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GeriHandelsblatt-Empfehlungen: Zehn Bücher für die Urlaubslektüre 2026
Handelsblatt-Empfehlungen: Zehn Bücher für die Urlaubslektüre 2026
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Handelsblatt-Empfehlungen: Zehn Bücher für die Urlaubslektüre 2026

Hızlı Bakış

  • Das Handelsblatt präsentiert zehn Buchneuerscheinungen des ersten Halbjahres 2026, die sich für die Urlaubslektüre eignen.
  • Die Auswahl reicht von Analysen der digitalen Welt und Kapitalismuskritik bis zu Belletristik, die zum Nachdenken anregt.

Yapay zekâ özeti

Neden Önemli?

Die Urlaubszeit wird als Lesezeit genutzt, um dem Alltag zu entfliehen und neue gedankliche Landschaften zu entdecken. Zehn Buchneuerscheinungen des ersten Halbjahres 2026 werden vorgestellt.

Yazı boyutu

Die Vermessung der digitalen Welt, neue Ideen für den Kapitalismus – und drei Bücher zum Entspannen: die Handelsblatt-Empfehlungen für die Urlaubslektüre. Sven Prange 10.07.2026 - 04:00 Uhr Artikel anhören

Düsseldorf. Urlaubszeit ist Lesezeit. Diese zehn Bücher sind im ersten Halbjahr 2026 erschienen. Sie eignen sich wunderbar, um am Strand, im Tal oder auf dem Balkon dem Alltag zu entfliehen – und dennoch neue gedankliche Landschaften zu entdecken.

Martin Andree: Die Vermessung der digitalen Welt

Martin Andree: Die Vermessung der digitalen Welt. Campus, 2026. 176 Seiten, 18 Euro. Foto: PR

Sechs Jahre nach dem „Atlas der digitalen Welt“ liefert der Kölner Wissenschaftler, der sich als einer der profiliertesten deutschsprachigen Kritiker von Big Tech bewährt hat, die Fortschreibung. Dafür hat Martin Andree die Datenbasis seiner Ausführungen noch einmal verstärkt. Statt auf Umfragen stützt sich der Medienwissenschaftler auf das GfK Crossmedia Link Panel, das die reale Mediennutzung von 8000 Menschen in Deutschland erfasst.

Das Kompakthandbuch ordnet digitale Aufmerksamkeit als zusammenhängenden Referenzrahmen: Wer wie viel Zeit wo verbringt, welche Rolle Big-Tech-Plattformen dabei spielen und wie sich unabhängige Anbieter dagegen behaupten – all das arbeitet Andree mit viel Liebe zum Datendetail heraus.

Wie man es von Andree gewohnt ist, bleibt das Buch nicht bei der reinen „Vermessung“ stehen. So schwingt immer auch mit, wie sich durch das Voranschreiten der großen Tech-Konzerne in unserem Alltag die Machtverhältnisse verschieben. Andree selbst, CEO von AMP Digital Ventures und zuvor fast zwei Jahrzehnte im Digitalmarketing bei Henkel, argumentiert nicht als Außenstehender. Er kennt Forschung und Konzernpraxis, was das Buch angenehm zwischen Nachschlagewerk und Orientierungshilfe changieren lässt.

Andrea Lorenzo Capussela: The Republic of Innovation

Andrea Lorenzo Capussela: The Republic of Innovation. Polity Press, 2026. 180 Seiten, 15 Euro. Foto: PR

Freiheit als bloße Abwesenheit von Zwang – das ist, so Andrea Lorenzo Capussela, die verkürzte, letztlich schädliche Vorstellung, die westliche Gesellschaften seit Jahrzehnten prägt. Und dazu entwickelt der in London lehrende Wettbewerbsökonom in diesem Buch, das bisher nicht in deutscher Sprache vorliegt, einen Gegenentwurf: Frei ist nicht, wer formal unbehindert handeln kann, sondern, wer weder Arbeitgebern noch Big Tech noch einer selbst ernannten Elite ausgeliefert ist.

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Das große Versprechen des Buchs: Genau diese Freiheit soll nicht nur gerechter, sondern auch wirtschaftlich produktiver sein. Wo mehr Menschen ausreichend Sicherheit haben, um zu experimentieren und Risiken einzugehen, entsteht mehr Innovation.

Capussela verschränkt damit politische Philosophie mit moderner Wachstumstheorie, zwei Diskursstränge, die sich sonst selten berühren. Das Ergebnis liest sich als Versuch, ein politisches Programm zu begründen, das westliche Demokratien über das Erbe des Neoliberalismus hinausführen soll, ohne in reine Umverteilungsrhetorik zu verfallen. Aus deutscher Perspektive wirkt das Ganze inspirierend befremdlich, trifft hier doch eine eher als links gestempelte Freiheitstheorie auf ein Thema, das in Deutschland traditionell eher ordoliberal gedacht wird.

Francis Fukuyama: Der letzte Mensch

Francis Fukuyama: Der letzte Mensch. Hoffmann und Campe, 2026. 272 Seiten, 26,80 Euro. Foto: PR

Wenige internationale Wissenschaftler sind in den vergangenen Jahren so verballhornt worden, wie Francis Fukuyama. Der Mann, der 1992 das „Ende der Geschichte“, also den endgültigen Sieg des liberalen Westens über die autokratische Herausforderung, ausrief, wurde nach dem Wiederaufstieg autokratischer Herrscher in aller Welt zum Prototyp vergeblicher Prognosen. Dabei umfasst Fukuyamas Werk bedeutend mehr als diese eine Analyse.

Nun meldet er sich mit seinem bislang persönlichsten Buch zurück – einer Mischung aus Selbstkorrektur und Selbstrechtfertigung. Fukuyama macht klar: Sein Diktum von der liberalen Demokratie als „herrschendem Prinzip der Geschichte“ wurde von Anfang an missverstanden. Was er tatsächlich meinte, war komplizierter – und genau das arbeitet er nun nach. Wohl auch, weil er 1992 im Überschwang der Ereignisse nicht allzu präzise benannte, was er meinte.

Francis Fukuyama im Interview

„Der Trumpismus ist ein Aufschrei gegen die Moderne“

Seine jetzige These: Wir leben längst im „Reich des letzten Menschen“ – jener saturierten, aber gelangweilten Figur, die aus Überdruss gegen die verflachten Horizonte liberaler Gesellschaften rebelliert. Warum Fukuyama sich nach dem verfehlten „Ende der Geschichte“ mit „Der letzte Mensch“ erneut auf eine absolute Prognose einlässt, bleibt ein Rätsel. Das Buch ist dadurch aber nicht weniger inspirierend.

Mariana Mazzucato: The Common Good Economy

Mariana Mazzucato: The Common Good Economy. Allen Lane (Penguin), 2026. 352 Seiten, 25 Euro. Foto: PR

Mariana Mazzucato ist in Teilen der deutschen Szene, die sich für ökonomische Fragestellungen interessiert, so eine Art Mensch gewordener Triggerpunkt. Und dass der ehemalige Wirtschaftsminister Robert Habeck sich gern auf sie bezog, hat ihr Ansehen dort nicht gerade verbessert. Dennoch lässt sich mit Blick auf die internationale Debatte sagen: So ganz ignorieren sollte man sie nicht – und damit auch nicht ihr neues Buch, das bisher nicht in deutscher Sprache vorliegt.

Der Kern des Buchs ist, wenn man so will, ein typischer Mazzucato: Der unternehmerische Staat, die missionsorientierte Wirtschaftspolitik – die Klassiker ihres Denkens bilden auch das argumentative Fundament dieses Buchs. Beides versucht sie hier nun zu einem ganzheitlicheren Ansatz zusammenzuführen. Dazu entwickelt Mazzucato eine neue ökonomische Kategorie, die gerade im deutschen Diskurs von jeher immer mal wieder aufploppt, ohne seriös ökonomisch durchdacht und in den Zusammenhang einer liberalen Marktwirtschaft gesetzt worden zu sein: das Gemeinwohl.

Dabei ist Mazzucatos Kernargument durchaus anschlussfähig für Menschen, die marktorientierten Lösungen noch offener gegenüberstehen als sie selbst: Es gibt demnach Lebensbereiche, die sich vom Markt allein schwer regeln lassen und die deshalb ökonomisch gesondert betrachtet werden müssen – aber nicht rückblickend, quasi als Reparaturfälle des Kapitalismus, sondern vorausschauend gedacht. Der praktische Ertrag ist ein „Common Good Compass“, ein Navigationsinstrument für Staaten und Unternehmen, die zweckgebundene wirtschaftliche Beziehungen aufbauen wollen.

Annette Dittert: Dear Britain

Annette Dittert: Dear Britain. DuMont, 2026. 256 Seiten, 24 Euro. Foto: PR

Als der Brexit in der Nacht zum 31. Januar 2020 endgültig wahr wurde, stand Annette Dittert live vor der Downing Street – und musste sich die Tränen verkneifen, mitten in der Schalte zu den Tagesthemen. London war längst ihre zweite Heimat geworden, wenn auch eine zunehmend fremde. Sie blieb dort dann doch noch bis Ende vergangenen Jahres als Korrespondentin im Dienst. Wie sie den chaotischen Pfad Großbritanniens in dieser Zeit erlebt hat, schildert sie in diesem Buch.

Royal Albert Hall, House of Lords, eine Frauenschwimmgruppe namens „Blue Tits“ an der Ostküste, Gespräche mit Schotten, Priestern, Earls – und immer wieder ihr eigenes Narrowboat „Emilia“ am Regent’s Canal, mitten in London: Das Buch besticht durch seine Nähe zum Land, die Dittert durch Besuche an zahlreichen zentralen Plätzen hergestellt hatte.

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Immer wieder beleuchtet Dittert auch die ökonomische Realität hinter dem Brexit: eine prekäre wirtschaftliche und soziale Lage, die im Alltag der Menschen spürbar ist, unabhängig von der großen Politik. Wer die Stimmung im postimperialen Großbritannien elf Jahre nach dem Referendum verstehen will, bekommt hier Analyse und Anekdote in einem.

Joschka Fischer: Wer sind wir?

Joschka Fischer: Wer sind wir? Kiepenheuer & Witsch, 2026. 160 Seiten, 22 Euro. Foto: PR

Der Ex-Außenminister der Grünen setzt seinen Kurs der Helmut-Schmidt-Werdung konsequent fort und beschäftigt sich mit den ganz großen Fragen des Lebens. Weil er anders als in seinen sonstigen öffentlichen Auftritten aber nicht nur Antworten gibt, sondern hier auch Fragen stellt – eine davon hat es sogar auf den Titel geschafft –, ist dieses Buch lesenswert. Denn es widmet sich der Suche nach Antworten in einem Feld, das wohl die Basis aller Verunsicherung ist, die dieses Land gerade so aufwühlt: Wer sind wir eigentlich als Land – und wer wollen wir sein?

Fischers mit 160 Seiten eher schmales Buch verhandelt, was aus der drittstärksten Industrienation weltweit eigentlich wird, wenn sie postnational, aber militärisch fast unsichtbar bleibt. Das Geheimnis des westdeutschen Wiederaufstiegs nach 1945, so Fischer, war das Vertrauen der einstigen Kriegsgegner. Was aber wird aus diesem Vertrauen, wenn sich die USA als Garantiemacht zurückziehen, neue militärische Bedrohungen für Europa entstehen und Deutschland technologisch wie wirtschaftlich den Anschluss zu verlieren droht?

Joschka Fischer

„Amerika hat seinen Zenit überschritten – Es gibt den Westen praktisch nicht mehr“

Fischer stellt die sicherheitspolitischen Kernfragen der Gegenwart – Wehretat, Wehrpflicht, nukleare Abschreckung – in einen größeren historischen Rahmen und zeichnet so eine Möglichkeit, wie Deutschlands Rolle in einer multipolaren, eher chaotischen Welt aussehen könnte.

Volker Weiß: Katechon

Volker Weiß: Katechon. Klett-Cotta, 2026. 128 Seiten, 18 Euro. Foto: PR

Ein Begriff aus dem zweiten Thessalonicherbrief, der plötzlich in den Timelines von Tech-Milliardären und AfD-Politikern auftaucht – genau darauf stößt Volker Weiß in seinem dichten Essay. Der „Katechon“, biblisch: jene Kraft, die den falschen Messias, den Antichristen, aufhält und damit den Gläubigen Zeit verschafft, erfreut sich als Denkfigur in techlastigen wie neurechten Kreisen Beliebtheit. Etwa beim deutschstämmigen Investor Peter Thiel, der mit der Antichristfigur mittlerweile ganze Vortragsreisen gestaltet.

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Die eigentliche Scharnierfigur des Buchs ist aber Carl Schmitt, jener Staatstheoretiker, der schon Adolf Hitler gefiel. Bei Schmitt ist der Katechon eine eschatologische Figur, die einen starken Staat rechtfertigt, der Chaos und Liberalismus aufhält. Weiß verfolgt diese Linie bis in die Gegenwart – zu Thiel, der schmittianische Motive mit libertärem Elitedenken verbindet, zu Alexander Dugin, dem putinistischen Vordenker des Eurasianismus, und zu AfD-Politiker Maximilian Krah, der Trump twitternd zum „Katechon“ erklärt.

Nun bezweifelt etwa der Philosoph Peter Sloterdijk, dass Thiel die Vordenker wie Schmitt wirklich verstanden hat – dennoch ist der zumindest intellektuelle Anschluss, den Thiel und andere in dem Milieu suchen, nicht von der Hand zu weisen. Wer verstehen will, warum Tech-Elite und Neue Rechte zunehmend dieselbe Sprache sprechen, findet hier zumindest einen Teil der Antwort.

Johanna Sebauer: Popóm

Johanna Sebauer: Popóm, DuMont, 2026. 224 Seiten, 24 Euro. Foto: PR

Hendrik Popom führt ein Leben, das als solide mittelschichtig durchgehen dürfte. Er pflegt seine Beziehung schon seit Abiturzeiten, er gehört als Mitarbeiter einer Werbeagentur zu jenem Milieu, das sich zumindest kreativ nennen darf, und größere Ausschläge nach unten sind nicht absehbar. Doch dann taucht ein älterer Mann auf, der Popom in seinen Bann zieht – womöglich, weil er ihm so ähnelt. Denn auch das ist Henrik Popom, beziehungsweise Popóm.

Aus dieser Begegnung entspinnt sich eine Beziehung voller Rätsel, Zuneigung und Widerstand. Je stärker Hendrik sein eigenes Leben vernachlässigt und sich an sein älteres Alter Ego klammert, desto mehr entzieht sich dieses ihm.

Sebauer, bekannt für ihren Debütroman „Nincshof“ und die beim Bachmann-Wettbewerb ausgezeichnete Erzählung „Das Gurkerl“, bringt hier die großen Fragen, die die obere Mittelschicht, die in den 80er- und 90er-Jahren geboren wurde, gerade beschäftigt: Stillstand, Identität und die Frage, wie man mit der eigenen Zukunft ins Reine kommt, jetzt wo die KI die letzten Gewissheiten, die einem noch bleiben, herausfordert.

Caro Claire Burke: Yesteryear

Caro Claire Burke: Yesteryear. Heyne, 2026. 400 Seiten, 24 Euro. Foto: PR

Natalie Heller Mills verkauft acht Millionen Followern das perfekte „Tradwife“-Leben: rustikaler Bauernhof, Cowboy-Ehemann, selbstgemachte Marmelade, sechs bezaubernde Kinder. Dass hinter der Kulisse Kindermädchen, Produzenten und Industrieküchen stehen, wissen ihre Fans nicht – und die „Angry Women“, die sie als antifeministische Ikone verspotten, wissen es auch nicht.

Dann wacht Natalie eines Morgens in einer erschreckend echten Version dieser Fantasie auf: kalt, dreckig, im Jahr 1855. Feuerstelle statt Elektrik, Kinder verwildert statt niedlich, der Ehemann plötzlich ein kompetenter Farmer statt Instagram-Kulisse.

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Was zunächst etwas plump klingt, hat sich in den vergangenen Wochen zu einem internationalen Must-have-Besteller entwickelt. Womöglich, weil der Roman das Geschäftsmodell der Tradwife-Influencerinnen nicht respektlos, aber schon ironisch seziert. Genau diese Spannung zwischen inszenierter Authentizität und industrieller Content-Produktion ist eine der interessantesten Volten der aktuellen Kreativwirtschaft – und ein Thema, das die gängigen Debatten über Rollenbilder und Social-Media-Ökonomie berührt.

Christine Weißenborn: Juli Gold – Wächterin der Zeit

Christine Weißenborn: Juli Gold – Wächterin der Zeit. Knesebeck, 2026. 320 Seiten, 18 Euro. Foto: PR

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Ein Kinderbuch, das nicht nur ein Kinderbuch ist: Zwar entführt die Heldinnenfigur, die liebenswerte Juli Gold aus New York, in ein Fantasy-Abenteuer in einer Parallelwelt, in der es vor zauberhaften Gestalten nur so wimmelt. Doch schon bald muss Juli feststellen, dass der faszinierende Schein dort trügt. Ein übermächtiger Gegner droht die Zeit aller Welten zu verschlingen!

Hinter dieser Geschichte bearbeitet das Buch ein Thema, das derzeit niemanden loslässt, der irgendwie mit Kindern zu tun hat: die eigene Smartphone-Dauerpräsenz und deren Wirkung auf Kinder. Wer das Gefühl hat, sich diesem Thema mit Blick auf seine Kinder und sein eigenes Vorbildverhalten nicht mit dem ausreichenden Ernst gewidmet zu haben, bekommt hier Inspiration, das zu ändern.

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