Neues Altersvorsorgedepot: Wer profitiert von staatlicher Förderung?
L'essentiel
- Ab 2027 fördert Deutschland staatlich Geldanlagen in ETFs und Anleihen zur Altersvorsorge.
- Das neue Depot bietet Zulagen und Steuererleichterungen, doch die Komplexität und individuelle Situation entscheiden über den Vorteil gegenüber Riester-Rente oder freiem Sparen.
Résumé généré par IA
Pourquoi c'est important
Germany is introducing a new state-subsidized pension savings account to address gaps in the current retirement system. The Bundesrat has approved a bill that will promote investments in selected stock-market-listed index funds (ETFs) and bonds starting next year.
Düsseldorf. Das neue Altersvorsorgedepot soll Lücken im bestehenden Rentensystem schließen. Der Bundesrat hat dem Gesetzentwurf Anfang Mai zugestimmt. Ab kommendem Jahr wird damit die Geldanlage in ausgewählte börsennotierte Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETFs) und Anleihen staatlich gefördert.
Das neue Depot sieht dabei eine jährliche Grundzulage und eine Kinderzulage vor, die der Staat ab einer Sparrate von 120 Euro pro Jahr zusätzlich zahlt. Bei höheren Einkommen kann sich zusätzlich eine Steuerförderung über den Sonderausgabenabzug lohnen. Darüber können pro Jahr Eigenbeiträge bis 1800 Euro steuerlich abgesetzt werden. Fällt die Steuerentlastung höher aus als die Gesamtzulage (Günstigerprüfung), zahlt das Finanzamt die Differenz zusätzlich aus.
Doch der Nachfolger der bisherigen Riester-Rente ist komplex strukturiert. Für Anleger gilt es, eine Vielzahl an Faktoren zu beachten. Das Handelsblatt hat deshalb an fünf Fallbeispielen – mit jeweils einem Vorsorgedepot – durchgerechnet, wie man von der Förderung profitieren kann und wie viel Geld zum Renteneintritt mit 67 Jahren angespart ist.
Eine Familie, beide Elternteile berufstätig, zwei Kinder im Kindergartenalter und ein Bruttoeinkommen von insgesamt 90 000 Euro, erreicht mit einer Sparrate von 150 Euro im Monat ihr Fördermaximum. Bei einer Grundzulage von 540 Euro sowie einer zweifachen Kinderzulage von 300 Euro, beläuft sich die jährliche Förderung also auf 1.140 Euro. Dies ergibt eine Förderquote von 63 Prozent.
Das entspricht zwar der höchsten absoluten Förderung im Vergleich. Bei Verheirateten lohnt sich der Sonderausgabenabzug erst ab einem gemeinsamen Brutto von über 150.000 Euro. Davor übersteigt die Gesamtzulage die ansonsten eingesparten Steuern.
Eine Alleinerziehende, Anfang 30, vollzeitbeschäftigt mit einem Brutto von 42.000 Euro und einem Kind im Grundschulalter. Bei einem realistischen monatlichen Sparbetrag von 80 Euro kommen eine Grundzulage von 330 Euro und eine Kinderzulage von 300 Euro im Jahr dazu. Damit liegt die jährliche Förderung bei 630 Euro und die Förderquote von 66 Prozent ist relativ gesehen am höchsten.
Mit einem kleineren Eigenbeitrag als die Familie mit zwei Berufstätigen kommt eine Alleinerziehende auf den prozentual größten Förderanteil. Doch trotz der hohen Förderquote für diese Lebenslage könnte in einigen Fällen das alte Vorsorgeprodukt, also die Riester-Rente, günstiger sein, meint Niels Nauhauser, Abteilungsleiter der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.
„Im Riester-System reicht ein Eigenbetrag von 60 Euro pro Jahr aus, um die vollen Zulagen zu erhalten. Beim Altersvorsorgedepot wären dagegen 360 Euro Eigenbeitrag erforderlich, um sowohl die höchste Förderstufe bei der Grundzulage als auch die volle Kinderzulage zu bekommen.“ Theoretisch würde also ein kleinerer Sparbetrag ausreichen, als die 80 Euro pro Monat im Rechenbeispiel, um die höchste Förderquote zu erreichen.
Verwaltungsbeamter, verheiratet, mit einem Jahresbrutto von 65.000 Euro und einem Kind in der Mittelstufe. Bei einer Sparrate von 150 Euro im Monat beläuft sich die Grundzulage auf 540 Euro und die Kinderzulage auf 300 Euro. Die Förderquote liegt in diesem Fall bei 47 Prozent.
Bei Beamten falle eine mögliche Einkommenslücke aufgrund höherer Alterseinkünfte je nach Lebensstandard tendenziell geringer aus, sagt Michael Huber, Ruhestandsplaner beim VZ Vermögenszentrum. „Falls die Pension nach Steuern bereits ausreicht, um den Lebensstandard zu finanzieren, verliert das Altersvorsorgedepot an Attraktivität im Vergleich zum freien Sparen, da hier die Flexibilität in der Ruhestandsphase größer ist, sprich die Kapitalentnahmen völlig frei gestaltet werden können.“
Freier IT-Berater, 53 Jahre, verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und jährliche Bruttoeinkünfte von rund 75.000 Euro. Bei einer Sparrate von 150 Euro im Monat erhält der Selbstständige eine Grundzulage von 540 Euro sowie, je nach Grenzsteuersatz, eine zusätzliche Steuerförderung von 100 bis 150 Euro durch die Günstigerprüfung. Trotzdem bleibt die Förderquote mit 36 Prozent die niedrigste im Vergleich.
Bemerkenswert ist, dass die neue Förderung auch Berufsgruppen einschließt, die bei der Riester-Rente nicht unmittelbar förderberechtigt waren. Ein Sprecher des Finanzministeriums bestätigte auf Nachfrage des Handelsblatts: „Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungswerke sind auch als Selbstständige förderberechtigt.“ Das Vorsorgedepot steht ab 2027 also auch Ärzten, Rechtsanwälten oder Steuerberatern und Notaren offen.
Huber begrüßt zwar die Integration Selbstständiger in das neue Vorsorgesystem, doch weist er darauf hin, dass in diesem konkreten Fall, 53-jähriger freier IT-Berater, die kurze Restlaufzeit gleich zwei Probleme mit sich bringt. Einerseits könne der Zinseszinseffekt kaum zum Tragen kommen, andererseits würden auch Strukturen des Standarddepots nur zu einer überschaubaren Renditeerwartung beitragen, so der Experte. „Bis fünf Jahre vor Beginn der Auszahlungsphase darf der Anteil in Fonds der Risikoklasse fünf, sprich Aktienfonds und ETFs, höchstens 50 Prozent und zwei Jahre vor Auszahlungsphase höchstens 30 Prozent betragen.“
Grundsätzlich könne daher für Selbstständige die existierende Lösung der Basisrente eine Alternative sein, findet Huber, sofern die Produktkosten gering seien und keine Abschlussgebühren anfielen. Denn bei der Basisrente könnten deutlich höhere Beiträge steuerlich geltend gemacht werden.
Eine Angestellte, Ende 40, verheiratet, weist ein Familieneinkommen von 50.000 Euro auf und hat ein Kind im Grundschulalter. Seit knapp zwanzig Jahren bespart sie eine Riester-Versicherungspolice mit einem Vertragsstand von 25.000 Euro und einem Eigenbeitrag von 100 Euro im Monat. Die Förderung nach Riester beläuft sich dabei auf rund 475 Euro.
Hingegen ergeben sich im neuen System bei gleichem Beitrag 390 Euro Grundzulage plus 300 Euro Kinderzulage bei einer Förderquote von 58 Prozent. Für die mehr als 14,6 Millionen Riester-Bestandskunden in Deutschland wird ab nächstem Jahr ein Wechsel ins neue System in Betracht kommen.
Ob sich dieser letztlich rechnet, hängt für Nauhauser vor allem vom Zeitraum bis zur Auszahlphase ab: „Bei einem verbleibenden Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren kann ein Wechsel in ein Altersvorsorgedepot mit stärkerer Aktienorientierung sinnvoll sein, um langfristige Renditechancen von Aktien‑ETFs zu nutzen.“
Eine ähnliche Empfehlung hat der Experte für bestimmte Riester-Fondssparpläne: „Einige Verträge sind seit Jahren faktisch in Cash investiert. Andere sind zwar in Aktienfonds, aber häufig in teuren, aktiv gemanagten Produkten mit hohen laufenden Kosten investiert.“ Auch dort sei der Wechsel ins Altersvorsorgedepot mit breit gestreuten ETFs in der Regel wirtschaftlich sinnvoll.
Zuletzt sollten Sparer beim Vergleich mit dem klassischen ETF-Depot auch den Wegfall der Vorabpauschale beim Altersvorsorgedepot beachten. Diese Steuer wird im normalen ETF-Sparplan jährlich auf nicht ausgeschüttete Wertsteigerungen erhoben. Im neuen Vorsorgedepot fällt diese weg.
„Ökonomisch ist der Effekt ein Liquiditäts- und Zinseszinseffekt, aber kein Steuererlass“, sagt der Experte. Denn bei Sparern mit noch freiem Pauschbetrag setzt die Steuerbelastung im herkömmlichen ETF-Depot erst nach rund 20 Jahren mit entsprechendem Guthaben ein. Frühestens dann, so Hackethal, übersteigt die Vorabpauschale den Pauschbetrag und der Wegfall der Gebühr beim Altersvorsorgedepot wird zum Vorteil.
À surveiller
Perspective IA — des possibilités, pas des certitudes
More than 14.6 million existing Riester customers will consider switching to the new system.
Probable · En quelques mois
Self-employed professionals like doctors, lawyers, and tax advisors will become eligible for state-subsidized retirement savings.
Très probable · Immédiat
Questions ouvertes
- How will the complexity of the new system affect adoption rates?
- What are the long-term performance differences compared to Riester and free savings?
- Will the integration of self-employed individuals lead to significant uptake?
- What specific ETFs and bonds will be eligible for state promotion?




