Hans im Glück: Nach Rückschlägen und Skandalen sucht die Kette nun ihr Glück an Autobahnen
Hızlı Bakış
- Die Burgerkette Hans im Glück hat nach Krisen und einem Skandal um einen Miteigner den Turnaround geschafft und sucht nun neue Wachstumschancen an Autobahnen.
- Trotz eines schwierigen Marktumfelds plant das Unternehmen, sein Liefergeschäft auszubauen und neue Standorte außerhalb von Innenstädten zu eröffnen.
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Die Burgerkette Hans im Glück wurde 2010 gegründet und hat sich auf hochwertige Burger im Restaurantambiente spezialisiert. Nach anfänglichem Wachstum und Expansion gab es Rückschläge durch die Pandemie, Teuerung und einen Skandal um einen Miteigner.
Der Burgerbrater hat sich nach Rückschlägen und einem Shitstorm von Altlasten befreit. Geschäftsführer Bühler erzählt, warum die Restaurantkette nun ihr Glück auch an Autobahnen sucht. Katrin Terpitz 22.06.2026 - 07:33 Uhr Artikel anhören
Johannes Bühler, Chef von Hans im Glück: „Alleinstellung zwischen Fast-Food-Giganten und gehobenen Burgerläden.“ Foto: PR, brckmnn [M]
Mannheim, München. Wer einen Tisch zwischen den Birkenstämmen sucht, braucht eine Portion Glück. Das kürzlich eröffnete Restaurant von Hans im Glück am Mannheimer Paradeplatz ist an diesem Abend rappelvoll. Es ist die 100. Filiale der Bar- und Burgergrill-Kette. Johannes Bühler, seit 2014 Geschäftsführer von Hans im Glück, nennt sie einen „Meilenstein“.
Gastro-Experte Axel Weber, Partner der Beratung Soda Group, sieht das ähnlich: „Mit 100 Standorten ist die Premium-Burgerkette in der Liga der Systemgastronomie angekommen.“ Hans im Glück nehme damit eine Alleinstellung zwischen den Fast-Food-Giganten wie McDonald’s und Burger King und gründergeführten gehobenen Burgerläden ein.
Ursprünglich hatte Hans im Glück ambitioniertere Pläne: Schon für 2024 hielt Bühler 160 Restaurants für „absolut realistisch“, sagte er dem Handelsblatt vor fünf Jahren. Doch nach der Pandemie hatte Hans im Glück weitere Rückschläge zu verdauen: Die allgemeine Teuerung führte zu einem deutlichen Gästeschwund.
Der Skandal um Miteigner Hans-Christian Limmer verstärkte diesen noch. Der Backwerk-Gründer hatte 2024 zum umstrittenen „Potsdam-Treffen“ der rechtspopulistischen Szene mit eingeladen. Obwohl sich Hans im Glück umgehend von Limmer trennte, wirkte die Affäre lange nach.
„2024 war ein schwieriges Jahr“, sagt Bühler. Aber im vergangenen Jahr sei der Turnaround gelungen. „Auch weil wir uns von 20 Franchisenehmern getrennt, deren Betriebe übernommen und wieder profitabel gemacht haben.“ Hans im Glück will weiter wachsen: mit mehr Liefergeschäft – und erstmals mit Filialen, die nicht prominent in der Innenstadt liegen, sondern gut per Auto erreichbar sind.
Wachstumsgeschichte mit Rückschlägen
Die Geschichte von Hans im Glück begann 2010 in München. Damals eröffnete Sausalitos-Gründer Thomas Hirschberger einen kleinen Burgergrill. Das Konzept: hochwertige Burger im Restaurantambiente statt in Pappschachteln. Die Kette wuchs schnell über Franchising.
Hans im Glück: Birkenstämme als Markenzeichen. Foto: Unternehmen
Gastro-Experte Weber überzeugt die Inszenierung mit Birkenwald, Burgergrill und Cocktailbar sowie die gewollt lange Verweildauer der Gäste. „Hans im Glück hat aus einem emotionsarmen Produkt eine Restauranterfahrung gemacht.“ Dazu habe die Kette früh vegan-vegetarische Kompetenz aufgebaut. Rund 56 Prozent aller Bestellungen sind heute ohne Fleisch.
2016 gab es den ersten Dämpfer für Hans im Glück. Es kam zum Bruch mit Franchisenehmer Paniceus, der zwölf Filialen vor allem im Norden betrieb. Paniceus-Chef Patrick Junge benannte seine Burgergrills in Peter Pane um. Es gab heftige juristische Streitigkeiten.
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Früh zog es Hans im Glück ins Ausland. 2017 öffnete in der noblen Orchard Road in Singapur die 50. Filiale. Die Restaurants in Singapur sind inzwischen verkauft. Das rasante Wachstum war kostspielig. 2018 stieg Unternehmer Gerd Bühler, Vater von Geschäftsführer Bühler, bei Hans im Glück ein. Damit verschaffte sich Hirschberger finanziell etwas Luft.
Jens Hallbauer (l.), Johannes Bühler: Die Geschäftsführer haben Hans im Glück durch diverse Krisen gesteuert. Foto: Unternehmen
Der Gründer verkaufte 2020 alle Anteile. Die Backwerk-Gründer Limmer und Dirk Schneider stiegen mit knapp 54 Prozent als Sanierer ein. Gut 31 Prozent hält das Family Office Bühler, den Rest zwei Privatinvestoren. Dann kam Corona. Die Erlöse der Restaurants brachen 2020 von 147 Millionen auf knapp 115 Millionen Euro ein. In der Not starteten Bühler und sein Co-Geschäftsführer Jens Hallbauer den Lieferdienst „Glücksbringer“.
Massiver Gästeschwund belastet das Geschäft
Mit dem Ukrainekrieg rutschte die Gastro-Branche in die nächste Krise. „Die Deutschen sind erheblich verunsichert durch Krieg und Inflation, gehen meist nur noch am Wochenende oder auf Reisen ins Restaurant“, sagt Bühler. 2022 nahmen die Hans im Glück-Filialen 165 Millionen Euro ein – 40 Millionen weniger als erwartet.
In der klassischen Gastronomie brach die Zahl der Besuche in Deutschland seit 2019 um knapp 13 Prozent auf 8,25 Milliarden im Jahr ein. „Der Rückgang um 1,2 Milliarden Besuche ist dramatisch für die Branche“, sagt Jochen Pinsker vom Marktforscher Circana.
Hans im Glück: Der Burgergrill hat jüngst die 100. Filiale eröffnet. Foto: Unternehmen
Die Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen vor Ort – von 19 auf sieben Prozent – im Januar hält Bühler deshalb für einen wichtigen Schritt: „Sie verschafft uns Gastronomen aber nur eine Atempause.“ Unter dem Strich habe Hans im Glück zwei Prozentpunkte mehr Cashflow. Denn den Großteil der Entlastung fresse der höhere Mindestlohn wieder auf. „Der steigert nicht nur unsere Personalausgaben, sondern die Kosten all unserer Zulieferer.“
Viele unserer früheren Gäste gehen gar nicht mehr essen. Johannes BühlerHans im Glück
Die höheren Kosten habe Hans im Glück nicht komplett weitergegeben. Die letzte Preiserhöhung fand laut Bühler 2024 statt. Denn die Zahlungsbereitschaft sei begrenzt. Deshalb seien heute Gerichte zum Einstiegspreis und Produkte zum Teilen sehr wichtig. Auch Trendgerichte wie Smashburger sollen Gäste locken.
„Viele unserer früheren Gäste gehen gar nicht mehr essen“, sagt Bühler. Die Menschen bräuchten besondere Anlässe wie Familienfeste oder Urlaub. Dann seien sie spendabel wie nie. Der Durchschnittsbon von Hans im Glück liegt mit 22 Euro deutlich höher als 2019 mit 14,90 Euro. „Aber unsere Gästefrequenz ist massiv eingebrochen.“
Einfrieren der Google-Bewertung kostete Umsatz
Daran hatte auch der „Limmer-Gate-Skandal“, wie Bühler es ausdrückt, großen Anteil. Hans im Glück hatte sich sofort von rechtspopulistischen Ansichten und seinem Miteigner distanziert. Der Gastro-Investor hatte einige Einladungen zum umstrittenen Potsdam-Treffen unterschrieben, wie er auch im Handelsblatt einräumte. Bühler versichert, Miteigner Schneider habe dessen Anteile von 26,99 Prozent komplett übernommen.
Die Empörungswelle gegen Hans im Glück flaute zwar nach zwei Monaten ab. Doch die Folgen wirkten anderthalb Jahre nach. Denn Google hatte alle Filialen für Kommentare und Bewertungen gesperrt – bis Juli 2025. „Das Einfrieren des negativen Google-Ratings hat uns digitale Sichtbarkeit und richtig Umsatz gekostet“, sagt Bühler. Juristische Schritte gegen Google hätten laut Bühler vermutlich Jahre und Millionen gekostet.
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Ab einem Rating von 4,2 Sternen bringe jeder 0,1-Prozent-Schritt nach oben sechs Prozent Mehrumsatz. „Für die klassische Gastronomie sind Google-Bewertungen ein zentraler Umsatztreiber“, bestätigt Experte Weber.
Trennung von 20 Franchisenehmern
Negativschlagzeilen machte Hans im Glück auch, weil sechs Franchisenehmer 2025 in die Insolvenz rutschten. Sie machten zum Teil die Zentrale verantwortlich: Die Gebühren seien zu hoch, das Geschäftsmodell nicht mehr zeitgemäß.
Bühler stellt klar: „Wir haben alle Verträge eingehalten und Geld verloren.“ Heute sei in der Gastronomie Reaktionsschnelligkeit, etwa beim Liefergeschäft, gefragt. Hans im Glück habe fast jeden Partner in der Krise in gewissem Umfang subventioniert, etwa die Miete gestundet, nicht gezahlte Löhne übernommen. „Ich habe mir sehr genau angeschaut, welcher Franchisenehmer sich auf meinen Subventionen ausruht“, sagt Bühler.
Hans im Glück: Die meisten Filialen werden im Franchise betrieben. Foto: Unternehmen
„Bei unseren Restaurantbetreibern hat sich 2025 die Spreu vom Weizen getrennt.“ Die 20 Franchisebetriebe, die die Zentrale in Eigenregie übernahm, hätten sich schnell erholt. Sie machten heute den doppelten Umsatz wie 2019.
2024 war die Hans im Glück Franchise GmbH (Konzern) „bilanziell überschuldet“. „Alles Forderungen gegenüber Franchisenehmern, die ich abgeschrieben habe“, erklärt Bühler. Im vergangenen Jahr sei der Wende gelungen. Der bereinigte Gewinn (Ebitda) war wieder leicht positiv. Für das laufende Jahr erwartet der Franchise-Konzern sieben Millionen Euro Ebitda.
Alle Restaurants von Hans im Glück – davon werden heute 40 in Eigenregie betrieben – machten 2025 im In- und Ausland 185 Millionen Euro Umsatz, ein Plus von zwei Prozent. Insgesamt arbeiten 3800 Beschäftigte für die Kette. „2026 haben wir Gästewachstum in allen Ländern und ein zweistelliges Umsatzplus auf bestehender Fläche“, sagt Bühler.
Lieferdienst als Wachstumstreiber
Wachstumstreiber ist das Liefergeschäft, das um 30 Prozent zulegte. Bühlers Ziel: den Lieferanteil von 15 auf 30 Prozent vom Umsatz verdoppeln. Diese Strategiewende hält Gastro-Experte Weber für konsequent. „Der Markt verschiebt sich Richtung Take-away und Delivery. Wer relevant bleiben will, hat keine Wahl.“
Lieferdienst: Hans im Glück will in Zukunft 30 Prozent Umsatz mit geliefertem Essen machen. Foto: Unternehmen
Allerdings drückten Provisionen für Lieferplattformen die Margen deutlich, sagt Weber. In lieferstarken Restaurants baut Hans im Glück deshalb seinen Lieferdienst „Glücksbringer“ aus.
Weber sieht klare Schwächen im bisherigen Konzept von Hans im Glück, das von Ambiente und Aufenthaltsqualität lebe. „In Innenstadtlagen schlagen die relativ hohen Miet- und Personalkosten bei sinkender Frequenz voll durch.“
Autobahn statt Innenstadt
Hans im Glück geht deshalb neue Wege: Ende April öffnete die erste Filiale an einer Autobahn, der Raststätte Rheintal-West in der Schweiz. Weitere acht Standorte in der Schweiz sind geplant. Auch in Deutschland gebe es Gespräche. „Wir wollen da sein, wo die Gäste sind“, sagt Bühler. Zielgruppe sind Autofahrer, die ihr E-Auto laden, und Anwohner aus dem Umland.
Raststätte Rheintal-West: Hans im Glück plant in der Schweiz mehrere Restaurants an Autobahnen. Foto: Unternehmen
„Der Shift der Systemgastronomie von der Innenstadt zu verkehrsgünstigen Standorten ist weitreichend“, sagt Weber. McDonald’s etwa will seit 2025 jährlich rund 75 neue Restaurants eröffnen, mit dem Fokus auf Autofahrer. „Die Gäste sind heute autoaffiner als vor zehn Jahren.“
Die Raststätten-Gastronomie ist lange von McDonald’s, Burger King und klassischen Schnellrestaurants dominiert worden. Durch die Verbreitung von E-Autos mit längeren Ladezeiten könnten auch Restaurants wie Hans im Glück an der Autobahn funktionieren, schätzt Weber.
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Erstpublikation: 20.06.2026, 12:13 Uhr.
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