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Vermögen in Deutschland gewachsen trotz Inflation
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Vermögen in Deutschland gewachsen trotz Inflation

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Aus dem Handelsblatt-Archiv: Trotz Inflation zeigen aktuelle Daten, dass die Vermögen in Deutschland gewachsen sind. Der Handelsblatt-Rechner zeigt Ihnen, wo Sie im Vergleich zur deutschen Bevölkerung stehen. Haluka Maier-Borst, Philip Küng 04.06.2026 - 10:48 Uhr Artikel anhören

Vermögen und Reichtum: Wie viel fehlt Ihnen zu dem, was Sie als Reichtum definieren? Foto: Getty Images/Collage

Berlin. Manche definieren Reichtum anhand von Geldsummen – 500.000 Euro, eine Million Euro oder gar mehr. Andere fragen sich, welche Prozentsätze der Bevölkerung als reich gelten. Kurzum: Ökonominnen wie Soziologen, Anleger wie Privatiers können sich trefflich darüber streiten, wer als reich gilt. Denn letztlich ist Reichtum auch eine individuelle Definitionsfrage.

Wie vermögend die Deutschen insgesamt sind, zeigen aktuelle Daten der Deutschen Bundesbank. Für die Umfrage „Private Haushalte und ihre Finanzen“ wurden fast 4000 Haushalte befragt – dabei wurde auch versucht, besonders reiche Haushalte zu erreichen.

Auf dieser Grundlage hat das Handelsblatt einen Rechner entwickelt, mit dem Sie ermitteln können, wie reich Sie sind – gemessen an Ihrer persönlichen Definition. Der Rechner ermöglicht einen konkreten Vergleich: Wo stehen Sie mit Ihrem aktuellen verfügbaren Vermögen im Vergleich zu dem Bevölkerungsteil, den Sie als reich betrachten?

Die Daten der Bundesbank zeigen klar: In allen Bevölkerungsgruppen ist das Vermögen von 2010 bis 2023 gewachsen – selbst unter Berücksichtigung der Inflation, wie das Handelsblatt es hier darstellt.

Laut Judith Niehues vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln beruht der positive Trend auf zwei Faktoren: „Einerseits waren in den Jahren bis zur Coronapandemie viele Deutsche in der Lage, zu sparen und Vermögen aufzubauen. Andererseits haben Investments wie Aktien und Immobilien während der Niedrigzinsphase an Wert gewonnen – und zwar weit über dem Niveau der Inflation.“

Ihr Kollege Maximilian Stockhausen ergänzt: „Speziell zwischen 2017 und 2021 sind auch die Vermögenswerte der unteren 50 Prozent gestiegen, was einen leichten Anstieg ihres Anteils am gesamten Nettovermögen zur Folge hatte – allerdings auf einem sehr geringen Niveau.“ Dazu gehören laut den Daten alle mit einem Vermögen unter 105.000 Euro. Die oberen zehn Prozent besitzen dagegen deutlich mehr: Knapp 800.000 Euro braucht es, um zu dieser Spitze zu gehören.

Wie hat sich der Reichtum des obersten Prozents entwickelt?

Andere Datensätze bestätigen diese positive Entwicklung quer durch alle Vermögensschichten. Charlotte Bartels von der Universität Leipzig hat in einer Studie aus dem Jahr 2024 die Vermögensverteilung in Deutschland untersucht. Die bis zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Daten hat Bartels allerdings zusätzlich mit einem Korrekturfaktor verrechnet.

Immobilien

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Dieser Korrekturfaktor berücksichtigt, dass Befragte ihr persönliches Vermögen oft unterschätzen, insbesondere den Wert von Immobilien, Unternehmensanteilen und Lebensversicherungen. Daher sind die mit diesem Korrekturfaktor berechneten Zahlen absolut gesehen deutlich höher. Bartels’ Ansatz wird in der Wissenschaft auch als mögliche Erklärung dafür angesehen, warum Deutsche in Erhebungen oft weniger Vermögen im internationalen Vergleich aufweisen.

Das Handelsblatt hat darum auch basierend auf diesen Daten eine zweite Version des Rechners gebaut.

Auch Bartels’ Daten zeigen aber: Über alle Bevölkerungsgruppen hinweg und selbst inflationsbereinigt ist heute deutlich mehr Vermögen vorhanden als noch im Jahr 2002. Je nach Gruppe der Vermögenden gibt es allerdings unterschiedliche Entwicklungen.

Vom Mittelwert, also den oberen 50 Prozent in der Vermögensverteilung, bis hin zu den oberen drei Prozent gibt es eine recht ähnliche Entwicklung: Bei allen zeigt sich ein leichter Knick in der Kurve zwischen 2011 und 2014. Bartels zufolge hat das zwei Gründe: Zum einen habe es bei den Befragungen nach 2011 schlicht eine Untererfassung von besonders vermögenden Menschen gegeben. Das führe zu einer gewissen Unsauberkeit der Daten. Zum anderen habe sich der Wert von Immobilien erst ab diesen Jahren deutlich gesteigert.

Die oberen zwei Prozent dagegen haben ihr Vermögen weitestgehend konstant gesteigert. Das liegt laut Bartels daran, dass es dort vor allem um Betriebsvermögen geht. „Der Wert von Unternehmen hat trotz aller Krisen recht kontinuierlich zugenommen, und das sehen wir hier“, sagt sie.

Vermögenswachstum übertrifft die Inflation

Es reicht demnach nicht aus, nur die Inflation zu übertreffen. Besonders die oberen Prozente haben mit ihren Anlagestrategien über die Jahrzehnte hinweg sehr erfolgreich agiert.

Interessant werde die Entwicklung in den kommenden Jahren, erklären die IW-Forscher Niehues und Stockhausen. So sei der Wert von Betriebsvermögen durch die Energiepreiskrise über die vergangenen Jahre stark zurückgegangen und erhole sich nur langsam. Ähnliches gilt für die Immobilienpreise.

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Demzufolge ist es fraglich, ob das Wachstum der deutschen Vermögen in der bisherigen Form fortgesetzt werden kann. Auch Bartels warnt davor, falsche Schlüsse aus den Daten zu ziehen. „Es mag sein, dass ein Haus in Deutschland über die letzten 20 Jahre im Durchschnitt um x Prozent teurer geworden ist, ein Unternehmen um y Prozent wertvoller. Aber das heißt eben noch lange nicht, dass das für Ihre Immobilie oder Ihre Firma klappt“, erklärt sie.

Daher ist es laut Bartels wichtig, das Risiko zu streuen und nicht ausschließlich in eine Firma oder Immobilie zu investieren.

Mehr: Eigenes Haus oder alles auf Aktien? Was nach 40 Jahren reicher macht

Dieser Artikel erschien bereits im September 2025. Der Artikel wurde am 16.01.2026 erneut geprüft und mit leichten Anpassungen aktualisiert.

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This article was originally published by Handelsblatt.

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