Taiwanese resilience impresses German MPs amid China threat
Es ist „beeindruckend, wie unbeeindruckt von der Bedrohungssituation die Taiwaner ihr alltägliches Leben leben“, findet Klaus-Peter Willsch. Als Mitglied einer Delegationsreise des Parlamentarischen Freundeskreises Berlin-Taipeh war der CDU-Bundestagsabgeordnete rund eine Woche in Taiwan. Kurz zuvor hatte US-Präsident Donald Trump Waffenlieferungen, die Taiwans Abschreckung gegenüber der Volksrepublik China stärken sollen, pausiert. Nach seinem Besuch bei Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hatte Trump Taiwan als „Verhandlungsmasse“ mit Peking bezeichnet.
Eigentlich setzen die USA in dem Konflikt auf strategische Ambiguität: Sie äußern sich nicht eindeutig zur Frage, ob sie Taiwan im Fall eines chinesischen Angriffs verteidigen würden oder nicht. Das soll Peking einerseits von militärischen Aktionen abhalten, gleichzeitig aber die Gefahr einer Eskalation zwischen den zwei großen Mächten minimieren. Die Volksrepublik sieht Taiwan als abtrünnige Provinz an, obwohl sie nie über die Insel geherrscht hat. Weltweit erkennen nur noch wenige Länder Taiwan als Staat an – Deutschland etwa tut das nicht.
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Trumps Vorgehen sei vor diesem Hintergrund „natürlich schon problematisch“, sagt der Grünen-Abgeordnete Till Steffen, der im Vorstand des Freundeskreises sitzt und die Delegation geleitet hat. Taiwan gehe mit der Bedrohung durch Peking aber schon lange um. Markus Reichel schätzt, dass Trumps Äußerungen „eine gewisse Verunsicherung nach sich gezogen haben“, zumal Peking immer härter gegen empfundene Bestrebungen in Richtung Unabhängigkeit vorgeht. Er habe in Taiwan deutlich gespürt, dass sich das Land „seine Demokratie wirklich hart erkämpft hat“, sagt der CDU-Abgeordnete.
Das Interesse an Deutschland ist gestiegen
Die Debatte um den richtigen Umgang mit der Volksrepublik wird in Taiwan derzeit durch die Vorsitzende der Kuomintang (KMT) aufgewirbelt. Die Partei kontrolliert zwar das Parlament; da sie nicht den Präsidenten stellt, gilt sie aber als Oppositionspartei. Parteichefin Cheng Li-wun war im April bei Xi Jinping zu Besuch und vertritt die Position, dass Taiwan sich Peking gegenüber viel konzilianter verhalten müsste.
Willsch hält ihre Auffassung für „blauäugig“ – Tibet, Xinjiang und Hongkong zeigten deutlich, wie Xi mit dem Wunsch nach Autonomie umgehe. Im Gespräch der Delegation mit Cheng habe diese betont, Peking nicht die staatliche Macht über Taiwan überlassen zu wollen, berichtet Steffen. Aber sie habe die Hoffnung auf etwas „ganz Neues“ geäußert und die Europäische Union angesprochen. Dieser Vergleich „passt natürlich überhaupt nicht“, meint er.
Vor dem Hintergrund der unsicheren Weltlage sei das Interesse an Deutschland nach Steffens Eindruck Ende Mai merklich höher gewesen als bei einem Besuch vor rund vier Jahren. Auch Taiwan steht vor dem Problem, in vielen Bereichen von den USA abhängig zu sein und wirtschaftlich in verschiedenen Bereichen eng mit der Volksrepublik verbunden zu sein – auch wenn Letzteres nachlässt. Die Suche nach alternativen Partnern führt schnell nach Deutschland.
Der KI-Boom etwa ermögliche gerade viele neue wirtschaftliche Kooperationen, ebenso hat Taiwan eine starke Drohnenbranche. Manche sprechen von der Möglichkeit einer „non-red supply chain“, sagt Steffen, also von einer Lieferkette ohne chinesische Bauteile.
Man hofft nicht auf militärischen Beistand durch Deutschland
Seine hoch entwickelten Technologieunternehmen sind als „Digital Shield“ für Taiwan Teil der Sicherheitsstrategie: Die Industrie soll den Preis für eine mögliche militärische Einnahme durch China in die Höhe treiben und die Inselrepublik so schützen. Wichtigster Teil des Schildes ist der Halbleiterhersteller TSMC, der besonders bei den modernsten Chips Weltmarktführer ist.
Das Unternehmen baut derzeit mit einer Investitionssumme von rund zehn Milliarden Euro eine Fabrik in Dresden, in der 2000 Beschäftigte arbeiten sollen. Sachsen habe schon früh Verbindungsbüros aufgebaut, regelmäßig machten Vertreter von Städten oder sächsische Abgeordnete Reisen nach Taiwan, berichtet Reichel. Das führe dazu, dass Taiwaner beim deutschen Markt auch direkt an Dresden und Sachsen dächten, sagt der Abgeordnete aus Dresden.
Dass Deutschland Taiwan mit Waffengewalt zur Seite stehen würde, erwartet man dort nach Einschätzung der Abgeordneten trotz all dieser Verbindungen nicht. Beim Zivil- und Katastrophenschutz gibt es aber bereits Zusammenarbeit und gegenseitiges Lernen. „Wir können durch engere Kooperation erheblich zur Widerstandskraft und Resilienz Taiwans beitragen“, sagt Steffen. Andersherum leben Taiwaner nicht nur mit einem bedrohlichen Nachbarn, wodurch sich die Gesellschaft nicht wie Deutschland über lange Jahre in Sicherheit wiegen konnte.
Zudem liegt Taiwan in einer Weltregion, die regelmäßig von Erdbeben und Taifunen heimgesucht wird. Das Technische Hilfswerk tauscht sich deshalb mit der taiwanischen Katastrophenschutzorganisation aus. Es geht laut Steffens etwa um die Frage, wie ehrenamtliche Hilfe gut organisiert werden kann, um Chaos wie bei der Flutkatastrophe im Ahrtal in Zukunft zu vermeiden. Taiwan, wo Helfer den Einsatz in solchen Katastrophen immer wieder „live“ üben müssen, sei da versierter als Deutschland, sagt Willsch.






