Andreas Kroll: "Wir wollen uns von China unabhängig machen"
نظرة سريعة
- Andreas Kroll, Gründer von Noble Elements, spricht im Interview über die Abhängigkeit von China bei seltenen Erden.
- Er plant, vom Händler zum Produzenten zu werden, um diese Abhängigkeit zu verringern und die Marktmacht Chinas zu brechen.
- Kroll betont die Notwendigkeit der Finanzindustrie zur Mobilisierung von Milliardenbeträgen für neue Projekte.
ملخص مُنشأ بالذكاء الاصطناعي
لماذا يهم
Andreas Kroll, founder of Noble Elements, has been trading rare earths for twelve years. These materials are crucial for high-tech and defense industries, with China currently dominating their extraction and processing.
Andreas Kroll handelt seit zwölf Jahren mit seltenen Erden, dem „Kokain der Industrie“. Die Abhängigkeit vieler Sektoren sei groß, aber heilbar, sagt er im Interview. Anja Müller 01.07.2026 - 07:25 Uhr Artikel anhören
Andreas Kroll, Seltene-Erden-Mine: Will die Marktmacht der Chinesen brechen helfen. Foto: picture allilance / zoonar, PR
Düsseldorf. Andreas Kroll gründete vor zwölf Jahren das Handelsunternehmen für Schwer- und Edelmetalle sowie seltene Erden, Noble Elements. Seitdem sind diese Rohstoffe geopolitisch hochrelevant geworden. Denn seltene Erden und leistungsstarke Magnete werden etwa in der Industrie sowie der Hightech- und Rüstungsbranche benötigt, sie stecken in Smartphones, Fernsehern, Antrieben und Halbleitern.
Kroll kauft weltweit ein, hauptsächlich jedoch noch in China. Die Volksrepublik hat aktuell eine marktbeherrschende Stellung beim Abbau und bei der Verarbeitung vieler seltener Erden. Die EU will bis 2030 diese Abhängigkeit auf unter 60 Prozent reduzieren, auch die Industriestaatengruppe G7 hat eine solche Grenze beschlossen.
„Die Chinesen werden uns nicht helfen, die Nato aufzurüsten“, sagt Kroll mit Blick auf die aktuellen Ausfuhrverbote für seltene Erden, die in der Rüstungsindustrie verwendet werden. Deshalb „wollen wir uns von China unabhängig machen“.
Noble Elements wolle nun sogar vom Händler zum Produzenten werden, um die Abhängigkeit für seine Kunden zu verringern. Kroll hat etwa Projekte in Australien, Brasilien und Südafrika angestoßen, von denen er im Gespräch mit dem Handelsblatt berichtet. Als Kleinstfirma gestartet, steuert das Berliner Unternehmen 2026 auf 100 Millionen Euro Umsatz zu.
Voraussetzung dafür, dass die Marktmacht von China durchbrochen werden kann, sei jedoch, dass die Finanzindustrie in den Markt eintrete, sagt Kroll. Nur sie könne die „gigantischen Milliardenbeträge“, die für die Projekte nötig seien, „schnell mobilisieren“.
Lesen Sie hier das komplette Interview:
Herr Kroll, seit mehr als einem Jahr gibt es den vom damaligen Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) gegründeten Rohstofffonds, mit dem sich Deutschland unabhängiger bei seltenen Erden machen will. Hat der schon etwas gebracht?
Es werden aktuell gerade einmal drei Projekte unterstützt. Bei zweien sind wohl erste Verträge unterzeichnet. Geld ist da auch noch keines geflossen. Es wird Jahre dauern, bis Deutschland auf diese Weise seltene Erden aus Australien bekommt. Zeit, die wir eigentlich nicht haben. Die USA gehen das Thema „seltene Erden“ entschlossener und schneller an – das Kriegsministerium investiert umfangreich, aber auch strategisch haben sie jetzt einen guten Vorschlag unterbreitet.
Sie meinen die geplante gemeinsame Handelszone für seltene Erden unter der Führung der USA mit der EU und Japan, die Mindestpreise festlegen will?
Ja. Das ist eine richtig gute Idee. Mit garantierten Mindestpreisen in der Handelszone werden wir in ein paar Jahren die größten Probleme gelöst haben, da schnell viel Geld an den Kapitalmärkten aktiviert werden könnte. Auch viele kleinere, schnellere Projekte könnten dadurch wirtschaftlich werden.
Vita Andreas Kroll
Andreas Kroll startete seine Karriere als Finanzkaufmann beim Finanzdienstleister RWS und arbeitete später als Finanzmarkt-Analyst. In dieser Funktion entwickelte er Finanzprodukte wie etwa Goldsparpläne. Als 2007 das erste iPhone herauskam, wurden strategische Metalle und seltene Erden wichtig. Sieben Jahre später gründete er seine eigene Firma. 2024 schrieb er gemeinsam mit seinem Partner und Teilhaber Andreas Pietsch das Buch „Das Kokain der Industrie“. Zudem hält Kroll mit Andreas Pietsch die Mehrheit an der Finomet GmbH, die mithilfe der Blockchain-Technologie den Handel abwickelt und lückenlos dokumentieren will. Künftig will er auch in die Herstellung seltener Erden und Technologiemetalle einsteigen.
2014 gründete Noble Elements als Metallhandelsgesellschaft in Berlin. Gründer Andreas Kroll kaufte seltene Erden, Edel- und Technologiemetalle vor allem für den produzierenden Mittelstand ein. Zunächst hauptsächlich in China und Taiwan, inzwischen zunehmend in Südamerika und Australien. 2025 setzte die gesamte Gruppe 37 Millionen Euro um, 2026 sollen es fast 100 Millionen Euro sein. Inzwischen arbeiten mehr als 30 Mitarbeitende bei Noble Elements, unter anderem ein Geologe, der nach möglichen Lagerstätten für die geopolitisch wichtigen Rohstoffe sucht.
Lohnt sich denn die Förderung bei kleinen Vorkommen?
Wir können aktuell nicht auf die großen Projekte warten, die eventuell gigantische Infrastrukturmaßnahmen erfordern. Es gibt viele kleine Projekte, die vielversprechend klingen, und bei den Technologiemetallen wie Germanium, Gallium oder Hafnium sind Anlagen, die zehn Tonnen im Jahr produzieren, schon relevant. Hier liegen die Investitionskosten unterhalb von 50 Millionen. Die machen wir ohne den Rohstofffonds, der erst bei Projekten ab 50 Millionen Euro aufwärts einsteigt.
Ist das Thema Versorgungssicherheit in der aktuellen Bundesregierung noch nicht angekommen?
Doch, aber natürlich nicht so, wie ich es mir wünschen würde. Da ist noch Luft nach oben. Gerade auch im Hinblick auf die Aufrüstung hierzulande. Das geht nicht ohne Rohstoffe wie Yttrium oder Germanium.
Tatsächlich dürfen Sie ja aus China keine seltenen Erden mehr an die Rüstungsindustrie verkaufen, und auch nicht für sogenannte Dual-Use-Güter, die in der normalen Industrie und in der Rüstungsindustrie eingesetzt werden können, oder?
Industriekunden müssten theoretisch ein Foto schicken, um zu belegen, dass sie keine Dual-Use-Güter bauen. Sie können aber nicht ihre Geschäftsgeheimnisse den Chinesen auf dem Silbertablett präsentieren.
Wie lösen Sie dieses Problem?
Wir haben bereits vor mehr als einem Jahr begonnen, uns bei immer mehr seltenen Erden und Technologiemetallen unabhängig von China zu machen. Wir haben uns überall auf der Welt Partner gesucht, die jetzt schon oder in Zukunft diese Elemente liefern können.
Lager bei Noble Elements: Seltene Erden und Technologiemetalle sind wichtig für die Industrie, auch wenn jeweils nur kleine Mengen benötigt werden. Foto: PR
Seit wann bekommen Sie keine Rohstoffe und seltene Erden für die Verteidigungsindustrie mehr aus China?
Seit April 2024 verlassen keine schweren seltenen Erden für die Rüstung China, bald womöglich auch die leichter zu gewinnenden leichteren seltenen Erden nicht mehr. Für unser Unternehmen spielt das aber keine Rolle mehr: Wir sind für die Rüstungsindustrie inzwischen komplett unabhängig von China aufgestellt. Denn: Die Chinesen werden uns nicht helfen, die Nato aufzurüsten. Und das wird sich nicht ändern.
Durch die gestiegenen Preise infolge der Knappheit ist auch Ihr Umsatz in den vergangenen zwei Jahren exponentiell gestiegen.
Ja. Die Preise sind explodiert. Das eröffnet uns ganz neue Möglichkeiten: Wir wollen vom Händler zum Produzenten werden.
Warum?
Ich habe begriffen: Die deutsche Industrie ist weit weg von Bergbau und Veredelung. Sie will weder Minen noch Raffinerien betreiben. Diesen Auftrag nehmen wir für uns an.
Welcher Auftrag ist das konkret?
Wir möchten uns von China unabhängig machen, das haben wir bei Antimon, Praseodym, Neodym, Terbium und Dysprosium bereits geschafft. Unser Gallium-Projekt ist vorerst gescheitert. Wir müssen viele Projekte prüfen, nicht jedes ist erfolgreich. Derzeit fokussieren wir uns auf Brasilien.
Sie wollten vor drei Jahren auch noch in eine Mine in Südafrika investieren. Was ist daraus geworden?
Nichts, leider. Zuerst hatten wir einen Versuch unternommen, mit der Hilfe des KfW-Rohstofffonds uns einen Anteil zu sichern, leider hat das aus formalen Gründen nicht geklappt. Später hatten wir einen Finanzpartner aus London begeistern können, der 150 Millionen Dollar zur Verfügung stellen wollte. Aber vor zwei Jahren hat China die ersten Exportbeschränkungen scharf gestellt. Die Preise stiegen und dann war auf einmal die Mine mehrere 100 Millionen Dollar mehr wert. Quasi täglich stieg der Wert der Mine. Es kam dann zu keiner Vereinbarung – schade, aber ein hochwertiges Konzentrat werden wir dort in naher Zukunft einkaufen können. Die Mine hat eine attraktive Größe. Der Bedarf eines ganzen Jahres für ganz Europa könnte von ihr gedeckt werden.
Staat und Industrie tun sich schwer damit, für mehr Resilienz in der Lieferkette auch mehr zu zahlen. Andreas KrollGründer von Noble Elements
Dennoch ist es ja ein großer Schritt, vom Händler zum Produzenten zu werden. Wie wollen Sie das erreichen?
Nach unserem ersten Versuch in Südafrika hatten wir es in Namibia versucht, aber da hätte uns die chinesische Regierung helfen müssen, das ist leider nicht geschehen. Unser dritter Versuch läuft gerade noch in Kasachstan oder verzögert sich, aber die Hoffnung geben wir noch nicht auf. Das ist normal in diesem Geschäft. Aber jetzt haben wir in Südamerika, also Brasilien, und in Mittelamerika zum allerersten Mal Projekte, von denen wir vielleicht eines über die Ziellinie bringen können.
Durch die Preiserhöhungen brauchen Sie aber keine großen Finanzpartner mehr, richtig?
Nicht für die einzelne Projektfinanzierung, aber für alles danach dann schon. Wir haben 2025 rund 1,8 Millionen Euro Gewinn nach Steuern erwirtschaftet. Für Vorprojekte brauchen wir 300.000 bis 400.000 Euro. Danach stehen größere Partner bereit.
Sie setzen auf die Finanzindustrie statt auf den Rohstofffonds?
Wir halten es für absolut notwendig, dass die Finanzindustrie in den Markt für seltene Erden und Technologiemetalle eintritt.
Warum?
Weil nur sie gigantische Milliardenbeträge schnell mobilisieren kann. Der Staat wird es nicht tun, die Industrie auch nicht. Sie tut sich schwer damit, für mehr Resilienz in der Lieferkette – Verzicht auf seltene Erden aus China – auch mehr zu zahlen. Die Finanzindustrie übernimmt einen Teil der Risiken, wenn der Staat zumindest die Marktmacht Chinas ausbremst und genug Renditechancen in Aussicht stehen. Schon heute hat die Finanzindustrie dazu beigetragen, dass unsere Lager voll sind. Aber da passiert gerade ein fataler Fehler. Stichwort Umsatzsteuer.
Sie sprechen davon, dass Geschäfte in Zollfreilagern nicht mehr umsatzsteuerfrei sein sollen. Die Landesfinanzminister haben am 9. April ein entsprechendes Moratorium aufgehoben …
Ja, aber nur in Deutschland. Hierzulande geht man zu ideologisch daran, so nach dem Motto: Wenn eine Privatperson im Zollfreilager Geschäfte macht, dann muss das per se Steuerhinterziehung sein. Privatwirtschaftlich organisierte Lagerhaltung ist in Deutschland derzeit tot. Warum man diesen Handel jetzt kaputtmacht, verstehe ich nicht. Und: Angesichts der katastrophalen Versorgungslage kann ich das leider nur instinktlos nennen.
Sind die Landesfinanzminister nicht viel mehr an der Komplexität gescheitert?
Ich glaube eher an den Vorurteilen. Jedenfalls ist jetzt alles anders. Alle Marktteilnehmer wandern in die Schweiz ab. Das treibt nicht nur die Kosten nach oben, sondern auch ein zukünftiger, transparenter Handelsplatz, eine Art Börsenplatz für diese Elemente, wird dann eben nicht in Deutschland entstehen.
Wer weiß, eines Tages werden seltene Erden hoffentlich an einer Börse gehandelt. Andreas Kroll, Gründer von Noble Elements
Sie könnten auch nach Frankreich oder Italien gehen und dort ein Zollfreilager errichten ...
Ja, aber die Privatkunden wollen eben in die Schweiz.
Aber wo ist der volkswirtschaftliche Nutzen, wenn die seltenen Erden in der Schweiz lagern?
Klar ist: Erst, wenn die Kunden verkaufen, werden die seltenen Erden der Industrie zur Verfügung gestellt. Viele Privatkunden haben schon gute Gewinne eingefahren und wollen gerade auch verkaufen. Es gibt einen regen Handel. Immer mehr Investoren entdecken diesen Markt für sich. Die Nachfrage aus der Finanzindustrie erlaubt uns auch als Händler, langlaufende Lieferverträge abzuschließen. Das ist eine Win-win-Situation für den gesamten Markt.
Sind seltene Erden überhaupt etwas für Privatanleger?
Es sind schon unheimlich viele Privatanleger in diesem Markt aktiv. Zunehmend engagieren sich auch Family Offices und andere institutionelle Investoren. Der Markt ist aber hoch volatil und niemand sollte mehr als fünf bis zehn Prozent des zur Verfügung stehenden Anlagevermögens hier hineingeben. Die Renditen sprechen derzeit eine deutliche Sprache, und wer weiß, eines Tages werden seltene Erden hoffentlich an einer Börse gehandelt.
Und bis dahin brauchen Sie möglichst viele Marktteilnehmer?
Ja. Mit der Zahl der Marktteilnehmer steigt die Liquidität. In unserem Lager sind mindestens Werte von achtzig Millionen Euro drin, die Privatkunden oder Family Offices gehören, die vor dem 9. April gekauft haben. Mit diesen Beständen bedienen wir nun auch die Industrie.
Rhenium-Pellets: Rhenium gehört zu den Metallen mit den allerhöchsten Schmelzpunkten, daher werden sie in Triebwerken und Turbinen eingesetzt. Foto: PR
Fänden Sie denn ein staatliches Lager gut?
Grundsätzlich ja, aber das Thema ist wirklich komplex. Staatliche Lager sind vor allem für eine Gruppe von Unternehmen existenziell: für die, die es heute noch nicht gibt und die der Sicherheitsindustrie zuzuordnen sind. Junge Start-ups, die für ihre Projekte dringend Zugriff auf bestimmte Rohstoffe brauchen. Zum Beispiel Germanium oder Yttrium für Radartechnologie und Sensorik. Das große Ziel muss aber dennoch heißen: Schnelle, diversifizierte Lieferketten schaffen! Dazu braucht es gar nicht so viel.
Was braucht es?
Wir brauchen Mindestpreise und langfristige Abnahmeverträge. Wer 150 Millionen Euro in eine Mine steckt, braucht einerseits einen Mindestpreis für sein Produkt, damit niemand mit subventionierten Preisen aus dem Ausland seine Wirtschaftlichkeit gefährdet. Zweitens braucht man aber auch Abnahmeverpflichtungen für mehrere, am besten fünf Jahre, damit Projekte überhaupt finanzierbar werden. Hier könnte auch der Rohstofffonds eine tragende Rolle als Abnehmer und für die staatliche Lagerhaltung einnehmen.
Haben Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) das noch nicht so verinnerlicht, wie damals Herr Habeck?
Ja, Robert Habeck war sehr zukunftsorientiert und visionär und hat die Abhängigkeiten früh erkannt. Er wollte den Fonds von Anfang an mit zwei Milliarden Euro ausstatten. Das Finanzministerium verstand sich damals nicht mit dem Wirtschaftsministerium. Ich hoffe, Herr Klingbeil und Frau Reiche arbeiten heute besser zusammen als Habeck und Christian Lindner seinerzeit.
Und wenn nun Deutschland oder die EU als weitere Käufer auftreten, werden die Preise weiter steigen?
Ja, daher muss man als Rohstofffonds sehr vorsichtig auftreten. Wir sehen ja, was gerade passiert: Die Amerikaner und auch die Japaner kaufen gerade den Markt leer.
Man hat den Eindruck, dass über diesem Land eine bleierne Schwere liegt – aber nicht bei uns. Andreas Kroll
Sie haben vor einigen Monaten gesagt, dass das Monopol der Chinesen in vier, spätestens in fünf Jahren gebrochen sein wird. Ist alles
ما الذي يجب مراقبته
توقعات الذكاء الاصطناعي — احتمالات وليست حقائق
China's monopoly in rare earths will be broken within four to five years.
مرجح · خلال سنوات
Rare earths will eventually be traded on an exchange.
تخميني · خلال سنوات
أسئلة مفتوحة
- Will financial industry investment materialize sufficiently?
- Can new projects in Australia, Brazil, and South Africa succeed?
- How will VAT changes in Germany affect the rare earth market?





