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GeriDie Dialektik der Abkühlung: Wie künstliche Kälte die Welt erwärmt
Die Dialektik der Abkühlung: Wie künstliche Kälte die Welt erwärmt
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Die Dialektik der Abkühlung: Wie künstliche Kälte die Welt erwärmt

Ein Interview mit dem Autor über die Geschichte und die ökologischen Folgen der Kältetechnik, von Neros Hof bis zu KI-Rechenzentren.

Hızlı Bakış

  • Das Interview mit dem Autor des Buches „Kühle Neue Welt“ beleuchtet die Geschichte der künstlichen Kälte von einem Luxusgut zur globalen Notwendigkeit.
  • Es diskutiert die ökologischen Grenzen, die "Dialektik der Abkühlung" und den steigenden Energieverbrauch durch KI-Rechenzentren.

Yapay zekâ özeti

Neden Önemli?

Das Buch „Kühle Neue Welt“ beleuchtet die Geschichte der künstlichen Kälte von Neros Hof bis zu modernen Rechenzentren und deren Rolle als scheinbar absolute Notwendigkeit im modernen Leben. Die Autoren argumentieren, dass die moderne Welt „am Tropf der künstlichen Kälte“ hängt.

Yazı boyutu

In Ihrem Buch „Kühle Neue Welt“ schreiben Sie über viele Aspekte – vom Schneekonsum am Hofe Neros bis hin zu den Rechenzentren des 21. Jahrhunderts. Zwei Geräte sind dabei zentral: der Kühlschrank und die Klimaanlage. Im Klappentext heißt es, die moderne Welt hänge „am Tropf der künstlichen Kälte“. Was ist damit gemeint?

Ohne künstliche Kälte könnte das moderne Leben, wie wir es kennen, gar nicht mehr stattfinden. Ob es um die globalen Lebensmittelkühlketten geht, um medizinische oder industrielle Anwendungen, das Funktionieren urbaner Infrastrukturen oder das bloße Wohnen in vielen Teilen der Welt: Aus einem ursprünglichen Luxus ist eine scheinbar absolute Notwendigkeit geworden. Inzwischen treten die energetischen und ökologischen Grenzen des unaufhörlich anschwellenden Kühlgeschehens jedoch immer drastischer zutage.

Ideengeschichtlich setzen Sie bei Francis Bacon ein. Warum beginnt diese Geschichte in der Frühen Neuzeit?

Weil sich dort das Verhältnis des Menschen zur Natur fundamental gewandelt hat. Bacon prägte nicht nur den Topos „Wissen ist Macht“, er forderte auch als Erster, man müsse lernen, die Kälte zu beherrschen. Die künstliche Kälte lässt sich somit als ein paradigmatischer Ausdruck des modernen Willens zur technischen Naturbeherrschung betrachten. Dabei ging es anfänglich nicht darum, sich vor den Elementen zu schützen; das kam erst in jüngerer Zeit hinzu. Es ging darum, die physikalischen Bedingungen den menschlichen Bedürfnissen zu unterwerfen. Die Emanzipation von den Vorgaben der Natur war ja auch ein zentrales Versprechen der Moderne.

Dass sich dieses Versprechen kältetechnisch materialisierte, verdankt sich jedoch nicht der europäischen Philosophie, sondern dem amerikanischen Unternehmergeist. Keine andere Nation hat eine solche Affinität zum Eis. Wie kam es dazu?

Die gewerbliche Erschließung der Kälte ist eine amerikanische Erfindung. Anfang des 19. Jahrhunderts entstand in Neuengland ein florierender Natureishandel. Im Winter erntete man das Eis zugefrorener Seen mit speziellen Gerätschaften und einer streng organisierten Arbeitsplanung systematisch ab, um es dann in riesigen isolierten Lagerhäusern zu speichern und von dort aus zu vertreiben. Aus einem flüchtigen Naturphänomen, das im Europa des Ancien Régime nur als höfischer Luxus zum Zweck der Weinkühlung oder der Herstellung von Speiseeis bekannt war, wurde dadurch eine allgemeine Handelsware. Dies bildete den wirtschaftlichen Hintergrund für die Entwicklung der Eis- und Kältemaschine.

Der Erfolg dieser Eiswirtschaft beruhte nicht zuletzt auf dem Exportgeschäft. Frederic Tudor, der sogenannte Eiskönig, exportierte von 1833 an tonnenweise Eis nach Indien.

Der größte Teil dieses Eises landete in den Gin and Tonics und anderen Getränken der englischen Kolonialherren. Der Luxus der Kälte war hier von vornherein mit imperialen Strukturen und kultureller Abgrenzung verknüpft. Mit dem Eis importierte man ein Stück des eigenen Klimas in die Tropen.

Der Komfort der Kühle ist also, historisch betrachtet, auch ein koloniales Phänomen?

Das ist zugespitzt formuliert, trifft aber einen wesentlichen Punkt. In meinem Buch widme ich mich ausführlicher den Pankhas, jenen großen Deckenfächern, die in Britisch-Indien von der heißen Veranda aus von einheimischen Arbeitskräften bewegt wurden, um den Kolonialherrn im Innern des Hauses abzukühlen. Sie wurden noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein betrieben, als bereits elektrische Deckenventilatoren zur Verfügung standen. Die ersten, noch per Muskelkraft betriebenen Ventilatoren wurden Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelt, um den Menschen an Bord britischer Kriegs- und Sklavenschiffe Linderung zu verschaffen, gehören also ebenfalls in einen kolonialen Zusammenhang.

Wann kamen die ersten eigentlichen Kältemaschinen auf, die im Zentrum Ihres Buches stehen? Und wofür wurden sie eingesetzt?

Die ersten Kältemaschinen wurden Mitte des 19. Jahrhunderts von englischen, französischen und amerikanischen Erfindern entwickelt. Lange Zeit kamen sie fast ausschließlich in der Lebensmittelindustrie zum Einsatz, wobei zwei Branchen zentral waren, die kurz zuvor das Natureis für sich entdeckt hatten: In den Vereinigten Staaten war es die Kühlung von Frischfleisch, das in den Großschlachthöfen von Chicago massenhaft produziert wurde und seine Abnehmer über weite Distanzen erreichen musste – ein Modell, aus dem sich dann der internationale Fleischhandel entwickelte. In Europa war es in erster Linie die Bierindustrie. In Deutschland ermöglichte Carl Linde mit seinen avancierten Kältemaschinen ab den Siebzigerjahren des 19. Jahrhunderts die ganzjährige Massenherstellung von untergärigem Bier, was eine biotechnologische Revolution bedeutete. Noch um 1900 waren im Deutschen Reich 90 Prozent aller Kältemaschinen in Brauereien im Einsatz. Das restliche Zehntel wurde in Schlachthöfen verwendet. Wichtig dabei: Zwei Drittel der deutschen Schlachthöfe kamen ohne Kühlanlagen aus.

Sie beobachten eine gewisse europäische Skepsis gegenüber der amerikanischen Affinität zur Kühlkonservierung.

Ja, vor allem die Franzosen sperrten sich anfangs vehement gegen Kühlfleisch. Noch lange galt ihnen nur frisch geschlachtetes Fleisch als frisches Fleisch.

Auch gegenüber der Klimaanlage sind die Europäer stets skeptischer eingestellt gewesen als die Amerikaner.

Gut möglich, dass da ein tieferer Zusammenhang besteht. In jedem Fall hat schon Carl Linde darüber geklagt, dass die Raumkühlung in Europa keinerlei Anklang fand. Allerdings hat es auch in den Vereinigten Staaten Jahrzehnte gedauert, bis sich die häusliche Klimaanlage flächendeckend verbreitet hat.

Als Symbol der amerikanischen Konsumkultur gilt der große und prall gefüllte Kühlschrank. Wie lange dauert es, bis er sich in der Gesellschaft durchsetzte?

Das ist eine der überraschenden Erkenntnisse: Noch 1929, ein gutes Jahrzehnt nach der Produktentwicklung, besaßen nur fünf Prozent der amerikanischen Haushalte einen elektrischen Kühlschrank, obwohl die Stromanbieter den Verbrauchern die Geräte förmlich hinterherwarfen, um dann deren hohe Betriebskosten kassieren zu können. Erst im Zuge der Elektrifizierungskampagne von Roosevelts New Deal eroberte der Kühlschrank die amerikanische Küche. Er war politisch gewollt – und mit ihm, als vermeintliches Zeichen des Fortschritts, auch der Stromverbrauch. In ähnlicher Weise erkor später in der jungen Bundesrepublik Ludwig Erhard den Kühlschrank zum Symbol des Wohlstands für alle.

Dann kamen die Schattenseiten dieser und anderer Innovationen zum Vorschein. 1972 machte der erste Bericht des „Club of Rome“ auf die Grenzen des Wachstums aufmerksam. Was folgte daraus für die Kühlung?

Für die Kälteindustrie hat der Bericht des Club of Rome praktisch keine Konsequenzen gehabt, ebenso wenig wie die bald folgenden Energiekrisen. Anders sah es mit der Krise um die Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) und das von ihnen erzeugte Ozonloch aus. Schließlich waren die FCKW einst als Kältemittel synthetisiert und seither als solche in Kühlschränken genutzt worden. Doch selbst dadurch hat die Branche keinen bleibenden Schaden genommen, wohl auch weil die Affäre durch den Umstieg auf alternative Kältemittel relativ schmerzlos beigelegt werden konnte. Dem kältetechnischen Teufelskreis, den ich als „Dialektik der Abkühlung“ bezeichne, wird dagegen nicht so leicht beizukommen sein.

Was meinen Sie damit?

Ich meine damit das grundsätzliche Dilemma der modernen Kältetechnik. Künstlich zu kühlen, bedeutet immer, dass Wärme an einem Ort entzogen und an einen anderen abgegeben wird. Dieser Prozess macht die Welt wärmer – vor allem durch die bei dem dafür nötigen Energieaufwand entstehenden Treibhausgase, aber auch durch die direkte Abwärme. Je mehr also irgendwo irgendetwas künstlich gekühlt wird, desto wärmer wird es auf der Erde, und je wärmer es wird, desto mehr muss dann wieder gekühlt werden. Wie keine andere Erfindung der modernen Technik erzeugt die Kältemaschine neben dem, was sie erzeugen will, zugleich das, was sie bekämpft. In der „Dialektik der Aufklärung“ von Horkheimer und Adorno findet sich der Satz: „Jeder Versuch, den Naturzwang zu brechen, indem Natur gebrochen wird, gerät nur umso tiefer in den Naturzwang hinein.“ Diese kulturkritische Diagnose wird durch den Vorgang der Kältetechnik physikalisch bestätigt.

Und nun kommen auch noch die KI-Rechenzentren hinzu.

Der gewaltige Energieverbrauch der Digitalindustrie ist längst kein Geheimnis mehr. Weniger bekannt ist, dass rund die Hälfte des von den Serverfarmen verbrauchten Stroms für die Kühlung verbraucht wird. Im Zeichen der generativen Künstlichen Intelligenz erreicht die kältetechnische Teufelsspirale noch einmal eine neue Eskalationsstufe. Der aufklärerische Aufruf, sich des eigenen Verstandes zu bedienen, gewinnt damit eine ökologische Dimension.

Bundan Sonra Ne Olabilir?

Yapay zekâ öngörüsü — kesinlik taşımaz

  • Die kältetechnische Teufelsspirale wird durch generative KI weiter eskalieren.

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Açık Sorular

  • Wie kann der Teufelskreis der Abkühlung durchbrochen werden?
  • Welche konkreten Alternativen gibt es zur aktuellen Kühltechnik?
  • Wie wird die Politik auf den steigenden Energieverbrauch reagieren?

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Bu haber ilk olarak şurada yayınlandı: FAZ.

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