Zwei 155-Meter-Hochhäuser verändern Münchens Silhouette
Das Paketpost-Quartier soll eine "15-Minuten-Stadt" werden und setzt im Hochhausbau neue Maßstäbe.
L'essentiel
- In München entstehen zwei 155 Meter hohe Hochhäuser, die die Stadtansicht prägen werden.
- Das Paketpost-Quartier, das bis 2033 fertig sein soll, setzt auf eine "15-Minuten-Stadt"-Konzept mit vielen Besonderheiten im Bau und Betrieb.
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In München entstehen zwei neue Hochhäuser mit jeweils 155 Metern Höhe, die die bisherige Silhouette der Stadt verändern werden. Das Projekt, das bis 2033 fertiggestellt sein soll, wird als "15-Minuten-Stadt" konzipiert und beinhaltet neben den Türmen auch Wohn- und Büroflächen sowie öffentliche Einrichtungen. Der Bauprozess und die Finanzierung weichen von üblichen Standards ab.
In München entstehen in den kommenden Jahren zwei Hochhäuser, die die Ansicht der Stadt verändern werden. Zudem läuft bei dem Milliardenprojekt vieles anders als sonst im Hochhausbau. Christian Schnell 20.05.2026 - 08:02 Uhr Artikel anhören
Die beiden 155 Meter hohen Häuser überragen um gut 50 Meter die bisher höchsten Gebäude Münchens wie die Frauenkirche und die Zentralen von BMW und HVB. Foto: Büschl Unternehmensgruppe
München. Das Immobilienprojekt wird die Silhouette Münchens deutlich verändern. Bei der aktuell meistdiskutierten Immobilienentwicklung der Stadt entstehen zwei Hochhäuser mit einer Höhe von jeweils 155 Metern. Um gut 40 bis 50 Meter werden sie die Frauenkirche, die Firmenzentralen von BMW oder die der Hypovereinsbank überragen. Im Jahr 2033 soll zwei Kilometer westlich des Münchener Hauptbahnhof das neue Paketpost-Quartier fertig sein.
Ralf Büschl, Beiratsvorsitzender der für das Projekt verantwortlichen Büschl-Unternehmensgruppe, sagt: „Das wird eine 15-Minuten-Stadt.“ Gemeint ist, dass in dieser Zeitspanne alle wichtigen Anlaufstellen des täglichen Lebens zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar sein sollen. Allein 4000 Fahrrad-Stellplätze sind vorgesehen. Auch dieser Aspekt zeigt, dass beim Bau des Paketpost-Quartiers einiges anders laufen soll als beim üblichen Hochhausbau.
Neben den Hochhäusern entstehen ein 65 Meter hoher Wohnturm in Holz-Hybrid-Bauweise sowie fünf mehrgeschossige Gebäude fürs Wohnen und Arbeiten. Das weltbekannte Baseler Architekturbüro Herzog & de Meuron, das in München bereits die Allianz-Arena entworfen hat sowie die Elbphilharmonie in Hamburg, ist maßgeblich für den Masterplan des neuen Stadtquartiers verantwortlich.
Der höchste Biergarten der Welt als Attraktion
Chef Pierre de Meuron erläutert: „Ausgangspunkt des städtebaulichen Konzepts ist der Erhalt der denkmalgeschützten Paketposthalle.“ Die markante Münchener Halle aus der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre gilt als größte freitragende Betonfertighalle der Welt. Sie gilt damit als besonders schützenswert.
Zu den insgesamt 1280 Wohnungen, die zur Hälfte im geförderten Bereich liegen, kommen beim Münchener Hochhausprojekt Flächen für Büronutzung, zwei Hotels, Einrichtungen für Pflege und Kinderbetreuung, Einzelhandel und Gastronomie. Auf dem Dach eines der Hochhäuser soll der höchste Biergarten der Welt entstehen.
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Raphael Gielgen, Trendforscher beim Schweizer Möbelhersteller Vitra, ordnet ein: „So erfüllt das Quartier genau die Bedürfnisse einer Stadt von morgen und übernimmt ein Stück weit soziale Verantwortung.“
Projektentwickler Ralf Büschl ist seit 40 Jahren eine feste Größe in der Münchener Immobilienbranche. Im Jahr 2018 kaufte sein Unternehmen das Areal rund um die denkmalgeschützte Paketposthalle für einen dreistelligen Millionenbetrag der Deutschen Post ab. Es folgten acht Jahre der Planung und heftigen Widerstands aus Teilen der Bevölkerung.
Am 20. Mai soll Büschls Projekt nun zur Veröffentlichung den neu gewählten Münchener Stadtrat passieren. Damit erfolgt der letzte große Schritt in einer Vielzahl von Genehmigungsverfahren. Die Zustimmung von einer großen parteiübergreifenden Mehrheit gilt als sicher.
Die ersten Jahre wird nach unten gebaut
In rund einem Jahr könnte die Bauphase beginnen. Ehe die Hochhäuser nach oben wachsen, geht es allerdings zuerst zwei Jahre nach unten.
Die dreigeschossige Tiefgarage wird neben rund 2600 Stellplätzen für Autos die zentrale Zufahrt zu den Hochhäusern sein. Jede Lieferung, ob Einzelhandel, Post oder privater Umzug, erfolgt unter der Erde. Nur Rettungskräfte dürfen im Notfall ebenerdig anfahren.
Die denkmalgeschützte Paketposthalle wird als zentrales Element in das neue Quartier integriert Foto: Büschl Unternehmensgruppe
Es wird eine immense Menge an Aushub anfallen. Denn in die geplante Tiefgarage sollen künftig auch Lkws mit vier Meter Höhe einfahren können. „Bei den Erdbewegungen handelt es sich um eine Dimension, die rund die Hälfte des Volumens der zweiten Münchener Stammstrecke hat“, erwartet Büschl. Beim derzeit laufenden Münchener S-Bahn-Großprojekt ist von mehr als zwei Millionen Kubikmeter Aushub die Rede.
Ob es beim geplanten Aushub von einer Million Kubikmeter bleibt, hängt davon ab, ob unter der Paketposthalle noch eine Konzerthalle gebaut wird. Dann müsste deutlich mehr ausgebaggert werden. Die Initiatoren halten das nach dem derzeitigen Stand für möglich.
Bei den Erdbewegungen handelt es sich um eine Dimension von rund einer Million Kubikmeter. Ralf Büschl, Büschl-Unternehmensgruppe
Um den damit verbundenen massiven Lkw-Verkehr für die Anwohner zu vermeiden, führt das Projektteam derzeit Gespräche mit der Deutschen Bahn. Auf den nahegelegenen Gleisen soll der Aushub in den wenig frequentierten Nachtstunden mit Güterzügen aus der Stadt gebracht werden. So lautet der Plan.
Initiator Büschl will Bestandshalter bleiben
Beim zentralen Thema der Finanzierung betritt Büschl ebenfalls andere Wege als üblich. So besteht das Bankenkonsortium für das Milliardenprojekt bislang nur aus deutschen Banken, es gibt keine Finanzierungsverbünde mit internationalen Instituten. „Bisher sind in unserem rein deutschen Bankenkonsortium alle sehr zufrieden“, sagt Büschl über den Finanzierungsverbund für das Paketpost-Quartier.
Ist das Großprojekt wie geplant im Jahr 2033 fertig, könnten auch die Besitzverhältnisse anders geregelt werden als bei Projekten dieser Dimension sonst üblich. „Wir beabsichtigen, Bestandshalter zu bleiben“, sagt Büschl. Gewöhnlich kaufen Großinvestoren wie Immobilienfonds oder Family-Offices repräsentative Objekte wie dieses und treten anschließend als Vermieter auf.
Mit dem Paketpost-Quartier soll in München eine so genannte 15-Minuten-Stadt entstehen für Arbeiten, Wohnen und Freizeit. Foto: Büschl Unternehmensgruppe
Die Büschl-Unternehmensgruppe plant jedoch nicht unbedingt beim gesamten Projekt Bestandshalter zu bleiben. Wer beim Paketpost-Quartier welchen Teil übernehmen wird, soll erst später entschieden werden. Denkbar sei auch eine Fondslösung. „Die Realteilung im Grundbuch ist bereits vollzogen, insofern wäre das kein Problem“, erläutert Büschl.
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Wem am Ende was gehört, dürfte den erwarteten Besucherströmen des neuen Paketpost-Quartiers allerdings gleichgültig sein. Außenaufzüge, die dem gewundenen Verlauf der Hochhäuser folgen, sollen die Schaulustigen für einen Blick über die Stadt und das Umland auf 155 Meter Höhe nach oben befördern.
Vorbild dafür sind der aktuell wegen Renovierung gesperrte Olympiaturm und die nur wenige Schritte entfernte BMW-Welt. Beide verzeichneten in der Vergangenheit rund eine Million Besucher pro Jahr. Initiator Büschl geht daher davon aus: „Mit dem Paketpost-Quartier entsteht ein neues Highlight für den Münchener Stadttourismus.“
Mehr: Star-Architekt über deutsche Innenstädte: „Wir brauchen mehr Hochhäuser“
Erstpublikation: 19.05.2026, 11:36 Uhr.
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À surveiller
Perspective IA — des possibilités, pas des certitudes
Das Paketpost-Quartier wird bis 2033 fertiggestellt.
Probable · En quelques années
Die Büschl-Unternehmensgruppe wird eine signifikante Rolle als Bestandshalter im Quartier behalten.
Probable · En quelques années
Das Projekt wird zu einem neuen touristischen Anziehungspunkt in München.
Probable · En quelques années
Questions ouvertes
- Wie genau wird die Finanzierung im Detail aussehen, wenn die Büschl-Unternehmensgruppe nicht der alleinige Bestandshalter bleibt?
- Welche konkreten Auswirkungen wird der massive Lkw-Verkehr für den Abtransport des Aushubs auf die Anwohner haben, trotz der geplanten Nutzung von Güterzügen?
- Wird unter der Paketposthalle tatsächlich eine Konzerthalle gebaut, und wie wirkt sich dies auf das Aushubvolumen aus?
- Wie wird die Integration der denkmalgeschützten Paketposthalle in das moderne Quartier architektonisch umgesetzt?




