Kommunen in Hessen und Rheinland-Pfalz rüsten sich gegen Hitzeextremen
Immer mehr Städte erstellen Hitzeaktionspläne, verteilen Hitzeknigge-Broschüren und ergreifen Sofortmaßnahmen gegen steigende Temperaturen.
Hızlı Bakış
- Angesichts steigender Temperaturen und Rekordsommer erarbeiten immer mehr hessische und rheinland-pfälzische Kommunen Hitzeaktionspläne.
- Von Frankfurt und Offenbach bis Königstein und Mainz setzen Städte auf Sofortmaßnahmen wie begrünte Zonen, Trinkwasserbrunnen, klimatisierte Räume und digitale Hitzeknigge.
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Hessen war Anfang 2023 das erste Bundesland mit einem Hitzeaktionsplan. Inzwischen erarbeiten auch Kommunen eigene Konzepte.
Hessen war Anfang des Jahres 2023 das erste Bundesland, das einen Hitzeaktionsplan vorlegte. Der damalige hessische Gesundheitsminister Kai Klose (Die Grünen) blickte bei der Vorstellung auf den bis dato zweitwärmsten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen zurück. Inzwischen hat es weitere Rekordsommer gegeben, Bund und Länder empfehlen den Kommunen daher dringend, eigene Hitzeaktionspläne zu erarbeiten. Aber selbst von den zwölf größten hessischen Kommunen haben bisher längst nicht alle ein solches Konzept. In Kassel etwa ist es noch in Arbeit, soll aber voraussichtlich vor Ende dieses Jahres veröffentlicht werden.
Der Hitzeaktionsplan der Stadt Frankfurt ist ein Konzept zur Sofortreaktion und Vorsorge bei extremem Wetter, mit dem Fokus auf besonders hilfsbedürftigen Personengruppen, wie ältere Menschen, Kranke und Kleinkinder. Er bietet praktische Verhaltensregeln, gibt Tipps, wie man die Hitze in der Wohnung auf ein Mindestmaß reduzieren kann, und listet besonders kühle Plätze in der Stadt auf. Ziel aller Hitzeschutzpläne ist es, temperaturbedingte und UV-bedingte Erkrankungen und Todesfälle durch Prävention zu vermeiden.
„Besonders heiße Tage mit Temperaturen über 30 Grad, sogenannte Tropennächte, in denen die nächtlichen Temperaturen nicht unter 20 Grad sinken, und langanhaltende Hitzewellen stellen eine Gefahr für die menschliche Gesundheit dar“, heißt es im Gesundheitsministerium in Wiesbaden. Hitzeerschöpfung, Hitzekrämpfe, Hitzschlag oder Austrocknung könnten lebensbedrohlich sein. Nicht zu unterschätzen sei ebenso die Gefahr durch die Sonneneinstrahlung, die im schlimmsten Fall zu Hautkrebs führen könne.
Der hessische Hitzeaktionsplan soll den Städten und Gemeinden als Basis für eigene Initiativen dienen. Angeregt wird von Landesseite beispielsweise die Schaffung von Kaltluftschneisen in den Innenstädten, das Anlegen von Grünzügen entlang von Grüngewässern, die kontinuierliche Entsiegelung von Flächen sowie das Pflanzen von Bäumen auf bisher kahlen Plätzen und entlang von Straßenzügen. Möglichst zu vermeiden seien darüber hinaus Gebäude mit spiegelnden oder reflektierenden Fassaden.
Der Hochtaunuskreis arbeitet derzeit auf der Grundlage des hessischen Hitzeaktionsplans an einem eigenen solchen Plan. Das sei „ein wirksames Instrument, um die negativen Auswirkungen von Hitze auf die Gesundheit der Bevölkerung zu minimieren“. In der Kreisstadt Bad Homburg wollen CDU und SPD das Mikroklima verbessern, mehr Schatten auf Plätzen schaffen und „Hitze-Inseln“ reduzieren, damit die Stadt widerstandsfähiger gegenüber steigenden Temperaturen wird, wie es im neuen Koalitionsvertrag heißt.
Aber auch kleinere Städte im Taunus wappnen sich gegen Hitze. In Königstein etwa hat Klimaanpassungsmanagerin Kosar Goldasteh im Juni einen Hitzeknigge mit Tipps für das richtige Verhalten bei hohen Temperaturen eingeführt. Das Dokument stelle das Umweltbundesamt zur Verfügung, sagt Goldasteh. Die ersten Seiten der Broschüre seien vorbereitet, die übrigen könne die Kommune selbst gestalten.
Da steht dann zum Beispiel, dass es in der Stadtmitte und in den drei weiteren Stadtteilen je einen Trinkbrunnen gibt. Wer auf „Brunnen finden“ klickt, bekommt die genauen Standorte angezeigt. Den Knigge gibt es nur digital über die Homepage der Stadt – aus Klimaschutzgründen, wie die Klimaanpassungsmanagerin sagt. Vielleicht werde aber noch eine einfacher formulierte Version in großer Schrift gedruckt.
Um Hitze wird es auch im Klimaanpassungskonzept gehen, für das zurzeit die Ergebnisse zweier Treffen mit Vertretern aus Politik, Verwaltung, Schulen und Blaulicht-Organisationen analysiert werden. So soll ein Hitzeschutz-Netzwerk sicherstellen, dass die Einwohner in der jeweiligen Nachbarschaft bei Hitze aufeinander achten. Goldasteh hofft auf erste Entwürfe Ende August, am Ende beschließt die Stadtverordnetenversammlung das Konzept. Schon jetzt helfen Königsteiner Läden mit Markisen und Wasserspendern. Wo es Abkühlung gibt, sollen bald noch Sticker im Schaufenster zeigen.
Wenn die Außentemperaturen steigen und die Wetterstationen für die nächsten Tage dauerhaft mehr als 33 Grad Celsius melden, können sich alle Mainzer nun wieder auf vergleichsweise günstige Schlafplätze in klimatisierten Räumen freuen. Passende Buchungsangebote – konkret: das Doppelzimmer inklusive Frühstück, aber ohne sonstige Zusatzleistungen wie ein Parkplatz zu Preisen von 55 Euro – halten aktuell sieben Hotels in der Stadt für überhitzte Gäste bereit; allerdings nur bei Anreise von Sonntag bis Donnerstag und auch nur für Kunden, die nachweislich in Mainz gemeldet sind.
Die vom Mainzer Tourismusfonds und der Stadtmarketinggesellschaft im vergangenen Jahr ins Leben gerufene Aktion „Cool Summer Mainz“ soll die Bevölkerung auch 2026 vor unerträglichen Tropennächten bewahren; den beteiligten Häusern zugleich aber auch die Möglichkeit geben, ein bisschen Eigenwerbung zu betreiben.
Etwas Vergleichbares haben sich die Einzelhändler ausgedacht, die potentielle Kunden unter dem Motto „Cool down in the summer“ derzeit zum Besuch einiger „erfrischender Wohlfühloasen“ einladen. Zum Anti-Hitze-Service in der Innenstadt gehört das Auffüllen von Trinkflaschen, die unentgeltliche Abgabe von Getränken sowie die Einladung an Einheimische und Touristen, sich einfach nur ein paar Minuten an klimatisierten, schattigen „Chill-Plätzen“ auszuruhen.
Vor allem inhabergeführte Läden beteiligen sich an der Initiative, die zudem auf dem Instagram-Kanal #mainzistmeins verfolgt werden kann. Laut Citymanagerin Sandra Klima erfährt man auf diesem Weg unter anderem, welche Mainzer Metzgerei gerade unentgeltlich Wassereis verteile und vor welchem Geschäft aktuell Wassernebelmaschinen im Einsatz sind. „Wir möchten zeigen, dass unsere Innenstadt auch an heißen Tagen vollen Lebensqualität steckt“, so Klima.
Tipps und Tricks zum Gesundheitsschutz bietet darüber hinaus der von der Stadt bereits 2025 erarbeitete Hitzeaktionsplan „Mensch und Gesundheit“; dies als Teil einer übergeordneten Strategie gegen den Klimawandel und in Kombination mit entsprechenden Empfehlungen des Landes Rheinland-Pfalz. Dabei macht der detailreiche „Hitzeknigge“ aus Mainz vor allem praktische Vorschläge, die schnell und einfach umzusetzen sind: etwa fürs Essen, Wohnen und Lüften. Der 21 Seiten dicke und im Internet unter www.mainz.de abzurufende Ratgeber nennt zudem Standorte von Trinkwasserbrunnen und verweist auf kühle Aufenthaltsorte wie Kirchen, Gärten und Schwimmbäder.
Langfristige Projekte, wie die Schaffung von zusätzlichen Grün- und Freiflächen oder bauliche Veränderungen in der City, wie es für den stark versiegelten und derzeit kaum Schatten spendenden Gutenbergplatz erwogen wird, spielen im Hitzeaktionsplan dagegen nur eine untergeordnete Rolle.
Solche Vorhaben sind vielmehr Teil der „Mainzer Strategie zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels“, die sich weniger mit dem Wohlbefinden einzelner Bürger, sondern mit strukturellen Defiziten der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt beschäftigen, in der seit Jahren immer mehr heiße Tage und viele nur schwer erträgliche Tropennächte gezählt werden.
Die Offenbacher haben gerade erlebt, welche Folgen ihnen bei großer Hitze drohen können: Weil der Trinkwasserverbrauch in Stadt und Kreis Rekordwerte erreichte, wurde der Wassernotstand ausgerufen. Die Verantwortlichen in den Kommunen und dem zuständigen Zweckverband fürchteten, dass wegen Überlastung die Trinkwasserversorgung zusammenbrechen könnte. Was sonst zu tun ist, das regelt in der Stadt ein Hitzeaktionsplan, der im Frühjahr aktualisiert worden ist.
Erst einmal wird in dem sechzehnseitigen Papier geregelt, unter welchen Voraussetzungen der Plan in Kraft tritt: Als erste Hitzewarnstufe gilt es, wenn die „gefühlte Temperatur“ an zwei Tagen in Folge 32 Grad überschreitet und es nachts kaum abkühlt. Als „extreme Wärmebelastung“ definiert der Plan Temperaturen von mehr als 38 Grad am frühen Nachmittag. Was dann zu tun ist, wird in einer zentralen Koordinierungsstelle im Amt für Umwelt und Klima entschieden. Detailliert ist geregelt, wer für sie die Ansprechpartner in den städtischen Institutionen, vom Gesundheitsamt bis hin zum städtischen Busbetrieb, sind.
Die Handlungsempfehlung unterscheidet drei Stufen. Die erste sind Vorbereitungen auf eine Hitzeperiode wie zum Beispiel die Wetterwarnungen des Wetterdienstes, die auf die Startseite des städtischen Internetauftritts gestellt und in den sozialen Netzwerken verbreitet werden. Außerdem erhalten zum Beispiel die gastronomischen Betriebe in der Stadt eine E-Mail mit Handlungsempfehlungen. Die Kindertagesstätten sollen Planschbecken kontrollieren und Sonnenschirme aufstellen.
Wenn die Hitze da ist, dann greifen „Ad-hoc-Maßnahmen“. Zum Beispiel werden die Seniorentreffs geschlossen, wenn diese nicht klimatisiert sind. Auf den Anzeigen des öffentlichen Nahverkehrs werden Warnungen ausgegeben: Man solle sich im Schatten aufhalten und genug trinken. In Kindergärten soll neben ausreichend Wasser auch Obst und Gemüse angeboten werden, außerdem wird auch festgelegt, wie die städtische Öffentlichkeitsarbeit über die Hitzewelle informiert.
Zur Frage, was langfristig unternommen werden kann, um die Folgen der Hitze zu lindern, wird im Plan auf das Klimaanpassungskonzept verwiesen. Zum Beispiel soll durch die Begrünung von Fassaden und die Entsieglung von Flächen die Innenstadt abgekühlt werden. Aber auch andere technische Lösungen wie zum Beispiel die Verwendung wasserspeichernden Asphalts im Straßenbau sollen in Offenbach erprobt werden.
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Yapay zekâ öngörüsü — kesinlik taşımaz
Kassel wird voraussichtlich vor Ende dieses Jahres einen Hitzeaktionsplan veröffentlichen.
Muhtemel · Aylar içinde
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- Wann genau werden alle hessischen Großstädte einen Hitzeaktionsplan vorlegen?
- Wie stark werden die Maßnahmen die Hitzebelastung in den Städten senken?


