Burda plant Verkauf des Reiseportals Holidaycheck
Hızlı Bakış
- Medienunternehmen Burda plant Verkauf von Holidaycheck.
- Investmentbank Raymond James sucht Käufer.
- KI setzt Reisebranche unter Druck, doch Buchungsmarkt wächst.
Yapay zekâ özeti
Neden Önemli?
Das Medienunternehmen Burda plant den Verkauf der Reisebuchungs- und Bewertungsplattform Holidaycheck. Die Investmentbank Raymond James wurde mit der Suche nach einem Käufer beauftragt. Burda will sein Portfolio strategisch neu aufstellen und Mittel für KI-Investitionen freisetzen.
Burda lässt nach Handelsblatt-Informationen einen Käufer für das Reiseportal suchen. Der Zeitpunkt könnte genau richtig sein – doch KI setzt Holidaycheck unter Druck. Hannah Krolle, Anna Westkämper 09.07.2026 - 11:11 Uhr Artikel anhören
Urlaub unter Palmen: Zunehmend Urlaubsbuchungen mit KI. Foto: Unsplash
Düsseldorf, Frankfurt. Das Medienunternehmen Burda plant den Verkauf der Reisebuchungs- und Bewertungsplattform Holidaycheck. Das erfuhr das Handelsblatt aus Unternehmens- und Finanzkreisen. Demnach hat Burda die Investmentbank Raymond James mit der Suche nach einem Käufer beauftragt. Der Verkauf soll sich noch in einem frühen Stadium befinden, über das Volumen sind keine Details bekannt.
Von Burda selbst hieß es auf Anfrage des Handelsblatts, dass Vorstand und Verwaltungsrat entschieden hätten, das Equity-Portfolio strategisch neu aufzustellen und bestehende Beteiligungen zu prüfen. „Um die finanziellen Mittel für neue Investitionen zu schaffen, sind Verkäufe eine Option“, sagte eine Sprecherin. Einzelne Prozesse kommentiere man nicht.
Burdas Verwaltungsratschef Marc Al-Hames hatte im Interview mit dem Handelsblatt im März bereits angekündigt: „Wir müssen unser Portfolio für eine KI-Zukunft aufstellen und dafür ab einem gewissen Punkt auch Mittel freisetzen.“ Es gebe aber keine „Verkaufsliste“, sagte er. Von 2020 bis 2023 war Al-Hames Vorstandsvorsitzender der Holidaycheck Group.
Holidaycheck ist ein wertvolles Asset im Burda-Imperium
Holidaycheck zählt zu den bekanntesten Online-Reisebuchungsportalen Deutschlands. Eigenen Angaben zufolge hatte das Portal im zweiten Halbjahr 2025 monatlich rund zwölf Millionen Nutzerinnen und Nutzer. Die Seitenaufrufe beliefen sich auf 166 Millionen. Das Unternehmen beschäftigt rund 350 Mitarbeitende, Hauptsitz ist in Bottighofen in der Schweiz. Über das Portal können Pauschalreisen, Hotels und Mietwagen gebucht werden.
Holidaycheck gehört zu rund 88 Prozent zu Hubert Burda Media. Burda hatte das Reiseportal 2021 von der Frankfurter Börse genommen, als die Plattform aufgrund der Coronapandemie und damit einhergehender Reisebeschränkungen unter Druck stand. Obwohl das Portal keine hundertprozentige Tochter des Medienunternehmens ist, verfügt Burda dank eines sogenannten „Beherrschungsvertrages“ über die vollständige operative Kontrolle. Den verbliebenen Aktionären wird dadurch eine jährliche Ausgleichszahlung von 22 Cent pro Aktie bezahlt. Die Papiere werden im Freiverkehr mittlerweile vor allem noch an der Hamburger Börse gehandelt.
Marc Al-Hames, Verwaltungsratsvorsitzender von Hubert Burda Media: „Wir müssen unser Portfolio für eine KI-Zukunft aufstellen.“ Foto: API / Michael Tinnefeld
Die Hamburger Börse gibt für Holidaycheck eine Marktkapitalisierung von rund 367 Millionen Euro aus. Zum erwarteten Kaufpreis wollte Burda auf Anfrage keine Angaben machen, ebenso wie zu den genauen Geschäftszahlen von Holidaycheck.
In der Bewertung des Geschäftsjahres 2025 für den gesamten Burda-Konzern heißt es, dass die Holidaycheck Group von höheren Buchungsvolumina und steigenden Reisepreisen profitiere. Zudem habe die Reiseplattform ihre Geschäftsmodelle diversifiziert und verkaufe nun auch Werbeplätze an Reiseanbieter. Der Umsatz des gesamten Equity-Bereichs belief sich auf etwa 1,35 Milliarden Euro.
Burda-Verwaltungsratchef
„Wir lassen uns nicht vom Markt diktieren, wie wir unser Portfolio gestalten“
41,4 Millionen: Holidaycheck zurück in der Gewinnzone
Aufschluss darüber, wie es finanziell um Holidaycheck bestellt ist, liefert die Einladung zur Hauptversammlung, die am 17. Juni in München stattgefunden hat. Dort ist für das abgelaufene Geschäftsjahr 2025 ein Bilanzgewinn in Höhe von rund 41,4 Millionen Euro vermerkt. Damit hat sich die Reiseplattform im Vergleich zur Coronazeit deutlich erholt. Im letzten öffentlichen Geschäftsbericht vor dem Delisting, also für das Jahr 2020, ist ein operatives Ebitda von minus 36 Millionen Euro verbucht. Im Jahr vor der Coronapandemie, 2019, erreichte Holidaycheck ein Ebitda von rund 6,8 Millionen Euro.
Das Reiseportal zeichnet sich vor allem durch die große Anzahl von Nutzerbewertungen aus: So sind bei Holidaycheck eigenen Angaben zufolge mehr als 13 Millionen schriftliche Bewertungen und mehr als 16 Millionen private Nutzerfotos und Videos zu Unterkünften abrufbar.
Allerdings ist der Markt stark umkämpft. In Deutschland dominiert die amerikanische Booking Holdings mit dem Portal booking.com den Markt, auch die ebenfalls US-amerikanische Expedia-Gruppe ist stark, dazu kommen Anbieter wie Check24 oder die Kölner HRS Group.
Das Portal booking.com: Größter Konkurrent in Deutschland. Foto: Bloomberg
Der Markt für Online-Reisebuchungsplattformen dürfte in den kommenden Jahren wachsen: Das Portal „Global Market Statistics“ rechnet bis 2035 weltweit mit einer jährlichen Wachstumsrate von 8,4 Prozent.
In Deutschland könnte eine Besonderheit die Entwicklung noch beschleunigen: So kippte das Oberlandesgericht Düsseldorf im Mai die Preisbindung von deutschen Reisebüros. Dadurch können Reisebüros künftig ihre Provisionen in Form von Rabatten an Kunden weitergeben, was vor allem großen Online-Buchungsplattformen mit großen Buchungsvolumina zugutekommen dürfte.
KI könnte Reisebranche grundlegend verändern
Für Burda könnte der Zeitpunkt des geplanten Verkaufs trotzdem genau richtig sein. Noch läuft der Online-Reisebuchungsmarkt. Doch ein Finanzexperte warnt: „Künstliche Intelligenz dürfte das Geschäftsmodell beeinflussen, da sich immer mehr Menschen dort über ihren Urlaub informieren“, sagt er.
Einer Umfrage von Yougov aus dem Mai zufolge lehnt lediglich ein Fünftel der Deutschen eine Urlaubsplanung mit KI gänzlich ab. Die Buchung übernehmen die Kunden aktuell allerdings lieber noch selbst: Nur 17 Prozent der Befragten können sich vorstellen, KI zur Buchung von Unterkünften oder Transportmitteln zu nutzen.
Burda hatte im vergangenen Herbst bereits versucht, die Arbeitgeber-Bewertungsplattform „Kununu“ zu verkaufen, wie das Handelsblatt exklusiv berichtete. Den gewünschten Verkaufspreis von rund 500 Millionen Euro war allerdings kein Käufer bereit zu zahlen. „Wir freuen uns, Kununu mit seinem sehr starken Management weiterzuentwickeln und das volle Potenzial zu entfalten“, sagte Burdas Vorstand für die Equity-Beteiligungen, Maximilian Preisser, dem Handelsblatt im Januar. „Falls wir einen Partner finden, der unser Zielbild teilt, gehen wir gerne eine Partnerschaft ein.“
Mehr: Verkauf von Arbeitgeber-Bewertungsplattform Kununu ist vorerst gescheitert
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