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GeriJapanisches Schulsystem: Kinder lernen lebenslang Kanji-Schriftzeichen
Japanisches Schulsystem: Kinder lernen lebenslang Kanji-Schriftzeichen
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Heise Online28.04.2026Education2 dk okumaGermany

Japanisches Schulsystem: Kinder lernen lebenslang Kanji-Schriftzeichen

Das komplexe Schriftsystem mit drei Schriften und über 2000 Zeichen prägt die japanische Bildung

Hızlı Bakış

  • Japanische Kinder lernen während ihrer gesamten Schulzeit Kanji-Schriftzeichen.
  • Das Bildungsministerium schreibt 2136 Jōyō-Kanji vor, die bis Ende der Mittelstufe (Klasse 9) erlernt werden.
  • Zusätzlich existieren 863 Jinmeiyō-Kanji für Namen.

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Das japanische Schriftsystem ist international einzigartig, da es drei verschiedene Schriftsysteme kombiniert. Die Jōyō-Kanji-Liste wurde eingeführt, um die Menge der häufig genutzten Schriftzeichen zu reduzieren und Lesen für die breite Masse zugänglich zu machen.

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Japanische Kinder erwerben während ihrer gesamten Schulzeit neue Schriftzeichen, die sogenannten Kanji. Das japanische Bildungsministerium gibt für das Kerncurriculum der Schulen die seit 1981 eingeführten „Jōyō-Kanji“ vor, welche seit dem aktuellsten Update von 2010 aus 2136 Kanji bestehen. Diese „Schriftzeichen für den Allgemeingebrauch" erlernen japanische Kinder in der Regel bis zum Ende der Mittelschule (Klasse 9).

Das japanische Schriftsystem ist sehr komplex. Denn im Gegensatz zu den meisten anderen Sprachen nutzt Japanisch nicht nur eine Schrift, sondern gleich drei verschiedene: Hiragana, Katakana und Kanji. Alles begann, als die chinesischen Schriftzeichen spätestens im fünften Jahrhundert von China über Korea nach Japan kamen. Auf diesen baut das Schriftsystem in Japan bis heute auf.

Hiragana und Katakana sind Silbenschriften, die jeweils aus 46 Zeichen bestehen. Kinder beginnen zunächst, diese vergleichsweise einfachen Schriften zu erlernen, bevor die komplexeren Kanji schrittweise auf dem Lehrplan stehen. Dabei werden Hiragana in erster Linie für grammatikalische Funktionen und Katakana für Fremdwörter und nicht-japanische Namen verwendet. Kanji haben mit ihren grafischen Zeichen eine bedeutungstragende Funktion und bilden deswegen vor allem Nomen und den Wortstamm bei Verben und Adjektiven.

Die Bedeutung lässt sich häufig ableiten, so stellt sich beispielsweise das japanische Wort für Wald, „mori", aus drei Bäumen („ki", 木) zusammen: 森. Das japanische Verb für „ausruhen" enthält das Kanji 休, das aus einem Menschen (亻) besteht, der sich quasi gegen einen Baum (木) lehnt. Das Kanji für „lernen" (学) stellt ein Kind (子) unter einem Dach dar.

Bis zum Ende der Grundschule stehen die ersten 1026 der Jōyō-Kanji auf dem Plan – das sind die sogenannten „Unterrichtskanji", auf Japanisch „Kyōiku-Kanji". Die Liste der Kyōiku-Kanji hat das japanische Ministerium für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie (MEXT) erstellt. Die verbleibenden 1110 Zeichen werden in den Klassen 7 bis 9 der Mittelstufe eingeführt. Zusätzlich zu den Jōyō-Kanji existieren die „Jinmeiyō-Kanji", die aus 863 „Namens-Kanji" für Familien und Personen bestehen, wovon einige nicht in der gebräuchlichen Jōyō-Kanji-Liste enthalten sind. Diese stehen häufig ergänzend auf dem Lehrplan.

Wer jetzt denkt, mit den 2136 Jōyō-Kanji wäre das Erlernen der japanischen Schrift abgeschlossen, irrt sich: Japanische Wörterbücher wie Dai Kan-Wa Jiten listen bis zu 50.000 von ihnen auf; tatsächlich häufig genutzt wird jedoch nur ein Bruchteil davon. Denn die hohe Anzahl an Kanji war erst der Grund für die Entstehung der Jōyō-Kanji: Die Verringerung der Menge an häufig genutzten Kanji sorgt dafür, dass Lesen für die breite Masse zugänglich wird. Für das Verständnis der meisten Zeitungen und amtlichen Texte reichen die 2136 Jōyō-Kanji daher aus. Da es jedoch viel mehr Schriftzeichen als in der offiziellen Liste gibt, lernen die meisten Japaner ihr Leben lang neue Schriftzeichen, sodass sie nie richtig „fertig" damit sind.

Noch dazu erwerben japanische Kinder in der Grundschule zusätzlich das lateinische Alphabet, das sie spätestens in der Mittelschule ab Klasse 7 für den Englischunterricht benötigen. Das lateinische Alphabet heißt auf Japanisch „Romaji", mit dem japanische Wörter transkribiert werden können. Beispiele sind bekannte Marken wie „Toyota", „Sony" und „Nikon". Für viele Lernende der japanischen Sprache bildet Romaji zu Anfang eine Brücke zur japanischen Schrift und erleichtert das Lernen.

Zwar lernen Kinder damit sogar vier verschiedene Schriften in der Schule, durch den technologischen Fortschritt schreiben Menschen im Laufe ihres Lebens jedoch immer mehr digital in Form des Tippens und weniger per Hand. Das kann einen negativen Einfluss auf die Schreibfähigkeit haben. Bereits vor 14 Jahren berichtete die Nachrichtenseite JAPANTODAY, dass laut einer staatlichen Umfrage 66,5 % der Japaner einschätzen, dass ihre Fähigkeit, Kanji per Hand zu schreiben, sich wegen der häufigen Nutzung von Handys und Computern verschlechtert hat. Laut der Agentur Translationexcellence lege das japanische Bildungssystem aufgrund dieser Entwicklung immer mehr Wert auf das Erkennen und Lesen von Kanji und weniger auf die Schreibfähigkeit. Denn durch digitale Tools sei das Schreiben von Kanji deutlich effizienter geworden, was das Schreiben per Hand weniger nötig mache.

Açık Sorular

  • Wie genau beeinflusst die Digitalisierung die aktuellen Schreibfähigkeiten der Jugendlichen?
  • Welche konkreten Maßnahmen ergreift das Bildungssystem bezüglich der Kanji-Bildung?

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