Lagardes unklare Zukunft verunsichert EZB-Mitarbeitende und Finanzmärkte
Hızlı Bakış
Christine Lagardes widersprüchliche Aussagen über einen möglichen vorzeitigen Rückzug von der EZB-Spitze für eine französische Präsidentschaftskandidatur sorgen für tiefe Verunsicherung unter den EZB-Mitarbeitenden und auf den Finanzmärkten, während die EZB vor einer Zinsentscheidung steht.
Yapay zekâ özeti
Neden Önemli?
Gerüchte um einen vorzeitigen Rückzug von EZB-Chefin Christine Lagarde für eine französische Präsidentschaftskandidatur haben zu tiefer Verunsicherung unter den EZB-Mitarbeitenden geführt, verstärkt durch ihre unklaren und teils widersprüchlichen Aussagen.
Es ist Sommer in Frankfurt. Der Wind weht durch die Baumwipfel am Main, die Sonne glitzert an der Glasfassade des EZB-Towers, kleine Boote schieben sich durch die Wellen. Viele EZB-Mitarbeitende verbringen ihre Mittagspause jetzt gerne am Flussufer oder in den zahlreichen Straßencafés und Restaurants im mittlerweile hippen Frankfurter Ostend.
Doch die Idylle und das Sommer-Feeling täuschen: Die EZB-Belegschaft ist tief verunsichert. Seit Monaten sind die Gerüchte um einen vorzeitigen Rückzug der EZB-Chefin das Top-Thema beim Mittagstisch. Mit unklaren und teils widersprüchlichen Aussagen hat Christine Lagarde die Diskussionen in den vergangenen Tagen selbst wieder angefacht. Eigentlich geht ihre achtjährige Amtszeit bis Ende Oktober 2027. Doch ob sie so lange bleibt, ist auch in den Tagen vor einer weiteren Zinsentscheidung am Donnerstag unklar.
In einem Interview mit der einflussreichen französischen Wirtschaftszeitung Les Échos Ende Juni antwortete Lagarde auf die Frage nach einem möglichen frühzeitigen Rückzug, um sich im französischen Präsidentschaftswahlkampf zu engagieren: "Das ist möglich. Ich glaube, es braucht eine europäische Stimme in den französischen Präsidentschaftswahlen." In einem weiteren Interview mit dem Fernsehsender Euronews wenige Tage später ruderte sie zwar zurück und sagte, sie sei "keine Kandidatin für irgendetwas". Doch ein kategorisches Nein war das nicht.
Wahlen in Frankreich im Frühjahr
Fakt ist: Lagarde macht keinen Hehl daraus, welch negative Konsequenzen ein Wahlsieg des rechtsgerichteten und europakritischen Rassemblement National (RN) im kommenden Frühjahr für Frankreich und für Europa hätte. Die Partei will zwar keinen Austritt aus Europa mehr. Nach der Parole "Frankreich zuerst" dürfte sich die Verbindung des Elysée mit Brüssel aber deutlich abkühlen.
Fakt ist auch: Emmanuel Macron, einer der wohl europafreundlichsten Politiker seit den Gründungsvätern Jean Monnet und Robert Schuman, darf nach zwei Amtszeiten als französischer Präsident nicht erneut antreten. Er fürchtet um sein politisches Erbe, hat in seiner Partei Renaisssance aber keinen ebenbürtigen Nachfolger. Macron braucht dringend eine Persönlichkeit, die in seine Fußstapfen tritt und das Gefecht mit der rechts-populistischen Marine Le Pen auf sich nehmen kann.
Mögliche Konkurrenz zu Le Pen
Christine Lagarde wäre dafür bestens geeignet: Die politisch und international hoch erfahrene und angesehene Französin ist ausgewiesene Pro-Europäerin und scheut es auch nicht, anderen die Leviten zu lesen, wenn es um europäische Ideale geht. Gerade gegenüber der Trump-Regierung hat sie das mehrfach unter Beweis gestellt. Als respektable und eloquente Frau mit Regierungserfahrung könnte die 70-Jährige es leicht mit Marie Le Pen aufnehmen.
Macron hofft offensichtlich, so den prognostizierten Wahlsieg der Rechtsaußen vielleicht noch zu verhindern. Er selbst hält sich bedeckt und hat sich noch nicht geäußert. Aber der Polit-Profi wäre schlecht beraten, wenn er Lagarde als stärkstes Zugpferd zu früh ins Rennen schicken würde.
Das Brodeln der Gerüchteküche kommt bei den rund 4.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Eurotower gar nicht gut an. Viele sehen in Lagardes unklarer Positionierung ein mangelndes Engagement für ihren jetzigen Job - zumal sie bei Bloomberg TV durchblicken ließ, sie hätte den Job nicht angenommen, wenn ihr damals klar gewesen wäre, dass die Amtszeit acht Jahre gehen würde. Sie war von nur fünf Jahren ausgegangen.
Die Chefin schade der Reputation dieser wichtigen Institution, klagen Mitarbeiter. Lagarde gehe es zu wenig um die Aufgaben der EZB, sie sei zu weit weg vom Personal und nutze die Institution nur als Sprungbrett für den nächsten Karriereschritt, so der Vorwurf vieler Mitarbeitenden.
Klagen der EZB-Gewerkschaft
Tatsächlich ist das Verhältnis zwischen Belegschaft und Führung nach Umfragen der EZB-Gewerkschaft IPSO schon seit längerem angespannt. Dem Management werden immer wieder Vetternwirtschaft, intransparente Karriere-Möglichkeiten und die Verbreitung einer "Atmosphäre der Angst" vorgeworfen. Lagarde und das gesamte Direktorium weisen das strikt und energisch zurück. Dort verweist man auf eigene Umfragen, nach denen 85 Prozent der Belegschaft stolz darauf seien, Mitarbeiter der EZB zu sein. Das muss aber kein Widerspruch sein, sondern könnte untermauern, warum viele Mitarbeitende so unzufrieden sind.
Besonders stieß der Belegschaft ein Schreiben des EZB-Managements auf, das den Mitarbeitenden Kritik am Führungsstil und Äußerungen zur Arbeitsatmosphäre untersagen soll. Die EZB-Gewerkschaft IPSO zog daraufhin sogar vor Gericht. Insgesamt hat sie mittlerweile vier Klagen wegen ähnlicher Probleme gegen die Zentralbank vor dem Europäischen Gerichtshof laufen. Das gab es in der fast 30-jährigen Geschichte der EZB noch nie.
Besonders krass fällt die Distanz der Belegschaft gegenüber Lagarde im Vergleich zum Vorgänger Mario Draghi auf. Der dritte Präsident der EZB, ein Notenbanker durch und durch, war bei den Mitarbeitenden hochgradig beliebt und sehr angesehen. In einer IPSO-Mitarbeiterumfrage von 2024 schrieb jemand: "Mario Draghi war für die EZB da, während es heute so wirkt, als sei die EZB für Christine Lagarde da."
Manche fürchten keinen Verlust
Die Entfremdung von der Führungsrolle ist also auf beiden Seiten groß. Vor diesem Hintergrund sehen manche Beobachter in einem vorzeitigen Rückzug von Lagarde auch kein großes Problem - zumal an den Finanzmärkten schon immer ihre fehlende Expertise bemängelt wurde. "Anders als bei ihrem Vorgänger Mario Draghi, sehen die Finanzmärkte Christine Lagarde nichts als die große Vordenkerin der EZB", sagt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt Deutschland der ING. "Von daher werden sie und die EZB es verkraften, sollte Christine Lagarde vor dem Ende ihrer Amtszeit zurücktreten."
Für seinen Kollegen Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, steht hingegen etwas mehr auf dem Spiel. "Die Europäische Zentralbank ist in einer schwierigen Lage, die Inflation ist deutlich gestiegen. In dieser Situation ist es natürlich wichtig, dass man eine Präsidentin hat, die voll dabei ist und ihre Amtszeit vollständig beendet", sagt Krämer. "Sie sollte die Klarheit darüber jetzt wiederherstellen."
Lagarde wirkte in Sintra gelassen
Lagarde selbst scheint das etwas gelassener zu sehen. Während ihrer Auftaktrede auf dem EZB-Forum im portugiesischen Sintra vor wenigen Wochen ließ sie die turbulenten Zeiten der EZB und ihre eigene Amtszeit Revue passieren. Für einige klang das schon wie eine Abschiedsrede.
Sie kam zu dem Schluss, die außergewöhnlichen Zeiten der Notenbank seien vorbei, sie könne sich wieder auf die "Basics" konzentrieren - also die Wahrung von Preisstabilität allein durch die Leitzinsen als wichtigstes Instrument.
Was am Donnerstag bei der Zinsentscheidung dabei herauskommt, ist nicht ganz klar. Zwar ist die Inflation im Euroland mit derzeit 2,8 Prozent viel zu hoch angesichts des selbst gesteckten Ziels von zwei Prozent. Aber die Teuerung ist durch den Iran-Krieg nicht so hochgeschnellt, wie zunächst befürchtet. Nach der Zinswende vom Juni erwartet man eine weitere Zinserhöhung frühestens ab September - Überraschungen aber nicht ausgeschlossen.
Trotz Sommerpause bleibt es also turbulent im EZB-Tower. Nur drumherum ist alles wie immer: der Wind weht weiter durch die Bäume, die Sonne glitzert an der Glasfassade und die Wellen des Mains schlagen langsam ans Ufer.
Bundan Sonra Ne Olabilir?
Yapay zekâ öngörüsü — kesinlik taşımaz
Eine weitere EZB-Zinserhöhung wird frühestens ab September erwartet.
Muhtemel · Aylar içinde
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- Wird Christine Lagarde ihre Amtszeit bei der EZB vorzeitig beenden?
- Wer könnte Emmanuel Macron als Präsidentschaftskandidat in Frankreich nachfolgen?
- Wie wird die EZB-Zinsentscheidung am Donnerstag ausfallen?






