Tensordyne will Nvidia mit Stromsparchips herausfordern
L'essentiel
- Das bayerisch-kalifornische Startup Tensordyne hat Absichtserklärungen über 200 Mio.
- Dollar für seine neuen KI-Chips.
- Diese sollen deutlich energieeffizienter und schneller als Nvidias Produkte sein und die Branche revolutionieren.
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Pourquoi c'est important
Tensordyne, ein Startup mit bayerischen Wurzeln, entwickelt energieeffiziente KI-Chips, um den Marktführer Nvidia herauszufordern. Das Unternehmen hat sich von einem Fokus auf autonome Fahrzeuge auf Rechenzentren neu ausgerichtet.
München. Tensordyne hat noch keinen einzigen Chip produziert, aber schon Absichtserklärungen über mehr als 200 Millionen Dollar in den Büchern. 15 Betreiber von Rechenzentren seien daran interessiert, die Halbleiter des bayerisch-kalifornischen Start-ups einzusetzen, sagte Co-Gründer Gilles Backhus dem Handelsblatt.
Das Unternehmen ist angetreten, Weltmarktführer Nvidia mit Stromsparchips zu verdrängen. Dabei ist Tensordyne eigenen Angaben zufolge einen entscheidenden Schritt weitergekommen: Das sogenannte Tapeout sei beendet, das Chipdesign also abgeschlossen. Der Auftragsfertiger TSMC werde jetzt mit der Produktion beginnen. Ende Oktober würden die Halbleiter ausgeliefert, sagte Backhus.
TSMC ist die erste Adresse der Chipindustrie: AMD, Apple, Broadcom und auch Nvidia beziehen ihre Halbleiter von den Taiwanern. Angesichts der kleinen Stückzahlen ist es für Start-ups nicht selbstverständlich, Zugang zu den TSMC-Fabriken zu bekommen.
Wenn der Plan von Tensordyne aufgeht, könnte die junge Firma aber bald zu einem großen Kunden werden. Tensordyne hat einen Chip für die Nutzung von KI-Modellen entwickelt, im Fachjargon KI-Inferenz-Chip genannt. Das Rechnersystem von Tensordyne soll nach Angaben des Unternehmens nur einen Bruchteil der Energie der gegenwärtig üblichen Lösungen von Nvidia verbrauchen. Zudem sei es mehr als zehnmal schneller, benötige deutlich weniger Fläche und sei wesentlich günstiger.
Mit diesem Versprechen zielt das Start-up auf einen Engpass der Branche. Der Boom generativer KI treibt den Strombedarf von Rechenzentren nach oben. Wenn etwa der Chatbot ChatGPT Eingaben verarbeitet und Antworten erzeugt, laufen im Hintergrund zahlreiche Multiplikationen und Additionen ab. Das kostet Rechenleistung und Strom.
Betreiber suchen daher nach Halbleitern, die bei ähnlicher Leistung mit weniger Energie auskommen. Tensordyne erklärt den eigenen Ansatz so: Multiplikationen werden im logarithmischen Raum ausgeführt und so in einfachere Additionen überführt. Das soll Rechenaufwand und Energiebedarf senken.
Nach Angaben des Unternehmens ist auch die Kommunikation zwischen den Chips ein Vorteil. Bis zu 72 Halbleiter ließen sich zu einem System zusammenschließen. Anders als bei Grafikprozessoren von Nvidia sei dafür keine aufwendige Wasserkühlung nötig.
Bis zum vergangenen Herbst hieß Tensordyne noch Recogni. Der neue Name steht für die Neuausrichtung des Unternehmens. Ursprünglich wollte die Firma Chips für das automatisierte Fahren entwickeln. Nun konzentriert sie sich auf Rechenzentren.
Zu den frühen Geldgebern zählten Bosch, Continental und Faurecia sowie die Risikokapitalarme von BMW und Toyota. Firmenchef Marc Bolitho kam vom Autozulieferer ZF. Gegen Konkurrenten wie Nvidia, Mobileye und Qualcomm konnte sich das Unternehmen im Autogeschäft jedoch nicht durchsetzen.
Tensordyne beschäftigt 115 Mitarbeiter und hat bayerische Wurzeln. Der Münchener Backhus gehört zu den fünf Gründern. Das Hauptquartier liegt im Silicon Valley, München ist der zweite wichtige Standort. In Kalifornien sitzen die Chipdesigner, in Bayern die KI-Spezialisten.
Für die Entwicklung arbeitet Tensordyne mit mehreren Konzernen zusammen. Der Chipanbieter Broadcom unterstützt nach Unternehmensangaben beim Design, Hewlett Packard Enterprise und Juniper bringen Hardware-Know-how ein, der Elektronikdienstleister Flex baut die Rechner.
Eigenen Angaben zufolge hat Tensordyne bislang rund 200 Millionen Dollar von Risikokapitalgebern eingesammelt. Spätestens im kommenden Frühjahr wolle sich das Unternehmen erneut frisches Geld beschaffen, sagte Backhus. Es gehe um einen dreistelligen Millionenbetrag. Dem Vernehmen nach wird Tensordyne mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet.
Weltweit versuchen zahlreiche Start-ups, Nvidia anzugreifen. Der Erfolg ist bislang gemischt. So ging Mitte Mai der Herausforderer Cerebras an die Börse. Seither haben die Papiere etwa ein Drittel an Wert verloren. Die Marktkapitalisierung beträgt indes rund 52 Milliarden Dollar.
Den jungen US-Rivalen Groq hat Nvidia Ende vergangenen Jahres de facto übernommen. Rund 20 Milliarden Dollar hat der Marktführer für ein Technologieabkommen bezahlt. „Es gibt keinen Grund, warum wir in Europa nicht auch solch ein Start-up hervorbringen können“, sagte jüngst Patrick Vandenameele, Chef des belgischen Chip-Forschungszentrums Imec. Europas einst aussichtsreichster Nvidia-Konkurrent Graphcore ging allerdings im japanischen Tech-Konglomerat Softbank auf.
Fachleute sehen das zentrale Hindernis nicht in der Chiptechnik selbst, sondern in Nvidias Software Cuda. „Die Nvidia-Kunden haben alle Werkzeuge, um Anwendungen mit Cuda zu entwickeln. Wenn sie zu anderen Anbietern wechseln, müssen sie ihr gesamtes Handwerkszeug austauschen. Das macht niemand gern“, sagt Martin Geißler, Chipexperte der Beratungsgesellschaft Advyce. Cuda hat sich in vielen Bereichen zum Standard entwickelt.
Die Absichtserklärungen zeigen jedoch: Einige Kunden sind bereit, Tensordyne eine Chance zu geben. Noch ist das kein Beweis für kommerziellen Erfolg. Für ein Unternehmen, das seinen ersten Chip erst ausliefern muss, ist es dennoch ein wichtiges Signal.
À surveiller
Perspective IA — des possibilités, pas des certitudes
Tensordyne wird im Frühjahr 2025 eine neue Finanzierungsrunde in dreistelliger Millionenhöhe abschließen.
Probable · En quelques mois
Questions ouvertes
- Wird Tensordyne die Produktionsziele erreichen?
- Kann Tensordyne Nvidias Software-Ökosystem überwinden?
- Wie wird sich der Markt für KI-Chips entwickeln?




