DAX erreicht Wochenhoch - Anleger blicken auf Inflation und Zinsen
Auf einen Blick
- Der DAX steigt auf ein Wochenhoch, während die Anleger nach der Einigung zwischen Iran und den USA ihre Aufmerksamkeit auf Inflation, Zinsen und die Folgen des Konflikts richten.
- Ölpreise fallen, doch Unsicherheiten bleiben.
KI-generierte Zusammenfassung
Warum es wichtig ist
Die Unterzeichnung einer Absichtserklärung zur Beendigung des Iran-Krieges zwischen Iran und den USA hat die Stimmung an den Aktienmärkten zunächst gehoben. Jedoch bleiben wichtige Fragen zur Tragfähigkeit des Abkommens und den langfristigen Folgen offen.
Der DAX legt im frühen Handel um rund ein halbes Prozent auf knapp 25.150 Punkte zu - ein Wochenhoch. Am Donnerstag hatte der deutsche Leitindex mit einem Plus von 0,4 Prozent über 25.000 Punkten geschlossen. Er pendelte wie schon an den vergangenen Tagen entlang der runden Marke. Damit bleibt das Rekordhoch bei 25.508 Punkten immerhin in Reichweite.
Die Erleichterung darüber, dass Iran und die USA die Absichtserklärung zur Beendigung des Iran-Krieges unterzeichnet haben, hob zwar die Stimmung an den Aktienmärkten. Aber noch ist keineswegs ausgemacht, dass die gute Stimmung anhält. Denn die Investoren richten ihre Aufmerksamkeit immer mehr auf die noch ungelösten Fragen, Probleme und langfristigen Folgen.
Timo Emden von Emden Research ist der Ansicht, dass die Märkte die geopolitische Akte vorerst zuschlagen und sich wieder den offenen Rechnungen der Weltwirtschaft widmen. "Während sich die geopolitische Bühne leert, rückt das Wechselspiel aus Inflation, Zinsen und KI von der Nebenrolle zurück ins Zentrum des Marktgeschehens", so der Experte.
Aber es gibt auch andere Perspektiven. "Der mit Vorsicht zu genießende Friedensdeal zwischen Iran und den USA hat die geopolitische Risikoprämie an den Märkten zwar reduziert, für echte Entwarnung ist es jedoch zu früh", beschreibt Salah-Eddine Bouhmidi vom Broker IG die Situation an den Finanzmärkten. "Zwar sind die Ölpreise nach der Einigung deutlich gefallen, doch die offenen Fragen rund um die Tragfähigkeit des Abkommens, die künftigen Ölflüsse und die geldpolitischen Folgen bleiben bestehen."
Auch an den schwankenden Ölnotierungen lässt sich eine gewisse Unsicherheit ablesen. Der Ölpreis hat zum Wochenschluss nur schwer eine Richtung gefunden. Das Nordseeöl Brent fiel zeitweise um mehr als ein Prozent auf 78,79 Dollar je Fass. Am frühen Morgen lagen die Notierung dann 0,2 Prozent fester. Der Preis für das US-Öl WTI drehte nach anfänglichen Verlusten ein Prozent ins Plus und verteuerte sich um ein Prozent auf 77,34 Dollar je Fass
Zuvor hatten mehrere Tanker die Straße von Hormus passiert. "Händler warten noch auf handfeste Beweise, dass sich der Tankerverkehr durch die Straße von Hormus tatsächlich normalisiert, bevor sie auf einen weiteren Preisrückgang setzen", sagt KCM-Marktanalyst Tim Waterer.
Ferner warnen Marktbeobachter, dass Iran die Kontrolle über die Meerenge nicht aufgeben werde. Fraglich sei, ob künftig eine Maut für den Schiffsverkehr erhoben werde - die USA schließen das allerdings aus.
"Die zukünftige Verwaltung der Meerenge wird vom Iran und Oman geleitet werden, was dem Iran die Möglichkeit gibt, eine 'maritime Dienstleistungsgebühr' zu erheben", sagt Madison Cartwright, eine leitende Geoökonomie-Analystin bei der Commonwealth Bank of Australia. Das untergrabe die internationalen Normen der freien Schifffahrt und schaffe einen Präzedenzfall, dem andere folgen könnten, so die Expertin.
Die Anleger interessieren sich nun vor allem für die längerfristigen Folgen des Kriegs - eine davon sind die steigenden Verbraucherpreise, angetrieben durch die hohen Energiekosten. Deshalb stehen heute die deutschen Erzeugerpreise im Fokus. Sie haben im Mai um 2,2 Prozent zum Vorjahr angezogen. Höher war der Anstieg zuletzt im Mai 2023.
Die Erzeugerpreise sind ein wichtiger Frühindikator für die Inflation. Die Unternehmen geben gestiegene Produktionskosten normalerweise an die Verbraucher weiter - durch höhere Preise.
Worauf zu achten ist
KI-Ausblick — Möglichkeiten, keine Fakten
Die Märkte werden sich stärker auf Inflation und Zinsen konzentrieren, während geopolitische Spannungen in den Hintergrund treten.
Wahrscheinlich · Kurzfristig
Iran könnte eine 'maritime Dienstleistungsgebühr' in der Straße von Hormus erheben.
Möglich · Mittelfristig
Offene Fragen
- Wie wird die künftige Verwaltung der Straße von Hormus aussehen?
- Wird Iran eine Maut für den Schiffsverkehr erheben?
- Welche geldpolitischen Folgen ergeben sich aus dem Abkommen?



