Orban kündigt Rucktritt aus Parlament an - bleibt aber Fidesz-Parteichef
Ungarischer Ministerprasident verzichtet auf Parlamentsmandat und Oppositionsfuhrung - Nachfolger wird Gergely Gulyas. Wahlsieger Peter Magyar wirft Orban und dessen Umfeld Korruption vor und warnt vor Fluchtplänen.
L'essentiel
- Viktor Orban hat angekundigt, auf sein Parlamentsmandat zu verzichten und nicht Oppositionsfuhrer zu werden.
- Der 62-Jahrige bleibt jedoch Fidesz-Parteichef und will die Partei bei einem Erneuerungskongress im Juni fuhren.
- Neuer Fraktionsvorsitzender wird sein Vertrauter Gergely Gulyas.
Résumé généré par IA
Pourquoi c'est important
Die Parlamentswahl in Ungarn wurde von Peter Magyar und seiner Tisza-Partei gewonnen. Orban regierte Ungarn seit 2010 mit einer Unterbrechung zwischen 2002 und 2010 fast ununterbrochen.
Die Zukunft von Viktor Orban ist eigentlich immer noch ungewiss. Jetzt hat er sich mit einem Videoclip auf seinen Social-Media-Kanälen zu Wort gemeldet. Seine Ankündigung klingt wie ein halber Rückzug aus der Politik. Orban verzichtet darauf, ins Parlament einzuziehen und dort Oppositionsführer zu werden. "Gerade ist die Präsidiumssitzung der Fidesz-Partei zu Ende gegangen", sagt der 62-Jährige im Video. "Mit voller Kraft laufen die Gespräche über die Erneuerung unseres nationalen Lagers." Die Parlamentsfraktion werde grundlegend umgestaltet. Fraktionsvorsitzender solle Gergely Gulyas werden. "Ich habe beschlossen, mein Parlamentsmandat zurückzugeben", sagt er. "Man braucht mich jetzt nicht im Parlament sondern bei der Neuorganisation des nationalen Lagers." Orbans Gefolgsmann wird neuer Fraktionsvorsitzender. Der neue Oppositionsführer im Parlament, Gergely Gulyas, ist aktuell Orbans Ministeramtspräsident - in etwa ist das vergleichbar mit dem Kanzleramtsminister in Deutschland. Gulyas gilt als Orbans Gefolgsmann. Orban selbst hat vor, Fidesz-Parteichef zu bleiben. Das soll auf einem "Fidesz-Erneuerungskongress" im Juni beschlossen werden - eine Erneuerung quasi mit altbekannten Leuten. "Seit fast vier Jahrzehnten leite ich unsere Gemeinschaft", sagt Orban. "In dieser Zeit haben wir Erfolge und Misserfolge erlebt. Aber unser Lager war durchgehend die geschlossenste und solidarischste politische Gemeinschaft Ungarns und genau diese Einheit braucht Ungarn jetzt auch dringend." Peter Magyar reagiert umgehend mit eigenem Video. Wenn es nach dem Sieger der Parlamentswahl, Peter Magyar, geht, dann braucht Ungarn etwas ganz anderes. Magyar reagiert zwei Stunden nach Orbans Videoclip selbst mit einem Social-Media-Video. "Die Tisza-Partei bereitet sich mit voller Kraft auf die Regierungsübernahme vor und auf den Aufbau eines funktionierenden menschlichen Ungarns", sagt Magyar. "Doch im Hintergrund bleibt auch die Mafia nicht untätig." Mit der Mafia meint er Orban und dessen Umfeld. Laut Transparency International hat Orbans engster Zirkel pro Jahr mindestens vier bis fünf Milliarden Euro an Staatsgeldern an Recht und Gesetz vorbeigeschleust, für eigene Geschäfte, bei denen eine Menge Geld veruntreut worden sei. Magyar spricht von möglichen Fluchtplänen im Umfeld Orbans. Magyar sagt, er habe Informationen, dass das Orban-Umfeld aus dem Land fliehen wolle - mitsamt seinem gestohlenen Vermögen. "Während Viktor Orban vor der Übernahme der Verantwortung flieht, laufen im Hintergrund die Vorbereitungen", sagt der künftige Ministerpräsident Ungarns. "Fordere die Behörden auf, die Kriminellen festzunehmen" Er fordere die Steuer- und Zollbehörde auf, die gestohlenen Gelder unverzüglich zu beschlagnahmen. "Wer seiner gesetzlichen Pflicht nicht nachkommt und seinen Amtseid verletzt, begeht selbst eine Straftat", sagt Magyar. "Ich fordere die Behörden auf, die Kriminellen, die das ungarische Volk um Milliardensummen geschädigt haben, festzunehmen, damit sie nicht, vor der Bildung einer Tisza-Regierung, in Länder fliehen können, wo es derzeit keine Auslieferung nach Ungarn gibt." Die Verbrechen würden aufgeklärt, betont der Politiker. "Das Vermögen wird zurückgeholt. Wer sich unrechtmäßig auf Kosten des ungarischen Volkes bereichert hat, wird von der unabhängigen ungarischen Justiz zur Rechenschaft gezogen." Plant Lörinc Meszaros Flucht nach Dubai? Magyar sagt, dass er Informationen habe, dass mehrere Oligarchenfamilien Ungarn bereits verlassen hätten. Auch die Familie von Lörinc Meszaros habe vor, in den kommenden Tagen nach Dubai zu fliegen. Woher die Informationen stammen, sagt der Politiker nicht. Meszaros ist Orbans Schulfreund aus seinem Heimatdorf, der auf wundersame Weise vom lokalen Gas- und Heizungsinstallateur zum Milliardär wurde. In Ungarn wird spekuliert, dass auch Orban selbst fliehen könnte, in die USA, wo seine älteste Tochter mit ihrem Mann lebt. Die beiden sind in Ungarn ebenfalls extrem reich geworden.
À surveiller
Perspective IA — des possibilités, pas des certitudes
Peter Magyar wird Ministerprasident und eine Untersuchung der Korruptionsvorwurfe einleiten
Très probable · En quelques semaines
Ermittlungen gegen Orban-Umfeld wegen Korruption
Probable · En quelques mois
Flucht von Oligarchen aus Ungarn
Possible · En quelques jours
Questions ouvertes
- Wie gross ist das tatsachlich veruntreute Vermogen?
- Wird Orban tatsachlich ins Ausland fliehen?
- Wie wird die EU auf die Vorwurfe reagieren?

