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Rohstoff-Experte warnt vor „Kipppunkt“ am Ölmarkt
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Rohstoff-Experte warnt vor „Kipppunkt“ am Ölmarkt

L'essentiel

  • Michael Widmer, Rohstoffstratege der Bank of America, warnt vor einem „Kipppunkt“ am Ölmarkt in etwa vier Wochen, wenn die Meerenge von Hormus blockiert bleibt.
  • Er prognostiziert Ölpreise von bis zu 150 Dollar pro Barrel und gravierende Engpässe bei Gas und Aluminium, mit erheblichen Folgen für asiatische Länder und Europa.

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Die Meerenge von Hormus ist seit über drei Monaten blockiert, was zu stagnierenden oder leicht fallenden Preisen für Öl, Gas und Industriemetalle führt, obwohl die Engpässe zunehmen. Michael Widmer von der Bank of America warnt vor einem kritischen Punkt in vier Wochen.

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Michael Widmer, Rohstoffstratege der Bank of America, sieht gravierende Engpässe, wenn die Meerenge von Hormus blockiert bleibt – mit beträchtlichen Folgen vor allem für asiatische Länder. Judith Henke 13.06.2026 - 17:27 Uhr Artikel anhören

Tanker im Fadenkreuz: Die Straße von Hormus ist noch immer kaum passierbar. Foto: AFP / Midjourney / Collage

Frankfurt. Die Preise von Öl, Gas und Industriemetallen stagnieren derzeit oder sind sogar leicht im Abwärtstrend – und das, obwohl die für Öl- und Gastanker wichtige Meerenge von Hormus weiterhin kaum passierbar ist.

Im Gespräch mit dem Handelsblatt warnt Michael Widmer, Rohstoffstratege der US-Großbank Bank of America (BofA), daher: In etwa vier Wochen könnte ein „Kipppunkt“ erreicht sein. Dann könnten die Lagerbestände für Öl unter kritische Niveaus gesunken sein und die Preise deutlich steigen – auf bis zu 150 Dollar pro Barrel.

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150 Dollar pro Barrel? Rohstoff-Experte warnt vor „Kipppunkt“ am Ölmarkt

10.06.2026 Abspielen 27:07

Und auch bei Gas und Aluminium drohen nach Ansicht des Rohstoffexperten gravierende Engpässe. Das gelte selbst dann, wenn die Straße von Hormus ab sofort geöffnet wäre. „Der Einfluss wird sich weit in die zweite Jahreshälfte strecken“, sagt Widmer.

Lesen Sie hier das ganze Interview mit Michael Widmer:

Die Straße von Hormus ist nun seit mehr als drei Monaten blockiert. Das ist deutlich länger als zunächst erwartet. Trotzdem notiert der Ölpreis nur bei rund 100 Dollar. Müsste er nicht viel höher sein?

Eigentlich schon. Aber die Lagerbestände haben bisher geholfen, die Ölpreise günstiger zu halten, als sie eigentlich hätten sein müssen. Doch je länger die Straße von Hormus geschlossen bleibt, umso knapper wird der Markt werden, da die Lagerbestände irgendwann erschöpft sein werden.

Wie lange reichen die Bestände noch?

Momentan gehen einige Investoren und Analysten davon aus, dass innerhalb von vier Wochen ein Kipppunkt erreicht werden könnte. Die Lagerbestände liegen dann nicht bei null, aber auf kritischen Niveaus.

Und was passiert dann, wenn der Kipppunkt erreicht ist?

Unter der Annahme, dass die Straße von Hormus zu diesem Zeitpunkt weiterhin geschlossen ist: Die Preise werden steigen.

Wie hoch?

Wir schauen da auf die 140, 150 US-Dollar pro Barrel.

Was sind die Folgen?

Es wird zu einer Nachfragezerstörung kommen, die Nachfrage wird deutlich zurückgehen. Davon wird vor allem Asien betroffen sein, aber schmerzhaft wird es auch bei uns werden.

In Asien haben einige Länder sogar Online-Unterricht eingeführt, das erinnert an Coronazeiten. Und in wenigen Wochen wird es dann noch schlimmer – wie kann man sich das vorstellen?

Das betrifft vor allem Länder, die nicht die Kaufkraft haben, um mit Europa um Energielieferungen zu konkurrieren. Hier könnte es dazu kommen, dass Regierungen schauen müssen, welche Industriesektoren und welche Konsumenten beim Energiekonsum priorisiert werden.

Vita: Michael Widmer

Michael Widmer leitet seit 2009 das Research für die Metallmärkte bei BofA Merrill Lynch Global Research mit Sitz in London. Davor arbeitete der Betriebswirt als Senior Metals Strategist bei BNP Paribas. Weitere vorige Stationen waren Lehman Brothers, Calyon Corporate and Investment Bank und Macquarie Bank. Widmer erwarb einen doppelten Master-Abschluss in Finanzwirtschaft und Internationalem Management an der Universität zu Köln.

Die Bank of America (BofA) ist gemessen an ihrer Bilanzsumme die zweitgrößte Bank der Vereinigten Staaten, weltweit die Nummer sechs.

Könnten solche Szenarien auch in Europa eintreffen?

Teilweise schon. Wir sehen es im Flugsektor, da Kerosin knapp wird. Das ist der Sektor, in dem wir in den letzten Wochen die größte Sorge wahrgenommen haben, obwohl die Regierungen in Europa immer wieder betont haben, dass genügend Kerosin an den Markt gebracht werden kann.

Müssen Europäer trotzdem irgendwann mit Flugstreichungen rechnen?

Die Diskussion ist schon am Laufen, und die ersten Flüge sind tatsächlich bereits gestrichen worden. Ob das jetzt allein auf die Energiemärkte zurückzuführen ist, ist eine andere Frage, aber es wird wahrscheinlich nicht einfacher werden.

Wenn die Straße von Hormus wie durch ein Wunder wieder geöffnet wäre – wie lange dürfte es dauern, bis sich der Ölmarkt wieder normalisiert?

Selbst wenn die Straße von Hormus geöffnet wird, wird die Normalisierung der Energieströme länger brauchen. Das heißt, der Einfluss wird sich weit in die zweite Jahreshälfte strecken. Man muss erst einmal die Tanker wieder an die Einsatzorte bringen und vorher die zerstörten Tanker reparieren. Das alles braucht seine Zeit. Besonders im Gasmarkt müssen Kapazitäten wieder aufgebaut werden, die zerstört wurden. Das könnte zwischen zwei und fünf Jahren dauern.

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Michael Widmer, Bank of America: „Selbst wenn die Straße von Hormus geöffnet wird, wird die Normalisierung der Energieströme länger brauchen.“ Foto: Frantzesco Kangaris/Bank of America

Allein die Zerstörung der Flüssigerdgas-Anlage in Ras Laffan in Katar hat zu riesigen Preissprüngen geführt. Mittlerweile hat sich der Gasmarkt aber wieder etwas beruhigt, die Preise laufen eher seitwärts. Ist der Markt zu entspannt?

Das liegt am Sommer. Derzeit ist in der nördlichen Hemisphäre die Nachfrage nicht ganz so hoch. In der zweiten Jahreshälfte könnte sich das ändern. Wir haben in Europa bereits jetzt recht geringe Lagerbestände. Dann kommt es darauf an, wie kalt der Winter wird. Die Preise könnten steigen, und der Gasmarkt könnte volatiler werden.

Könnten wir einen ähnlichen Winter wie 2022 haben?

Nicht unbedingt. Europa hat sich bei Gas stärker diversifiziert, die größten Zulieferer sind mittlerweile Norwegen und die USA. Aber: Der Flüssiggasmarkt ist ein globaler Markt. Das heißt, das Flüssiggas geht zu dem Käufer und in die Region, wo am meisten bezahlt wird. Europa wird mit Asien um die Lieferungen konkurrieren müssen.

Auch Aluminium hat mehrere Höchststände erreicht, da viele Schmelzkapazitäten in der Golfregion liegen und zerstört wurden. Sehen Sie hier weiteres Aufwärtspotenzial?

Der Nahe Osten, das heißt Katar, die Emirate, Bahrain, Saudi-Arabien, Oman und der Iran, stellt etwa zehn Prozent des globalen Aluminiums her. Und schon vor dem Krieg haben wir Preissteigerungen prognostiziert, da der Markt bereits damals im Defizit lag. Derzeit ist der Preis zwar wieder zurückgegangen, weil wegen des Krieges die Weltwirtschaft stagniert und die Nachfrage nach Aluminium darunter leidet. Generell halte ich es aber für schwierig, die Aluminiumverluste aus dem Nahen Osten in den nächsten sechs bis zwölf Monaten zu kompensieren.

Mehr: Bis zu 8900 Dollar pro Unze – „Es kommen noch einige gute Jahre auf Gold zu“

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À surveiller

Perspective IA — des possibilités, pas des certitudes

  • Ölpreise steigen auf 140-150 USD pro Barrel.

    Probable · En quelques semaines

  • Erholung der Gasmarkt-Kapazitäten dauert 2-5 Jahre.

    Possible · En quelques années

Questions ouvertes

  • Wann und wie wird die Meerenge von Hormus wieder geöffnet?
  • Wie werden Regierungen Prioritäten bei der Energieversorgung setzen?
  • Wie kalt wird der kommende Winter in Europa?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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