Jürgen Klopp ist der neue Bundestrainer des DFB
Jürgen Klopp wird als neuer Bundestrainer des DFB vorgestellt. Er bringt sein Team mit, beendet die Red-Bull-Kooperation und soll den deutschen Fußball neu beleben, doch seine öffentliche Wahrnehmung ist gespalten.
Auf einen Blick
- Jürgen Klopp wurde zum neuen Bundestrainer des DFB ernannt und tritt die Nachfolge von Julian Nagelsmann an.
- Er bringt ein neues Team mit, beendet die Red-Bull-Kooperation und wird bis zur WM 2030 amtieren.
- Seine Rückkehr wird als Chance für den deutschen Fußball gesehen, aber auch seine Wandlung und öffentliche Wahrnehmung werden kritisch beleuchtet.
KI-generierte Zusammenfassung
Warum es wichtig ist
Jürgen Klopp wurde nach der Niederlage der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM gegen Paraguay zum neuen Bundestrainer des DFB ernannt. Er tritt die Nachfolge von Julian Nagelsmann an und bringt ein neues Trainerteam mit.
Einen Mangel an Präsenz kann dem neuen Bundestrainer niemand vorwerfen. Jürgen Klopp ist seit vielen Jahren allgegenwärtig. Als Trainer des FC Liverpool, als Werbefigur, als Global Head of Soccer bei Spielen von RB Leipzig sowie in diesem Sommer bei Magenta TV, zuletzt als ersehnter Retter des deutschen Fußballs.
Kurz nach der Niederlage der Fußball-Nationalmannschaft bei der WM gegen Paraguay, dem Ende des Projekts Weltmeister nach dem Sechzehntelfinale, sieht es zwar noch so aus, als stünde er nur dabei – während des TV-Interviews mit dem später mehr oder weniger zu Rücktritt gedrängten, gescheiterten Bundestrainer Julian Nagelsmann. Aber schon seine Bemerkung vor der WM, das „noch“ in seinem Satz zur Frage, ob Nagelsmann das Sagen habe im Elitezirkel der deutschen Kicker, rückte ihn in den Mittelpunkt. Ob er das nun wollte oder nicht.
„Jeder Stein wird umgedreht“
Am Freitag fokussieren Fotografen den Starcoach auf dem Weg in die Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Im Campus des größten Fußball-Verbandes der Welt steht er in einem gefüllten Presseraum Rede und Antwort, eingerahmt von den Honoratioren des DFB, von Präsident Bernd Neuendorf und Vizepräsident Joachim Watzke. Sie sind die Gastgeber, nominell. Er spricht nach der Einleitung („große Ehre, ein besonderer Tag“) wie der Architekt vor dem Umbau des Hauses: „Jeder Stein wird umgedreht.“
Und weil er das nicht allein machen will und kann, hat Klopp einen Tross mitgebracht: seine langjährigen Assistenten Peter Krawietz und Pepijn Lijnders sowie Sven Bender, einst sein Spieler in Dortmund. Sie werden ihn als Ko-Trainer unterstützen. Auch Klopps Berater dockt beim DFB an. Außerdem verkündet der Verband, dass Per Mertesacker kommt. Am 1. Januar 2027 tritt der Weltmeister von 2014 die Stelle als Geschäftsführer Sport des DFB an, folgt Andreas Rettig.
Der Erste unter den Neuen kommt wie gerufen. Das stimmt im doppelten Sinne. Der DFB stürmte quasi im Moment des WM-Desasters auf Klopp zu, als gäbe es niemand anderen von Format für die Position des Chefcoaches. Oder als sei er schon länger auserkoren. Das lag und liegt an Klopps Präsenz. Zuletzt im Bild von Magenta-TV als Kommentator auch in eigener Sache. Oder als Werbebotschafter für die beste Anlage von Vermögen. Mitreißende Präsenz aber entwickelt er aus dem Innersten. Klopp hat Charisma.
Während der Pressekonferenz macht er sofort deutlich, wie unabhängig er sein will: „Wenn der DFB meint, dass ich Scheiß mache, dann bin ich weg, ohne Abfindung.“ Im gleichen Atemzug nimmt er die Medien drohend in die Pflicht: „Kritisiert mich, aber wenn ihr meine Familie nicht in Ruhe lasst, bin ich weg.“ Und dann spricht er über das, was die deutsche Fußballwelt von ihm erwartet: völlige Hingabe, volle Kraft.
Millionenspende für Red-Bull-Stiftung
Klopp, wie man ihn kennt. Wer so präsent blieb, war nie weg. Nach seinem Abschied aus der Bundesliga vor elf Jahren schwebte Klopp über der Szene in Deutschland, kreisend, wie jemand, der irgendwann landen will, wo er gestartet ist. So scheint es. Aber „Kloppo“ ist nicht zurückgekommen in die Provinz. In einem gewissen Sinn kehrt er schon in die Zweitklassigkeit zurück, aber nur, um dem verglühenden Leuchtturmprojekt des deutschen Fußballs Energie zu spenden.
„Er ist ein großartiger Motivator, jemand, der Mannschaften und Spieler besser macht. Er ist die beste Lösung“, sagte Neuendorf. Klopps Vertragslaufzeit beginnt am 15. August. Sie endet nach der WM 2030. Laut Neuendorf einigte sich der DFB mit dem neuen Bundestrainer, seine Tätigkeit für Red Bull vorzeitig zu beenden. Der Konzernstiftung „Wings for Life“ wird der DFB eine Million Euro spenden. Zudem sagte er zu, bis 2030 drei Länderspieler der A-Nationalmannschaft in Leipzig, Standort des Bundesligaklubs RB Leipzig, austragen zu lassen.
Hans-Joachim Watzke lächelt. Vor allem der langjährige Klubchef von Borussia Dortmund, inzwischen unter anderem Vizepräsident des DFB, hat den wahrscheinlich besten Trainer des Landes nach einer Abenteuerreise durch England und einem in den Fanszenen umstrittenen Lebensabschnitt beim Red-Bull-Konzern nach Hause geholt. Stolz berichtet er von der jüngsten Wiedervereinigung: „Ja, es ist kein Vereinstrainerjob, aber Jürgen ist wie geschaffen für die Situation.“
Renaissance der großen BVB-Jahre?
Auf einer tieferen Ebene zeigt sich hinter der Rückkehr eine Renaissance der großen BVB-Jahre zwischen 2008 und 2015. Weil Watzke, als treibende Kraft der Mission Nationalmannschaft, und Klopp wieder vereint sind – wie damals, als der Revierklub sich aus den Trümmern einer Finanzkrise zum zweimaligen deutschen Meister, Doublesieger und Champions-League-Finalisten entwickelte.
Watzke wollte schon für den BVB verlorene Elemente einer erfolgreichen Zeit zurückzuholen, ehemalige Spieler wie Mats Hummels oder Mario Götze zum Beispiel. Watzkes Traum, auch Klopp zurückzuholen, ließ sich trotz entsprechender Versuche nicht verwirklichen und vollzieht sich nun auf andere Art beim DFB. Insofern kommt seine Kernidee doch zum Tragen. Er gilt als der Strippenzieher hinter dem Deal, überzeugte die Gremien des DFB nach dem Desaster in den Vereinigten Staaten, schnell zu handeln.
Lange nach seiner Zeit in Dortmund hat Klopp seine Verbindung zu Watzke immer noch als „Männerfreundschaft“ bezeichnet. Die beiden verstanden und „ergänzten“ sich in ihrer Dortmunder Zeit, erklärt der BVB-Präsident in seiner Biographie. Freude an Klopps Rückkehr hat Watzke, weil er nie einen anderen Trainer fand, mit dem so viel Nähe entstanden ist. „Wenn man damals abends mal scheiße drauf war, dann hat man zusammen ein Glas Wein getrunken und Skat gespielt wie die Verrückten“, erinnert sich Watzke an die Zeit mit Klopp beim BVB. „Danach hast du dich total stark gefühlt. Es geht um diese spezielle Beziehung.“
Aber der Zauber jener Jahre ist längst verflogen. Watzke ist ein von den Realitäten der Fußballpolitik gestählter Funktionär geworden. Und Klopp ist kein Parvenü mehr, der voller Neugier und vielen sehr guten Trainerideen die große Welt des internationalen Spitzenfußballs erkundet und dem das staunende Interesse der Etablierten entgegenschlägt. Er gehört längst zum Establishment und zum Kreis der vier, fünf renommiertesten Trainer der Welt. Entsprechend breitbeinig tritt er auf.
Klopps Wandlung
Das war bis in die späten Jahre beim BVB noch anders. Klopp musste lange kämpfen, um zu einem erfolgreichen Menschen im Fußball zu werden. Die ersten Schritte seiner Spielerkarriere im Erwachsenenfußball verbrachte er bei Amateurklubs wie dem 1. FC Pforzheim, Viktoria Sindlingen oder Rot-Weiß Frankfurt. Klopp studierte, musste nebenher kellnern, um über die Runden zu kommen. Auch in der Anfangszeit als Verteidiger von Mainz 05 waren die Gehälter bescheiden und das Geld oft knapp.
Nach der Beförderung zum Trainer musste er Rückschläge verkraften. Nach zwei knapp verpassten Aufstiegen mit Mainz in die Bundesliga flogen dem Trauernden die Sympathien zu. Als er nach Dortmund ging, war er gerade abgestiegen. Jürgen Klopp, den Verlierer, der seine Gefühle zeigte, liebten viele Fans, weil er den gleichen Schmerz empfand wie sie.
Diese Seite des Jürgen Klopp ist mittlerweile kaum noch wahrnehmbar. Inzwischen strahlt er mit jeder Faser seines Körpers die Überzeugung aus, den richtigen Weg zu kennen, Watzke nennt das „Suggestivkraft“.
Diese Eigenschaft kann der Nationalmannschaft auf die Sprünge helfen. Einerseits. Andererseits ist im hochsensiblen DFB-Umfeld auch eine satte Portion Empathie erforderlich, weil im Verband viele Mitarbeiter nach Jahren des Misserfolgs um ihre Reputation und ihren Einfluss kämpfen. Insider behaupten, dass sich die Furcht davor, selber schlecht auszusehen, zu einer lähmenden Kraft ausgeweitet hat, die in der Weigerung von Leon Goretzka gipfelte, im Elfmeterschießen gegen Paraguay als sechster Schütze anzutreten. Klopp ist zuzutrauen, diesen Geist zu vertreiben.
Das „noch“, das Sympathien kostete
Vermutlich wird aber noch mehr verdrängen. Denn spätestens seit Klopp die Zukunft von Nagelsmanns als Bundestrainer kurz vor der WM nonchalant durch das berühmt gewordene „noch“ infrage stellte, ist klar, dass der neue Chefcoach mitunter ziemlich achtlos gegenüber anderen agiert. Wahrscheinlich meint er verletzende Sätze oft nicht böse, Sympathien kosten sie trotzdem. Klopp wird eigentlich fast überall als der richtige Mann für das Bundestraineramt betrachtet, weil er fachlich stark ist und hat, was Nagelsmann und dem Team bei der WM fehlten: Persönlichkeit und Überzeugungskraft. Aber Sympathie fliegt ihm nicht mehr zu.
In den sozialen Medien wird über die auffallend künstlichen Zähne und die für viel Geld eingepflanzte Haarpracht gelästert. Klopps zuletzt penetrante Dauerpräsenz als Werbefigur erweckt überdies den Anschein, dass hier ein sehr wohlhabender Mann den Hals nicht voll bekommt. Klopp wirkt mitunter wie ein neureicher Snob, dem es an dezenter Eleganz mangelt. Durch seine Verbindung zum Red-Bull-Konzern verlor er in der Fanszene an Glaubwürdigkeit. Als Trainer von Mainz, Dortmund und Liverpool stand er für den von Tradition geprägten Fußball. Zuletzt roch es rund um Klopp nicht mehr nach feuchtem Rasen, sondern nach Koffeinbrause und Luxus.
Und dennoch gibt es unter den Menschen, die enger mit Klopp zusammengearbeitet haben, kaum jemanden, der schlecht über diesen Mann redet. In diesem Kontext ließ sich gerade bei dieser Weltmeisterschaft sogar ein für die Trainerarbeit hochrelevantes Unterscheidungsmerkmal zu Nagelsmann beobachten. Der entlassene Bundestrainer berührte seine Spieler nach den Partien auf diese geradezu unbeholfene Männerart: ohne Blickkontakt, stumpf auf den Rücken klopfend. Klopp hingegen, das war bei der WM wieder zu sehen, schaut Menschen offen an, lässt Nähe entstehen im rechten Moment, berührt sie voller Herzlichkeit.
Dieses Gespür kann das DFB-Team sehr gut gebrauchen nach einer Weltmeisterschaft, in deren Schlussphase nicht die am besten besetzten Mannschaften am erfolgreichsten waren, sondern die am besten funktionierenden Gruppen. Klopp sagt sehr klar, dass es in Deutschland im Moment nicht die Spieler von Weltklasseformat gibt, wie sie in anderen Nationalteams spielen. „Aber das heißt doch nicht, dass wir sie nicht schlagen können. Ich habe einen extrem positiven Blick auf unsere Mannschaft.“
Worauf zu achten ist
KI-Ausblick — Möglichkeiten, keine Fakten
Klopp wird die Nationalmannschaft bis zur WM 2030 trainieren.
Sehr wahrscheinlich · Innerhalb von Jahren
Der DFB wird bis 2030 drei Länderspiele der A-Nationalmannschaft in Leipzig austragen.
Sehr wahrscheinlich · Innerhalb von Jahren
Offene Fragen
- Wie wird Klopp die Nationalmannschaft taktisch und mental umgestalten?
- Wie wird sich Klopps kritisierte öffentliche Wahrnehmung auf seine Arbeit auswirken?







