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Alpe d’Huez als mythischer Ort des Radsports
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FAZvor 2 StundenSport4 Min. LesezeitGermany

Alpe d’Huez als mythischer Ort des Radsports

Ein FAZ-Text beschreibt, wie Wiederholung, Rituale und legendäre Tour-Momente den Anstieg zu einem Wallfahrtsort machten.

Auf einen Blick

  • Der Text zeichnet Alpe d’Huez als Wallfahrtsort des Radsports nach und erklärt, wie der Mythos durch Wiederholung, Legenden und große Tour-Momente entstand.
  • Anlass sind die beiden bevorstehenden Tour-Etappen mit Zielankunft in Alpe d’Huez.

KI-generierte Zusammenfassung

Warum es wichtig ist

Der Text beschreibt Alpe d’Huez als traditionsreichen Anstieg der Tour de France mit 21 Kehren und als Ort, an dem sich über Jahrzehnte sportliche und erzählerische Legenden angesammelt haben. Anlass sind zwei kommende Tour-Etappen mit Zielankunft dort.

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Es ist noch dunkel, als die ersten Radfahrer in Le Bourg-d’Oisans aufbrechen. Ihre Rücklichter blinken rot. In Trikottaschen und Rucksäcken stecken Baguettes, Wasserflaschen und zusammengerollte Fahnen. Andere gehen zu Fuß die Straße hinauf, Klappstühle unter dem Arm. Sie suchen einen Platz. Es ist der 21. Juli 2004. Die Tour de France veranstaltet ein Einzelzeitfahren hinauf nach Alpe d’Huez. Die ersten Profis werden am Nachmittag starten.

Schon im Morgengrauen sind die besten Stellen an den 21 Kehren längst vergeben. Die Menschen warten, freudig, beseelt, geduldig. Sie warten auf die Ankunft der Helden, auf die Rennfahrer bei ihrem Leidensweg hinauf nach Alpe d’Huez, durch eine schmale Gasse aus Fahnen, Armen und Stimmen. Die Menschen sitzen auf Mauern und an Böschungen, frühstücken, spielen Karten, trinken Bier. Am „Dutch Corner“, wo die Holländer seit jeher orangen Karneval feiern, dröhnt Partymusik – wie in jeder Serpentine, ein lautes, friedliches Volksfest. Auch wenn es die Gendarmerie nicht gern sieht, zieren die Straße hingepinselte Fahrernamen und Anfeuerungen in riesigen Lettern. ALLEZ!

Ein mythischer Ort des Sports

Dann geht es los. Ein Hubschrauber kündigt die Meute an: ein Motorrad, ein Begleitwagen, der erste Rennfahrer. Die Menge teilt sich, der Lärm läuft die Straße hinauf, schon kommt der nächste Fahrer. Was all diese Menschen – 900.000 sollen es 2004 gewesen sein – an diesem Anstieg suchen, ist nichts, was man mit einer Eintrittskarte regeln kann. Sie campieren, sie warten, sie feiern die Ankunft einer Prozession. Und sie sind nicht nur Zuschauer. Sie sind Pilger. Alpe d’Huez ist ihr Wallfahrtsort. Wie wird ein Berg, ein Anstieg, zu einem mythischen Ort des Sports? Wimbledon für Tennis. Augusta für Golf, Hawaii für Triathlon, Alpe d’Huez für den Radsport?

Lange Zeit galt der Retortenort in der Dauphiné auf 1800 Meter Höhe als Ziel für Skifahrer, kein Ort mit Geschichte. Auf der Suche nach einer Möglichkeit, den Ort auch im Sommer zu füllen, sammelte ein Hotelier 1952 im Ort Geld, um ein Tour-Gastspiel zu kaufen. Es wurde eine lohnende Investition. Im selben Jahr erklomm der Tour-Tross erstmals die 21 Kehren, und der legendäre Italiener Fausto Coppi gewann als Solist. Coppi holte später auch den Gesamtsieg. Ein Ort und ein Champion fanden zusammen – so beginnt die Erzählung.

Der Weg zum Mythos braucht Wiederholung. Doch die gab es zunächst nicht. Es dauerte 24 Jahre, bis die Rundfahrt nach Alpe d’Huez zurückkehrte. Zwischen 1976 und 1989 gewannen dann fünf niederländische Fahrer insgesamt acht Etappen: Joop Zoetemelk, Hennie Kuiper, Peter Winnen je zwei, Steven Rooks und Gert-Jan Theunisse je eine. Der Ort wurde zum „Berg der Holländer“ – und ist es bis heute geblieben.

Jede Kehre trägt einen Namen

Die Kehre Nummer sieben ist seither für den „Dutch Corner“ reserviert. Wer dort steht, jubelt nicht nur über ein Rennen. Er jubelt über eine Zugehörigkeit, die sich über Jahrzehnte vererbt hat, von einer Fangeneration zur nächsten. Diese Wiederholung, dieses Ritual der Rückkehr, ist der Ursprung des Mythos. Kein Berg wird zu ihm durch ein einziges großes Rennen. Er wird es als Sehnsuchtsort, durch eine beständige Rückkehr, sodass sich Erzählungen und Erinnerungen schichten wie Sedimente.

Der legendäre Anstieg ist 13,8 Kilometer lang und windet sich durch 21 Kehren. Eine Kathedrale des Sports aus Asphalt und Geschichte, zu der Hunderttausende pilgern, wenn die Rennfahrer kommen. Jedes Jahr schnaufen in ihrem Sog auch rund 100.000 Hobbyfahrer hinauf – auch sie ein wichtiger Teil der Erzählung. Die Auffahrt gleicht einem Museum. Jede Kehre trägt einen oder mehrere Namen von Etappensiegern. Der Berg schreibt seine eigene Geschichte, in der Generationen von Rennfahrern ihre Spuren hinterließen.

Jede Wallfahrtsstätte lebt von Wundern und Legenden. Alpe d’Huez ist reich daran. Die Historie des Berges ist eine lange Liste großer Namen. 1984 gewann Luis Herrera als erster Südamerikaner hier eine Etappe der Tour. 1986 fuhren Bernard Hinault und Greg LeMond, offiziell Teamkollegen, tatsächlich aber verfeindete Rivalen um den Tour-Sieg, Hand in Hand über die Ziellinie. Eine inszenierte Versöhnung, die bis heute niemand glaubt – und die auch deshalb zur Legende des Ortes gehört.

Auch Ullrich gehört zu diesem Berg

Gianni Bugno siegte 1990 und 1991 zweimal in Folge. Giuseppe Guerini wurde 1999 kurz vor dem Ziel von einem fotografierenden Zuschauer vom Rad gerissen, stand auf und gewann. 1995 fuhr der Italiener Marco Pantani die 21 Kehren in 36:50 Minuten hinauf – bis heute unerreicht. Die Zeit fällt in die Hochphase des EPO-Dopings. Pantani wurde später des Betrugs überführt.

Auch Jan Ullrich gehört zu diesem Berg, obwohl er hier nie gewann. 1997 versuchte er, Pantani zu folgen, 2001 traf ihn der eiskalte Blick von Lance Armstrong. Der Amerikaner drehte sich um und fuhr davon. Er wurde aus den Ergebnislisten gestrichen. Auch Betrug und Dramen, Abstürze und Wiederauferstehungen gehören zum Mythos Alpe d’Huez. Wenn Tadej Pogačar am Wochenende nach Alpe d’Huez hinauffährt, wird mancher auf die Stoppuhr schauen und an den 2004 an einer Überdosis Kokain gestorbenen Pantani denken. Kann Pogačar schneller sein als er? Und wenn ja, wie ist das möglich?

Beim letzten Besuch der Tour in Alpe d’Huez vor vier Jahren lieferte der Brite Tom Pidcock ein neues Meisterwerk für das Museum: erst seine Abfahrt vom Galibier, eine der spektakulärsten in der Geschichte des Radsports, dann sein Solo auf den letzten elf Kilometern des Anstiegs. Mit 22 Jahren fuhr der Mountainbike-Olympiasieger allein durch die Kehren und trug seinen Namen ins Goldene Buch des Berges ein.

Brutale 5600 Höhenmeter

Was all diese Geschichten verbindet, ist nicht nur der Sport. Es ist auch das, was um ihn herum geschieht. Menschen, die die Nacht am Straßenrand verbringen. Familien, die ihre Verpflegung tragen wie Pilger ihre Wegzehrung. Fangruppen, die sich seit Jahrzehnten an denselben Kehren mit denselben Fahnen und denselben Ritualen versammeln. Alpe d’Huez ist zu einem historischen Ort geworden, der alle paar Jahre für ein paar Stunden zum Zentrum der Radsportwelt wird. Ein Wallfahrtsort.

An diesem Freitag und Samstag wird Alpe d’Huez gleich zweimal Ziel einer Tour-Etappe. Am Freitag führt das 19. Teilstück von Gap über die klassische Auffahrt – dieselbe Strecke, die Coppi 1952 eroberte, auf der Zoetemelk zur niederländischen Ikone wurde, auf der Pantani seinen Rekord aufstellte, auf der Wunder geschahen und Dramen. Am Samstag erreicht das Peloton über den Croix de Fer, den Télégraphe, den Galibier und den Col de Sarenne Alpe d’Huez von der anderen Seite. Eine brutale Etappe mit 5600 Höhenmetern am vorletzten Tag der Tour, die – so viel ist sicher – neue Geschichten in das Buch der Mythen dieses Ortes schreiben wird.

Worauf zu achten ist

KI-Ausblick — Möglichkeiten, keine Fakten

  • Die Tour wird in den beiden Alpe-d’Huez-Etappen neue sportliche Referenzpunkte oder dramatische Rennmomente erzeugen.

    Wahrscheinlich · Innerhalb von Tagen

  • Tadej Pogačar, Tom Pidcock oder ein anderer Spitzenfahrer werden mit früheren Alpe-d’Huez-Legenden verglichen.

    Sehr wahrscheinlich · Innerhalb von Tagen

Offene Fragen

  • Wer wird die beiden bevorstehenden Etappen tatsächlich gewinnen?
  • Wird es an den beiden Tagen neue Rekorde oder besondere dramatische Ereignisse geben?
  • Wie wird sich das Rennen am zweiten Alpe-d’Huez-Tag über die zusätzliche Route entwickeln?

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This article was originally published by FAZ.

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