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Scalable Capital plant starkes Kundenwachstum und Ausbau des Angebots
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Handelsblatt20/05/2026Business5 min de lectureGermany

Scalable Capital plant starkes Kundenwachstum und Ausbau des Angebots

L'essentiel

  • Scalable Capital will das Kundenwachstum vervielfachen und plant den Ausbau seines Angebots, insbesondere im Bereich der Altersvorsorge.
  • Trotz eines erwarteten Verlusts im laufenden Jahr blickt das Fintech optimistisch auf ein Rekordjahr.

Résumé généré par IA

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Frankfurt. Scalable Capital hat ambitionierte Ziele: „Mittelfristig wollen wir nicht mehr mit 100.000 neuen Kunden im Jahr wachsen, sondern mit einem Vielfachen davon“, sagte Scalable-Capital-Mitgründer und -Chef Erik Podzuweit dem Handelsblatt. Derzeit hat der Münchener Neobroker mehr als 1,5 Millionen Kunden.

Zwei Drittel der Neukunden kämen von traditionellen Geldinstituten beziehungsweise Filialbanken, sagte Podzuweit. Ein Drittel beschäftige sich zum ersten Mal mit dem Thema Geldanlage. Als größte Konkurrenten nennt der Scalable-Chef vor allem andere Neobroker, aber auch Onlinebanken.

Scalable Capital zählt zu den größten deutschen Brokern. Das Unternehmen bietet auf seiner Plattform unter anderem den Handel mit ETFs, Aktien, Fonds, Kryptowährungen und Derivaten an. Anfang Juni des vergangenen Jahres sammelte Scalable Capital 155 Millionen Euro von Investoren ein; es handelte sich um die bislang größte Finanzierungsrunde in der Geschichte des Fintechs.

Aktuell verwaltet das Unternehmen nach eigenen Angaben ein Kundenvermögen von mehr als 50 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Wachstum von rund 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Das Angebot wird größer, wir sind in mehr Märkten“, sagt Podzuweit. Zugleich öffneten sich mehr Menschen einer privaten Altersvorsorge. Das typische Einstiegsprodukt seien ETFs.

Im Geschäftsjahr 2024 lag der Jahresfehlbetrag konzernweit bei 22,6 Millionen Euro, die Umsatzerlöse beliefen sich auf etwa 156 Millionen Euro. Neuere Zahlen hat das Unternehmen noch nicht veröffentlicht. Scalable Capital habe den Umsatz im vergangenen Jahr „deutlich gesteigert“, der Verlust sei geringer als 2024, sagte Podzuweit nur. Noch habe das Unternehmen 2025 einen Verlust in einem geringen zweistelligen Millionenbereich verbucht, doch dieser werde immer weiter abgebaut.

Auch in diesem Jahr rechnet Podzuweit noch mit einem Verlust im niedrigen Millionenbereich – „aufgrund unserer Investments etwa in Marketing, das Produkt und die Erschließung neuer Märkte“. Als Onlinebroker ist das Unternehmen in den Märkten Deutschland, Italien, Österreich, Spanien, Frankreich und den Niederlanden präsent. Der Kernmarkt in Deutschland sei profitabel, betont Podzuweit. Bei der Expansion hat der Scalable-Capital-Chef „naheliegende Länder“ im Blick, „der Fokus bleibt in Europa“.

Auf das laufende Geschäftsjahr blickt Podzuweit sehr zuversichtlich: „Es sieht nach einem Rekordjahr aus.“ Dies zeigten die Neukundenaufnahme, die Nettozuflüsse an Geldern und auch die Handelsaktivität: „Das erste Quartal hat durch die geopolitische Lage eine höhere Volatilität als zuvor“, sagte Podzuweit.

Im März führte der Broker ein neues Tagesgeldangebot mit einer Verzinsung von 2,5 Prozent ein. Der Zinssatz gilt bis auf Weiteres für Neu- und Bestandskunden. Laut Podzuweit soll der Kern von Scalable Capital künftig weiterhin das Thema Geldanlage sein: „Wir wollen der Hauptort sein, wo Kunden ihre Gelder anlegen und sparen. Darauf liegt der volle Fokus.“

Man werde weitere Bankangebote hinzufügen, ohne aber gleich das ganze Spektrum zu bedienen. Ein Girokonto etwa hält er nicht für unbedingt notwendig. „Als Anbieter verdienen wir nur über Zinsen oder eine monatliche Gebühr Geld an einem Girokonto, ansonsten verdient man nichts“, sagte er. Deshalb sei es eine Kostenfrage, dies zusätzlich anzubieten.

Weiterhin will Scalable Capital vor allem das Kerngeschäft rund ums Investieren und Sparen ausbauen. Welche Produkte das Fintech konkret auflegen will, ließ er offen. Nur so viel: Das Altersvorsorge-Depot werde „ein sehr großes Ding“. Er verspreche sich viel davon – und sieht das Unternehmen gut positioniert für ein solches Depot.

Ab Januar kommenden Jahres sollen neue Wege für die private, staatlich geförderte Altersvorsorge beschritten werden. Vorgesehen ist neben einem Modell mit vollständiger Beitragsgarantie – also 100 Prozent der eingezahlten Beträge sollen ausgezahlt werden – auch eine Variante mit 80-prozentiger Garantie. Hinzu kommt ein Altersvorsorge-Depot ohne Garantien, das stärkere Renditechancen am Kapitalmarkt eröffnen soll. Geplant ist zudem ein Standarddepot, das von einem öffentlichen Träger angeboten wird.

Ein weiteres Thema, das die Branche beschäftigt, ist das Verbot von Payment for Order Flow (PFOF). Dies bezeichnet Rückvergütungen, die der Broker von Handelspartnern für die Weiterleitung von Kundenorders erhält. Diese Geschäftspraxis will die EU bis spätestens Sommer 2026 verbieten.

Scalable Capital hatte Ende 2024 zusammen mit der Börse Hannover eine eigene Handelsplattform gegründet. Das Unternehmen wickelt an der European Investor Exchange (EIX) die Kundenaufträge selbst ab und verdient an der Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskursen Geld. Denn das Fintech ist neben der MWB Fairtrade Wertpapierhandelsbank einer der beiden „Kurs-Steller“, im Fachjargon Market-Maker genannt.

„Dadurch, dass wir selbst Kurse an der EIX stellen, sehen wir uns auch für ein EU-Verbot von Rückvergütungen für das Weiterleiten von Wertpapieraufträgen gewappnet“, sagt Podzuweit damals.

Auch Konkurrent Trade Republic beschäftigt dieses EU-weite Verbot. Bisher nutzt Trade Republic für die Geschäfte seiner Kunden die Lang & Schwarz Exchange, ein elektronisches Handelssystem, das von der Börse Hamburg betrieben wird. Der Berliner Broker erhält dafür eine Rückvergütung.

Anfang des Jahres hatte eine Tochterfirma des Berliner Neobrokers, die Trade Republic Business III GmbH, von der Finanzaufsicht Bafin die Lizenz zum „Betrieb eines multilateralen Handelssystems“ erhalten. Damit könnte Trade Republic den Aktienhandel künftig selbst abwickeln.

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This article was originally published by Handelsblatt.

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