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Vetter investiert halbe Milliarde in Saarlouis: 'Flüssige Medikamente sind der Wachstumsmarkt'
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Süddeutsche Zeitungقبل ساعتينBusiness9 د قراءةGermany

Vetter investiert halbe Milliarde in Saarlouis: 'Flüssige Medikamente sind der Wachstumsmarkt'

نظرة سريعة

  • Vetter investiert 500 Millionen Euro in ein neues Werk für Fertigspritzen in Saarlouis auf einem ehemaligen Ford-Gelände.
  • CEO Udo Vetter erklärt die Standortwahl, den langen Aufbauprozess bis 2031 und die Bedeutung flüssiger, biotechnologisch hergestellter Medikamente für das Unternehmenswachstum.

ملخص مُنشأ بالذكاء الاصطناعي

لماذا يهم

Vetter investiert 500 Millionen Euro in ein neues Werk in Saarlouis auf einem ehemaligen Ford-Gelände, um die Produktion von Fertigspritzen für hochinnovative Medikamente zu erweitern. Das Unternehmen sieht flüssige Medikamente als Hauptwachstumstreiber.

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SZ: Herr Vetter, Sie investieren gerade eine halbe Milliarde in Saarlouis in ein Werk für Fertigspritzen auf einem ehemaligen Gelände des Autoherstellers Ford. Was ist so schön am Saarland?

Udo Vetter: Wir wollten einen Standort, der von unserer Zentrale in Ravensburg aus gut erreichbar ist. Nach Saarlouis sind es etwa sechs Lkw-Stunden. Hier in Ravensburg gehen uns die Mitarbeiter aus.

Weil Sie so viele einstellen?

Das Potenzial an Mitarbeitern ist durch die lokale Industrie schon ganz gut ausgeschöpft. Im Großraum Ravensburg sind wir mit mittlerweile gut 7400 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber.

Aber Ihre Nachbarn, Firmen wie Bosch und ZF Friedrichshafen, entlassen doch gerade Hunderte Mitarbeiter!

Ja, aber das sind überwiegend Ingenieure. Wir brauchen Mitarbeiter, die zum Beispiel Roboter bedienen können.

Können Menschen, die gestern noch Autos zusammengeschraubt haben, in zwei Wochen Pharmawirkstoffe aufbereiten und sie in Spritzen oder Fläschchen abfüllen?

Nicht in zwei Wochen, aber in sechs bis acht Monaten. Es dauert sehr lange, eine solche Produktion aufzubauen. Etwa nach anderthalb Jahren steht das Gebäude. Dann kommen die Maschinen, die laufen dann vielleicht in zwei Jahren. Und dann fängt erst die Validierung an. Die Auflagen der Zulassungsbehörden für die Produktion sind hoch. Nicht nur das Medikament muss ja zugelassen werden, sondern auch die Herstellung. Im Schnitt braucht es vom Beginn der Planung bis zum Verkauf der ersten Spritzen sechs bis sieben Jahre. In Saarlouis wollen wir die ersten Medikamente 2031 herstellen.

Aber warum Saarlouis? War das Gelände zu billig? Oder die öffentlichen Subventionen so hoch?

Weder noch. Wir bekommen eine öffentliche Förderung von bis zu 47 Millionen Euro. Aber die ist nicht ausschlaggebend für Saarlouis, eine Förderung hätten wir vermutlich überall bekommen.

Also war das Gelände recht billig?

Ich mag das Wort billig nicht. Billig ist immer auch eine Qualitätsaussage. Der Kauf des Geländes macht nur circa ein Zehntel der gesamten Investitionssumme aus. Eine Förderung ist schön, aber nicht der Knackpunkt für so eine Investition. Wir suchten ein zusammenhängendes Gelände von mindestens 30 Hektar. Wir wollten nicht so einen Fleckenteppich mit vielen einzelnen Standorten haben wie hier in Oberschwaben, der historisch begründet ist, weil wir organisch gewachsen sind. Und wir wollten nicht mit Dutzenden Grundstückseignern erst langwierig die Eigentumsverhältnisse klären. Das Gebäude ist nur eine Schale, die auf dem Gelände steht. Kostbar ist das, was drinsteckt.

Was ist so wertvoll in Ihrer Schale?

Reinräume, Roboter und andere Maschinen. Wir brauchen sieben verschiedene Sorten Wasser, Dampf für die Sterilisation … Die Versorgung mit Energie, Wasser und Luft muss mindestens doppelt ausgelegt sein, damit die Produktion nicht unterbricht, wenn eine Versorgungslinie mal ausfällt. In Saarlouis gab es schon einen Bebauungsplan. Wir haben auf der Fläche angefangen, auf der Ford früher die neuen Fahrzeuge geparkt hatte. Wir haben einen enormen Zeitdruck, bis 2031 die marktfähige Ware für unsere Kunden herstellen zu können.

Heißt das, Sie wissen schon, wer die Medikamente abnimmt?

Ja, aber ich darf Ihnen keine Namen nennen. Aber ein paar Indikationen unseres Portfolios sind zum Beispiel Medikamente für die Krebstherapie, Augenleiden oder Wachstumshormone für Kinder.

Auch Abnehmspritzen?

Die steuern nur wenig zum Umsatz bei. Wir machen hochinnovative Medikamente. Das ist die Zukunft.

Was genau macht Vetter?

Wir entwickeln mit dem Patentinhaber ein Rezept für die Herstellung des Medikaments. Er liefert uns den Wirkstoff, und wir füllen diesen steril in Vials, also die kleinen Fläschchen, Spritzen oder Karpulen für Pens ab. So entsteht daraus ein fertiges Medikament. Aus einem Behälter mit fünf Kilo Wirkstoff bereiten wir zum Beispiel rund 500 Liter abzufüllende Flüssigkeit zu. Das sind ein paar Hunderttausend Spritzen.

Also Sie wissen, was in sieben Jahren auf den Markt kommt?

Ja. Wir unterschreiben Hunderte Seiten von Vertraulichkeitserklärungen. Und die Manager dürfen keine Aktien von Konzernen kaufen, für die wir arbeiten. Ich besitze keine einzige Pharma-Aktie.

Moderne Krebsmedikamente kosten schnell ein paar Hundert Euro. Angenommen, eine Spritze kostet 300 Euro, wie hoch ist dann Ihr Anteil daran?

Drei, vier Euro.

US-Präsident Donald Trump macht Druck auf die Pharmakonzerne, mehr in den USA zu investieren, und droht mit höheren Zöllen.

Zölle sind für unsere Kunden relevant, aber nicht für uns. Viele unserer Kunden sitzen in den USA, da fallen keine Zölle an. Ein Standort in den USA wäre für uns zu teuer geworden. Wir hätten das gesamte Werk mit allen Wertschöpfungsschritten auf einen Schlag aufbauen müssen, das hätte unseren finanziellen Spielraum überstiegen. Was Trump will oder nicht, spielt für uns keine Rolle. Bis wir 2031 in Saarlouis fertig sind, ist er vermutlich nicht mehr Präsident.

Sie investieren eine halbe Milliarde Euro in den ersten Bauabschnitt, der 2031 die ersten Waren liefert. Wie viel wollen Sie denn insgesamt investieren und bis wann?

Die komplette Wertschöpfungskette steht sicher nicht vor 2040.

Und wie hoch ist das Investitionsvolumen dafür, noch mal eine halbe Milliarde Euro?

Locker. Aber ich tue mich schwer mit solchen Zahlen. Wie groß Saarlouis wird, hängt von der Nachfrage unserer Kunden ab. Flüssige Medikamente sind der Wachstumsmarkt. Sie werden großteils biotechnologisch hergestellt, also fermentiert. Und es sind oft Eiweiße, die eignen sich normalerweise nicht für eine orale Einnahme, etwa als Tablette, weil sie im Magen-Darm-Trakt verdaut würden. Deshalb hat sich in den vergangenen 20 Jahren die subkutane Injektion mit einer Spritze oder einem Pen als Darreichungsform entwickelt. Die Patienten müssen dann nicht jedes Mal zum Arzt, um sich das Medikament zu injizieren; mit dem richtigen System können sie das selbst.

Wenn flüssige Medikamente der Wachstumstreiber sind, wie groß kann dann Vetter werden?

Das hängt davon ab, wie sich einige Produkte entwickeln. Im vergangenen Jahr haben wir knapp 1,3 Milliarden Euro umgesetzt. In den nächsten zehn Jahren ist eine Verdoppelung möglich.

Jetzt stapeln Sie tief!

Das ist realistisch. Wir planen in Zehn-Jahres-Horizonten. Ich bin nicht als Fantast bekannt. Und Vetter ist ein Familienunternehmen, wir wollen so wachsen, wie es für die Organisation gut verträglich ist.

Pharmakonzerne wie Eli Lilly und Boehringer Ingelheim streichen gerade ihre Investitionen in Deutschland zusammen. Sie investieren in Deutschland. Irren die oder Sie?

Die Herrschaften sind in einem eigenen, sehr wettbewerbsintensiven Markt unterwegs, das ist ein völlig anderes Geschäftsmodell als unseres. Wir sind ein Dienstleister. Wir sind abhängig davon, dass solche Konzerne erfolgreich sind, und das sind sie nicht, wenn sie von bestimmten Märkten ausgeschlossen werden. Sie mussten reagieren, und das haben sie getan. Das kann ich nachvollziehen.

Niemand wollte sie ausschließen. Das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz sah ursprünglich einen dynamischen Herstellerabschlag vor, einen Rabatt an die gesetzlichen Krankenkassen, der sich an der Ausgabenentwicklung für Medikamente orientiert. Unter dem Druck der Lobby wurde daraus ein fester Rabatt von 15,5 Prozent. Das war doch Erpressung, oder wie sehen Sie das?

Ich glaube nicht, dass ein Pharmaunternehmen einen Staat erpressen kann. Die Konzerne haben sich an dem Wort dynamisch gestört, weil so ein Rabatt schwer zu kalkulieren ist. 15,5 Prozent machen auch nicht glücklich, aber man hat zumindest einen festen Satz. Wenn der Staat in Märkte eingreift, wird es oft unruhig.

Hersteller von Originalmedikamenten wie Eli Lilly verdienen prächtig. Der US-Konzern hat 2025 rund 65 Milliarden Dollar umgesetzt, der Nettogewinn lag bei 20,6 Milliarden Dollar. Ein Abschlag von 15,5 Prozent ist doch nicht existenzgefährdend!

Sie stellen mir die Frage, ob diese Hürde gerechtfertigt ist. Die kann ich nicht beantworten. Was ich sagen kann, ist, dass die Preisgestaltung in Deutschland und der EU globale Auswirkungen hat, weil das Referenzmärkte sind, etwa für die USA. Präsident Trump hat ja behauptet, dass die Preise für Originalpräparate in den USA im Vergleich zu anderen Ländern zu hoch sind und die Konzerne ihre Zukunft, also die Forschung, auf Lasten der USA finanzieren. Deshalb hat er Druck gemacht und Bestpreisgarantien gefordert. Medikamente sollen in den USA nicht teurer sein als am günstigsten Markt außerhalb der USA. Daraus hat sich dann die Plattform Trump RX entwickelt, über die Hersteller Medikamente für bestimmte Gruppen …

… zum Beispiel Unversicherte …

… mit einem deutlichen Rabatt anbieten. Die Märkte und damit die Preise sind allerdings gar nicht vergleichbar. Ein System von gesetzlichen Krankenkassen, die die Kosten tragen, Preise verhandeln und limitieren, gibt es in den USA ja gar nicht. Da kann jeder Konzern den Preis für ein Medikament mehr oder minder frei festsetzen. Die grundsätzliche Frage ist doch eine andere.

Welche denn?

Wie stark ein Konzern an seinen Produktentwicklungen verdienen darf. Das Risiko einer Medikamentenentwicklung muss schon bezahlt werden. Die Frage, wie hoch der Risikoaufschlag sein darf, kann ich nicht lösen. Das ist eine ethische Frage. Wir können nur beurteilen, ob ein Produkt den Menschen Vorteile bringt, ob es ihre Schmerzen lindert, die Lebensqualität verbessert oder sie vielleicht sogar heilt.

Nach den Lieferengpässen, die die Corona-Pandemie offenbart hat, haben sowohl die Ampelregierung als auch die Regierung Merz eine Pharmastrategie aufgelegt, um die Abhängigkeiten von Ländern wie China und Indien zu senken und Produktion nach Deutschland zurückzuholen. Ist die Pharmastrategie mit dem GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz gescheitert?

Ich glaube nicht, dass man das in Verbindung bringen sollte. In der Pandemie haben wir festgestellt, dass die Lieferketten nicht ganz so stabil sind, wie wir das in Deutschland immer geglaubt haben. Das hat was mit den tektonischen Verschiebungen zwischen den Weltmächten China und den USA zu tun, wir stecken irgendwo in der Mitte. Der große Wunsch, sich von Lieferungen aus Asien unabhängig zu machen, ist ein nicht erfüllbarer Traum.

Warum?

Weil Deutschland gefühlt eine Insel ist und zudem noch dazu eine relativ kleine. Wir haben in den vergangenen Wirtschaftsdekaden von der globalen Arbeitsteilung profitiert, das lässt sich nicht von heute auf morgen drehen. Es ist schon technologisch nicht möglich, alle Produkte, die es für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland braucht, hier herzustellen.

Dann sind die bisherige Gesundheitsministerin Nina Warken und alle ihre Vorgänger Träumer?

Das habe ich nicht gesagt. Vieles in Deutschland zu produzieren, ist eine nette Idee, aber das können wir uns nicht leisten, auch nicht in zehn Jahren zu Preisen, die weltmarktfähig sind. Die Pharmaindustrie ist ein globales System des Austausches von Kapazitäten, Technologien und Wissen. Das ist nicht umkehrbar. Mit solchen Lieferengpässen, ausgelöst durch was auch immer, müssen wir leben.

Aber irgendwie muss das Gesundheitssystem entlastet werden.

Die Ausgaben für Arzneimittel machen nicht einmal zehn Prozent der gesamten Ausgaben aus. Viele Medikamente etwa für die Behandlung von Bluthochdruck sind ja als Generika erhältlich, also relativ preiswert. Wir müssen das Gesundheitssystem ganzheitlich betrachten. Wir müssen den Menschen vermitteln, dass nicht immer Dritte für ihre Gesundheit aufkommen müssen, sondern sie selbst.

Was meinen Sie konkret?

Wie gesund man ist, ist auch eine Frage der Achtsamkeit und Lebensführung, wie man sich ernährt, wie viel Sport man treibt.

Halten Sie sich denn dran?

Selbstverständlich. Sonst wäre ich wohl kaum bei guter Gesundheit mehr als 70 Jahre alt geworden.

ما الذي يجب مراقبته

توقعات الذكاء الاصطناعي — احتمالات وليست حقائق

  • Vetter wird ab 2031 die ersten Medikamente in Saarlouis herstellen.

    مرجح جداً · خلال سنوات

  • Vetter wird seinen Umsatz in den nächsten zehn Jahren verdoppeln.

    مرجح · خلال سنوات

أسئلة مفتوحة

  • Wie entwickelt sich die Nachfrage nach flüssigen Medikamenten bis 2040?
  • Welche konkreten Medikamente werden ab 2031 in Saarlouis produziert?
  • Welche konkreten Auswirkungen hat das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz auf künftige Pharma-Investitionen in Deutschland?

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This article was originally published by Süddeutsche Zeitung.

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