Hamburger Nachrichten: Restaurantkritik, Gedenktafel, Preisdiskussion und mehr
نظرة سريعة
- Nachrichten aus Hamburg: Ein neues Restaurant bietet günstige französische Küche, während Sterbehilfe-Aktivist Roger Kusch tot aufgefunden wurde.
- Zudem wird an Marion Gräfin Dönhoff erinnert und ein Prozess gegen Skinheads wegen eines rassistischen Tötungsdelikts vor 40 Jahren beleuchtet.
ملخص مُنشأ بالذكاء الاصطناعي
لماذا يهم
The article covers various news from Hamburg, including a new restaurant concept, the death of a controversial former politician and activist, and historical reflections on a racially motivated murder case.
Liebe Leserin, lieber Leser,
beim Bezahlen neulich im Restaurant glaubte ich kaum, was ich sah. Verzehrt hatte ich zwei kleine Gerichte, einen Viertelliter Weißwein, außerdem Wasser und Brot. Dafür bezahlen sollte ich 18,80 Euro. Preise wie zur Wendezeit – und auch dann eher im Osten.
Das Restaurant heißt Bouillon und hat vor ein paar Wochen am Rathausmarkt eröffnet. Es ist der erste deutsche Ableger einer dänischen Kette, die nicht nach der Suppe benannt ist, sondern nach den Arbeiterlokalen im Paris von anno dazumal. Das Konzept ist simpel: französische Küche, die sich jeder leisten kann – und das nicht im Fast-Food-Ambiente, sondern mit Stil.
Im denkmalgeschützten Bau des Bouillon war bis vor Kurzem das Goldbach – ein Daniel Wischer de luxe. Ich fand die meisten Tische belegt, um vier Uhr nachmittags. Den Gesprächen nach saßen da vor allem Leute aus der Gastro-Szene, die sich mal ein Bild machen wollten. Neben mir draußen unter der Markise redete ein Influencer fiebrig in seine Kamera: Wie sich das überhaupt rechnen könne, so wenig Geld zu verlangen.
Die Details sind mir entgangen; ich war mit dem Essen beschäftigt: drei gekochten grünen Spargelstangen mit lascher, aber spürbar hausgemachter Sauce Gribiche. Dann ein umso stärker gewürztes Rindertatar. Vom Fleisch habe ich vor lauter Senf wenig geschmeckt; es war aber von Hand geschnitten und schien in Ordnung zu sein. Das wäre auch mein etwas bemühtes Resümee: Es schmeckt okay im Bouillon. Man bekommt eine Menge fürs Geld.
Als ich ein paar Tage später wieder dort vorbeikam, stand vor der Tür eine Schlange. Ich war auf dem Weg zu Pierre Gagnaire, der französischen Kochlegende: drei Michelin-Sterne seit dreißig Jahren. Er war zu Gast in Hamburg und sprach, nur ein paar Schritte von hier, über die Zukunft der Gastronomie. Dort sieht er vor allem zwei Dinge: »Liebe« der Köche zu ihrer Kunst und »ein personalisiertes Erlebnis für ihre Gäste«. Jawoll, dachte ich: Genau das fehlt in einem Lokal wie dem Bouillon. Dann habe ich doch mal geschaut, was man so zahlt in Gagnaires Restaurant am Arc de Triomphe: Pi mal Daumen das Zehnfache der Preise im Bouillon. Kann es sein, dass sich da zwei Extreme hochschaukeln?
Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!
Ihr Michael Allmaier
Was heute wichtig ist
In Blankenese wird heute zu Ehren der früheren ZEIT-Chefredakteurin und -Herausgeberin Marion Gräfin Dönhoff an ihrem früheren Wohnhaus eine Gedenktafel angebracht. Dönhoff schrieb bereits 1946 für die ZEIT, leitete später die politische Redaktion und dann die ganze Wochenzeitung. Herausgeberin blieb sie bis zu ihrem Tod im Jahr 2002.
In Harburg wurde gestern eine Anlaufstelle für Schwangere und junge Familien eröffnet. Das Hebammenzentrum sei das erste dieser Art in der Hansestadt, teilte die Sozialbehörde mit. Es leistet keine Geburtshilfe, sondern soll die Versorgung Schwangerer, junger Mütter, Neugeborener und von Familien stärken.
Der in Hamburg lebende Schriftsteller Norbert Gstrein erhält in diesem Jahr den Siegfried Lenz Preis der Hamburger Siegfried Lenz Stiftung. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert und wird Gstrein für sein rund zwanzig Romane und Essays umfassendes Werk verliehen.
Ein 53-Jähriger hat am Mittwochabend in der S3 während der Fahrt mit einer Machete hantiert, teilt die Bundespolizei mit. Der Mann wurde wenig später vorläufig festgenommen.
Autofahrende im Raum Hamburg müssen über Pfingsten mit erheblichen Behinderungen rechnen. Die A23 Hamburg–Heide wird in Richtung Norden für vier Tage vollständig gesperrt. Der staureichste Tag werde der Freitag sein, nimmt der ADAC an.
Nachricht des Tages
Der frühere Hamburger Justizsenator und spätere Sterbehilfe-Aktivist Roger Kusch ist tot. Medienberichten zufolge soll die Polizei in seiner Wohnung am Donnerstag leere Packungen von Substanzen gefunden haben, die in der aktiven Sterbehilfe verwendet werden. Kusch wurde 71 Jahre alt. Als Justizsenator hat er von 2001 bis 2006 mehreren CDU-geführten Senaten unter Ole von Beust angehört, zeitweise im Bündnis mit der rechtspopulistischen Schill-Partei. Als Justizpolitiker machte Kusch vor allem durch Versuche von sich reden, den Strafvollzug zu verschärfen. 2006 wurde er aus seinem Amt entlassen, weil seine Behörde vertrauliche Unterlagen weitergeleitet hatte. Kusch trat daraufhin aus der CDU aus, kritisierte deren angeblichen Linkskurs und gründete später eine rechtspopulistische Splitterpartei.
Schlagzeilen machte Kusch als Sterbehelfer und Vorkämpfer einer aktiven Sterbehilfe, die zu der Zeit noch grundsätzlich illegal war. Er präsentierte den Medien eine zur Selbsttötung geeignete Apparatur und unterstützte eine Frau beim Suizid, die offenbar sterben wollte, aus Sorge, irgendwann in ein Pflegeheim zu kommen. Mit einer Klage gegen das Verbot eines von ihm gegründeten Sterbehilfe-Vereins erstritt er schließlich ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts (Z+), das Sterbehilfe unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt.
Von Frank Drieschner
Wer den Verdacht hat, dass ein Familienmitglied, eine Freundin oder ein Bekannter an Suizid denkt, sollte ihn oder sie darauf ansprechen und dabei unterstützen, professionelle Hilfe zu finden. Es gibt auch Hilfsangebote wie die Telefonseelsorge. Sie ist rund um die Uhr erreichbar unter den Telefonnummern 0800-1110111 und 0800-1110222.
Aus Hamburg
Politische Motive? Nicht erkennbar
Vor 40 Jahren begann der Prozess gegen Skinheads, die den Türken Ramazan Avcı zu Tode geprügelt hatten. Polizei, Staatsanwalt und Richter wollten darin keine rassistische Tat sehen. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Gastbeitrag des Historikers Daniel Gerster.
Den ersten Reaktionen nach zu urteilen, schien die Sache klar: Die Tötung von Ramazan Avcı durch eine Gruppe Neonazis war eine rassistische Gewalttat. So hatte sich Hamburgs Innensenator Rolf Lange (SPD) wenige Tage nach der Tat im Dezember 1985 geäußert. Die Polizei gehe diesem Motiv nach, weil »Ausländerfeindlichkeit zum Programm der Skinheads« gehöre. Noch deutlicher wurde der Bundestagsabgeordnete Freimut Duve (SPD), der von »rassistisch motiviertem Totschlag« sprach. Ramazan Avcı sei verprügelt worden, »weil er ein Türke war«.
Am Abend des 21. Dezember 1985 hatten sich Skinheads in einer Kneipe am S-Bahnhof Landwehr getroffen, so steht es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft. Als Ramazan Avcı dort mit seinem Bruder und einem Bekannten vorbeikam, beschimpften die Skinheads sie als »Kanaker« und drohten mit zerschlagenen Bierflaschen. Avcı wehrte sich mit Tränengas und lief davon. Einige Skinheads entschlossen sich zur Verfolgung, bei der Avcı von einem Auto erfasst wurde. Er blieb verletzt liegen, woraufhin ihn die Skinheads mit Knüppeln und Tritten derart zusammenschlugen, dass er drei Tage später starb. Ramazan Avcı war 26 Jahre alt, seine Frau Güllistan hochschwanger. Ihr Sohn kam wenige Tage nach dem Tod des Vaters zur Welt.
Als sich die fünf Hauptverdächtigen ab Mai 1986 vor dem Hamburger Landgericht zu verantworten hatten, sah die Staatsanwaltschaft trotz der rassistischen Sprüche der Skinheads deren politische Gesinnung nicht als leitendes Handlungsmotiv. Vielmehr hätten sich die Täter durch die Reaktion von Avcı herausgefordert gefühlt und auf Rache gesonnen. Mit ihrer Bewertung folgte die Anklagebehörde der damals üblichen Sichtweise, in der rechte Gewalt vielfach entpolitisiert wurde. Die deutschen Sicherheitsbehörden schätzten Skinheads, ursprünglich eine Jugendkultur aus dem britischen Arbeitermilieu, bis in die späten 1980er-Jahre als »unpolitisch« ein, obwohl es seit Anfang des Jahrzehnts klare Anzeichen für ihre enge Verflechtung mit der rechten Szene gab. Die extreme Rechte selbst war seit Ende der 1970er-Jahre immer gewalttätiger geworden, doch oft sprachen Politik und Wissenschaft von einem »Jugendproblem«.
Wie der Prozess sich in diesem Fall entwickelte, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+)
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Die Bahn will eine neue ICE-Strecke zwischen Hamburg und Hannover bauen – um das Gesamtnetz zu entlasten. Doch das Großprojekt hat mächtige Gegner. Die ZEIT-Redakteure Jonas Schulze Pals und Zacharias Zacharakis haben hier unterschiedliche Positionen zusammengetragen, unter anderem die von Verkehrssenator Anjes Tjarks.→ Zum Artikel (Z+)
Darauf können Sie sich freuen
Der Fundus der Hanseatischen Materialverwaltung feiert das »Fundus-Erwachen« in den neuen Räumen und verabschiedet sich gleichzeitig von den alten Hallen. Auf den 3.000 Quadratmetern gibt es ein buntes Programm mit Minigolf, Performances, Installationen, Siebdruck, Musik, Essen und Trinken.
»Fundus-Erwachen«, 23.+24.5., 12–22 Uhr; Hanseatische Materialverwaltung Stockmeyerstraße 41–43; Eintritt frei
Meine Stadt
Hamburger Schnack
In der Chorprobe, Schwedische Kirche Hamburg. Sängerin neben mir: »Bist du fix und alle?« Ich: »Ja, ich bin schon ziemlich müde.« Sie: »Nee, ich hatte gefragt: Bist du Pfingsten da?«
Gehört von Wiebke Neelsen
ما الذي يجب مراقبته
توقعات الذكاء الاصطناعي — احتمالات وليست حقائق
The A23 closure will cause significant traffic delays and impact travel plans for many.
مرجح جداً · خلال أيام
The discussion around affordable dining will continue, potentially influencing other establishments.
مرجح · المدى المتوسط
The re-examination of the Ramazan Avcı case may lead to renewed calls for historical acknowledgment and justice.
محتمل · خلال أشهر
أسئلة مفتوحة
- How will the affordable restaurant chain fare long-term against established competitors?
- What are the full circumstances surrounding Roger Kusch's death?
- Will the historical re-evaluation of the Ramazan Avcı case lead to further societal or legal consequences?
- What is the expected impact of the A23 closure on traffic and local businesses?