Türkisches Gericht hebt Özgür Özels CHP-Vorsitz ab
L'essentiel
- Ein türkisches Gericht hat den CHP-Chef Özgür Özel von seinem Posten abgesetzt und Kemal Kılıçdaroğlu als Nachfolger eingesetzt.
- Das Urteil löste an den Finanzmärkten einen Einbruch aus und zog Kritik aus Deutschland nach sich.
- Die CHP plant Proteste.
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Pourquoi c'est important
Ein türkisches Gericht hat den Chef der Oppositionspartei CHP, Özgür Özel, von seinem Posten als Parteivorsitzender entbunden und die Wahl von 2023 für ungültig erklärt. Die Entscheidung wurde mit Unregelmäßigkeiten begründet und sieht den früheren Vorsitzenden Kemal Kılıçdaroğlu als Nachfolger vor. Dies geschieht vor dem Hintergrund einer verstärkten juristischen Vorgehensweise gegen die CHP.
Ein türkisches Gericht hat Özgür Özel, den Chef der Oppositionspartei CHP, von seinem Posten als Parteivorsitzender entbunden. Das Berufungsgericht in Ankara annullierte die Wahl Özels zum Vorsitzenden auf einem CHP-Parteitag im Jahr 2023 und begründete das mit Unregelmäßigkeiten bei der Veranstaltung. Dem Urteil zufolge soll der frühere Vorsitzende Kemal Kılıçdaroğlu an Özels Stelle rücken.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Im vergangenen Jahr hatte ein Gericht die Klage eines ehemaligen CHP-Mitglieds gegen die Wahl Özels in erster Instanz noch abgewiesen. In der Klage geht es um die Frage, ob Delegierte bestochen wurden, um für Özel zu stimmen. Die CHP-Parteiführung weist die Vorwürfe zurück.
Die türkischen Finanzmärkte reagierten empfindlich auf die Absetzung Özels: Der Leitindex der Istanbuler Börse brach um sechs Prozent ein, was einen automatischen Handelsstopp auslöste. Zudem fielen in Dollar notierte türkische Staatsanleihen auf den tiefsten Stand seit sechs Wochen.
SPD-Politiker kritisiert das Vorgehen
Auch aus Deutschland kommt Kritik: Der Vorsitzende der Deutsch-Türkischen Parlamentariergruppe im Bundestag, Serdar Yüksel (SPD), schrieb er in einer Mitteilung, politische Auseinandersetzungen dürften nicht über die Gerichte entschieden werden. »Eine lebendige Demokratie lebt vom freien politischen Wettbewerb, von unabhängigen Institutionen und von der Möglichkeit der Opposition, ihre Arbeit ohne politischen Druck auszuüben«, so Yüksel.
Die Entwicklungen in der Türkei würden »erneut ernsthafte Fragen hinsichtlich der Unabhängigkeit der Justiz und des demokratischen Umgangs mit oppositionellen Kräften« aufwerfen, schrieb Yüksel weiter. »Demokratische Legitimation entsteht an der Wahlurne und durch den Willen der Bürgerinnen und Bürger.«
Zahlreiche CHP-Bürgermeister festgenommen
Die türkische Justiz geht seit mehr als einem Jahr verstärkt gegen die CHP vor. Hunderte ihrer Mitglieder und zahlreiche Bürgermeister, die von der Partei gestellt wurden, sind seitdem festgenommen worden. Der prominenteste inhaftierte Vertreter ist der abgesetzte Bürgermeister Istanbuls, Ekrem İmamoğlu, der seit März 2025 wegen Korruptions- und Spionagevorwürfen in Untersuchungshaft sitzt.
Özel rief nach Verkündung des Urteils alle Abgeordneten seiner Partei zu einer Krisensitzung in der CHP-Zentrale auf. Die Partei forderte zudem ihre Mitglieder auf, vor der Zentrale gegen die Gerichtsentscheidung zu protestieren. Ein hochrangiger Parteivertreter bezeichnete das Urteil als Putschversuch. Der an Özels Stelle als Vorsitzender eingesetzte Kılıçdaroğlu kommentierte die Gerichtsentscheidung mit den Worten, sie möge gut für das Land sein.
Der abgesetzte Parteichef wandte sich auf X an seine Anhänger: »Ich verspreche euch nicht, dass der Weg zur Macht durch einen Rosengarten führt«, schrieb Özel. Er wolle sich nicht ergeben. Özgür Celik, der CHP-Vorsitzende der Provinz Istanbul, bezeichnete die Gerichtsentscheidung als politisch motiviert. »Die Türkei wird sich dieser Tyrannei nicht beugen«, schrieb er auf X. Der Regierung warf er vor, »die Demokratie außer Kraft setzen und dem Volk die Wahl entziehen« zu wollen.
In der CHP kam es zuletzt zu Machtkämpfen zwischen den Lagern um Özel und um dessen Vorgänger. Kılıçdaroğlu war mehr als zehn Jahre lang Vorsitzender der CHP. Trotz geringer Unterstützung in der Partei wurden ihm weiter Ambitionen nachgesagt. 2023 unterlag Kılıçdaroğlu Präsident Recep Tayyip Erdoğan in einer Stichwahl mit knapp 48 zu 52 Prozent.
Erdoğan könnte 2028 vierte Amtszeit anstreben
Erdoğans Chancen auf eine Wiederwahl dürften sich mit der Absetzung Özels verbessern. Die CHP lag in Umfragen zuletzt leicht vor der Präsidentenpartei AKP, nachdem sie 2025 teils deutliche Vorsprünge für sich verbuchen konnte. Die nächste Präsidentschaftswahl ist für 2028 angesetzt.
À surveiller
Perspective IA — des possibilités, pas des certitudes
Die CHP wird gegen das Urteil Berufung einlegen oder andere rechtliche Schritte einleiten.
Très probable · En quelques jours
Die politische Auseinandersetzung zwischen der CHP und der Regierung wird sich verschärfen.
Probable · En quelques semaines
Die Absetzung von Özgür Özel wird die Chancen der CHP bei den nächsten Wahlen negativ beeinflussen.
Possible · En quelques mois
Questions ouvertes
- Wird das Urteil rechtskräftig?
- Wie wird die CHP auf das Urteil reagieren und welche Protestformen werden angewendet?
- Welche Auswirkungen hat das Urteil auf die zukünftige politische Landschaft und die Chancen der Opposition bei den Wahlen 2028?
- Wie wird sich die internationale Gemeinschaft zu diesem Urteil positionieren?





