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Oxford Economist Explains AI's Impact on Global Competition
En développement
Handelsblatt19/05/2026Business9 min de lectureGermany

Oxford Economist Explains AI's Impact on Global Competition

L'essentiel

  • Oxford economist Carl Benedikt Frey discusses AI's role in global competition, favoring a less zero-sum approach.
  • He critiques US immigration policies and corporate dynamics, while highlighting China's industrial policy and Europe's fragmentation as key challenges.

Résumé généré par IA

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Der Oxford-Ökonom erklärt, warum KI die Chancen und Risiken im internationalen Wettbewerb neu verteilt. Das europäische KI-Narrativ hält er für viel zu negativ. Sebastian Matthes, Jens Münchrath 19.05.2026 - 12:07 Uhr Artikel anhören

Herr Frey, wir leben in der Zeit des großen Technologiewettstreits zwischen den zwei Supermächten USA und China. Es geht um nichts weniger als die führende Rolle der nächsten technologischen Entwicklungsstufe. Müssen Weltmächte auch in den wichtigsten Technologien führend sein?

Auf lange Sicht gesehen war in der Wirtschaftsgeschichte jede dominierende Großmacht auch die technologisch führende Macht. Es ist zwar möglich, eine florierende Wirtschaft und Technologiebranche zu haben, ohne eine große Militärmacht zu sein, so wie es bei den USA im späten 19. Jahrhundert der Fall war. Aber es ist schwer, sich eine dominante Macht vorzustellen, die keine technologische Macht ist. Ich denke also, dass KI sehr wichtig sein wird. Sie ist wichtig für das Wirtschaftswachstum als solches, und sie ist entscheidend für die militärische Macht.

Welche der beiden Großmächte hat die besseren Chancen, sollte der Konflikt eskalieren?

Es kommt darauf an, was Sie unter Eskalation verstehen. Bei einem dritten Weltkrieg ...

... so weit muss man ja nicht gleich gehen.

Fakt ist: Die großen Innovationen des 19. Jahrhunderts, die Entstehung komplett neuer Industrien, von Eisenbahnen über Chemie bis hin zu den Anfängen der Elektroindustrie und dem Verbrennungsmotor, haben einen Wettlauf der Nationen entfesselt, der schließlich in zwei Weltkriegen mündete. Das Problem damals war, dass Nationen Weltpolitik als Nullsummenspiel betrachtet haben ...

… die Gewinne des einen sind die Verluste des anderen …

… genau. Rein wirtschaftlich kommerziell betrachtet, ist das aber nicht so. Wenn Deutschland ein neues Krebsmittel entwickelt, profitieren alle Länder. In der geopolitischen Debatte dominiert derzeit fatalerweise wieder das Denken in Nullsummenspielen.

Wo sehen Sie das besonders?

Auf allen Seiten. Die USA zum Beispiel wollen ihren technologischen Vorsprung, den sie in einigen Bereichen noch haben, unter allen Umständen erhalten oder gar ausbauen. Sie arbeiten mit Exportverboten sensibler Technologie. Anthropic etwa stellt seine Technologie nur bestimmten Unternehmen zur Verfügung, um die Cybersicherheit zu erhöhen, bevor es die Technologie öffentlich macht.

Tatsächlich dominieren amerikanische Tech-Unternehmen die Weltwirtschaft nach wie vor, zumindest, was die Börsenbewertung angeht. Wird das auch in zehn Jahren noch so sein?

Ich denke schon, der Vorsprung der US-Unternehmen ist gewaltig. Und wenn der weitere Fortschritt von der Entwicklung der Sprachmodelle abhängt, was derzeit bisher nicht klar ist, dann werden die führenden Unternehmen von heute auch die führenden in zehn Jahren sein. Wenn sich allerdings herausstellt, dass große Sprachmodelle doch nicht der Weg zu allgemeiner Künstlicher Intelligenz sind, dann haben wir eine neue Lage.

Dann ist der Zweikampf wieder offen?

Genau. Dann sind wir wieder im Bereich der Ideen und der Forschung. Die Geschichte lehrt: Nationen, die in einer Technologie führend waren, schaffen es praktisch nie, nach technologischen Umbrüchen ihre Führungsrolle zu behalten. Ebenso finden echte Umbrüche selten in etablierten Unternehmensstrukturen statt. Es waren nicht die Fahrradhersteller, die der Automobilbranche den Weg ebneten, es waren nicht die etablierten Autohersteller, die die Führung bei Elektrofahrzeugen übernommen haben. Es waren nicht die etablierten Medienunternehmen, die die Social-Media-Revolution einläuteten.

Trump gefährdet die amerikanische Technologieführerschaft. Carl Benedikt FreyOxford-Ökonom

Sie meinen das Innovations-Dilemma?

Genau, Technologieführer haben in der Regel keinen Anreiz, ihre bestehenden Geschäftsmodelle und die daraus resultierenden Einnahmen zu gefährden. In Baden-Württemberg etwa gibt es viele Firmen, die verschiedene Komponenten und Werkzeuge herstellen, und sie sind alle Teil eines Ökosystems, das im Zentrum der Automobilindustrie steht. Man kann dieses Produktionsnetzwerk nicht einfach zerlegen und von vorn anfangen.

Sie sind gefangen in ihrem Netzwerk?

Gewissermaßen. Oder ein anderes Beispiel. In den USA waren Neuengland und Michigan rund um Detroit die Innovatoren der zweiten industriellen Revolution. In der digitalen Revolution spielten diese Regionen keine Rolle. Es war das Silicon Valley, das Maßstäbe setzte. Der Hang, sein eigenes Geschäftsmodell nicht kannibalisieren zu wollen, ist eine Innovationsbremse.

US-Präsident Donald Trump: Die größten Firmen in Amerika sind durchschnittlich 40 Jahre alt. Foto: IMAGO/UPI Photo

Wie wird sich die Regierung von US-Präsident Donald Trump auf die technologische Entwicklung der USA auswirken?

Trump gefährdet die amerikanische Technologieführerschaft. Denn vor allem braucht man die richtigen Talente. Der amerikanische Erfolg basiert historisch betrachtet auf der Fähigkeit, die besten Köpfe aus aller Welt anzuziehen. Die US-Regierung trifft nun bewusst die Entscheidung, Visa für qualifizierte Einwanderer zu verschärfen. Sie trifft bewusst die Entscheidung, die Finanzierung ihrer führenden Forschungseinrichtungen zu kürzen. Die Vorgehensweise der Einwanderungsbehörde wirkt sehr abschreckend auf die globale Forschungsgemeinschaft.

Was ist Punkt zwei?

Technologische Führung braucht Dynamik. Diese war einzigartig in den USA. Die größten Firmen in Amerika sind im Schnitt 40 Jahre alt, in Deutschland sind es rund 100 Jahre. Aber diese Dynamik nimmt in den USA ab. Und nicht erst seit Trump, sondern seit der Jahrtausendwende.

Woran liegt das?

Ein Grund ist der mangelnde Wettbewerb.

Wo sehen Sie das?

An unterschiedlichen Stellen. Wir beobachten seit Jahren das Phänomen der Killer-Übernahmen, bei denen etablierte Unternehmen vielversprechende Start-ups aufkaufen, nur um sie dann zu schließen. Zudem gibt es eine Drehtür zwischen dem US-Patentamt für Marken und diesen etablierten Unternehmen, bei der Prüfer ihnen Patente von niedriger Qualität erteilen und anschließend für diese Unternehmen arbeiten, was Eintrittsbarrieren für Nachfolgerfirmen schafft, insbesondere für jüngere Firmen. Auch die wachsende Bedeutung der Lobbyarbeit bremst die Dynamik.

Ich halte die Entscheidung der Tech-Elite, Trump zu unterstützen, für einen verhängnisvollen Fehler. Carl Benedikt FreyOxford-Ökonom

All das begann aber, bevor Trump Präsident wurde.

Das stimmt. Aber Trump hat gigantische handelspolitische Barrieren für die ausländische Konkurrenz geschaffen. Auch das bremst den Wettbewerb und am Ende die Dynamik. In den 2000er-Jahren war die Wette, dass China den Vereinigten Staaten mehr ähneln würde. Jetzt sieht es so aus, als würden die Vereinigten Staaten China immer ähnlicher werden.

Wie erklären Sie sich vor diesem Hintergrund die große Unterstützung der libertären Tech-Größen im Silicon Valley für die autoritären Präsidenten?

Ich denke, es hat immer unheilige Allianzen gegeben. Und in diesem Fall, denke ich, hat die Regierung von Ex-Präsident Joe Biden einen großen Anteil an der Entstehung dieser Allianz: Die Demokraten haben die Tech-Community mit einer energischeren Kartellpolitik und der strengeren Regulierung von KI verärgert.

Was erhofft sich Big Tech?

Viele versprechen sich immer noch große Vorteile von der Deregulierungs- und Steuerpolitik. Trumps Wirtschaftspolitik ist aber ein sonderbarer Mix aus Deregulierung und Elementen von Staatskapitalismus. Der zweite Teil gefällt vielen nicht, und einige werden ihre Unterstützung für Trump sicher bereuen.

Manche sagen, Bezos, Thiel und Co. verkaufen ihre Seele und handeln gegen ihre eigenen langfristigen Interessen. Was sagen Sie?

Ich halte die Entscheidung der Tech-Elite, Trump zu unterstützen, für einen verhängnisvollen Fehler. Jetzt aber sind sie die Wette eingegangen, und es ist schwer, wieder umzukehren.

Mark Zuckerberg (Meta), Jeff Bezos (Amazon), Sundar Pichai (Alphabet) und Elon Musk (Tesla) während der Inaugurationsrede Trumps. Foto: Bloomberg

Ist es nicht auch die Tech-Elite selbst, die den wettbewerbsfeindlichen Kurs der USA fördert? Es gibt eine neue Denkschule im Silicon Valley, die auch Monopole legitimiert, weil die Unternehmen sonst nicht die kritische Größe erreichen könnten. Wettbewerb sei etwas für Verlierer, sagt etwa Peter Thiel.

Thiel verfolgt hier wohl eigene Interessen. Und ja, es ist wichtig, dass Unternehmen Skalierung erreichen, um Kosten zu senken. Wir wollen den Geschäftserfolg ja nicht verbieten. Aber eine erfolgreiche Volkswirtschaft braucht Wettbewerb. Wettbewerb ist die Kraft, die Innovationen treibt.

China hat in den vergangenen Jahren einen beeindruckenden technologischen Aufstieg erlebt. Kann Europa von diesem innovationsgetriebenen Ansatz der Industriepolitik lernen?

Industriepolitik ist richtig und wichtig, aber es muss eine wettbewerbsorientierte Industriepolitik sein. Die chinesische Führung hat tatsächlich eine Reihe technologischer Prioritäten identifiziert. Aber Peking hat gleichermaßen Raum für Wettbewerb und Raum für Experimente auf lokaler Ebene zugelassen. China hat also institutionelle Grundlagen für den Wettbewerb in diesen Bereichen geschaffen.

Die Idee beruht aber doch auf dem System der 1980er-Jahre, das Deng Xiaoping geschaffen hat, Xi dagegen setzt wieder auf Zentralisierung …

Genau. Und das ist einer der wesentlichen Gründe, warum China immer größere Schwierigkeiten hat, das Wachstumsniveau vergangener Jahrzehnte zu halten.

Braucht nachhaltiger ökonomischer Erfolg am Ende nicht doch politische Freiheit? Oder ist das der große Irrtum des Westens?

Insgesamt gibt es eine sehr starke Korrelation zwischen Wachstum und politischer sowie wirtschaftlicher Freiheit. Länder, die demokratisieren, wachsen tendenziell schneller, dazu gibt es zig gute Studien. Sie geben mehr für öffentliche Güter aus und sie investieren mehr in Bildung. Die große Frage ist, ob China auch künftig der Ausreißer bleibt, auf den die Leute zeigen und sagen können: Planwirtschaft funktioniert. Ihre Legitimation schöpft die Partei aus dem Wohlstand, den China schafft. Aber das wird immer schwieriger.

Carl Benedikt Frey

Nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften, Geschichte und Betriebswirtschaftslehre an der Universität Lund/Schweden promovierte Frey 2011 am Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb. Anschließend wechselte der heute 41-Jährige an die Oxford Martin School, wo er das Programm „Future of Work” (Zukunft der Arbeit) ins Leben rief.

Mit seinem Buch „The Technology Trap“ landete Frey bereits 2019 auf den Bestsellerlisten für Wirtschaftsbücher. Darin beschäftigt er sich mit der Frage, ob der technologische Fortschritt die soziale Ungleichheit verstärkt. In seinem neuen Werk, das unter dem Titel „Wie Fortschritt endet“ im Februar erschien, erklärt Frey, warum die technologische Entwicklung in einigen Nationen schneller als in anderen voranschreitet.

Aber was lässt sich nun aus der chinesischen Industriepolitik lernen?

Wenn Europa Industriepolitik betreibt, gibt es die Tendenz, Ressourcen in etablierte Unternehmen zu investieren. Es reicht nicht zu sagen, wir müssten in die Verteidigung investieren und dann viele Ressourcen in Rheinmetall stecken. Wenn China Industriepolitik betreibt, sieht es neue Unternehmen, eine neue, sich stets verändernde Unternehmenslandschaft. Die Volksrepublik richtete sogar Sonderwirtschaftszonen ein, in denen experimentiert wurde. In Europa dagegen versuchten verschiedene nationale Initiativen, die europäische Halbleiterindustrie zu gestalten. Sie scheiterten im Grunde, weil sie einen statischen Ansatz wählten, der ein bewegliches Ziel anvisierte.

KI ist doch noch dynamischer als Halbleiter, oder?

Ja, wir wissen nicht einmal, ob die Zukunft der KI große Sprachmodelle sind. Man investiert also viele Ressourcen in den Bau großer Sprachmodelle. Billionen für Infrastruktur auszugeben, ist eine Wette, und diese Wette mit öffentlichen Mitteln einzugehen, ist immer gewagt.

Deutschland gilt in Europa wieder als Wachstumsbremse. Wie schätzen Sie die Lage ein?

Deutschland hat es geschafft, länger auf der Industriewelle zu reiten als andere europäische Länder. Großbritannien etwa hat in den 1980er-Jahren unter Thatcher auf Dienstleistungen umgestellt. Überhaupt haben die meisten OECD-Staaten ihren Industrieanteil an der Wirtschaftsleistung in den vergangenen 30 Jahren gesenkt. Deutschland ist insofern ein Sonderfall. Es hat sich auf qualifiziertere Fertigung und spezialisierte Fertigungsgüter konzentriert. Das ging so lange gut, bis China in vielen Bereichen konkurrenzfähig wurde.

Nun auch im Bereich Elektrofahrzeuge …

Genau, China produziert immer noch günstiger. Das gilt auch, wenn man Subventionen herausrechnet. Dass Deutschland gegenüber der Volksrepublik im Nachteil ist, liegt hauptsächlich an der Kostenseite. Die chinesischen F&E‑Belegschaften sind ebenfalls viel günstiger. Und dann gibt es in Deutschland noch den Energieschock, und das ist für energieintensive Industrieunternehmen fatal.

Das letzte große Tech-Start-up im Land der Ingenieure war SAP in den 1970er-Jahren – was lief hier schief, und ist Deutschland vielleicht zu selbstzufrieden geworden?

Ich bin mir nicht sicher, ob Bequemlichkeit das Hauptproblem ist. Aber was Sie sagen, zeigt, dass Deutschland nicht besonders dynamisch ist. Dynamik im Sinne des großen Joseph Schumpeter.

... der den Begriff der schöpferischen Zerstörung prägte, die notwendig sei, um Neues zu schaffen …

Genau, Deutschland braucht mehr Schumpeter. Letztlich gilt das aber für ganz Europa.

Was muss geschehen, um diese Probleme in Europa zu überwinden?

Es gibt nicht die eine Wunderlösung, hier kommen mehrere Dinge zusammen. Du brauchst an erster Stelle einen großen Markt, um skalieren zu können.

Den Binnenmarkt hat Europa doch.

Es gibt aber keinen wirklich einheitlichen Markt für Dienstleistungen, und am Ende des Tages ist die Innovationsrendite durch die Größe des Marktes begrenzt, und der europäische Markt ist einfach fragmentierter. Das Kapital neigt dazu, an Orte zu fließen, wo es etwas zu verdienen gibt und Talente tendenziell hingehen. Orte, an denen sie skalieren können, und die sind eher in den USA und China, die beide große Binnenmärkte haben. Hinzu kommt: Beim Handel mit Dienstleistungen spielen Sprache und Kultur eine große Rolle. Auch hier ist Europa fragmentiert. Auch wenn uns die Vielfalt einen kulturellen Reichtum verleiht, auf den wir stolz sein können.

Was noch sind Hindernisse, um aus Europa eine Tech-Großmacht zu machen?

Europa muss schneller in der Lage sein, sich anzupassen, wenn neue Technologien kommen. Du brauchst außerdem einen flexiblen Arbeitsmarkt. Meta etwa kann fast nach Belieben einstellen und feuern, europäische Unternehmen können das nicht. In Europa sind die Kosten des Scheiterns, die Kosten der Umstrukturierung einfach zu hoch. Was den Arbeitsmarkt angeht, ist Dänemark sicherlich ein Vorbild.

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This article was originally published by Handelsblatt.

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