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BackKI als Ermittlungstool: BKA-CTO Lezgus über Fortschritt und Risiken
KI als Ermittlungstool: BKA-CTO Lezgus über Fortschritt und Risiken
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Handelsblatt02.06.2026تقنية8 dk okumaGermany

KI als Ermittlungstool: BKA-CTO Lezgus über Fortschritt und Risiken

نظرة سريعة

  • Andreas Lezgus, CTO des BKA, spricht über den Einsatz von KI in der Strafverfolgung.
  • Er betont, dass KI nur ein Werkzeug zur Unterstützung von Ermittlern ist und keine Entscheidungen trifft.
  • Die Behörde nutzt über 100 KI-Systeme und legt Wert auf eine eigene, gesicherte Cloud-Infrastruktur.

ملخص مُنشأ بالذكاء الاصطناعي

لماذا يهم

Andreas Lezgus, CTO des Bundeskriminalamts (BKA), spricht über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) als Ermittlungstool. Er betont die Notwendigkeit, Prozesse neu zu denken und die Organisation auf neue Technologien vorzubereiten, um mit der rasanten Entwicklung Schritt zu halten. Das BKA nutzt bereits über 100 KI-Systeme im Tagesgeschäft.

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Herr Lezgus, Sie haben einerseits ganz klassisch als Polizist gearbeitet, sich andererseits schon früh für digitale und technische Fragen interessiert – eher ungewöhnlich für eine klassische Polizeilaufbahn.

Ich bin seit 45 Jahren im Polizeidienst und habe die klassische Ermittlungsarbeit noch selbst erlebt. Heute ist der Computer eines der wichtigsten Werkzeuge der Polizeiarbeit. Ich habe also die Entwicklung vom klassischen Tatort hin zum digitalen, vernetzten Tatort über Jahrzehnte hinweg miterlebt. Heute ist es meine Aufgabe, Ermittlerinnen und Ermittlern ihre Arbeit mit Technologie einfacher und besser zu machen. Die ursprüngliche Motivation kam aus einer frühen Station in Köln bei einer Dienststelle für Computer- und Wirtschaftskriminalität. Das war eine andere technologische Welt als heute: bernsteinfarbene Monitore, begrenzter Arbeitsspeicher, viel Handarbeit. Aber genau das hat mich gereizt.

Wie sieht der Alltag eines CTO beim BKA aus? Eher klassische IT – oder Zukunftstechnologien?

Wir haben beim BKA eine klassische IT-Abteilung, die den täglichen Betrieb und das Rechenzentrum verantwortet. Meine Rolle ist stärker auf Zukunft ausgerichtet. Es geht darum, die Organisation auf neue Technologien vorzubereiten, etwa auf KI, Robotik oder andere digitale Entwicklungen.

Das stellt man sich in so einer großen Behörde ja nicht gerade als Selbstläufer vor.

Deshalb haben wir ein eigenes Transformation Office aufgebaut. Dort arbeiten auch Organisationswissenschaftlerinnen und Organisationswissenschaftler, die wir gezielt an der Schnittstelle von KI und Prozessveränderung einsetzen. Denn es reicht nicht, alte Prozesse einfach mit KI zu überziehen. Prozesse müssen neu gedacht werden. Dafür brauchen wir Change- und Transformationsteams, die die Organisation mitnehmen.

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Sie haben also schon vor dem großen KI-Hype begonnen. Wie stark hat die Entwicklung der vergangenen zweieinhalb bis drei Jahre Ihre Arbeit verändert?

Extrem. Wir müssen heute praktisch alle Prozesse auf die neue Geschwindigkeit hin überprüfen. Innovationsprozesse, die früher ein Jahr dauerten, laufen heute oft in Quartalen. Wir probieren früher aus, prüfen schneller, ob etwas fachlich trägt – und ob es rechtlich sowie rechtsstaatlich vertretbar ist.

Niemand darf beschuldigt werden, nur weil eine KI etwas behauptet hat. Andreas LezgusChief Technology Officer beim BKA

Bewegen Sie sich mit Ihren KI-Anwendungen im selben Markt wie private Unternehmen – oder gibt es einen eigenen Sicherheitsbehörden-Markt?

Beides. Wir betreiben inzwischen weit über 100 KI-Systeme beim BKA, mehr als drei Viertel davon produktiv im Tagesgeschäft. KI ist für uns also keine Zukunftsmusik mehr, sondern Arbeitsrealität. Ein wichtiger Baustein ist unser KI-Portal. Dort bündeln wir rund 20 KI-Dienste für den Arbeitsalltag – von automatischer Übersetzung über Audio- und Videotranskription bis hin zur Dokumentenstrukturierung und zu Chatbots. Solche Werkzeuge sparen jeden Tag viel Zeit.

Polizei: Auch die Arbeit der Strafverfolgung verändert sich. Foto: AFP

Klingt aber auch so, als ob Sie viel Tech-Kompetenz in einer Behörde brauchen, zu deren klassischem Aufgabenfeld das ja eigentlich nicht gehört.

Wir betreiben diese Tools in einer besonders gesicherten eigenen Cloud-Infrastruktur und setzen dabei auch Open-Source-Modelle ein. Der Vorteil ist, dass wir Parameter und Konfigurationen selbst kontrollieren können – gerade bei schützenswerten Daten. Es macht eben einen Unterschied, ob man hochsensible Informationen verarbeitet oder einen weniger kritischen Standardprozess unterstützt. Zudem tauschen wir uns eng mit Bundes- und Landesbehörden sowie mit europäischen Partnern wie Europol aus.

Wo verlaufen für Sie die roten Linien beim KI-Einsatz?

Ein KI-Treffer ist bei uns nie ein Beweis, sondern immer nur Anlass für eine fachliche Prüfung. Die rote Linie ist die algorithmische Vorannahme von Schuld. Das ist keine technische, sondern eine rechtliche und verfassungsrechtliche Frage. Beim BKA gilt der Grundsatz, dass keine Entscheidung mit Rechts- oder Eingriffswirkung allein auf Basis eines KI-Systems getroffen wird. KI unterstützt Mitarbeitende, aber sie entscheidet nicht selbst. Jede Empfehlung muss fachlich geprüft werden. Niemand darf beschuldigt werden, nur weil eine KI etwas behauptet hat.

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Gibt es darüber im europäischen Behördenumfeld ein gemeinsames Verständnis?

Es gibt kein Ranking und kein einfaches Schema von Vorreitern und Nachzüglern. Entscheidend ist eher, ob wir gemeinsam schneller lernen als die Angreifer. Im europäischen Kontext geht es immer um drei Ebenen: technische Fähigkeiten, rechtsstaatliche Einbettung und internationale Kooperation. Wir bringen unsere praktischen Erfahrungen aus der Strafverfolgung auch in Debatten über die Umsetzung der KI-Verordnung ein. Gerade bei sensiblen Feldern wie biometrischer Früherkennung ist der Austausch eng. Ziel ist eine tragfähige Balance zwischen Wirksamkeit und Regulierung.

Jemand tippt auf einer Tastatur: Für die Sicherheitsanforderungen des BKA sind normale Industriestandards nicht ausreichend, sagt Lezgus. Foto: Nicolas Armer/dpa

Sie sprachen von einer eigenen Cloud-Infrastruktur. Gibt es dafür inzwischen eine abgesicherte europäische oder deutsche Alternative – oder endet auch Ihr Betrieb letztlich auf amerikanischer Infrastruktur?

Nein. Die Polizeien von Bund und Ländern verfügen über abgeschottete Netze und teilweise gemeinsame Rechenzentrumskapazitäten. Zugleich arbeiten wir an einer Multi-Cloud-Strategie, also daran, Kapazitäten besser im Verbund zu nutzen und Lasten flexibler zu verteilen. Wir beobachten auch sehr genau, wie sich souveräne Cloud-Angebote in Deutschland entwickeln. Für unsere Sicherheitsanforderungen reichen allerdings normale Industriestandards nicht aus.

Bewegt sich das BKA mit seiner KI-Infrastruktur international auf Augenhöhe?

Ja, das würde ich sagen. Natürlich gibt es Staaten mit direktem Zugriff auf Hyperscale-Infrastrukturen im eigenen politischen Einflussraum. Aber was Anwendungsreife und praktische Fähigkeiten angeht, sehe ich uns in Europa und auch darüber hinaus in einer guten Position. Diese müssen wir gemeinsam weiter konsequent ausbauen.

Der Austausch mit Industrie, Mittelstand und Start-up-Szene ist wichtig und vorhanden. Andreas LezgusChief Technology Officer beim BKA

Woran messen Sie den technologischen Fortschritt?

Jedenfalls nicht an der Aufklärungsquote. Die lässt sich einzelnen Technologien kaum sauber zurechnen, weil Ermittlungserfolg fast immer aus einem Zusammenspiel vieler Faktoren entsteht. Wir messen eher Produktivitäts- und Kapazitätskennzahlen. Wenn Datenmengen, für deren Auswertung früher Monate nötig waren, heute deutlich schneller bearbeitet werden können, dann ist das messbar. Dasselbe gilt für kürzere Durchlaufzeiten oder effizienteren Personaleinsatz.

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Wie eng ist Ihr Austausch mit privatwirtschaftlichen Tech-Unternehmen?

Wir lernen von Unternehmen – von großen Konzernen ebenso wie von Start-ups – vor allem beim Thema Geschwindigkeit, iterative Entwicklung und kurze Prüfzyklen. In manchen Bereichen sind wir aufgrund unserer Rahmenbedingungen naturgemäß langsamer. Umgekehrt haben wir Wissen über Strukturen, Netzwerke und internationale Zusammenhänge, das für Unternehmen interessant sein kann. Natürlich gibt es Grenzen: Wir können nichts preisgeben, was Ermittlungen gefährden würde. Aber der Austausch mit Industrie, Mittelstand und Start-up-Szene ist wichtig und vorhanden.

Sehen Sie durch die neuen KI-Modelle, die eigenständig Schwachstellen in Software finden können, eine neue Qualität der Bedrohung?

Wir nehmen diese Entwicklung sehr ernst. Der entscheidende Punkt ist: Wir reden nicht mehr nur über KI als Werkzeug, sondern zunehmend über KI als Akteur – also über Systeme, die eigenständig Schwachstellen suchen, verketten und potenziell ausnutzen können. Das wirft neue Fragen auf, auch rechtliche. Wer haftet, wenn ein KI-System autonom aus einer Sandbox ausbricht oder einen Exploit vorbereitet? Diese Fragen sind noch längst nicht abschließend beantwortet.

Treptowers in Berlin: In einem der zugehörigen Gebäude unterhält das BKA eine Zweigstelle. Foto: IMAGO/Joko

Ist Europa regulatorisch darauf ausreichend vorbereitet?

Die eigentliche Herausforderung ist aus meiner Sicht weniger ein einzelnes Regelwerk als das Tempo, mit dem neue Entwicklungen entstehen und ausgenutzt werden können. Das betrifft auch Recht, Datenschutz und Vergaberecht. Wenn ein Teil des Systems sich nicht mit derselben Geschwindigkeit weiterentwickelt, wird es schwierig.

Was vermutlich nicht nur für den Umgang mit KI gilt.

Das gilt auch für andere Technologiefelder. Denken Sie an Quantum Readiness: Die heute eingesetzte Kryptografie wird in einigen Jahren durch Quantencomputer angreifbar sein. Der Umstieg auf neue Verfahren ist langwierig. Oder nehmen Sie Cloud-Forensik in Multi-Cloud-Umgebungen: Wie gelingt dort gerichtsfeste Beweissicherung? Dafür brauchen wir Standards. Der blinde Fleck ist deshalb nicht ein einzelnes Thema, sondern die Geschwindigkeit der Veränderung.

Wie verhindern Sie intern Transformationsmüdigkeit?

Wir setzen stark auf Bottom-up-Beteiligung. Es gibt Formate wie KI-Days, wir haben Trainingsprogramme zum KI-Basiswissen und E-Learning-Angebote für unsere speziellen Werkzeuge aufgebaut. Wichtig ist, dass möglichst viele Mitarbeitende eigene Erfahrungen mit den Technologien sammeln können.

Wenn Sie auf das Ende des Jahrzehnts blicken: Was sollte das BKA bis dahin gelernt haben?

Entscheidend wird sein, eine Balance zu halten: zwischen menschlicher Ermittlungsfähigkeit und technologischen Möglichkeiten. Niemand kann heute seriös einen festen Zehnjahresplan für Technologien formulieren, weil sich die Lage dafür zu schnell verändert. Aber wir müssen die Organisation so aufstellen, dass sie mit permanenter Veränderung umgehen kann.

Kann eine große Behörde überhaupt dauerhaft so flexibel werden, dass sie auf jeden Technologiesprung vorbereitet ist?

Das ist harte tägliche Arbeit. Automatisch geht das nicht. Aber wir tun alles dafür, den Abstand nicht zu groß werden zu lassen und Technologiesprünge möglichst schnell mitgehen zu können.

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Erstpublikation: 29.05.2026, 04:00 Uhr.

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توقعات الذكاء الاصطناعي — احتمالات وليست حقائق

  • Das BKA wird seine Organisation so aufstellen, dass sie mit permanenter Veränderung umgehen kann.

    مرجح جداً

  • Die heutige Kryptografie wird in einigen Jahren durch Quantencomputer angreifbar sein.

    مرجح جداً · خلال سنوات

أسئلة مفتوحة

  • Wer haftet, wenn ein KI-System autonom Schwachstellen ausnutzt?
  • Wie können gerichtsfeste Beweissicherungen in Multi-Cloud-Umgebungen gewährleistet werden?
  • Wie schnell kann sich die Gesetzgebung an die technologische Entwicklung anpassen?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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