltpolitikerin zu sein. Jedoch waren das auch einige ihrer Vorgänger bei Amtsantritt nicht. Hendricks brachte dennoch allerlei in Bewegung. Als erste Ministerin sprach die heute 74-Jährige etwa öffentlich vom Kohleausstieg.

Ich bin keine Umweltpolitikerin. Barbara HendricksEx-Bundesumweltministerin

Hendricks verband laut Bals als Erste konsequent soziale und ökologische Fragen und brachte Frauen in die Klimaszene. Ihr Satz „Klimaschutz ist Heimatschutz“ sei ein kluger Brückenbau zu den Konservativen gewesen, sagt der Klimaexperte.

Barbara Hendricks: Unterschrift unter das Pariser Klimaabkommen. Foto: AP

In Hendricks Amtszeit fällt das internationale Klimaabkommen von Paris: Ende 2015 wurde in der französischen Hauptstadt beschlossen, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten. Auch wenn noch immer kein größeres Land der Welt auf diesem Pfad ist, gilt das Abkommen als historisch.

Svenja Schulze: 2018 bis 2021

Svenja Schulze (SPD) setzte das erste deutsche Klimaschutzgesetz durch, ein historischer Moment, wie sie selbst betonte. Doch schon 2021 erklärte das Bundesverfassungsgericht das Gesetz für unzureichend. Es schütze die Freiheit künftiger Generationen nicht ausreichend, kommentierte Schulze (heute 57) das Urteil. Das Klimaschutzgesetz wurde verschärft und gipfelte in der Festlegung, Klimaneutralität nicht wie die restliche EU erst 2050, sondern schon 2045 umzusetzen.

Peter Altmaier tut so, als sei er der große Klimaschützer. Das ist bigott. Svenja SchulzeEx-Bundesumweltministerin, 2021

Ende 2021 endete die Ära von Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Ich bin der Meinung, dass ich sehr viel Kraft für den Klimaschutz aufgewandt habe – aber ich bedaure, dass wir nicht mehr erreicht haben“, sagte sie bei ihrer letzten Sommerpressekonferenz im Juli.

Steffi Lemke: 2021 bis 2025

Die Grünen-Politikerin und Umweltexpertin Steffi Lemke musste damit leben, dass ihre Parteifreundin Annalena Baerbock die internationale Klimapolitik im Auswärtigen Amt verankerte und mit ihrer Sondergesandten Jennifer Morgan zu den Weltklimagipfeln nach Ägypten, in die Vereinigten Arabischen Emirate und nach Aserbaidschan reiste.

Wir befinden uns in einer Dreifachkrise. Klimakrise, Artensterben, Umweltverschmutzung. Steffi LemkeEx-Bundesumweltministerin

Lemke konzentrierte sich fortan auf Naturschutz, natürlichen Klimaschutz, Biodiversität und Kreislaufwirtschaft. 2023 brachte sie das Bundesklimaanpassungsgesetz durch den Bundestag, das einen verbindlichen Rechtsrahmen schuf, um Deutschland auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten.

Darüber hinaus war Lemkes Amtszeit keine Ära großer einzelner Umweltgesetze. Sie bereitete aber viele Strategien vor, darunter eine Wasser- und eine Moorschutzstrategie sowie eine Kreislaufwirtschaftsstrategie.

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