Börsen-Prophezeiung aus dem 19. Jahrhundert: Warum eine Grafik für 2026 zum Verkauf rät
Hızlı Bakış
- Eine Grafik aus den 1870er-Jahren, die angeblich Börsenzyklen vorhersagt, rät für 2026 zum Verkauf von Assets.
- Finanzexperten wie Andreas Hackethal vom Leibniz-Institut SAFE halten dies für Astrologie und Zufall, da Märkte zu komplex für einfache Muster seien.
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Eine Grafik aus den 1870er-Jahren, bekannt als 'Periods When to Make Money', verspricht die Vorhersage von Börsenzyklen. Sie basiert auf planetaren Konstellationen und nicht auf ökonomischen Begründungen.
Aus dem Handelsblatt-Archiv: Eine Kurve aus dem 19. Jahrhundert sagt erstaunlich präzise die Entwicklung der Märkte voraus. Für 2026 empfiehlt sie, Aktien zu verkaufen. Wie verlässlich das wirklich ist. Teresa Stiens 09.07.2026 - 12:02 Uhr Artikel anhören
„Periods When to Make Money“: Die Grafik will Börsenkurse vorhersagen. Foto: Benner’s Prophecies of Future Ups and Downs in Prices
Düsseldorf. Es ist der Traum aller Anlegerinnen und Anleger: die Börsenkurse für die kommenden Jahre vorhersagen und entsprechend investieren. Ein präziser Blick in die Zukunft verspricht clevere Geldanlage und dementsprechend hohe Rendite. Im Internet kursiert immer wieder eine Grafik, die dieses lukrative Versprechen scheinbar einzulösen weiß: „Periods when to make Money“ aus den 1870er-Jahren.
Die Grafik zeigt eine zyklische Entwicklung am Finanzmarkt und spricht Empfehlungen aus, wann der Aktienkauf besonders lohnenswert sein könnte. Immer wieder weisen Hobbyanalysten darauf hin, dass die Kurve Krisen wie den Crash 1929, das Platzen der Dotcom-Blase zu Beginn der 2000er-Jahre oder den Coronacrash 2020 erstaunlich präzise vorhergesagt habe.
Auch das Jahr 2026 erwähnt die Grafik und empfiehlt, Assets zu verkaufen. Wie viel Wahrheit steckt darin?
Andreas Hackethal ist Professor am Frankfurter Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE. Er hat sich die Grafik für das Handelsblatt genauer angeschaut und erklärt: „Dahinter steckt das alte Bedürfnis der Marktteilnehmer, in der Zufälligkeit von Aktienbewegungen langfristige Gesetzmäßigkeiten zu erkennen.“
Die Annahmen der Grafik beruhten allerdings nicht auf ökonomischen Begründungen, sondern auf planetaren Konstellationen – mit anderen Worten auf Astrologie. Hackethal stellt klar: „Das hat an den Märkten nichts zu suchen.“
New Yorker Börse 1929: Eine Grafik aus den 1870er-Jahren soll unter anderem den Börsencrash vorhergesagt haben. Foto: New York Daily News/Getty Images
Wie die Grafik genau entstanden ist, lässt sich heute nur noch schwer nachvollziehen. Einige Quellen deuten darauf hin, dass sie auf den Vorhersagen des Schweinebauern Samuel Bennet beruhte, der ursprünglich die Preisentwicklung für Schweine und Mais bis zum Ende des Jahrhunderts vorhersagen wollte.
Andere Quellen schreiben sie einem Mann namens George Tritch zu, der sie bis ins Jahr 2059 fortgeschrieben und um die astrologische Komponente ergänzt haben soll.
Erstaunlich genaue Vorhersagen
Dass die Grafik heute immer noch Beachtung findet, liegt daran, dass sie – dafür dass sie im 19. Jahrhundert erstellt wurde – einige erstaunlich genaue Vorhersagen trifft. Sie empfahl etwa den Verkauf von Wertpapieren in den Jahren
1927 (vor der Weltwirtschaftskrise 1929)
1999 (vor Platzen der Dotcom-Blase)
2007 (vor der Finanzkrise 2008)
2019 (vor dem Coronaschock)
Einige Finanzblogger weisen darauf hin, dass die Grafik in ihrer Vorhersage eine Präzision von 90 Prozent aufweise. So geistert sie weiterhin durch die sozialen Medien, durch Youtube-Videos und Blogs. Viele Anleger, die sich vorgenommen haben, den Markt zu durchschauen, beschäftigen sich mit ihrer Relevanz. Schließlich erwähnt sie 2026 explizit als ein Jahr, in dem Anleger ihre Werte lieber verkaufen sollten.
Laut Hackethal liegt diese auf den ersten Blick erstaunliche Präzision aber an rein glücklicher Wahrscheinlichkeit statt an echter Analyse. „Wenn Sie vor einhundert Jahren einhundert Leute gebeten hätten, eine Vorhersage für die Börsen zu schreiben, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass eine davon relativ akkurat gewesen wäre“, sagt er. Alle Vorhersagen, die nicht zutrafen, habe man heute längst vergessen. Dass die Grafik bisher eher zufällig recht hatte, bedeute nicht, dass sie in Zukunft weiterhin stimmen werde.
Eine komplexe Welt
Lassen sich am Finanzmarkt also gar keine Zyklen erkennen? „Natürlich gibt es an den Märkten ein Auf und Ab von Preisen also ein zyklisches Verhalten“, sagt Hackethal. Früher hätten einfache Angebot-Nachfrage-Mechanismen – wie agrarische oder industrielle Engpässe – diese Zyklen geprägt, heute seien es vor allem technologische Durchbrüche, die große Produktivitäts- und Gewinnhoffnungen weckten.
Die Welt ist zu komplex für einfache Muster bei langfristigen Börsenentwicklungen. Andreas HackethalProfessor am Frankfurter Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE
Es gibt aber auch noch andere Phänomene, die das Anlageverhalten beeinflussen, etwa das Wetter oder sportliche Großereignisse. „Wenn die Sonne scheint und es besonders warm draußen ist, dann handeln Privatanleger weniger“, erklärt Hackethal. Diejenigen, die bei gutem Wetter trotzdem am Aktienmarkt tätig seien, entschieden sich allerdings häufiger für besonders riskante Titel.
Der Einfluss der Anlegerstimmung zeigt sich auch bei Sportereignissen. „Wenn die eigene Mannschaft bei der Fußball-WM ausscheidet, dann geben die Aktienkurse an diesem Tag im Heimatmarkt merklich nach “, sagt Hackethal.
Der Professor betont deshalb, dass es am Finanzmarkt sehr viele Determinanten gebe, die Einfluss auf die Kurse hätten. „Die Welt ist zu komplex für einfache Muster bei langfristigen Börsenentwicklungen.“ Diese könnten marktlogisch gar keinen Bestand haben. Denn: „Wären bestimmte Aufs und Abs zeitlich vorhersehbar, dann würden die Anleger schon zuvor kaufen oder verkaufen.“ Die Muster würden vorweggenommen und damit zerstört.
„Stellen Sie sich vor, alle wüssten vorher, wann eine Panik ausbrechen wird“, sagt Hackethal „Dann würden alle ihre Assets in Ruhe vorher verkaufen und es gäbe keine Panik mehr.“ Es wäre also eine Prophezeiung, die ihr eigenes Eintreffen verhindern würde.
Das echte Muster im Marktverhalten
An alle Privatanleger, die sich bei der Geldanlage daran versuchen, Kursverläufe vorherzusehen und entsprechend zu handeln, hat Hackethal eine ernüchternde Nachricht: „Market Timing funktioniert nicht.“ Er erklärt, dass nur wenige herausragend gute Tage am Markt über einen Großteil der Rendite entscheiden. „Wenn Sie die Top-zehn-Tage verpassen, rutschen Sie in den meisten Jahren schon ins Negative“, sagt er. Die Gefahr dafür sei groß, wenn man immer wieder ein- und aussteige.
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Hackethal weist darauf hin, dass es am Finanzmarkt sehr wohl Gesetzmäßigkeiten gebe, denen man folgen könnte. „Eine Grundregel heißt, je mehr breit gestreutes Risiko du hast, umso höher ist die Renditeerwartung“, sagt er. Das bedeute, dass zwei der wichtigsten Grundregeln für erfolgreiches Handeln mehr wert seien als eine 150 Jahre alte Prophezeiung: Anlagen diversifizieren und Rückschläge aussitzen.
Mehr: Richtig investieren: Neun ETF-Portfolios für jede Lebenslage
Dieser Artikel erschien bereits im Januar 2026. Der Artikel wurde am 09.07.2026 erneut geprüft und mit leichten Anpassungen aktualisiert.
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