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Berenberg Bank: Das Ende einer Ära nach Bafin-Intervention
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Berenberg Bank: Das Ende einer Ära nach Bafin-Intervention

Die Bankenaufsicht Bafin hat de facto die Geschäftsleitung der ältesten deutschen Privatbank abberufen, was das Ende einer turbulenten Führung unter Hendrik Riehmer markiert.

نظرة سريعة

  • Die Bafin hat die Geschäftsleitung der Berenberg Bank de facto abberufen, nachdem Hinweise auf Corporate Governance-Verstöße und Bewertungsstreitigkeiten im Jahresabschluss 2025 aufkamen.
  • Dies beendet die Ära der Führung durch Hendrik Riehmer, dessen Tandem mit Hans-Walter Peters 2021 zerbrach.

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Die Bafin hat die Geschäftsleitung der Berenberg Bank de facto abberufen, nachdem Hinweise auf Corporate Governance-Verstöße und Streitigkeiten über die Bewertung von Liquidität und Wertpapieren im Jahresabschluss 2025 aufkamen. Dies folgt auf eine langjährige Führung durch Hans-Walter Peters und Hendrik Riehmer, deren Tandem 2021 zerbrach.

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Tiefe Teppiche, wie sie in den Büroräumen vieler Privatbanken liegen, gibt es in der Frankfurter Niederlassung der Hamburger Berenberg Bank nicht. Wenn Hans-Walter Peters und Hendrik Riehmer, die bis 2021 mehr als zehn Jahre lang wie Feuer und Wasser in einem Zweckbündnis die Bank führten, mal wieder aneinandergerieten, muss es nur so geschallt haben angesichts Fliesen und hoher Decken. Lautstark geknallt hat es auf den Fluren auch des Öfteren, wenn einer der beiden eher spontan einer Führungskraft kündigte. Das kam quasi coram publico der übrigen Belegschaft öfter vor, als man es in einer solch edel wirkenden Bank vermuten würde.

Die Berenberg Bank, deren komplette Geschäftsleitung am 19. Juni 2026 von der Bankenaufsicht Bafin de facto abberufen wurde, ist Deutschlands älteste Privatbank. Im Jahr 1590 gründeten die Brüder Hans und Paul Berenberg diese in Hamburg. Ganz ähnlich wie das 1694 in Frankfurt gegründete Bankhaus Metzler war Berenberg zunächst im Tuchhandel und im Im- und Exportgeschäft tätig. Doch damit enden die Ähnlichkeiten schon fast. Die F.A.Z. hat in den vergangenen Tagen vertrauliche Gespräche mit gut einer Handvoll ehemaliger Berenberg-Bankmitarbeiter geführt. Viele Gesprächspartner sehen den Kipppunkt, der etwas ins Rutschen brachte und am Ende zur gerade eskalierten Lage mit der Bankenaufsicht geführt hat, im Jahr 2021. Damals zerriss es das lange gut funktionierende Führungstandem, und Hendrik Riehmer fehlte seitdem die Bremse. Doch der Reihe nach.

Familie Berenberg spielt eine andere Rolle als die Metzlers

Während bei Metzler mit den Geschwistern Franz (im Vorstand) und Elena (im Aufsichtsrat) gerade die zwölfte Familiengeneration die Führung im Bankhaus übernommen hat, schied John von Berenberg-Consbruch im Jahr 2015 aus dem Investmentbanking der offiziell Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG. heißenden Bank aus. Der gerade 45 Jahre alt gewordene Investmentbanker, der als eine Art Familienoberhaupt gilt, gehört nun nur noch dem Verwaltungsrat an. Über die Bank will er mit der F.A.Z. nicht sprechen. Dem Vernehmen nach befindet sich unter den 1500 Berenberg-Bankmitarbeitern auch kein anderes Familienmitglied.

Berenberg-Consbruch arbeitet lieber als Partner des Wagniskapitalfonds Angel Invest und sucht nach jungen Unternehmen, an denen er sich beteiligen könnte. Hundert solcher Investments geht der Angel-Fonds nach eigener Darstellung jedes Jahr ein und „coacht“ auch die Gründer. Anders als bei Metzlers ist die Familie Berenberg hingegen bei der Bank schon lange kein Alleineigentümer mehr. Schon 2010 lag der Familienanteil bei 30,4 Prozent, so wie heute. Damals kauften Hans-Walter Peters und Hendrik Riehmer einen Anteil von 21,4 Prozent, den die Nord LB verkaufen wollte. Die beiden ohnehin persönlich haftenden Gesellschafter gingen richtig ins Risiko, bündelten ihre Anteile wie Private-Equity-Investoren in der Beteiligungsgesellschaft PetRie (benannt nach den ersten drei Buchstaben beider Nachnamen) und finanzierten den Kauf per Kredit. Die Rückzahlung erfolgte über die Jahre durch die Dividende, die die Bank aus ihrem Jahresgewinn ausschüttete.

Eine deutsche Investmentbank mit dem Vorbild Goldman Sachs

Während andere Banken sich im Jahr 2010 nur zwei Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise noch die Wunden leckten, ging Berenberg mit dem Führungstandem Peters/Riehmer auf Expansionskurs, ausgerechnet im schwankungsanfälligen Investmentbanking. Doch das passte zu Berenberg. Riehmer ist der geborene Dealmaker. Ohne Studium war er in die Bank gekommen und kümmerte sich wie ein Getriebener um Unternehmen, die über die Börse mit Aktien- und Anleiheverkäufen Kapital aufnehmen wollten. Dabei ging es oft um einmalige Kapitalmarkttransaktionen, weniger um das Schaffen von Werten. Während andere Privatbanken wie Metzler ihre Aufgabe darin sehen, für ihre Kunden über Jahrzehnte hinweg Vermögen inflationssicher und risikoarm anzulegen, war Berenberg unter Riehmer auf das schnelle Geld aus. Nicht um die Ehe mit Kunden ging es, sondern um den One-Night-Stand, sagt ein ehemaliger Berenberg-Mitarbeiter drastisch.

Tatsächlich nahm sich Riehmer Goldman Sachs zum Vorbild und sollte aus Berenberg ein Aktienhaus machen. Das gelang auch in guten Jahren, in denen die Bank gemessen an ihrem Jahresüberschuss auf Eigenkapitalrenditen von mehr als 70 Prozent kam. Der 13 Jahre ältere Peters hingegen behielt die Risiken im Blick. Wenn Berenberg zu hart am Wind segelte und aus der Kurve zu fliegen drohte, etwa beim allzu aggressiven Verkauf von erst noch an die Börse strebenden Unternehmen, trat der zweimalige Präsident des Bundesverbandes privater Banken schon mal auf die Bremse, erzählen Weggefährten.

Dann stritten sich Peters und Riehmer lautstark auf den Bankfluren, rauften sich dann aber spätestens beim gemeinsamen Golfen wieder zusammen. Im Tandem hielten sie Berenberg auf Kurs, obwohl Riehmer immer mächtig Gas gab. Wie keine andere deutsche Bank expandierte Berenberg nach London und in die USA, zeitweise arbeitete mehr als die Hälfte der Mitarbeiter dort.

Metzler und Hauck wandeln sich zur AG, Berenberg bleibt KG

Aber 2021 zerbrach das ungleiche, sich jedoch gut ergänzende Führungstandem. Peters wechselte in den Verwaltungsrat. Und Riehmer fehlt seitdem das Korrektiv, meinen ehemalige Berenberg-Mitarbeiter. Als Verwaltungsratsvorsitzender hat Peters nun viel weniger Einfluss. Das liegt daran, dass Berenberg eine Kommanditgesellschaft ist, dort haben die Komplementäre, also die persönlich haftenden Gesellschafter, mehr Macht als die Vorstandsmitglieder einer Aktiengesellschaft. Im Gegenzug haftet jeder Komplementär auch persönlich mit seinem Privatvermögen für die Bank.

Bei der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe, die gerade von ABN Amro gekauft wurde, änderte der chinesische Aktionär Fosun die Rechtsform 2017 zur Aktiengesellschaft. Metzler vereinfachte seine Struktur 2021 und ist seither auch eine Aktiengesellschaft. Bei Berenberg hingegen blieb die traditionelle Rechtsform. Änderungen sind trotz des jüngsten Knalls nicht in Sicht.

Am 19. Juni 2026 teilte die Berenberg Bank wohl auf Geheiß der Bankenaufsicht Bafin mit: „Während der Jahresabschlussprüfung für 2025 hatten sich Hinweise auf mögliche Corporate Governance-Verstöße ergeben.“ Deshalb müsse die Geschäftsleitung um Riehmer ihre Mandate ruhen lassen. Eine Rückkehr in die Geschäftsführung der Bank gilt als unwahrscheinlich. Offenbar gab es Streit mit dem Jahresabschlussprüfer Deloitte und der Bankenaufsicht über die Bewertung von Liquidität und Wertpapieren im Eigenhandel.

Informationen der F.A.Z., die Geschäftsleitung habe den Gewinn des Jahres 2025 „schönen“ wollen, wurden intern bestätigt. Auch soll die Geschäftsführung großspurig gegenüber der Aufsicht aufgetreten sein, womöglich vermissten die Bafin-Aufseher Respekt und griffen ihrerseits vielleicht übertrieben hart durch.

Die Hinweise auf „Corporate-Governance-Verstöße“, von denen in der Pressemitteilung die Rede ist, betreffen wohl eher nicht die altmodische Rechtsform der KG, in der Berenberg nach wie vor firmiert. Aber die Unternehmensführung ist schon ein Thema, eben weil die persönlich haftenden Gesellschafter eine so starke Stellung gerade auch gegenüber den Eigentümervertretern im Verwaltungsrat haben und ein besonderes Verhältnis von „Checks and Balances“ gilt. In guten Jahren können die persönlich haftenden Gesellschafter ihre Strategie weitgehend uneingeschränkt durchsetzen, in schlechten Jahren fehlt es aber eben an Kontrolle.

Als Peters 2021 im Alter von 65 Jahren als persönlich haftender Gesellschafter neben Riehmer ausschied, rückten David Mortlock, damals 45 Jahre, und Christian Kühn, damals 52 Jahre, nach. Doch Riehmer, so erzählen Weggefährten, soll beide, anders als Peters, nicht sonderlich für voll genommen haben. Zwar gab es immer mal wieder Korrekturen am Kurs der Bank, aber auffällig waren vor allem zahlreiche Personalwechsel in dem neben dem Investmentbanking zum Kerngeschäft ausgerufenen Fondsgeschäft („Asset-Management“).

Anders als in anderen Banken wird bei Berenberg das Asset-Management mit dem Private Banking in einer Sparte geführt. Doch auch zusammen kommen beide kaum über 30 Milliarden Euro verwaltetes Kundenvermögen hinaus.

Zum Vergleich: Michael Bentlage, langjähriger Chef des Bankhauses Hauck Aufhäuser Lampe, hielt sein Haus mit 26 Milliarden Euro Kundenvermögen im Private Banking für zu klein und brachte es mangels kritischer Masse in die ABN Amro Bank ein.

Berenberg wählte einen anderen Weg und setzt statt auf Vermögensverwaltung mehr auf einmalige Kapitalmarkttransaktionen. Das ist riskanter, wirft aber eben in guten Jahren mehr ab. Dahinter stand als strategischer Kopf Riehmer: Doch, so erzählen es Weggefährten, auch Peters und die Familie unterstützten dieses Ziel.

2025 war dann schließlich ein schlechtes Jahr für Berenberg. Etwas soll gerade am Jahresende schlecht gelaufen sein, hört die F.A.Z. Jedenfalls darf Peters im Alter von 71 Jahren nun als Sonderbeauftragter der Bankenaufsicht Kunden und Mitarbeiter beruhigen und muss endlich den Jahresabschluss 2025 unter Dach und Fach bringen.

Sein Kompagnon Riehmer hat zuvor wohl ohne Bremse zu viel Gas gegeben. Anders als die damals größte europäische Privatbank Sal. Oppenheim, die im Jahr 2009 in der Deutschen Bank unterging, ist die Berenberg Bank immerhin nicht in ihrer Existenz gefährdet. Aber Riehmer persönlich hat eine Bruchlandung hingelegt.

ما الذي يجب مراقبته

توقعات الذكاء الاصطناعي — احتمالات وليست حقائق

  • Hans-Walter Peters wird als Sonderbeauftragter den Jahresabschluss 2025 unter Dach und Fach bringen.

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  • Eine Rückkehr der aktuellen Geschäftsführung um Riehmer in die Bankleitung ist unwahrscheinlich.

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أسئلة مفتوحة

  • Wie wird die neue Geschäftsleitung der Berenberg Bank aussehen?
  • Welche konkreten Auswirkungen hat die Bafin-Intervention auf das Geschäftsmodell?
  • Wie wird der Jahresabschluss 2025 finalisiert?

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This article was originally published by FAZ.

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