Zugunglück in Riedlingen: Ein Jahr danach
نظرة سريعة
- Ein Jahr nach dem verheerenden Zugunglück in Riedlingen, bei dem drei Menschen starben und über 30 verletzt wurden, kehren Einsatzkräfte an die Unfallstelle zurück.
- Ein Hangrutsch löste die Katastrophe aus, bei der ein Regionalexpress entgleiste und gegen einen Baum prallte.
- Die Erinnerungen an den dramatischen Rettungseinsatz sind für die Retter noch präsent.
ملخص مُنشأ بالذكاء الاصطناعي
لماذا يهم
Ein Regionalexpress entgleiste nach einem Hangrutsch in Riedlingen, wobei drei Menschen starben und über 30 verletzt wurden. Der Vorfall ereignete sich nach starken Regenfällen, die die Erde aufweichten und zu dem Hangrutsch führten.
Unwetter. Regen. Ein umgestürzter Baum soll auf einer schmalen Straße neben einer Bahnstrecke liegen. Als die Feuerwehr zu dem vermeintlichen Routineeinsatz ausrückt, ahnt niemand, dass sich wenige Minuten später eines der schwersten Zugunglücke der vergangenen Jahre in Deutschland offenbaren wird.
Ein Regionalexpress ist nach einem Hangrutsch in einer Ortschaft von Riedlingen im Landkreis Biberach entgleist und gegen einen Baum geprallt. Mehrere Waggons liegen neben den Gleisen, Fahrgäste rufen um Hilfe. Drei Menschen sterben, mehr als 30 werden verletzt, manche von ihnen lebensgefährlich. Für die Einsatzkräfte beginnt ein stundenlanger Kampf auf unwegsamem Gelände.
Knapp ein Jahr danach fahren wieder Regionalzüge über die Strecke, von der Katastrophe ist auf den ersten Blick kaum noch etwas zu sehen. Für den damaligen Einsatzleiter Thomas Steinhardt und Stadtbrandmeister Stefan Kuc von der Feuerwehr Riedlingen genügt jedoch ein Blick auf die Gleise, und die Erinnerungen sind wieder da.
Rund ein Jahr später stehen sie wieder an der Unfallstelle. Es dauert nur wenige Sekunden, bis die Bilder jenes Tages zurückkehren. «Das kommt sofort», sagt Steinhardt. Schon der Anblick eines gelb-weißen Regionalzugs reiche aus.
Die Einsatzkräfte der Feuerwehrabteilung Zell-Bechingen seien als erste Retter vor Ort gewesen, berichtet Kuc. «Sie sind von null auf Hundert in eine Situation gekommen, die außergewöhnlich und natürlich auch chaotisch war.» Sie seien zunächst auf sich allein gestellt gewesen, gerade auch bei der Betreuung und Versorgung der Verletzten. Gerufen worden seien sie zu einem gewöhnlichen Unwetter-Einsatz mit herausgespültem Kanaldeckel und umgestürztem Baum. Hinter dem Baum habe sich ihnen ein Bild geboten, das viele bis heute nicht loslasse.
Mehrere Notrufe seien an dem Sommerabend eingegangen, sagt Kuc. Erst als sie auf der Brücke über den Gleisen ankamen, hätten auch er und Steinhardt gesehen, was da passiert sei.
Feuerwehr bahnt sich den Weg zu den Verletzten
Der zweite Schock für die Einsatzkräfte kommt schnell. Die Leichen des Lokführers und eines Auszubildenden der Bahn wurden aus den Waggons geschleudert. Auf sie stoßen die beiden so ziemlich zu Beginn des Einsatzes. Auch die Leiche einer 70 Jahre alten Frau im vorderen Waggon wird schnell entdeckt. Sie alle haben an diesem 27. Juli ihr Leben verloren.
In dem Moment sei klar gewesen, was zu tun sei, sagt Kuc. «Wir mussten die Leute so schnell wie möglich aus dem Zug kriegen und nach oben bringen.» Zur Unfallstelle herunterzukommen, das sei ein Kampf gewesen. «Die Böschung war bewachsen mit kleinen Bäumen und Sträuchern», berichtet Steinhardt.
Die Gleise führen zwischen zwei Hängen hindurch. Der Regen hatte die Erde an dem Tag aufgeweicht. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung hatte vermutlich ein Hangrutsch die Katastrophe ausgelöst. Ein geologisches Gutachten steht noch aus.
Nach den heftigen Regenfällen war demnach Erdreich auf die Gleise geraten. Der Regionalexpress prallte gegen das Hindernis und entgleiste. Der Zug fuhr in der Folge die Böschung hoch und prallte gegen einen Baum - der umstürzte. Die Waggons kippten teilweise und verkeilten sich ineinander. Der Untersuchungsbericht dazu soll am Jahrestag veröffentlicht werden.
«Hilfe kommt, hab ich gesagt»
«Es war relativ steil da herunterzukommen. Thomas hat die Waggons erkundet», berichtet Kuc. Am Zug trifft Steinhardt direkt auf den ersten Schwerverletzten. «Zum offenen Fenster hat ein Mann herausgeschaut, blutüberströmt», berichtet der Feuerwehrmann. Er habe ihm gesagt, dass drei oder vier weitere Fahrgäste eingeklemmt seien. Auch eine schwangere Frau. «Hilfe kommt, hab ich gesagt.»
Am Anfang sei gar nicht klar gewesen, wie viele Menschen im Zug gewesen seien und ob es nicht noch mehr Tote gebe. «Wir wussten auch nicht, ob noch jemand unter dem Zug liegt», sagt Steinhardt. Innerhalb von eineinhalb Stunden habe es zumindest eine erste Gewissheit gegeben.
Stundenlange Rettung bis in den Morgen
Während der Rettung der Verletzten drückt ihm ein erschöpfter Rettungsdienstler plötzlich ein kleines Mädchen in den Arm, das nach den Eltern und Geschwistern suchte, berichtet Kuc. Sie habe sich gleich festgeklammert. «Das werde ich auch nie vergessen», so der 50-Jährige. Später habe er sich nach ihr erkundigt, ihre Familie habe zum Glück überlebt.
Entlang der Strecke stehen mehrere Wohnhäuser. Auch die Anwohner hätten sofort geholfen. «Sie haben bei der Versorgungen und Betreuung von Verletzten sowie Einsatzkräften geholfen», sagt Kuc. Der Zusammenhalt der Ortschaft sei groß gewesen. Manche hätten die Tage danach extra Urlaub genommen, um zu helfen. «Das war ganz toll.»
Während Rettungskräfte Verletzte versorgen und Eingeklemmte aus den Waggons befreien, richten Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr eine Einsatzleitung ein. Rettungshubschrauber landen auf Wiesen in der Nähe der Unfallstelle. Krankenhäuser in der Region bereiten sich auf zahlreiche Verletzte vor. Stundenlang arbeiten Einsatzkräfte bei Regen und schwierigen Bedingungen.
Tätowierungen für die Aufarbeitung
«Um 18.13 Uhr war die Alarmierung, bis gegen 4.00 Uhr am nächsten Morgen waren wir im Einsatz», berichtet Kuc. «Nach so einem Einsatz geht man nicht gleich heim, man sitzt noch zusammen und redet miteinander.» Das sei der erste Schritt der Aufarbeitung. Es habe aber auch Hilfsangebote gegeben.
«Ich weiß auch, dass einige Kameraden sehr lange - wahrscheinlich bis heute - Probleme haben und sich weitere Hilfe gesucht haben, um das Ganze zu verarbeiten», sagt Kuc.
Er ergänzt: «Vergessen kann man es nicht. Manchen ist es unter die Haut gegangen. Ich weiß, dass das Datum oder die Zugnummer tätowiert wurde.» Aber das gehöre vielleicht auch zur Bewältigung und Verarbeitung dazu. «Es ist ein einschneidendes Ereignis hier gewesen.»
أسئلة مفتوحة
- Wann wird das geologische Gutachten veröffentlicht?
- Wie wird die Aufarbeitung des Unglücks weitergehen?



