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EU's Digital Product Pass: A Game Changer for Circular Economy?
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Handelsblatt·11 sa önce·🇩🇪Germany·Teknoloji

EU's Digital Product Pass: A Game Changer for Circular Economy?

The European Commission's initiative aims to make products more durable, repairable, and sustainable, but faces challenges in implementation and industry adoption.

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Handelsblatt
Yayıncı
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Oldenburg. An die schlaflosen Nächte erinnert sich Wilhelm Mauß noch gut. 2005 war das, als Konkurrenten aus Niedriglohnländern begannen, den Markt aufzumischen und der Wasserzählerhersteller Lorenz in eine Krise rutschte. Mauß, erst kurz zuvor als Geschäftsführer angetreten, suchte nach Auswegen. Die Kosten mussten sinken, nur wie? An der Qualität sparen? Niemals. Die Produktion ins Ausland verlagern? Für das schwäbische Familienunternehmen undenkbar.

Beim Besuch auf einem Recyclinghof kam ihm eine bessere Idee. Warum, fragte er sich beim Blick auf all die ausrangierten Produkte, nehmen wir unsere Zähler nach Gebrauch nicht einfach zurück? Statt teure Materialien immer neu einzukaufen, könnten die Geräte aufbereitet und nochmals verkauft werden.

Seine Führungskräfte waren skeptisch: „Wir achten auf Qualität und arbeiten nicht mit Schrott!“ Doch Mauß ließ sich nicht beirren, etablierte ein Rücknahmesystem, das mit Pfand und Produktgarantien arbeitet. Die Zahl der zurückgenommenen Zähler wuchs, die Materialkosten sanken, die Firma fasste wieder Tritt. Heute werden die mittlerweile digitalen Zähler auch vermietet, um den Materialkreislauf möglichst lückenlos zu schließen.

„Wir sind von einem analogen und linearen Unternehmen zu einem digitalen und zirkulären geworden“, sagt Mauß heute. „Anders hätten wir hier in Deutschland mit unseren hohen Löhnen und den hochwertigen Materialien nicht bestehen können.“

Was Lorenz auf der Schwäbischen Alb vorführt, soll nach dem Willen der EU-Kommission europaweit Schule machen. Brüssel will den Kontinent gegen die Folgen der Klimakrise wappnen und unabhängiger von Rohstoffimporten machen. Produkte sollen möglichst langlebig sein, ressourcenschonend hergestellt werden und sich leicht reparieren lassen. Die lineare Wertschöpfungskette – herstellen, verkaufen, entsorgen – soll eine zirkuläre werden. „Das Ziel ist, Natur und Klima zu schonen und unsere Ressourcenabhängigkeit zu verringern“, sagt Andrea Kostrowski von der Deutschen Umwelthilfe. „Letztlich geht es dabei auch um Wettbewerbsfähigkeit.“

Die Werkzeuge dafür entwickelt die EU über den European Green Deal und die Ökodesign-Verordnung. Ein zentrales Element ist der digitale Produktpass (DPP). Er wird ab dem kommenden Jahr schrittweise in nahezu allen Branchen eingeführt. Künftig erhalten damit physische Produkte eine Art digitalen Begleiter: Über einen QR-Code oder einen NFC-Chip am Produkt sollen die Kunden Zugriff auf relevante Daten haben. Sie können etwa digitale Betriebsanleitungen einsehen, finden Herkunftsnachweise oder Hinweise auf gefährliche Inhaltsstoffe, die Recyclingfähigkeit oder den CO₂-Fußabdruck.

Wer etwa eine Kaffeemaschine kauft, erfährt über den Scan, wie sie entkalkt wird, welche Mittel dafür geeignet sind oder welche Ersatzteile er benötigt, um sie zu reparieren.

Im ersten Schritt soll der Produktpass im Februar 2027 für Großbatterien eingeführt werden, wie sie in E-Bikes, Elektroautos oder stationären Stromspeichern verwendet werden. Hier ist die Planung am weitesten fortgeschritten. Der Pass soll Auskunft geben über Materialzusammensetzung, Herkunft der Rohstoffe, Kapazität, Recyclinganteil und CO₂-Fußabdruck – nicht nur beim Erstkauf, sondern über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Ob nach einem Zellentausch die Restkapazität noch ausreicht oder eine Batterie für ein Gebrauchtfahrzeug verkaufstauglich ist: All das soll im digitalen Produktpass nachlesbar sein.

Für Produktgruppen wie Reifen, Stahl, Möbel oder Textilien müssen die Inhalte des Passes noch erarbeitet werden. Für jede Gruppe wird es einen eigenen delegierten Rechtsakt der EU geben, der die Details festlegt. Bis dahin bleibt der DPP ein Rahmen ohne Inhalt. Auch aus diesem Grund scheinen viele Unternehmen noch abzuwarten, bevor sie mit der Sammlung und Aufbereitung ihrer Daten beginnen.

Michael Trunzer hält das für einen Fehler. „Der DPP hat ein Marketingproblem“, sagt Trunzer, der sich mit seiner Firma Echo PRM seit Jahren mit dem Thema befasst. Viele Firmen sähen den Produktpass als bürokratische Auflage der EU, die sie notgedrungen erfüllen müssten. Dabei biete er praktische ökonomische Mehrwerte, die auch für Unternehmen interessant seien, denen es nicht allein um Nachhaltigkeit gehe. So müssen etwa die Hersteller großer Maschinen diese bislang mit gedruckten Betriebsanleitungen von teilweise mehreren Tausend Seiten ausliefern, in 27 Sprachen. Wer das digital löst, spart erheblich.

Ferner könnte der DPP helfen, parallele Berichtspflichten zusammenzuführen: Wer heute ESG-Kennzahlen, Lieferkettendaten und Produktinformationen an zehn verschiedenen Stellen einreicht, könnte das künftig gebündelt tun. „Wir hoffen, dass wir in Zukunft alles in diesem einen Pass haben“, sagt Trunzer, der nach eigenen Angaben derzeit mit 45 Unternehmen zusammenarbeitet, die schon vor dem Inkrafttreten der regulatorischen Pflicht Produktpässe einführen.

Der Gelsenkirchener Stahlverzinker Zinq hat bereits eineN selbst entwickelten Produktpass, der gerade in Partnerschaften mit Schmitz Cargobull und Arcelor Mittal erprobt wird. „Produkte mit nachgewiesener zirkulärer Qualität schaffen einen klaren Wettbewerbsvorteil, weil sie externe Kosten vermeiden und Ressourcen für geschlossene Kreisläufe sichern“, so Zinq-Geschäftsführer Lars Baumgürtel.

Nora Sophie Griefahn, geschäftsführende Vorständin der auf Kreislaufwirtschaft spezialisierten NGO Cradle to Cradle, sieht im DPP eine Voraussetzung für eine funktionierende zirkuläre Wirtschaft: „Erst wenn nachvollziehbar ist, welche Materialien in welcher Qualität in einem Produkt stecken, lassen sie sich tatsächlich im Kreislauf führen.“ CO₂-Kennzahlen allein reichten nicht aus; der Pass müsse die vollständige Materialzusammensetzung sowie Rückführungswege für die Stoffe abbilden. Und er müsse editierbar sein: Nicht nur Hersteller sollten Daten eintragen dürfen, sondern auch Werkstätten und Recyclingbetriebe, die das Produkt später in den Händen halten. Nur so begleite der Pass den ganzen Lebenszyklus.

Ob all das wirklich so kommt, ist allerdings nicht ausgemacht. Die Einführung des DPP hat sich bereits verzögert, und im Zuge des sogenannten Omnibus-Pakets, mit dem die EU-Kommission Berichtspflichten verschlanken will, steht das Vorhaben unter zusätzlichem Druck. Trunzer hat deshalb Sympathie für eine Idee, die derzeit in Brüssel kursiert: ein DPP light, also ein vereinfachter Einstieg. Beim Batteriepass könnte er mit 30 bis 40 statt der bislang vorgesehenen 107 Datenpunkte auskommen. Nicht weil weniger besser wäre, sondern weil es wichtig sei, zunächst Erfahrungen zu sammeln, bevor das System zu komplex wird.

Trunzer hält es für wichtig, jetzt nicht das Momentum zu verlieren, das er in vielen Firmen beobachte. Fachabteilungen, die das Thema vorantreiben wollten, bekämen nun endlich das nötige Budget und Personalfreigaben dafür. Ein Aufschub könne die Dynamik gefährden.

Für Wilhelm Mauß wäre ein Scheitern des DPP bitter. Nicht weil Lorenz ihn zum Überleben braucht, sondern weil er anderen Unternehmen den Einstieg in die Kreislaufwirtschaft erleichtern könnte. Dass der Pass irgendwann auch für Wasserzähler kommt und damit sein Alleinstellungsmerkmal schwindet, ficht Mauß nicht an. „Bis einer so weit ist“, sagt er, „sind wir schon wieder weiter.“

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