Marktbericht: DAX-Schwäche dürfte sich fortsetzen
Der deutsche Aktienmarkt konnte heute seinen schwachen Start in den Mai mehr als wettmachen. Der DAX legte um 1,7 Prozent auf 24.401 Punkte zu. Am Montag war das Börsenbarometer mit einem Abschlag von 1,2 Prozent auf 23.991 Punkte aus dem Handel gegangen. Diesmal bestimmten vor allem Neuigkeiten von den Unternehmen das Geschehen.
Zwar bleibt die Lage am Persischen Golf angespannt, aber im Wesentlichen unverändert. Das US-Militär geleitet nach eigenen Angaben weiter Handelsschiffe durch die vom Iran blockierte Straße von Hormus.
Auch die US-Börsen gingen zunächst auf Erholungskurs. Während der Dow Jones um rund 0,5 Prozent zulegte, erreichte der Technologieindex Nasdaq 100 erneut ein Rekordhoch.
Trotz der anhaltenden militärischen Auseinandersetzung und der weiterhin offenen Situation am Verhandlungstisch zeigten sich die Finanzmärkte immer noch bemerkenswert gelassen, kommentierten die Experten der Liechtensteiner VP Bank. Breite Kursrückschläge seien bislang ausgeblieben, Risikoprämien hätten sich größtenteils wieder normalisiert, "und das, obwohl der reduzierte Erdölnachschub seine Wirkungen in einer wachsenden Anzahl von Produkten mit Bezug zu Öl und Gas zeigt".
Die Ölpreise fielen etwas zurück, Brent-Öl kostete am Abend aber immer noch über 110 Dollar pro Barrel.
Experten verweisen aber auf das veränderte Gewicht des Rohstoffs: "Die Ölpreise sind seit Beginn des Iran-Konflikts um etwa 70 Prozent gestiegen. Dennoch liegen die globalen Aktienmärkte, trotz Schwankungen, über dem Niveau vor dem Konflikt", stellte Anlagestratege Ulrich Stephan von der Deutschen Bank fest. "Der laut der Internationalen Energiebehörde schlimmste Ölschock der Geschichte dürfte tatsächlich geringere Auswirkungen haben als vorherige Ölschocks."
Denn die wirtschaftliche Bedeutung habe abgenommen, so Stephan. "Gründe hierfür sind Effizienzsteigerungen durch technologischen Fortschritt, die steigende Nutzung anderer Energiequellen sowie ein struktureller Wandel von Industrieländern zu Dienstleistungssektoren."
Die Rheinmetall-Aktie gehörte zu den größten Gewinnern im DAX. Am Montagabend hatte der Rüstungskonzern seine Quartalsbilanz vorgestellt. Zwar enttäuschte der Umsatz im ersten Quartal. Das Management verspricht aber eine Aufholjagd - und für das Gesamtjahr weiterhin ein kräftiges Wachstum von 40 bis 45 Prozent. Rheinmetall zählt zu den größten Profiteuren des milliardenschweren Rüstungsprogramms der Bundesregierung.
Die italienische Bank UniCredit meldete für das erste Quartal einen Rekordgewinn. Der Rückenwind kommt zur rechten Zeit: UniCredit möchte die Commerzbank übernehmen, und hat heute das im März angekündigte Angebot vorgelegt.
Das Angebot für sämtliche Anteile ist aber eher ein taktisches Manöver und wird noch nicht zu einer vollständigen Übernahme führen. Am Freitag will die Commerzbank mit der Präsentation einer nachgeschärften Strategie kontern.
Die Quartalszahlen von Fresenius Medical Care kamen nicht gut an. Analysten bemängelten das schwache Abschneiden des Dialysekonzerns bei den so wichtigen Behandlungszahlen in den USA.
Trotz des Iran-Kriegs und Streiks bei der Lufthansa hat Fraport im ersten Quartal besser als erwartet abgeschnitten. Wegen der genannten Probleme werde die Zahl der Passagiere am Frankfurter Flughafen in diesem Jahr aber nur das untere Ende der Zielspanne von 65 bis 66 Millionen erreichen, erklärte Finanzvorstand Matthias Zieschang. An der Gewinnprognose für 2026 hält der im MDAX notierte Flughafenbetreiber zwar fest. Allerdings dürfe es dafür keine Unterbrechungen bei der Kerosinversorgung geben.
Im MDAX fiel außerdem die Aktie von Hochtief auf. Das Papier setzte Rekordrally mit einem Kurssprung von 15,7 Prozent fort und notierte erstmals über 500 Euro. Die Nachfrage nach Infrastruktur für KI-Rechenzentren sorgte hier weiter für Fantasie.




