Anschlag auf das King David Hotel: Als jüdische Terroristen in Jerusalem zuschlugen
Hızlı Bakış
- Juli 1946 verübte die radikale jüdische Untergrundorganisation Irgun einen Bombenanschlag auf das King David Hotel in Jerusalem, den Sitz der britischen Mandatsverwaltung.
- Die Detonationen töteten 91 Menschen, darunter Briten, Araber und Juden, und isolierten die Irgun innerhalb der jüdischen Gemeinschaft.
Yapay zekâ özeti
Neden Önemli?
Das britische Mandatsgebiet Palästina war nach dem Zweiten Weltkrieg eine große Baustelle der Weltpolitik, geprägt von Konflikten zwischen Arabern und eingewanderten Juden sowie dem Wunsch nach einem eigenen jüdischen Staat nach dem Holocaust.
Ein Wunder – anders konnte man es sich nicht erklären. Obwohl Sir John Shaw, der stellvertretende Hohe Kommissar für das britische Mandatsgebiet Palästina, während des Attentats an seinem Schreibtisch im vierten Stock des Hotels „King David“ in Jerusalem saß und arbeitete, entging er dem Tode. Angesichts der Wucht der Detonationen, die fünf Stockwerke desselben Gebäudeflügels einstürzen ließen, war das tatsächlich nur durch ein Wunder erklärbar.
Hier, im „ersten Haus“ der drei verschiedenen Religionen Heiligen Stadt, saßen bis zum 22. Juli 1946 sowohl die wichtigsten Dienststellen der Mandatsgebietsregierung als auch der britischen Streitkräfte. Und ausgerechnet hier schlugen radikale jüdische Terroristen zu.
Längst war Großbritannien das Mandatsgebiet leid, das auf ein geheimes Abkommen mit Frankreich über die Aufteilung der ehemals osmanischen Provinzen in der Levante von 1916 zurückging. Doch aus der dem Völkerbund gegebenen Verpflichtung kam die Regierung Seiner Majestät König Georges VI. nicht einfach so heraus.
Großbritannien verfluchte bald den Wunsch, Palästina als Mandatsgebiet zu bekommen, denn immer wieder gab es Ausschreitungen. 1936/37 hatte die Weltmacht erstmals versucht, das Problem Palästina durch eine Zweistaatenlösung für (vorwiegend, aber nicht ausschließlich aus Europa eingewanderte) Zionisten einerseits und Araber andererseits loszuwerden. Doch der Vorschlag einer damit beauftragten Kommission scheiterte an arabischem Widerstand.
Nach Kriegsende 1945 gehörte Palästina neben Indien zu den größten Baustellen der Weltpolitik – dabei wollten eigentlich alle nur endlich Ruhe. Oder genauer: fast alle. Doch gegen den nach dem nationalsozialistischen Massenmord an sechs Millionen europäischen Juden (den Begriff „Holocaust“ dafür gab es zwar schon seit 1942, aber er hatte sich noch nicht durchgesetzt) nicht mehr abzulehnenden Wunsch vieler Überlebender nach einem eigenen Staat in der historischen Heimat der Juden wehrten sich viele dort ansässige Araber. Und das, obwohl Juden ihre Grundstücke fast immer zu mindestens angemessenen, oft jedoch überhöhten Preisen den Nachbarn abkauften.
In der latenten Konfrontation zwischen Arabern und zugezogenen Juden radikalisierten sich auf beiden Seiten kleine Gruppen. Bei den Juden war es unter anderem die Irgun, deren Chef seit 1944 Menachem Begin war.
Der überzeugte Zionist war 1913 in Brest im damaligen Zarenreich geboren worden und wuchs in der seit 1918 polnischen Stadt auf. 1939 gelang ihm die Flucht nach Wilna, 1942 gelangte er nach Palästina. Hier erwies er sich als charismatischer, aber zugleich rücksichtsloser Anführer mit einem Blick für spektakuläre Aktionen.
Während die größte paramilitärische Organisation von Juden in Palästina, die Selbstverteidigungsorganisation Haganah, eine Einigung mit Arabern wie Briten anstrebte und mit einer Zwei-Staaten-Lösung zufrieden war, wollte die Irgun das ganze in biblischen Zeiten jüdische Land. Und verübte dafür Anschläge – gegen die Briten, um ihnen die Präsenz im Mandatsgebiet zu verleiden, und gegen Araber, um einerseits gegnerische Angriffe und Ausschreitungen zu vergelten, andererseits möglichst viele Menschen zur Flucht zu bringen.
Am späten Vormittag des 22. Juli 1946 wuchteten Männer in arabischer Kleidung insgesamt sieben offenbar schwere Milchkannen ins Restaurant „La Regence“ im Keller des „King David“. In jeder der Milchkannen verbargen sich rund 50 Kilo selbstlaborierter Sprengstoff; sie wurden wie geplant an tragenden Säulen des Südflügels platziert und scharfgemacht. Ein britischer Offizier schöpfte Verdacht, wollte die ungewöhnliche Lieferung untersuchen – es kam zu einer kurzen Schießerei.
Zwei Frauen riefen bald danach von Telefonzellen bei der Redaktion der „Palestine Post“, der französischen Botschaft und der Hotelrezeption selbst an. Ihre Drohung war eindeutig: „Ich spreche im Namen des hebräischen Untergrundes! Wir haben eine Bombe im Hotel gelegt! Evakuieren Sie sofort! Sie sind gewarnt!“
Kurze Zeit später, etwa gegen 12.25 Uhr Ortszeit, zündeten mehrere Männer des Kommandos vor dem Hotel kleinere Sprengladungen, um Panik zu erzeugen. Etwa 20 Minuten nach den Warnanrufen, genau um 12.37 Uhr, detonierten die sieben „Milchkannen“ und ließen die westliche Hälfte des Südflügels komplett einstürzen. Das Büro Sir John Shaw blieb verschont.
Ein Augenzeuge berichtete: „Als sich die Staubwolken nach etwa fünf Minuten verzogen, war an der Stelle, wo sich vorher der fünfstöckige Südwestflügel des Hotels erhoben hatte, nur noch eine klaffende Lücke in der Häuserfront.“ Soldaten und Zivilisten wankten mit blutigen Gesichtern und in zerrissenen, staubbedeckten Kleidern umher.
„Es wird angenommen, dass der Anschlag von jüdischen Unruhestiftern verübt wurde“, berichtete WELT am 23. Juli 1946: „Nach bisherigen Berichten wurden 50 Personen getötet. Man berichtet, dass weitere Tote unter den Trümmern liegen. Unter den Opfern soll sich eine Anzahl höherer britischer Regierungsbeamter befinden.“
In der nächsten Ausgabe der Zeitung für die britische Besatzungszone Deutschlands am 26. Juli (wegen Papiermangels und zu geringer Druckkapazität gab es nur zwei Ausgaben pro Woche) zitierte die Redaktion dann bereits einen ersten offiziellen Untersuchungsbericht. Er bezifferte die Gesamtzahl der Opfer auf 166 Personen, darunter 52 Tote, 72 Vermisste und 42 Verwundete.
Das war immer noch zu wenig, denn tatsächlich verloren direkt bei den Explosionen oder durch die dabei erlittenen Verletzungen insgesamt 91 Menschen ihr Leben. Genau genommen handelte es sich um 28 Briten, darunter 21 höhere Mitarbeiter der Mandatsregierung, 41 Araber, 17 Juden und fünf andere Personen. 49 Opfer waren rangniedrige Angestellte oder Hotelmitarbeiter.
US-Präsident Harry S. Truman und der aschkenasische Oberrabbiner von Palästina, Isaak HaLevy Herzog, erklärten ihr Bedauern über den Anschlag. Die Jewish Agency äußerte ihr tiefes Mitleid mit den Angehörigen der Getöteten und forderte die jüdische Gemeinde auf, sich gegen dieses „feige, von einer Bande von Desperados begangene Verbrechen“ auszusprechen.
Wie oft erreichten die Terroristen das Gegenteil ihres Ziels: Ägypten und der Irak stellten bei den Vereinten Nationen den Antrag, das Palästina-Problem auf die Tagesordnung der nächsten Vollversammlung zu setzen – mit dem Ziel, die für September 1946 geplante Konferenz in London mit Vertretern der Juden und Araber, deren Ziel eine Zwei-Staaten-Lösung sein sollte, zu hintertreiben.
Die Irgun wurde durch das Attentat innerhalb der jüdischen Community im Mandatsgebiet Palästina isoliert und Menachem Begin nun mit Steckbrief als „Terrorist Nr. 1“ gesucht. 1948 ging seine Organisation im Zuge des ersten Nahostkriegs der arabischen Staaten gegen den gerade erst gegründeten Staat Israel in dessen Armee auf.
Begins Vergangenheit behinderte seine politische Karriere lange. Zwar war er seit den ersten Knesset-Wahlen 1949 Abgeordneter, aber galt als koalitionsunfähig. Das änderte sich erst in den späten 1960er-Jahren, und schließlich wurde er im Mai 1977 als erster Politiker des teilweise bürgerlich-konservativen, teilweise reaktionären Likud-Blocks israelischer Ministerpräsident.
Noch zum 60. Jahrestag des Anschlages 2006 gab es eine öffentliche Debatte in Israel und eine diplomatische Verstimmung mit Großbritannien, weil der Anschlag auf einer zweisprachigen Tafel schöngeredet worden sei. Schließlich wurde der Text geringfügig verändert.
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- Wie genau entging Sir John Shaw dem Tod?
- Wer waren die anderen fünf nicht-britischen, nicht-arabischen, nicht-jüdischen Opfer?
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