Trade Republic greift mit neuen Angeboten Konkurrenten an
L'essentiel
- Trade Republic führt ein neues Handelssystem ein, um professionelle Privatkunden anzulocken und Konkurrenten wie Flatex und Comdirect anzugreifen.
- Mit neuen Angeboten wie dem Bestprice-Algorithmus und einem Web-Terminal will das Fintech seine Position stärken und den Umsatzrückgang durch das PFOF-Verbot kompensieren.
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Trade Republic, ein Berliner Fintech, hat seine Handelsinfrastruktur ausgebaut und ein neues Handelssystem eingeführt, um professionelle Privatkunden anzusprechen. Dies geschieht als Reaktion auf das PFOF-Verbot der EU.
Die Firma startet neue Angebote und will damit auch professionelle Privatkunden anlocken. Mitgründer Hecker spricht im Handelsblatt über die Hintergründe – und erklärt, was Brad Pitt damit zu tun hat. Andreas Kröner 02.07.2026 - 07:01 Uhr Artikel anhören
Trade-Republic-Mitgründer Hecker: „Unser Vorbild ist der US-Broker Interactive Brokers.“ Foto: PR, Getty Images
Frankfurt. Das Fintech Trade Republic führt ein neues Handelssystem ein und greift damit Konkurrenten wie Flatex und Comdirect an. „Mit unseren neuen Angeboten machen wir auch professionellen Brokern Konkurrenz und adressieren besonders aktive und ertragsstarke Privatanleger, die heute noch nicht bei Trade Republic sind“, sagt Mitgründer Christian Hecker im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Das ist eine attraktive Nische.“
Das Berliner Unternehmen ist 2019 als Broker gestartet und wurde von Konkurrenten anfangs verspottet als „Spielzeug für Studenten, die erstmals Geld anlegen“, erinnert sich Hecker.
Mittlerweile sei die Firma erwachsen geworden, habe seit 2023 eine Vollbanklizenz und nun auch eine ausgebaute Handelsinfrastruktur mit Zugang zu 30 Börsen weltweit. „Wir bieten nun aktiven Privatanlegern die Instrumente, die auch Profis und Hedgefonds nutzen, um ihr Portfolio tagtäglich aktiv zu managen.“
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Damit adressiert Trade Republic nach der Einführung eines umfangreichen Kundenservices im April innerhalb kurzer Zeit den zweiten großen Kritikpunkt, den die Finanzbranche bisher geäußert hat. Bis zuletzt wickelte Trade Republic seine Handelsgeschäfte nämlich nur über einen Handelsplatz ab: die Lang und Schwarz Exchange, die von der Börse Hamburg betrieben wird.
Trade Republic erhielt dafür eine Rückvergütung, die in Fachkreisen „Payment for Orderflow“ (PFOF) genannt wird. Die EU hat diese Praxis jedoch per Ende Juni verboten. Trade Republic und andere Broker mussten die Abwicklung ihres Handels deshalb neu strukturieren.
Anleger können direkt an den Börsen handeln
Trade Republic hat dabei drei neue Angebote entwickelt. Das wichtigste ist eine Plattform mit einem Algorithmus namens Bestprice. Dieser ist mit 30 Börsen verbunden, vergleicht dort die Differenzen zwischen Ankaufs- und Verkaufskursen (Bid-Ask-Spreads) von Wertpapieren und führt eine Order dann automatisch zum besten Preis aus.
„Der Kunde kauft so über alle Börsen hinweg zum günstigsten Preis und verkauft zum teuersten Preis“, sagt Hecker. „Ich gehe davon aus, dass die meisten Kunden diese Option nutzen werden.“ Für eine Order zahlen Nutzer dabei wie bisher eine Abwicklungspauschale von einem Euro.
Zudem bietet Trade Republic Kunden nun die Möglichkeit, direkt auf einer von ihnen ausgewählten Börse zu handeln – für zwei Euro pro Trade. „Dieses Angebot richtet sich vor allem an professionelle Privatanleger, die sehr aktiv im Handel sind“, erklärt Hecker.
Neues Angebot von Trade Republic: „Eine Art Bloomberg-Terminal für Privatanleger.“ Foto: Trade Republic
„Einige Investoren wollen beispielsweise im sogenannten Limit‑Order‑Buch von Börsen handeln.“ Dort können Anleger etwa viele Orders platzieren und versuchen, so die Differenz zwischen Ankaufs‑ und Verkaufskursen auszunutzen.
Für professionelle Privatanleger hat Trade Republic zudem ein sogenanntes Web-Terminal entwickelt. „Dort können alle Kunden Livedaten kostenfrei einsehen, sich über Unternehmen informieren und verschiedene Marktanalysen vornehmen“, sagt Hecker. „Es ist eine Art Bloomberg-Terminal für Privatanleger.“
Umsatz sinkt, Gewinnmarge steigt
Trade Republic und andere Broker hatten lange gegen das PFOF-Verbot gekämpft, aber ohne Erfolg. Wirtschaftlich können es die Berliner mittlerweile verkraften. „Anfangs war Payment for Order Flow die einzige Einnahmequelle von Trade Republic, zuletzt machte er jedoch nur noch rund 18 Prozent unserer Umsätze aus“, berichtet Hecker.
Der Grund: Die Firma habe in den vergangenen Jahren zusätzliche Ertragsquellen erschlossen, unter anderem durch die Einführung von Girokonten und Kreditkarten. In vielen Märkten außerhalb Deutschlands erhält der Broker zudem schon länger keine Rückvergütungen mehr.
„Durch unsere neuen Angebote machen wir einen Großteil der Einbußen durch das Verbot von Payment for Order Flow wett“, sagt Hecker. „Der Umsatz wird durch das Verbot etwas zurückgehen, aber unsere Gewinnmarge steigt.“ Dafür gebe es mehrere Gründe.
Fintechs
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Die Firma senke durch die neue Handelstechnologie die Kosten. Zudem trage der neue Algorithmus positiv zum Ergebnis bei, „da wir kurzfristig Positionen auf dem eigenen Buch haben“, erklärt Hecker. „Und nicht zuletzt erschließen wir uns mit dem Web-Trading-Terminal einen neuen, ertragreichen Geschäftsbereich, den wir in den kommenden Jahren gezielt ausbauen werden.“
Das Unternehmen geht damit einen anderen Weg als sein Konkurrent Scalable Capital. Dieser hat als Reaktion auf das PFOF-Verbot mit der Börse Hannover einen eigenen Handelsplatz aufgebaut und wickelt Kundenaufträge dort selbst ab.
Trade Republic hatte bei der Finanzaufsicht Bafin ebenfalls eine Lizenz zum Betrieb eines eigenen Handelssystems beantragt und diese im Januar auch erhalten. Das sei jedoch, wie es in Finanzkreisen hieß, in erster Linie eine Rückfalloption, falls der Aufbau der nun vorgestellten Lösung nicht rechtzeitig geklappt hätte.
Hecker will zehn Millionen Kunden in Deutschland
Trade Republic ist in 18 europäischen Ländern vertreten und hat dort mehr als zehn Millionen Kunden. Ende vergangenen Jahres wurde das Unternehmen beim Weiterverkauf von Firmenanteilen mit 12,5 Milliarden Euro bewertet und stieg damit zum wertvollsten deutschen Start-up auf.
Mitgründer Hecker gibt sich damit aber nicht zufrieden. „Unser Vorbild ist der US-Broker Interactive Brokers – eine Firma mit einer Marktkapitalisierung von rund 150 Milliarden Dollar und einem Jahresumsatz von gut sechs Milliarden Dollar“, sagt er.
Brad Pitt: „Ein Werbebotschafter, der in ganz Europa in allen Altersgruppen von 18 bis 88 bekannt und beliebt ist.“ Foto: dpa
Heckers Ziel ist es, dass Kunden bei Trade Republic nicht nur handeln, sondern dort auch ihr Hauptkonto haben. „So wollen wir die Zahl der Kunden in Deutschland von fünf auf zehn Millionen verdoppeln“, kündigt der 36-Jährige an.
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Um diesen Anspruch zu untermauern, hat Trade Republic im Mai die größte Werbekampagne seiner Geschichte gestartet – mit dem US-Schauspieler Brad Pitt. In einem TV-Spot betritt der Oscar-Preisträger einen leeren Raum, blickt in die Kamera und sagt kein Wort. Stattdessen wirbt eine Erzählstimme für Trade Republics Angebot.
„Wir wollten einen Werbebotschafter, der in ganz Europa in allen Altersgruppen von 18 bis 88 bekannt und beliebt ist“, sagt Hecker. Brad Pitt zähle zu den wenigen Menschen, die diese Kriterien erfüllten. „Es war nicht einfach, ihn als Werbepartner zu gewinnen.“
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