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„Operation Chargeback“: Millionenbetrug mit Kreditkarten
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„Operation Chargeback“: Millionenbetrug mit Kreditkarten

L'essentiel

  • Die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz hat Anklage gegen neun Personen erhoben, die Teil eines mutmaßlichen weltweiten Betrugs- und Geldwäschenetzwerks sein sollen.
  • Unter dem Codenamen „Operation Chargeback“ wird ihnen vorgeworfen, Kreditkartendaten von Millionen Menschen missbraucht und einen Schaden von mindestens 300 Millionen Euro verursacht zu haben.
  • Mehrere Beschuldigte, darunter ehemalige Manager von Wirecard und Unzer, weisen die Vorwürfe zurück.

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Die „Operation Chargeback“ deckt ein mutmaßliches Netzwerk auf, das durch illegale Kreditkartenabbuchungen und Geldwäsche über 300 Millionen Euro erbeutet haben soll. Mehrere prominente Persönlichkeiten aus der Finanzbranche sind angeklagt.

Taille de police

„Operation Chargeback“ ist eines der größten Strafverfahren in Deutschland: Ein Netzwerk soll Millionen Kreditkarteninhaber betrogen haben. Anwälte mehrerer Angeschuldigter weisen die Vorwürfe zurück. René Bender, Michael Verfürden 06.07.2026 - 04:06 Uhr Artikel anhören

Kreditkarten: Weil die abgebuchten Beträge gering waren, fiel ein mutmaßlicher, groß angelegter Betrug vielen Opfern nicht auf. Foto: AP

Düsseldorf. Die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz hat neun Personen angeklagt, die in Verbindung mit einem mutmaßlich weltweit agierenden Betrugs- und Geldwäschenetzwerk stehen sollen. Auf fast 2400 Seiten Anklage haben die Strafverfolger ihre Ergebnisse zusammengefasst, wie das Handelsblatt aus mit den Vorgängen vertrauten Kreisen erfuhr.

Die Anklage soll sich unter anderem gegen den früheren Unzer-Chef Mirko Hüllemann, den Berater Ruben Weigand sowie die ehemalige Wirecard-Managerin Brigitte Häuser-Axtner richten. Häuser-Axtner gilt als enge Vertraute des untergetauchten Ex-Wirecard-Vorstands Jan Marsalek.

Der Vorwurf: Zusammen mit zahlreichen weiteren Beschuldigten sollen sie Kreditkartendaten von rund 4,3 Millionen Menschen aus 193 Ländern systematisch missbraucht und dadurch einen Schaden von mindestens 300 Millionen Euro verursacht haben. Ihre Ermittlungen führten die Fahnder unter dem Codenamen „Operation Chargeback“.

Zahlungsdienste

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Chargeback nennt die Zahlungsbranche eine Rückbuchung von der Kreditkarte. Wer auf seiner Abrechnung eine Zahlung entdeckt, die er nie autorisiert hat, kann sie beanstanden. Die Bank bucht das Geld dann zurück. Solche illegalen Abbuchungen stehen im Zentrum der Ermittlungen.

Ein Verteidiger Weigands bestätigte den Eingang der Anklage, wies diese aber als inhaltlich unzutreffend zurück. Eine Anwältin Hüllemanns bezeichnete die ihrem Mandanten gegenüber erhobenen Vorwürfe als haltlos. Anwälte Häuser-Axtners reagierten auf kurzfristige Nachfragen zunächst nicht. Sie hatten die Vorwürfe in der Vergangenheit aber ebenfalls bestritten.

Weigand, Hüllemann und Häuser-Axtner sitzen seit vergangenem November in Untersuchungshaft. Häuser-Axtner wurde Anfang März von Singapur an Deutschland ausgeliefert.

Mirko Hüllemann von der heidelpay GmbH Foto: heidelpay GmbH

Ihr ehemaliger Wirecard-Weggefährte Jan Marsalek ist dagegen weiter auf der Flucht. Auch er gehört zu den Beschuldigten der „Operation Chargeback“. Die Staatsanwaltschaft kann ihn nicht anklagen, weil es keine zustellfähige Anschrift gibt. Ermittler vermuten Marsalek in Russland, wo er für den russischen Nachrichtendienst arbeiten soll.

19 Millionen mutmaßliche Fake-Abos

Die Ermittlungen im Chargeback-Komplex wurden am 5. November bekannt. Damals rückten Hunderte Ermittler aus, um mehr als 60 Objekte in Deutschland und acht weiteren Ländern zu durchsuchen.

Die Behörden nahmen weltweit 18 Personen fest und sicherten Vermögenswerte in Höhe von mehr als 35 Millionen Euro. In Deutschland sitzen sieben Personen in Untersuchungshaft. Der Komplex mit insgesamt 36 Beschuldigten gilt als eines der größten Wirtschaftsstrafverfahren der Republik.

Wirecard

Marsaleks Schattenreich – die dubiosen Deals des Pornobarons

Im Kern geht es darum, dass ein mutmaßliches Betrugsnetzwerk mit gestohlenen Kreditkartendaten über 500 Scheinhändler mehr als 19 Millionen Fake-Abos generiert und dafür Gelder illegal abgebucht haben soll.

Die Beschuldigten sollen die monatlich abgebuchten Beträge bewusst klein gehalten und mit unverständlichen Verwendungszwecken versehen haben, damit Karteninhaber die unberechtigten Abbuchungen nicht zuordnen konnten oder sie gar nicht erst bemerkten.

Laut Ermittlern sollen die mutmaßlichen Betrugsnetzwerke dafür gezielt Mitarbeiter in leitenden Positionen bei großen Zahlungsdienstleistern installiert oder für ihre Absichten gewonnen haben. Auf diese Weise hätten sie Wirecard, Unzer (ehemals Heidelpay), Payone und die heute zu Concardis gehörende Nexi infiltriert.

Bei Unzer soll das mutmaßliche Betrugsnetzwerk sogar eine spezielle Software eingebracht haben, die beim Verschleiern und Waschen von Geldern helfen sollte. Unzer verweist darauf, dass der Zahlungsdienstleister seine Compliance mittlerweile erheblich verbessert habe.

Payment-Pioniere unter den Angeschuldigten

Der Berater Ruben Weigand soll nach Darstellung der Ermittler eine zentrale Vermittlerrolle zwischen den Händlern und Zahlungsdienstleistern eingenommen haben. Ihm wird vorgeworfen, Kontakte zu Unternehmen aus besonders risikobehafteten Branchen wie Pornografie oder Glücksspiel hergestellt und Strukturen aufgebaut zu haben, über die mutmaßlich betrügerische Transaktionen abgewickelt werden konnten.

Hüllemann, der den Zahlungsdienstleister Heidelpay gegründet hatte, der später zu Unzer wurde, soll nach Ansicht der Ermittler ein Wegbereiter der technischen Infrastruktur gewesen sein, die mutmaßlich zur Verschleierung von Zahlungsströmen eingesetzt wurde. Hüllemanns Umfeld hingegen wirft den Ermittlern vor, Muster zu sehen, wo keine seien. Die Staatsanwaltschaft interpretiere normale Paymenttechnik als Geldwäschevehikel.

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28.06.2026 Abspielen 59:26

Brigitte Häuser-Axtner wiederum soll laut Ermittlern als enge Vertraute des ehemaligen Wirecard-Asienvorstands Jan Marsalek bei der Betreuung eines mutmaßlich kriminellen Händlernetzwerks mitgewirkt und unter anderem Barauszahlungen vorbereitet haben. Ihr Anwalt erklärte dagegen zuletzt, es sei keine Grundlage für die Vorwürfe erkennbar.

Das Landgericht Koblenz muss entscheiden, ob es die Anklage zulässt und es damit zum Strafprozess kommt. Aufgrund der laufenden Untersuchungshaft mehrerer Angeschuldigter gilt dabei ein besonderer Beschleunigungsgrundsatz. Sollte es zum Prozess kommen, könnte dieser bereits im Herbst beginnen. Als möglichen Termin für den Prozessauftakt hat die Staatsanwaltschaft den 9. November benannt.

Mehr: Marsaleks Schattenreich – die dubiosen Deals des Pornobarons

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À surveiller

Perspective IA — des possibilités, pas des certitudes

  • Der Prozess könnte bereits im Herbst beginnen.

    Probable · En quelques mois

Questions ouvertes

  • Wie tief war die Infiltration der Zahlungsdienstleister?
  • Wo hält sich Jan Marsalek auf?
  • Wird die Anklage zugelassen?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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