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Nadin Zaya: FDP's youngest presidium member on immigration and the AfD
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Nadin Zaya: FDP's youngest presidium member on immigration and the AfD

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Die Welt
Yayıncı
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Mit 27 Jahren ist Nadin Zaya das jüngste Mitglied im neuen FDP-Präsidium. Sie kam als Kleinkind mit ihren Eltern, Asylbewerbern aus dem Irak, nach Deutschland. Die Rechtsreferendarin aus Niedersachsen soll den Neustart der Liberalen mitgestalten.

WELT: Frau Zaya, Sie sind mit 27 Jahren das jüngste Mitglied im neuen FDP-Präsidium. Was bedeutet Ihre Wahl für die Partei?

Nadin Zaya: Vor allem zeigt sie, dass die FDP bereit ist, neue Gesichter und neue Ideen nach vorne zu stellen. Die Jungen Liberalen hatten immer wieder Kandidaten im Präsidium der FDP – ein Novum ist das also nicht. Aber es ist ein wichtiges Signal an die junge Generation: Ihr seid nicht nur inhaltlich vertreten, sondern sitzt auch mit am Tisch, wenn Entscheidungen getroffen werden.

WELT: Sie haben sich erst elf Tage vor dem Parteitag zur Kandidatur entschieden. Warum?

Zaya: Die Jungen Liberalen haben mich gefragt, ob ich antreten möchte. Sie wussten, dass ich nie Probleme hatte, meine eigene Position einzubringen – auch dann nicht, wenn Gegenwind droht. Und wir sind die Partei des Wettbewerbs. Wenn an anderer Stelle kein Wettbewerb stattfindet, dann bringen die Jungen Liberalen ihn eben zurück.

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WELT: Der Parteitag sollte den Neustart der FDP markieren. Stattdessen wurde vor allem über Personalien und Lager gesprochen. Ist die Partei zerstrittener als vorher?

Zaya: Nein. Ich würde das nicht als Lagerkampf bezeichnen. Es ist doch völlig normal, dass in einer Partei über Positionen diskutiert wird. Nur wird darüber meist erst berichtet, wenn daraus Kampfkandidaturen entstehen. Was jetzt wie ein großes Spektakel wirkt, gehört eigentlich zur normalen Parteiarbeit. Entscheidend ist, dass wir am Ende zu gemeinsamen Beschlüssen kommen. Dann spricht die FDP mit einer Stimme.

WELT: Sie wurden 1998 in Bagdad geboren und kamen als Kleinkind mit Ihrer Familie nach Deutschland. Wie hat diese Geschichte Ihr politisches Denken geprägt – und warum sind Sie am Ende bei der FDP gelandet?

Zaya: Meine Familie gehört zur aramäischen christlichen Minderheit im Nahen Osten. Wir haben sehr früh erlebt, wie es ist, wenn man seine eigene Sprache nicht sprechen darf. Meine Eltern sind unter Saddam Hussein aufgewachsen. Es wurde gesagt: Du kannst so lange gut leben, bis du etwas gegen das Regime sagst. Diese Sensibilisierung für einen übergriffigen Staat war bei mir sehr früh da.

Eine Zeit lang habe ich überlegt, ob ich zur Jungen Union oder zu den Jusos gehen soll. Von der JU war ich gesellschaftspolitisch weit entfernt. Bei den Jusos fand ich befremdlich, wie man als Mensch mit Migrationshintergrund oft eher als Objekt staatlicher Politik betrachtet wurde als als jemand, der etwas erreichen will. Bei der FDP habe ich gesellschaftspolitische Offenheit, das Aufstiegsversprechen und den Schutz von Bürger- und Menschenrechten gefunden. Das ist meine persönliche heilige Dreifaltigkeit.

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WELT: Trotzdem gilt die FDP nicht als klassische Partei für Menschen mit Migrationsgeschichte.

Zaya: Ehrlich gesagt verstehe ich das selbst nicht. Ich kenne viele Menschen, die nach Deutschland gekommen sind, weil sie sich etwas aufbauen wollen, Bildungschancen suchen und bereit sind, dafür hart zu arbeiten. Genau diese Menschen müsste liberale Politik eigentlich ansprechen.

Ich glaube aber nicht, dass wir dafür eine besondere Ansprache brauchen. Mir ist wichtig zu vermitteln: Es ist egal, wo du geboren bist und unter welchen Umständen du nach Deutschland gekommen bist. Wenn du Lust hast, hier mit anzupacken und auf eigenen Beinen zu stehen, dann bist du bei der FDP richtig.

WELT: Die Debatte über die AfD hat den Parteitag geprägt. Wo ziehen Sie die rote Linie?

Zaya: Ich bin es so leid, über die AfD zu sprechen. Ich glaube, die Einzigen, denen es guttut, dass wir über die AfD sprechen, ist die AfD selbst. Das wird taktisch klug von ihr genutzt. Herr Kubicki hat sehr deutlich gesagt, dass es für ihn keine Zusammenarbeit und keine Koalition mit der AfD gibt. Der einzige Streitpunkt, den wir da noch haben, sind Anträge, die nur durch eine Mehrheit der AfD zustande kommen. Und ich gehe da so weit und sage, dass auch die für mich nicht in Ordnung sind. Ich akzeptiere keine Koalition, keine Zusammenarbeit und keine Anträge, die nur durch eine Mehrheit mit der AfD zustande kommen.

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Weltplus Artikel„Brandmauer“

WELT: Sie widersprechen damit Teilen der Debatte in Ihrer eigenen Partei. Martin Hagen hat vor dem Parteitag erklärt, die Brandmauer sei ein „Popanz“.

Nadin Zaya: Ich kann in Herrn Hagens Kopf nicht reinschauen. Ich hätte ihm aber dringend davon abgeraten, so etwas im Vorfeld des Parteitages zu sagen und damit eine Agenda zu setzen. Viel schöner wäre es gewesen, wenn über diesen Parteitag ohne die AfD-Frage berichtet worden wäre.

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WELT: Die FDP war einmal die stärkste Partei bei Erstwählern. Heute wandern viele junge Menschen zu AfD und Linken ab. Warum?

Zaya: Viele junge Menschen haben das Gefühl, dass sich ihr Leben nicht verändert, egal wen sie wählen. Gleichzeitig erleben sie steigende Mieten, hohe Lebenshaltungskosten und wenig Perspektive. Wir sehen doch alle, dass Aufstieg heute nicht mehr so möglich ist wie vielleicht in den 90er-Jahren. Viele können es sich kaum leisten, in der Stadt zu wohnen, in der sie studieren. Sie überlegen dreimal, ob sie von zu Hause ausziehen. Das erzeugt Hoffnungslosigkeit und Perspektivlosigkeit. Die AfD war strategisch klug genug, dieses Gefühl aufzufangen.

WELT: Viele dieser Themen vertritt die FDP seit Jahren. Warum kommen sie nicht mehr an?

Zaya: Weil es nicht nur um Themen geht, sondern auch um Glaubwürdigkeit. Viele haben das Gefühl, ihr Leben verändert sich nicht, wenn sie FDP wählen. Ich bin kein Fan von populistischer Kommunikation. Mich nerven diese ständigen Zuspitzungen. Viel wichtiger ist es doch, den Menschen zu erklären, warum ihr Leben besser werden würde, wenn liberale Politik umgesetzt wird. Genau das dringt im Moment zu wenig durch.

WELT: Sie haben kein Bundestagsmandat. Wie wollen Sie Ihre Botschaften sichtbar machen?

Zaya: Natürlich über soziale Medien. Aber nicht mit plumpen Parolen. Ich finde Formate stark, die Dinge erklären und zeigen, was politische Entscheidungen konkret im Alltag verändern. Es gibt viele Menschen, die sagen: Steuerpolitik ist langweilig. Bis man ihnen erklärt, was auf ihrer Gehaltsabrechnung steht und warum. Dann wird es plötzlich sehr konkret.

Maximilian Heimerzheim berichtet für WELT und „Politico“ über die SPD und gesellschaftspolitische Themen.

Rixa Fürsen ist Head of Podcast bei „Politico“ Deutschland.

This article was originally published by Die Welt.

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